Ich kann gehen, woher ich will, diese Stadt hält an jeder Ecke eine Erinnerung parat. Auf dem Weg zum Nordstadt-Türken, der ein gutes Kebap zusammenhaut, komm ich an der Karateschule vorbei, unter der eine Weile mein alter Kumpel Benzini gewohnt hat. Natürlich hiess er nicht Benzini, Benzini war einer der Irren aus Einer flog übers Kuckucksnest. Benzini war der große starke Kerl, der mit zittriger Hand in der Pyschatrie saß und aus dem Fenster starrte, bis er sich erhob und lauthals verkündete, “DAS IST ALLES LAUTER UNSINN! ICH BIN MÜDE!” Doch die Figur hatte es meinem Kumpel so angetan, dass er eines Tages das Namensschild an seiner Türklingel austauschte, und dabei war es geblieben.
“In mir fliesst uraltes Zigeunerblut”, prahlte Benzini, und wer seinen drahtigen, mürrischen Vater kannte, der seine Tage am Tresen der Nordstadt verlebte, der musste zugeben, ja, diese Ahnen-Theorie, die hatte was. Da konnte was dran sein. Im Gegensatz zur Filmfigur war Benzini nicht sonderlich gross, aber stämmig. Er hatte Schultern wie Turnbarren, eine auffallend krumme Nase und kurze krumme Beine wie Säbel.
Ich meine, ich hab selbst O-Beine vom vielen Fußballspielen, doch Benzinis Beine waren anderer Natur, das hatte mit Sport wenig zu tun. Setzte er sie im Kampf ein, Samstagnachts vor der Kneipe, hiess es für jeden Gegner schnell Gute Nacht, Marie, und kein Bett.
“Ich bin ein Pechvogel”, erklärte er mir seine Taktik, “also muss ich besonders clever sein.”
Einmal, ich kam mittags von Lena, traf ich Benzini zufällig auf der Strasse. Wir waren beide auf dem Weg ins Mumms, um das erste Bier des Tages zu kaufen. Verpennt gingen wir nebeneinander her.
“Ich hab heut Nacht gebumst, als ging es um die Weltmeisterschaft”, meinte ich zu ihm, einfach so, um das Schweigen zu beenden, doch Benzini lachte darüber so dröhnend los, dass er sich beim anschliessenden Abhusten verschluckte. Wie ein Aufzug klang das, der auf jeder Etage anhält und Leute steigen ein und aus. Noch Jahre später klopfte mir Benzini zur Begrüssung auf die Schulter, “he, Glumm, was macht die Weltmeisterschaft?” Wenn ich dann “nix” antwortete, weil ich nicht wusste, wovon er sprach, oder so tat, als wusste ich nichts davon, haute er nur umso fester zu. “Glumm, du bist ein Schwanzlutscher, obwohl..”, er schaute an mir runter, “..du überhaupt keine Schwänze lutscht! Oder?”
Benzini hatte dauernd Stress mit den Bullen. Das fing schon mit vierzehn an, als er im Haus der Jugend an der Dorper Strasse seine eigene Mofa-Gang gründete, die Abrazzen. Abrazzen hatten ölige geschickte Mofafinger und Oberlippenschnäuzer, sie redeten verschwurbeltes Schrauberdeutsch, das in ihren Schnäuzern absoff, und sie jazzten Zündapp- und Herkules-Motoren so unverschämt hoch, dass sich damalige Richter am Amtsgericht kaum noch einkriegten.
“Beschuldigter, Sie haben die Autobahnzufahrt Detmold mit 130 Sachen genommen.. DIE AUTOBAHNZUFAHRT! MIT EINHUNDERTDREISSIG! MIT DEM MO-FA!!”
1982 kam das Pulver über die Stadt. Die erste grosse Welle. Heroin, Kokain, Arbeiterkoks, das ganze Arsenal. Weil Benzini aber nicht nur breit sein wollte, sondern auch ein Geschäft witterte, stieg er in den Handel ein. Natürlich musste es im Kilogrammbereich sein, darunter tat er es nicht, und mehr als einmal entkam er in allerhöchster Not über die Dächer der Karateschule, auf der Flucht vorm Rauschgiftdezernat.
So glaubte er jedenfalls. Denn als die Bullen eines Tages wirklich kamen, da traten sie einfach die Türe ein und standen im Zimmer. Sechs Monate ohne Bewährung.
Als Benzini wieder draussen war, ging der Verkauf weiter, mit mehr Umsicht. Hatte er mir im Jahr zuvor noch eine launige Linie Amphetamine gestreut, “WAT IS LOS, NE NASE ATTA!?”, hiess es nun “psst! Nicht so laut! Kannst du nicht leise sniefen? Putz dir erst mal die Nase, Kind!”
Keine Frage, Benzini hatte eine echte Bullenparanoia entwickelt. Er jobbte auf dem Lager eines Lebensmittel-Grossisten, und seine zweistündige Mittagspause verbrachte er in seiner Bude unter der Karateschule, meist mit Pilleneinschmeissen und Bong-Rauchen. Da ich damals keine zehn Minuten entfernt wohnte, besuchte ich ihn gelegentlich. Punkt 13 Uhr stand ich auf der Matte. Weniger wegen dem Pillen-und Pulverzeugs, das er sich reinzog, sondern um einen Bong zu rauchen.
Die Wohnungstür hatte er mittlerweile stahlverstärkt und mit Ketten und Sicherheits-Schlössern versehen, auch eine Alarmanlage war installiert worden, mit merkwürdigen Leuchtdioden. Die ganze Bude sah aus wie im Puff, und es roch auch nicht sehr viel besser. Als Besucher war es kaum mehr möglich, die Wohnung zu verlassen. Man musste schon den “Schlüsseldienst” anfordern, dann kam Benzini auf seinen Säbelbeinen angerotzt und grinste einen an, aus seiner unverschämt breiten Kinngarage.
“Mach nich son Lärm im Treppenhaus.”
Wenn ich dann an die Luft trat, befreit vom Eingesperrtsein in Benzinis Bude, entfaltete das Haschisch seine euphorisierende Wirkung, und mehr als einmal komponierten meine durchglühenden Hirnzellen eine Wortoper, wenn ich auf dem Heimweg einen Umweg einschlug, weil es so super orgelte, pfiff, blitzte und textstrudelte in meinem Hirn. Ich wünschte, ich wäre verdrahtet gewesen, an ein automatisches Aufzeichnungsgerät angeschlossen, dann müsste ich mich heute nicht mehr so abstrampeln, für ein paar Sätze wie im Rausch, und könnte gemütlich am Küchentisch sitzen und mit alten Zigeunern telefonieren.
Schlagwörter: 500beine, Buch, Geschichten, Kultur, Kunst, Lesen, Literatur, Schreiben, Solingen, Stadt, Stories, Zigeuner
18. März 2010 um 12:07 nachmittags |
guter satz
zur richtgen zeit,der vernobelte dinggskrams und seine tücken
ich waeiss noch wo der traurige hund seine laune vertblassen
nicht schwärzer kam vot seiner tier liebe der ausgeprägten hang zum jauken genehm#es
war nur das seelische was ich teilen durfzte
das vernünftige ansingen eines weges
der verlogenheit abgeglichen
ich glaube das seine liebe ihn verletzt hat..-
18. März 2010 um 12:15 nachmittags |
weil der glumm kannte nur einen weg
er ging und stand
einmal schubbste er mich
jetzt wusste ich wie stark er war und versuchte ihm zu gefsallen als
die probezeitung profetenheini
wa
als die tagessschau mit verzweifliung
heute nennich das streess
und morgen auch
der war nur am notieren irgdeb irrgenwaad
und ich dachte nur..hihi