Kisskiss

1. Juli 2009 by glumm

Britta war auf die skandinavische Weise hübsch. Unzählige Sommersprossen verteilten sich wie eine Seenplatte in ihrem offenen Gesicht, sie hatte ein großes Pferd im Stall und langes blondes Haar, sie lachte viel. Nur ihr Nachname war nicht skandinavisch. Er begann mit Z und klang irgendwie polnisch und war der allerletzte im örtlichen Telefonbuch.

Britta verpasste mir 1974 den ersten Zungenkuss meines Lebens, im Metropol-Kino in der unterirdischen Karstadt-Passage. An den Film selbst hab ich keinerlei Erinnerung, aber diesen drängelnden Lappen Fleisch in meinem Maul habe ich nie vergessen.
Ich wurde gnadenlos überrannt. Im Sitzen. In meinem eigenen Mund!

Nachmittags trafen wir uns hinterm Karstadt. Sie war unverfrorene fünfzehn. Ich war vierzehn.
Es war Herbst.
Es war windig.
Es war überhaupt eine zugige Ecke damals, hinterm Karstadt.

Halb sieben, wenn Feierabend war, kam Benno, der schwule kleine Chef der Lebensmittel-Abteilung, aus dem Seitenausgang und versorgte uns Jungs mit Zigaretten. Mädchen existierten für ihn nicht. Er übersah sie einfach.

Einmal führte er ein Tänzchen auf, nur für Karlos und mich. Wie ein Gockel fegte Benno übers zugige Parkett, einfach so, ohne Musikbegleitung hinterm Karstadt, nur er und seine Beine und sein schwungvolles durchgeknalltes Schwulsein.

Wir haben geklatscht und gelacht und sogar die Mädchen mochten ihn an diesem Tag. Er rückte eine Extraschachtel Kippen heraus, für jeden eine, ohne Filter.

Meist standen wir pärchenweise hinterm Karstadt, an die große Schaufensterscheibe gepresst und machten stundenlang kisskiss, wie meine italienische Oma das früher genannt hat, wenn sie mich vor deutschen Frauen warnte. (”Die wollen nur Geld und hier, kisskiss machen.”)

Karlos machte kisskiss mit Biene, Hansen machte kisskiss mit Elly, die alle nur Pottsau-Elly nannten, ich machte kisskiss mit Britta, der schwule kleine Benno machte heimlich kisskiss mit sich selbst auf dem Personalklo, das ein kleines Fenster hatte nach hinten raus.

Britta nahm meine Hand und führte sie in ihre Hose. Es war soweit. Der Tag war gekommen. Zentimeter um Zentimeter fingerte ich den Bauch runter, bis ich den Ansatz der Schamhaare erreichte. Zum ersten Mal fasste ich den Busch an. Ich musste an Tina denken, die Hündin meines Opas, ein Deutsch Drahthaar. Also die Hündin!

Aber wieso zum Teufel hatte ich eine Hündin im Kopf, wo ich doch grade der schönsten Frau weit und breit in der Hose war?!
“Besser, wir machen das mal bei mir zuhause, ganz in Ruhe”, meinte Britta schließlich. Sie hatte schon mit ganz anderen Jungs rumgefummelt, während es für mich die Premiere gewesen war.
Die Pettingpremiere. Wie auch immer. Aus der Nummer war ich vorerst raus.

Wenn jemand stirbt

1. Juli 2009 by glumm

sanne.menschen2

“Wenn jemand stirbt, betrauert man auch den eigenen Tod, der dich eines Tages holen wird, und den du nicht betrauern kannst.”

(Die Gräfin)

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Das Schlimme ist, wenn man schon im Leben stirbt. Wie ein kahler Baum. Da ist man tot und steht immer noch da rum.

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Auch wenn in den vergangenen Tagen so ziemlich jeder Mensch auf diesem Planeten zu Wort gekommen ist, kaum jemand weint wirklich um Michael Jackson.

Man sieht Menschen mit Tränensäcken, Schnurrbärten und Partygelächter.
“Ist jemand gestorben?”
“Oh ja. Der traurige König.”

Man sah zuletzt nicht nur Nadel und Faden in einem korrigierten Gesicht, man sah gleich die ganze Schere.

Was bleibt: Der Basslauf von Billie Jean, die Kiekser, die Erinnerung an den Sommer 1982. Es war das letzte Mal, dass ich den Tanzflur stürmte, wenn ein Song einsetzte. Wir alle waren jung, wir trugen weiße Hemden, wir waren braungebrannt und besoffen.

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Einsamkeit ist ein strenges Geschäft: Pina Bausch ist tot.

Foto-Album (2)

29. Juni 2009 by glumm
Verdammt!!

Verdammt!!

Das Foto zeigt die Gertrudisstraße rechts und die andere Straße links, deren Namen mir grade nicht in den Kopf will.

Von 2003 bis 2005 ging ich ohne Fotoapparat nicht aus dem Haus, dementsprechend viele Bilder hab ich damals in Fotoalben eingeklebt, es sind tausende und gut 100 Silberfilme warten noch darauf, entwickelt zu werden.

Es war wie eine Vorbereitung, wieder mit dem Schreiben zu beginnen.

Aus dem Foto-Album (1)

29. Juni 2009 by glumm
Die Gräfin und die junge Frau Moll, April 2004

Die Gräfin und die junge Frau Moll, April 2004

(Auf 500beine: Splish Splash!)

Das Geheime Hausbuch der Susanne Eggert, VI

25. Juni 2009 by glumm

“Manchmal glaub ich, ich bin nur auf der Erde um herauszufinden, warum ich auf der Erde bin.”

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“Kunst ist wie Liebe. Zufall.”

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Wenn sie eines regelrecht hasst, dann Termine.
“Ich würde am liebsten den ganzen Tag in meinem Tempel rumhängen.”

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“Die Deutschen putzen so viel, weil sie traurige Menschen sind. Und Schmutz macht noch trauriger.”

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“Fang mal endlich an, ein Drehbuch zu schreiben! Ich brauch Geld! Und zwar nicht zu knapp!”

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“Andi, kann man, wenn man sein gesamtes Leben gelogen hat, plötzlich beginnen, die Wahrheit zu sagen?”

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“Wenn ich alles hab, bin ich glücklich.”

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“Gedichte sind der Kurierdienst der Literatur.”

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“Es geht im Leben doch nur darum: trage ich die Zimmer in mir, und wenn ja, wie kriege ich die Türen auf?”

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Auf ihrer seit langem brachliegenden Seite Citronenbusen sind (unten) 50 neue Bilder und Zeichnungen der Gräfin zu sehen.

Langer Mann mit Schal

Langer Mann mit Schal

Aus dem Geheimen Hausbuch der Susanne Eggert, Seite V

24. Juni 2009 by glumm

Aus dem Geheimen Hausbuch der Susanne Eggert, Part IV: Die Erde

18. Juni 2009 by glumm
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Die Erde ist der Versuchsballon in unserem Sonnensystem. Jedes Sonnensystem hat seinen Versuchsballon.

Aus dem Geheimen Hausbuch der Susanne Eggert (Part III)

18. Juni 2009 by glumm
Schuhfrau (1)

Schuhfrau (1)

Aus dem Geheimen Hausbuch der Susanne Eggert, II

14. Juni 2009 by glumm

All die Jahre

Auf 500beine: Honey, I never lose!

Aus dem Geheimen Hausbuch der Susanne Eggert

10. Juni 2009 by glumm

sanne.dichteraufstuhl.gross

“Man muß lernen sich zuzuhören, und nicht dieser Stimme in seinem Kopf.”

(mehr auf 500beine.)