Man könnte meinen, es spiele keine Rolle, ob die Dinge sich tatsächlich so zutragen oder zugetragen haben, wie man sie niederschreibt, wenn man das tut, niederschreiben. (Schreiben ist eine Art Niederkunft.) Das stimmt nicht. (Das mit der Niederkunft schon.) Der Herrgott in seiner Pracht hat es nämlich so eingerichtet, dass mit jeder noch so kleinen, aber wahren Begebenheit die Welt an Gewicht zunimmt, ein bißchen schwerer wird. Bis eines Tages das Gewicht der Welt erreicht ist und das Leben anhält. Dann wird die Erde ein Museum, ein eingefrorener Augenblick fürs ganze Universum. An regnerischen Sonntagen werden Aliens von fernen Planeten Ausfüge machen ins Museum Alte Blaue Erde, das sein Gewicht erreichte, weil alles wahr ist, was ich schrieb.
Schlagworte: Größenwahn, Literatur, Schreiben
21. Dezember 2007 um 3:39 |
Sehr schön geschrieben, Herr Glumm.
Aber: Nimmt die Erde nicht weiter an Gewicht zu, wenn diese Aliens auf ihr herum tapsen?
22. Dezember 2007 um 10:56 |
nein.
aliens zählen nicht.
die sind luft.
22. Dezember 2007 um 7:25 |
folgendes gehört absolut nicht hierher: autoren und möchtegern-literaturgrössen allerlei couleur, die bemüht-allerwelts-nonchalant von ihren lesungen, ujujuj, berichten und dem ganzen drum und dran sowie womöglich noch zwischen den zeilen oder gar unverblümt und explizit über die „schwierigkeiten“ ihres, igitt, schreibens, sind in zweierlei hinsicht jedem ernstzunehmenden leser eine zu tode ermüdende peinsal: erstens ist es schlicht schlechter stil, seine eigenen kleinen prosa-pfützen ebenso unaufgefordert wie verzichtbar vermöge dieses ach-gott-ich-schreibe-halt-lamento-geschnarres (dessen tausendfach kopierter und abgelatschter understatement-muff nur noch durch die eigene kleinkarierte verlogenheit getoppt wird, dass der leser bitteschön hieraus mächtig beeindruckt hervorgehen solle…) ins rampenlicht zu bemühen und zu zerren, und zweitens – und dies wiegt längerfristig weit schlimmer – zeugt ein allesüberdauerndes aufmerksamkeits-kleben am eigenen nabel von einem alarmierenden verlust an zu-sagen-habendem (was selbstverständlich kaum einen skribbelden zeitgenossen daran hindert, weiter seitenbreit über die eigenen sagenhaften petitessen und gravierenden welterschütternden flatulenzen wortreich zu schwadronieren)… hier an diesem ort allerdings würde mich eine solche tendenz insgsamt betrüben
29. Dezember 2007 um 3:53 |
Wenn man nicht weiss, wohin mit seinem Zorn, seinem Ekel und Welthass, wird man wahllos in seiner Beschimpfung und trifft:
nichts.
9. Januar 2008 um 10:01 |
„Nimmt die Erde nicht weiter an Gewicht zu, wenn diese Aliens auf ihr herum tapsen?“
Nein, nur wenn sie über sie schreiben.