Nachtzug nach Budapest

By glumm

1. Juli 1993

„Ungarn?! Bei Allah – Ungarn! Gefährlich, gefährlich.. nur Zigeuner!“ Der türkische Taxifahrer, der uns zum Hauptbahnhof bringt, wo um 20 Uhr 37 der Donau-Kurier startet, der Nachtzug nach Budapest, schlägt die Hände überm Kopf zusammen, was ziemlichen Krach macht. „Zigeuner überall, an alle Ecke!!“

Die Gräfin kauft am Kiosk den aktuellen STERN. Seite 8: CHICAGO AN DER DONAU. Eine finstere Ballade über die Unterwelt von Budapest und ihren König Miklos, wegen seiner Vorliebe für Milch-Mix-Getränke nach einem Auftragsmord nur Miklos, der Molke-Schädel, genannt.

In Köln setzt sich ein älterer Rheinländer in unser Abteil.
„Mich juckt’s am Rücken“, flüstert die Gräfin. „Dahinten, wo ich nicht drankomm. Kratz mich mal.“
Ich hebe vorsichtig ihr T-Shirt an.
„Du meinst die Stelle, wo das Messer von Miklos, dem Molkeschädel, drinsteckt?“
„Ja genau. Wisch das Blut weg. Nach dem Kratzen.“
Der alte Rheinländer tut zwar schinant, als wäre ihm die ganze Situation unangenehm, aber er glotzt mit einem Auge rüber zu uns, unter Garantie.

Hach ja!! Donnerstagabends in Urlaub fahren, was könnte unspektakulärer sein! Unspektakulär wie unser Gepäck: ein speckiger grüner Koffer und ein Bundeswehrrucksack, passend zum Donau-Kurier, dem staubstarrenden grauen Schnellzug, der aus den 60er Jahren in die Gegenwart geeilt ist, um uns an den Balkan zu transportieren.

In Bonn verlässt der ältere Herr das Abteil. Er meint es gut, wie so viele Rheinländer.
„Wann kommt ihr denn an?“ fragt er freundlich.
„Zwölf Uhr Budapest“, sag ich, und füge an, „morgen Mittag.“
Er winkt heftig ab.
„Morgen Mittag erst, oje, nee – dat is nix mehr für mich. Also, schö.“

„Jetzt sind wir schon eine Stunde unterwegs“, rechne ich durch.
„Eine erst?“ meckert die Gräfin.
Sie wäre lieber in ein Flugzeug gestiegen, Richtung Griechenland. Oder nach Malta. Noch lieber nach Malta. Der englisch-italienischen Atmosphäre wegen. Da ich aber Angst habe vor silbrigen Maschinen in hohen Luftschichten, klappt sie die quietschenden Sitze auseinander und macht es sich bequem im Schnellzug nach Budapest. So bequem wie möglich. Frauen haben ein wärmeres Verhältnis zu Zügen. Zu Maschinen im Allgemeinen. Einerseits praktisch, andererseits pfleglich. Damit ja nichts drankommt.

Sie betrachtet den Ring an ihrer Hand, ein Erbstück ihrer geliebten Großmutter, Oma Soest. Ein schönes, ein klassisches Teil aus echtem Sterlingsilber.
„Vielleicht sollte ich den Ring in Budapest lieber abziehen, sonst wird der mir noch geklaut.“
„Beim Popeln?“
„Frauen popeln nicht.“
„Dann kannst du den Ring auch dranlassen.“
„Glaubst du etwa, Trickdiebe in Budapest bestehlen nur deutsche Frauen, die den Finger in der Nase haben!?“
Na schön. Der Einwand scheint mir berechtigt.
„Dann zieh den Klunker lieber ab. Ist besser.“

Noch vor Koblenz suche ich das Bordklo auf. Am Nachmittag hab ich mir auf den letzten Drücker einen Fuffie besorgt, beim Bruder vom dicken Hansen, davon ist noch gut die Hälfte übrig, das blowe ich mir jetzt weg. Die Gräfin muss ja nicht alles wissen. Sie mag meine Heroinexperimente eh nicht. Die keine Experimente mehr sind. Demnächst werde ich morgens wach und bin süchtig, wenn das so weitergeht, verdammt. Experimente.. dass ich nicht lache. Ich lach mich süchtig. Ha ha. Alles halb so ha ha. Aber wie auch immer, die nächsten zwei, drei Tage wird es mir nicht gut gehen, das steht mal fest.

Ich streue das braune Pulver auf ein Stück Aluminiumfolie und präpariere das Mundstück, und genau in dem Moment, wo ich das Feuerzeug unters Alu halte und zünde, das Röhrchen im Mund, ruckelt der Zug in einer Heftigkeit, als mache er einen Bocksprung auf den Schienen, und die ganze Bagage in meiner Hand geht in einer einzigen großen Stichflamme auf. Vor Schreck lass ich die Alufolie fallen, sie landet im Klo.
„Scheissdreck!“
Das war’s. Der verkohlte Streifen Alu im Klo, der Rest vom Pulver auf dem nassen Boden verstreut. Es stinkt nach Chemiebaukasten.

Merkwürdigerweise nehme ich das Debakel achselzuckend hin, beinah, als wäre nichts geschehen. Ich schlingere zurück ins Abteil, mit rußverschmierten Fingern.
„Was hast du denn so lange auf dem Klo gemacht? Geblowt?“
Vielleicht hätte ich mir die Finger waschen sollen.
„Versucht hab ich’s, ja“, sag ich. „Aber mir ist alles in Flammen aufgegangen.“
„Aha. Und jetzt, hast du noch was übrig? Geht das jetzt in Ungarn so weiter?“
„Nee. Das war’s.“ Ich hebe wie zum Schwur die Hände. „Ich hab nichts mehr. Niente.“

Die Gräfin hat keine Lust, sich die Laune verderben zu lassen, und summt bei offenem Fenster San Bernadino.
Dann: „Ist nicht viel los in Koblenz, du. Guck mal, die Weinberge. Gekämmt und gescheitelt.“

Ich kapiere einfach nicht, warum es so eine Riesenflamme gegeben hat, ruckelnder Zug hin oder her. Meine Feuerzeuge sind eher Gelegenheitsarbeiter. Mal geben sie Feuer, mal geben sie kein Feuer, doch niemals auf Anhieb, mit so einer Stichflamme. Das muss ein Zeichen sein, für die knapp drei Wochen Urlaub, aber welches?
Es ist wie an diesen Morgenden, an denen ich wach werde und mich an etwas erinnert fühle. Bloß, an was?

Frankfurt.
Verspätet eingetroffen auf Gleis 5 der Intercity Johann Sebastian Bach..
„Ich denke, der heißt Donau-Kurier“, sag ich.
„Heißt der ja auch. Die meinen einen anderen.“
..und auf Gleis 12 der Donau-Kurier nach Budapest, über Wien-West..
Hm.

Noch sind wir allein im Abteil. Und das soll auch so bleiben. Wenigstens für heut Nacht.
„Dieser Zug endet hier!“ fauche ich in den Gang. Dann ziehen wir die ochsenblutroten 60er-Jahre-Vorhänge zu und stellen die Deckenbeleuchtung auf ‘matt’. Viertelstunde Aufenthalt in Frankfurt, Viertelstunde Bangen, dass die Tür zubleibt. Gehetzte Gesprächsfetzen auf dem Gang, das Ziehen und Poltern von Gepäckstücken. Und dann passiert es doch. Die Schiebetüre öffnet sich, ein Kopf lugt hinein, eher vorsichtig. Die Gräfin und ich starren aus dem Halbdunkel des Abteils zurück wie zwei schwachsinnige Raubkatzen, die Appetit auf Koffer haben, da wird die Tür hektisch wieder zugeschoben, „schulligung..“

Als wieder einigermaßen Ruhe herrscht, geh ich raus auf den Gang und klemme zwei ‘Reserviert!’-Schildchen von benachbarten Kabinen an unsere Tür.
„Mehr kann man nicht machen“, sag ich. „Das muss reichen.“
„Doch“, meint die Gräfin, „zieh die Schuhe aus.“

Gute Idee. Trotz Einlegesohlen hab ich bei der Hitze Schweißfüße in den neuen schwarzen Turnschuhen, ich darf mich nicht zu weit runterbeugen zu mir selbst.
Als ich die Schuhe ausziehe, schiebt sich entschlossen die Kabinentür auf.
„Frei?“
Vater mit halbwüchsiger Tochter. Ich nicke mürrisch. Mit stinkigen Strümpfen in der Hand.
„Sie fahren bis Wien?“ fragt der Mann lächelnd. Er sieht aus wie ein Langstreckenläufer, mit einem amerikanischen Akzent.
„Über Wien“, antworte ich. „Bis Budapest.“

2 Minuten drauf.
„Und Sie? Fahren bis Wien?“ frag ich.
„Wien“, sagt er. „Yes. Vienna.“
4 Minuten später.
Die Gräfin macht sich an ihrem Fensterplatz lang und studiert im Halbdunkeln unser Ticket.
„Kommt Passau vor Wien?“ flüstert sie.
„Klar. Passau ist die Grenze.“
„Du Scheisse. In Passau sind wir um vier Uhr. Und hier, Wien. Um acht.“ Sie stöhnt. „Und die ganze Zeit die beiden Köppe da im Abteil.“

Das Töchterchen liest im Dämmerlicht ein Taschenbuch und lutscht am Daumen, wenn es sich unbeobachtet fühlt. Einmal verlässt der hagere Vater unser Abteil, und als er wenig später zurückkehrt, sammelt er eilig Tochter und Gepäckstücke ein.
„Free Abteil! Next to the right!“
„Sehr beautiful!“ feiern wir alle ein Fest.

Ohne eine Sekunde zu verlieren, löschen die Gräfin und ich das Deckenlicht und machen aus sechs ochsenblutroten Sitzen eine einzige solide ochsenblutrote Liegewiese, die uns durch die Nacht bringt. Krummes Schlafen bis 4 Uhr.
Passkontrolle Passau.
8 Uhr Wien West-Bahnhof. Halbe Stunde Aufenthalt.

„Fühl mal.“
Die Gräfin hält mir den Hinterkopf hin. Da wären überall Beulen, vom langen Liegen, sagt sie.
„So Liegebeulen.“
„Quatsch. Da ist nichts“, sag ich.
„Wie, da ist nichts!? Du merkst nichts!! Du hast taube Blowfinger! Das ist was anderes!“
Später hat sie den STERN in Arbeit und macht mit mir einen Psycho-Test, doch mir fallen dauernd die Augen zu. Es geht um Stress.

2. Juli

Hinter der österreichisch-ungarischen Grenze wird aus dem Schnellzug eine zuckelnde Regionalbahn, ohne dass der Zug gewechselt wird. Wir fahren nicht mal halb so schnell wie zuvor, halten an jedem Kuhkaff. Die Hitze wird von Stunde zu Stunde unerträglicher, zumal das Fenster in unserem Abteil klemmt und sich nicht öffnen lässt. Und ein anderes Abteil ist nicht frei.
Als wir um die Mittagszeit endlich Budapest erreichen, sind wir so k.o., wir können uns kaum noch rühren.

In der Bahnhofshalle bricht die Hölle los, als man uns und andere Reisende als Touristen identifiziert, auf der Suche nach einer Unterkunft. Innerhalb einer halben Minute sind wir von zwanzig Einheimischen belagert, die Privatzimmer vermieten oder die Leute kennen, die Privatzimmer vermieten, für little money.
„Wir bringen direkt in Zimmer, Herr!“
„Zimmer! Wir gute zwei Doppel-Zimmer!“
„Hier, Herr! Billige, gute Zimmer! Für scheene Frau!“
Von allen Seiten zerren Hände an unserem Gepäck, es geht zu wie auf dem Basar. Wir wissen nicht, wem wir trauen können. Eine energisch plappernde, etwas dickliche Frau lotst uns schließlich aus dem Gewimmel, wir folgen ihr einfach, wie betäubt vom Lärm und der Hitze und der langen Zugfahrt.

Auf dem Bahnhofsvorplatz parkt der Wagen der Frau. Ein winziges Vehikel, winziger als ein Fiat.
„Da passt doch grade mal der Motor rein“, flüstert die Gräfin skeptisch.
„Vielleicht bringt sie uns einzeln und nacheinander in das Quartier“, sag ich, doch ruckzuck hat sie uns samt Gepäck in das winzige, osteuropäische Auto gestopft, so geschwind, wir wissen kaum, wie uns geschieht. Als hätte sie den Wagen mal eben um uns herum aufgebaut. Genial.

Die Gräfin hockt auf meinem Schoß, den Kopf unter die Decke gequetscht, während die dicke, nach Schweiß riechende Ungarin losbraust und auf der Hauptstrasse wendet, ohne groß auf den Verkehr zu achten. Sie ruft uns irgendwas zu, das „wird schon gutgehen“ auf Ungarisch bedeuten könnte. Oder „die Arschlöcher sollen sich verpissen“, kann auch sein. Sie führt einen schnittigen Damenbart spazieren, so aus der Nähe betrachtet. Hoffentlich hat sie nicht mit Miklos zu schaffen, dem Molkschädel. Andererseits, ein bißchen Unterweltkontakt kann nie schaden.

Sie kutschiert uns in die Wohnung eines „Freundes“, der im Moment nicht daheim sei, der aber ein Zimmer zu vermieten habe. So jedenfalls verstehen wir ihre Worte, als sie uns die drei Zimmer in einem Hochhaus zeigt, direkt an einer verkehrsreichen Hauptsrasse. Bevor wir uns groß entscheiden können, lässt sie den Schlüssel da, und verschwindet. Später essen wir gegenüber im überfüllten IMBISZ Gulaschsuppe und fallen todmüde und geschlaucht ins Bett. Niemand lässt sich blicken. Vielleicht haben wir sie auch falsch verstanden, und die Wohnung gehört doch uns ganz allein.


3. Juli

22. Todestag von Jim Morrison. Es ist so heiss in der Budapester Stadtwohnung, dass wir früh am Morgen, nach einer schnellen Nummer, die Schwimmklamotten einpacken und mit der Straßenbahn zur Margareten-Insel fahren, in ein total überfülltes Freibad. Den Tipp haben wir aus einem veralteten Reiseführer. Die heisse Dusche stinkt nach Jauche, kalte Dusche gibts nicht. Das riesig lange Becken ist voll toter Insekten.

Die Ungarn schwimmen nicht, sie stehen zu Hunderten im Wasser herum und spielen stoisch Ballwerfen, während sie sich gegenseitig auf den Füßen herumtrampeln. Mehr als vier Fünftel des Beckens ist Nichtschwimmerbereich. Als ich es doch einmal wage und ein paar Stöße kraule, in Richtung Schwimmer, werde ich blöd angerempelt. Es gibt allerlei Bratfischbuden.

Abends landen wir in einem kleinen Keller-Restaurant, in dem der Besitzer zu Ehren Jim Morrisons „L.A. Woman“ auflegt, das ganze Album, doch ich bin zu erledigt, mir macht nichts Freude. Allmählich macht sich der Entzug bemerkbar. Nur bei „Riders on the storm“ werd ich rührselig. Die Gräfin auch. Sie weint ein bißchen, und ich werde neidisch.

Als wir in die Wohnung kommen, erwartet uns Zsa Zsa. Er ist schwer enttäuscht, dass wir im Freibad waren anstatt uns die Sehenswürdigkeiten von Budapest anzukucken. „Gellert-Bad“, bellt er ein ums andere Mal, wie ein dicker Strassenköter, „Gellert-Bad. Ist scheen.“


4.Juli

Dritter Tag Budapest. Das Hochhaus, ein mächtiger klassizistischer Altbau, liegt im Stadtteil Pest, im 8. Bezirk, direkt an einer Strassenkreuzung und einer quirligen Straßenbahnhaltestelle. Ohne Unterlaß herrscht Betrieb, die Hitze staut sich in der Dachwohnung, dass es eine Qual ist. Zudem arbeitet im Innenhof eine stramme Zikadenmanufaktur.

Unser Vermieter ist mittlerweile Tag und Nacht daheim.“Küss die Haand“, nuschelt Zsa Zsa jeden Morgen die Worte aus seinem deutsch-ungarischen Wörterbuch, die er gelernt hat, wenn ihm die Gräfin über den Weg läuft. „Scheene Frau, küss die Haand..“ Sie tun überhaupt ein bisschen arg vornehm, die Ungarn, auch noch mit Bratenfleck auf dem gerippten Unterhemd und dem Mundgeruch einer ganzen Woche.

Wir nennen ihn Zsa Zsa, da er mit Nachnamen Gabor heisst und permanent mit den Augenlidern zuckt, wie eine hypernervöse Hollywood-Diva. Als wir am zweiten Abend den Kühlschrank in seiner Privat-Küche öffneten, in der wir eigentlich nichts zu suchen haben, wir waren aber allein in der Wohnung und neugierig, wurde uns mulmig: die Truhe, bis obenhin mit Kefir und Molke (..) bepackt.

Da es auch in der Nacht kaum unter 25 Grad abkühlt, schlafen wir bei offenem Fenster, trotz der alle zehn Minuten vorüberratternden Strassenbahnen und Ambulanzwagen, deren amerikanische Sirenen durch die Nacht heulen wie in einem hysterischen Ballerspiel am Computer. Da Strassenlaternen und Neonreklamen unser Zimmer ausleuchten, wird es nie richtig dunkel. Und ich hab meinen kleinen Affen. Die Nächte sind eine einzige Strampelei.

Tagsüber ist es nicht besser. Die Hitze staut sich in den Strassen, dass wir jedes Getränk auf der Stelle wieder ausschwitzen und nichts übrigbleibt zum Auspinkeln.
„Ich riech schon nach Ammoniak“, stöhnt die Gräfin.

Heute (4. Juli) ist Sonntag und wir gehen wieder schwimmen, diesmal ins legendäre Gellert-Bad.
Ich bin dermaßen schlecht drauf, dass ich eine geschlagene Stunde lang wie ein trotziger kleiner Bub neben dem Thermalbecken bibbere und nur noch eines möchte: nach Hause. Ein Pack kaufen.
Unmöglich, einen Zugang zu seiner Umgebung zu kriegen, wenn man einen Affen schiebt, und sei der auch noch so klein. Dagegen ist ein Alkoholkater eine Tüte Süßigkeiten vom Büdchen. Die ganze tolle Jugendstilarchitektur im Gellert-Bad kann mich jedenfalls mal am Arsch lecken.
Die Gräfin spielt toter Mann im Wasser und findet mich doof.
„Komm doch rein, ist lecker warm. Wie in der Badewanne.“
„Nee. Keinen Bock. Echt nicht.“

5. Juli

Wir scheissen auf die Großstadt und fahren mit dem Bummelzug zum Balaton. Zum Abschied hat Zsa Zsa, wie immer frisch herausgeputzt, einen Bückling vor der Gräfin hingelegt, ich dachte schon, gleich leckt er ihr die Schuhspitzen und kommt, doch da war sein Molkewanst vor.

Der Zug zum Plattensee ist so brechend voll, dass wir uns abwechselnd einen Sitzplatz teilen müssen. Ihr steht der Schweiss fingerdick auf der Stirn, unter ihrem weissen Hemd tropft es vom Busen auf den Bauch.
„Hier, fühl mal.. – Fühlen! Nicht dranpacken!“
Mir gehts endlich besser, nach drei beschissenen Entzugs-Tagen kann der Urlaub losgehen. Ich hasse Großstädte. Die sehen nur im Spielfilm gut aus, wenn man nicht in der lautesten Bude vor Ort wohnt.

Neben unserem Platz in der Eisenbahn sitzt ein gemütlicher dicker Ungar mit Schnäuzer und Radiogerät, das er leise mitlaufen lässt, während er uns die scheene Landschaft erklärt, die am Fenster vorüberzieht wie in einer Live-Schaltung in die gute alte Puszta.
Er spricht ein bisschen deutsch, seine Großmutter stammt aus Schwaben und ein Kamerad von ihm, sein bester Kamerad, arbeitete früher bei Quelle in München als Foto-Laborant.

Alle paar Kilometer zeigt er nach draussen. Da, wo die langgestreckten, verlassenen Kasernen stehen, waren SS-20-Raketen der Russen stationiert. Und da vorne hat Beethoven eine Weile gelebt. Da gibt’s scheene Knoblauchwurst. Da passieren wir ein duftendes Lavendelfeld, Reisende müssen niesen. Auch mir kitzelt der lila Duft in der Nase.
Wenn der Ungar nichts zu erzählen hat, sitzt er angestrengt nachdenkend da, so, als als suche er bereits nach deutschen Formulierungen für die nächste Sensation, die am Zugfenster vorübereilt. Da kommt Szekesferhar, die alte ungarische Hauptstadt, wo Keenige gekreent wurden. Und da wurde Piroschka übers Knie gelegt. Und da, endlose, riesige Schweinehallen.
„Scheene Schweinestall. Scheen!“
Es stinkt ein paar Kilometer lang so erbärmlich nach Kuhscheisse, dass die Gräfin verschwindet, auf eine verschwitzte Kippe im Raucherabteil.
„Scheen! Scheen!“

Da in Budapest keine Zeit mehr war, um etwas zu trinken zu kaufen, sitzen wir die zwei Stunden im stickigen Bummelzug zum Plattensee auf dem Trockenen. Wir stellen notgedrungen das Reden ein, was den Ungar schwer enttäuscht. Seine Reisebeschreibungen stoßen auf immer weniger Resonanz. Aber was soll man auch sagen, wenn einem der Schmand daumendick unterm Gaumen steht.

In Siofok, dem wichtigsten Badeort am Plattensee, herrscht Betrieb wie in Budapest. Wir können kaum die nächste Fähre abwarten, die uns auf die andere Seeseite übersetzt, ins beschauliche Tihany, dem Geheimtipp im Reiseführer.
Unserem Ziel.

An einem Kiosk in Tihany fragen wir nach Privatquartieren, und es dauert keine Minute, da sitzen wir mit einer Adresse versehen im Gelände-Taxi, das uns ins höher gelegene Dorf bringt. Csokonai Str 80. Ein flacher Bungalow mit Garten, in dem Mirabellenbäume wachsen, es ist still, Vögel singen. Ich hab keinen Affen mehr. Endlich. Urlaub.

Der Bungalow hat drei grosse Schlafräume. Ein anderes deutsches Pärchen, zehn Jahre jünger als wir, wohnt bereits hier, wir benutzen gemeinsam die Küche. Wir finden 10 Dosen Ravioli im Schrank, ordentlich übereinander gestapelt, die Nachbarn fungieren intern nur noch als „Ravioli-Klub“. Im Garten gibt es kopulierende Riesenkäfer, die machen es sogar zu dritt. Da kennen die nichts.

6. Juli

Das erste Mal gut geschlafen. Kaum wach geworden, sitz ich am Tisch und mach ein paar Notizen, während die Gräfin, ich nenne sie heute „schwarze Mumba“, bis zum Mittag im Bett bleibt und einen Krimi liest. Hin und wieder spielt sie sich am Bär, zwei Mal spiel ich mit. Das nenne ich mal Ferien. Auch der Ravioli-Klub macht nebenan eine Büchse auf.

Das Wetter hat sich über Nacht geändert. Der Himmel ist bedeckt, es ist kühl und windig.
Die roten Käfer schleppen sich zu dritt ineinander verkeilt durch den Garten. Wir stellen alle Fenster und Türen auf Durchzug, wie wir es in Budapest gelernt haben, schon fällt eine Vase vom Nachtstromspeicher auf den Parkettboden und zerschmettert.

Ich setz die Vase, es sind jetzt fünf Teile, notdürftig wieder zusammen, und stell sie vorsichtig in den Küchenschrank, hinter die Ravioli-Dosen. Die Schweine. Die kriegen auch alles kaputt. Die saufen Kamillentee zum Frühstück. Woher kommen die überhaupt?
„Aus dem Allgäu“, meint die Gräfin.
Alles klar.

Als es anfängt zu regnen, gehen wir spazieren, zum See runter.
Mehrmals begegnet uns dabei ein Paar, das genauso schlampig im Kreis irrt wie wir, man grüsst sich glücklich.
„Die halten uns für Ungarn“, flüstert die Gräfin.
„Es geht los, ja“, sag ich. „Wir assimilieren.“

Das Freibad am Balaton hat geschlossen, wir kommen nicht ans Seeufer ran. Es regnet sich ein. Die Gräfin kauft am Markstand einen Armreif aus Messing, das Gold der Beladenen. Auf dem steilen Rückweg ins Dorf hoch sticht mich eine langbeinige Gulaschmücke mitten in den Hals, und als ich sie verjagen will, knall ich mir eine.

Wir sind klatschnass, mittlerweile.
„Ein klatschnasser Urlaub“, sagt die schwarze Mumba und glänzt, nicht nur am Arm.
„Entweder man schwitzt, oder man schwimmt, oder man hat geduscht und schwitzt schon wieder, oder man wird nass vom Regen.“

An billigen Kiosken stehen einheimische Ungarn aufgereiht wie vornehme Bauarbeiter und saufen Wein aus halbe-Liter-Bierkrügen.
Ein stilles Volk, irgendwie genügsam, und wenn es nicht mehr weitergeht, wird sich eben aufgehängt.
(Ungarn hat die höchste Selbstmordrate der Welt.)
Nicht unsympathisch, die Bürschchen.

Abends pack ich das winzige Stück Hasch aus, das ich ausser dem Pack noch beim Bruder vom dicken Hansen abgestaubt hab. Es ist so winzig, das will gut und effektiv eingeteilt sein, wir rauchen von der Nadel. Einfach das Piece auf eine Nähnadel aufstecken, anzünden, und den Rauch inhalieren. Kratzt schwer im Hals, tut es aber.
Wir sind breit wie Harri.
Und es bleibt sogar noch was übrig.


7. Juli

Heut morgen schneid ich mir über dem Gullydeckel im Garten die Fußnägel.
Die sind was happig geworden, und zogen Blicke.
Nichts gegen Blicke, aber ausschliesslich auf die Füße, das verunsichert.

Nach dem Frühstück schlendern wir durch Tihany, und sind restlos begeistert.
Das Dorf erinnert mit seinen rietgedeckten Dächern an das Kaff am Mississippi, wo Tom Saywer und Huckleberry Finn gelebt haben, in der deutschen Verfilmung von 1968. Niedrige Telegraphenmasten, staubige Wege, Hühner, die in den Hof gescheucht werden.
Es gibt klappernde Pferdewagen, der Postbote fährt Mofa.

Abends Spieleabend auf dem Zimmer. Wer verliert, muss dem anderen einen blasen. Klare Ansage, kein Heckmeck. Die Gräfin gewinnt mit 40 Punkten Abstand beim Scrabble. Dann schlägt sie mich mit 2:1 beim Backgammon. Die Partie Dame geht an sie. Die Partie Schach eröffne ich französisch, dann löschen wir das Licht.


8. Juli

Das Freibad hat göffnet.
Napi belöpö, steht auf den Eintrittskarten und wird für heute unser Running Gag.
„Napi belöpö. Napi belöpö.“
Wie die Blagen. Die haben auch keine Ahnung, was sie da plappern, und es ist ihnen auch egal.
„Nepper, Schlepper, bekloppte Köter“, übersetzt die schwarze Mumba Napi belöpö.
Danach empfiehlt sie sich selbst, die Klappe zu halten und braun zu werden.

Auf der Liegewiese haben wir clevererweise einen Platz im Radius eines Rasensprengers belegt. Der ist frech wie Dreck. Kaum hat er uns einige Runden lang verschont, schlägt er umso erbarmungsloser zu, und nur unter Mühen schaff ich es schnell genug, eine Brücke zu bauen übers Notizbuch, mt meinem Rumpf.
„Typisch!“ kräht die schwarze Mumba. „Für dein scheiss Buch achtest du drauf, dass ja nichts drankommt, aber ich kann vollregnen wie Harri, das juckt den Missjöh nicht!“
„Es ist dreissig Grad heiss“, zurre ich meine Verteidigungslinie fest. „Das ist doch eine schöne Erfrischung.“
„Ach ja? Und Ihr gnädiges Notizbuch, das braucht keine Erfrischung, wie!?“

Das großzügige Gelände des Freibads gehört zu einem Luxus-Schloßhotel und kostet 100 Forint Eintritt, zwei Mark. Es liegt direkt am Ufer und ähnelt eher einem herrschaftlichen Anwesen, mit einem Bestand an dichten Nadelbäumen. Es ist soviel Platz, niemand muss dem anderen auf den Pelz rücken.

Etwas abseits steht ein weiteres, etwas heruntergekommenes Hotel, Marke DDR-Plattenbau. Es stammt aus einer Zeit, als altgediente Stalinisten am Balaton noch ihre wohlverdiente Kampfruhe fanden und sich totsoffen.

Ebenerdig ist ein Saal, in den man trotz schwerer, nikotingelber Gardinen einblicken kann. Ich erkenne ein knatsch-theatralisches, kommunistisches Propaganda-Plakat, auf dem Mao mit roten Chinasalatbäckchen einer Handvoll Bäuerinnen voranschreitet, terrorlächelnd.

Ich bin begeistert, die Gräfin liest Krimi.
Spuckt der Rasensprenger wieder um sich, tschilpt sie kurz auf, wie in einer Zoo-Handlung, wenn ein fieser Kunde eintritt, mit dem niemand zu tun haben will.
„TSCHILP! TSCHILP!“

Ich hab bald die Nase voll, immer nur aufzupassen, dass mein Notizbuch nicht nass wird, und so verlagern wir unseren Liegeplatz einige Meter näher zum Ufer hin.
Neben uns liegen zwei österreichische Familien. Vielleicht sind es auch drei, oder vier. Schwer zu sagen. Jedenfalls sind es eine Menge Väter, Mütter und Kinder, und alle aus Österreich.

Ein Junge heisst Pepperl, sein Vater ist der Toischner-Toni. Der liest eine dreiviertel Stunde regungslos in der Kronen-Zeitung, um mit einem Mal wild um sich zu schlagen, mit Zeitung und Badeschlappen, wie Miklos, der Mölke-Keenig.
Dann liest er weiter, ungerührt, als sei nichts gewesen.

Der Krimi, den die Mumba in Arbeit hat, heisst „Die Krücke von Houston“, im Moment aber befindet sie sich im Plattensee und spielt Toter Mann, eine Spezialität von ihr.
Ich warte zehn Minuten, dann besuche ich sie im Wasser.
„Napi“, grüße ich.
„Belöpö.“

Pünktlich um sechs Uhr läuft ein Ausflugsdampfer in den nahen Hafen von Tihany ein und hupt wie ein Eisbrecher, daraufhin ziehen wir Leine, zu Abend essen.

Das Restaurant liegt am Rande von Tihany, wo wir die Kellner mit Trinkgeld zuscheissen, weil es so billig ist.
Die machen uns den Ranzen rund, ohne dass wir auf 30 Mark kommen.
Ich nehm grundsätzlich Steak, während die schwarze Mumba schon mal Sachen nimmt wie Huhn mit gefülltem Apfel, die ich dann zur Hälfte als Nachtisch verputze.
„Ich glaub, heut Abend nehm ich mal ein schönes Steak“, sag ich, „mit Lyoner Zwiebeln.“

9. Juli

Wir sind erst am Nachmittag im Napi Belöpö, da die Mumba sich einen ordentlichen Sonnenbrand geholt hat und sich etwas schonen will.
Aber nicht zu lange.
Ich empfehle ihr, nur noch mit Schrank ins Wasser zu gehen. In dem kann man sich vor der Sonne gut verstecken, und ein Schrankbrand tut auch nicht so weh.
„Das ist wie ein Sideboard. Riecht nur anders.“
„Wie denn?“
„Wie verbrannte Nasenhaare. Von innen. Wenn man Pech hat.“

Sinn macht das alles nicht, aber wir sind in Ferien.
Nicht Urlaub.
Ferien.
Da darf man nicht, da muss man: beklopptes Zeug reden.

Und wieder liegen wir auf der Wiese im Freibad, dick eingecremt mit Sonnenmilch von Nivea, die so teuer ist wie ein ganzes Abendessen zu zweit, und brabbeln wie Kleinkinder.

Die missratenen österreichischen Familien, sie wohnen im Luxus-Hotel, sind auch wieder da. Besonders angetan hat es uns der feiste kleine Österreicher, der einen Schädel hat wie eine Billardkugel, mit schütteren Haartäschchen überm Ohr.

Dreimal hintereinander fordert er seine Landsleute zum Bier am Kiosk auf, mit der stets im selben Tonfall vorgetragenen Einleitung, es sei schliesslich schon 14 Uhr und damit „allerhöchste Bier-Time!“
Dann lacht er sich scheckig.
„Ha ha! Allerhöchste Bier-Time! Ha ha ha!“

„Der geht mir auf den Sack!“ sag ich zur schwarzen Mumba, die davon nichts hören will.
„Kümmre dich doch nicht immer um andere Leute..“
„Ich kümmre mich um jedes Geschwätz!“ entgegne ich genervt.
„Allerhöchste Bier-Time, haaa!“

„Der soll endlich die Fresse halten!“ meint die Gräfin.
Als der Mann sein gezapftes Allerhöchste-Bier-Time-Bier in der Hand hält, seh ich ihn herzhaft gähnen, während seine Landsleute ihre Humpen auf ex leeren, mit erschöpften Gesichtern.

Zehn Minuten später, wir kommen gerade aus dem Wasser, sitzt der Feiste seinerseits erledigt auf der Liege und lässt ein schwächelndes „allerhöchste biertime“ hören, dass wir uns beömmeln vor Vergnügen.
Seine Landsleute wenden sich sauertöpfisch ab.
Dem brauch ich gar nicht auf die Fresse zu hauen, das besorgen schon seine Kumpanen.


10. Juli

Nach dem Frühstück (reggeli!) und Vögeln (rapaffeli!) schneide ich mich beim Rasieren, und zwar zweimal hintereinander. Erst in die Unterlippe, dann in den vor Zorn geblähten Nasenflügel.
Solch blutige Katschen hole ich mir nur, wenn ich eine fabrikneue Solinger Klinge eingelegt habe und besonders vorsichtig zu Werke gehen will.
„Sabbath bloody Sabbath“, sing ich einen alten Black Sabbath Titel, und schwenke schnell um auf „The Wizard“, eine Instrumental-Nummer, die B-Seite von „Paranoid“.
Das klappt besser, erkennt aber trotzdem kein Schwein.

Später legen wir uns in den Garten. Es ist drückend heiss. Mit gutem Gewissen kann die Gräfin nur noch ihre Hinterpfoten in die Sonne legen, der Rest ist Sonnenbrand.

Ein fahrendes Büdchen auf drei Rädern tuckert durch Tihany und verkauft Eiscreme und Jägermeister.

Die Gräfin erzählt bei strahlendem Sonnenschein aus ihrer Zeit in der Lukas-Klinik, wo sie eine Lehre als Krankenschwester begonnen hat.
„Das muss so vor 12, 13 Jahren gewesen sein.“
Einmal kam ihr auf dem Flur Schwester Ingeborg entgegen, völlig aufgelöst.
“Bääh, der Borchert hat den Sputum-Becher vom Langner leergesoffen..!”

Für diejenigen, die nicht dabei waren: Ein Sputum-Becher steht auf jeder Inneren neben dem Bett (für den Auswurf), und Borchert und Langner waren zwei Tattergreise, die auch gerne mit Stuhl um sich warfen, wenn er nur schön hart und griffig genug war.
„Das war wie eine Kissenschlacht für die beiden alten Böcke!“

Abends essen wir ausnahmsweise kleine Portionen.
Sagen wir, etwas kleinere.


11. Juli

Wir gehen über die Halbinsel spazieren, einmal quer drüber. Clevererweise in der Mittagshitze. Vorüber an Weinstöcken, in die schwarz-gelbe Salamander huschen, wenn sich unsere Badeschlappenschritte nähern.
Der Wind macht die Mittagsglut kaum erträglicher.

Wir beobachten einen Bauer bei der Feldarbeit. Er ist ganz allein und er singt mit lauter fester Stimme.
Er bemerkt uns nicht.

Der Boden ist ausgedörrt. Die Grashüpfer groß und schwarz. Keine einzige Menschenseele begegnet uns, zwei Stunden lang.
Aprikosenbäume, zehntausend Schmetterlinge.

Irgendwann hören wir Strandbadgequieke. Aber kein Planschen. Nur Quieken. Wir biegen um die Ecke und befinden uns plötzlich mitten in Rimini: ein 50 Meter langer Sandstrand am verschilften Ufer des Balaton.
Hunderte von Leuten faulenzen im Schatten, alles Einheimische.
Warum aber kaum einer im Wasser ist, merken wir erst, als wir uns kopfüber in den See stürzen und auftauchen, inmitten von Unmengen totem, stinkigen Fischlaich.
„Napppff“, nimmt die Gräfin den Mund halbvoll.
„Bellöpppff.“

Zurück halten wir an der Uferstrasse den Daumen raus. Drei junge Ungarn nehmen uns im Skoda mit.
Im Radio laufen die Doors.
„Don’t you love her madly.“

In unserem Häuschen auf der Csokonai Str 80 sitz ich erst mal eine halbe Stunde platt im Sessel.
Etwas Fischlaich kommt mir hoch.
Dann verschwinde ich mit dem Mini-Piece aufs Klo.
Steck es auf die Sicherheitsnadel, und rauch mir einen. Da geht die Badezimmertür auf. Die Gräfin.
Sie sucht ihr Feuerzeug.
„Och, du Arsch! Hast du alles weggeraucht?“
Der Qualm steht noch in der Luft.
„Nee, ich hab noch was in petto“, wiegle ich ab. „Im Schränkchen neben meinem Bett.“
Pech, das muss ich jetzt abtreten.

Am Abend, vor dem Steak, suchen wir im Garten ein Plätzchen, wo die Sonne noch hinkommt.
Ganz am Rand werden wir fündig. Der Ravioli-Klub macht sich schnell vom Acker, als er uns kommen sieht.
Überhaupt, unsere Nachbarn aus dem Allgäu erweisen sich als angenehm mundfaul. Pro Tag wechseln wir im Schnitt einen Satz, zumeist unvollständig.

„Da. Du haben!“ hab ich heut morgen nur geknurrt und ihm, dem Jungen, die Glaskanne der Kaffeemaschine ausgehändigt, die wir teilen müssen.
Sollte heissen: Hier, wir fertig mit Kaffee, ihr Tee saufen.
„Ja“, hat er geantwortet, und dann hab ich ihn nicht weiter gestört, war er doch grade mit den Vorbereitungen für den Abwasch beschäftigt, unter anderem auch mit unserem dreckigen Geschirr.
Da fällt der Abschied leicht.

Seine blonde Freundin Rita, Rita Ravioli, ist geborene Ungarin, so viel hat sie der Gräfin verraten, im vertraulichen Gespräch von Frau zu Frau.
Meist sehen wir Rita Ravioli Wäsche aufhängen im Garten, oder Essen machen.

Um mal auf meinen Stuhlgang zu kommen, ich meine, immerhin befinde ich mich hier auf fremden Terrain: Ich könnte auch genauso gut Schnecken sammeln, auf die Strasse legen und langsam überfahren lassen.
Das wäre von der Essenz her das gleiche Ergebnis wie das, was da morgens in der Schüssel glänzt.
„Dabei hab ich heut noch gar nicht geschissen. Gestern auch nicht.“
„Das brauchst du mir nicht zu sagen, das riech ich auch so“, meint die schwarze Mumba.
Sie löst Kreuzworträtsel.
„Liegt Celle in Niedersachsen?“
„Mh. Klar.“
„Weisst du, was Wechsel, Umlauf ist?“
„Mh. Irgendwas in der Finanzscheisse. Da kenn ich mich nicht so aus.“
„Hab ich aber gedacht. Du bist ja noch dööfer als ich.“
Wie will eine Frau, die dööfer mit doppel-ö schreibt, Rätsel lösen?
„Wie denn sonst? Mit einem ö?! Doch wohl nicht?“
Mh. Döfer? Scheisse.

Um zu prüfen, ob nicht nur meine Gehirnleistung, sondern auch mein Gewebe altert, malt sie mir mit dem Kugelschreiber auf den nackten Hintern. Ich kann die Tätowierung nicht richtig erkennen, vermute aber, es sind zwei skelettierte Fische, die sich einen Herrenwitz erzählen.
Wie sie damit allerdings den Alterungsprozess meiner Haut prüfen kann..?
„KLAPPE HALTEN, HASCHDIEB!“

Weil wir keinen Fernseher auf dem Zimmer haben, glotzen wir am frühen Abend auf die Stelle an der Wand, an der sich der Schatten des gegenüberliegenden Fensters abbildet, in Bildschirmgröße.
„Schalt mal um.“
Dann muss es wohl 17.30 sein.
Zeit für Al Bundy.

„Fernsehen ist wie eine Droge. Man denkt immer, hättest du es doch niemals kennengelernt“, sagt die Gräfin.

Abends essen wir zur Abwechslung mal woanders.
Im Gulazs-Hof.
Ungarn sind die wahren Krauts. Alles wird eingelegt und gewickelt. Die Schnäpse heissen BARACK PALINKA und UNICUM. Und für die Gräfin soll ich notieren, dass auf den Milchkartons FRISS TEJ drauf steht.

Als wir auf den Nachtisch warten, einen Palatschinken, sägt sie mit dem Speisemesser in meinen kleinen Finger.
„HERR OBER! HIER VERBLUTET EINER! RUFEN SIE DIE AMBULANZ, ABER LANGSAM!“

12. Juli

Ob mein Gewebe altert, hat die Gräfin nicht feststellen können, dafür ist unsere Bettwäsche heut morgen kuliverschmiert.
Sie malt ein Hütchen auf meinen Schwanz.
„Das ist nicht gemalt.“
Ach.

Montagmittag. Wir sitzen im Garten.
„Komisch“, mault die schwarze Mumba, „sonst krieg ich immer so schnell braune Füße, aber hier, kuck, immer noch Käsequanten.“
„Nächstes Mal nehmen wir einen Karton Selbstbräuner mit.“
„Hartmut, die Brechstange!“
„Irmgard!“

In der Tat, das Wetter am Balaton ist wechselhaft. Zudem nervt, dass immer mehr Deutsche vorfahren. Recklinghausener Kennzeichen. In NRW ist Ferienbeginn.
Die Dachdecker kommen.
Verdruss bereitet weiterhin, dass wir morgen räumen müssen, die Hütte ist ab 13. Juli vorgebucht.
Wohin mit uns?

Die Gräfin liest den nächsten Krimi, er spielt in Uruguay, und sie kapiert nicht alles. Ich kapier langsam überhaupt nichts mehr. Bestehen Ferien nur aus Herumlungern im Garten unter einer Decke aus Wolken und gelegentlichem Almdudler-aus-dem-Kühlschrank-holen für die Freundin, die einem die Zigaretten wegqualmt?
„Lass mal ziehn.“

„Kuck mal, die drei küssen sich am Popo, Mama!“
Eine Kleinfamilie aus Düsseldorf bleibt auf der Strasse stehen und beglotzt den Begattungs-Akt der drei roten Bumskäfer auf unserem Rasen.
Ich kann die Ferkel langsam nicht mehr sehen.

„Ist in Almdudler Ingwer drin?“ interessiert sich die Gräfin plötzlich für Inhaltsstoffe in Limo, und gibt sich gleich selbst die Antwort:
„Jetzt stingkwer wieder nach Ingwer.“
Unsere Unterhaltungen führen wir zunehmend in Kindersprech, oder wir singen.
„Das Niveau singt“, erinnert die Gräfin an das Motto unseres letzten Aufenthalts in der Fremde, 1992 in Bray-Dunes, Nord-Frankreich.

Von den Sex-Käfern mal abgesehen sind in unserem Garten die Insekten nur en gros unterwegs.
En gros und auf niedriger Frequenz, wie die Mücken.
„Das gibt schönes Wetter“, sag ich. „Wenn die Mücken niedrig fliegen. Dann fliegen nämlich auch die Schwalben niedrig. Und die fressen Mücken.“
„Und was hat das mit dem Wetter zu tun?“
„Weiss ich doch nicht.“

„Das Wetter am Balaton ist wie du“, meint die Gräfin nach kuzer Verschnaufspause.
„Entweder volle Lotte, oder gar nichts.“
Ein Marienkäfer kommt angerast in der Luft und will sich auf dem Stühlchen niederlassen, auf dem ich meine müden Füße abgelegt hab.
Er überlegt es sich anders, und dreht ab.
„Besser nicht“, vermutet die Gräfin.

Wir rauchen unser letztes, absolut allerletztes Piece von der Sicherheitsnadel. So, jetzt haben wir nichts mehr. Noch knapp eine Woche Ferien, und nichts mehr zu rauchen. Frechheit. Schon seh ich mir die eintrudelnden Neu-Urlauber an, wer ein Kiffer sein könnte. Einer, der auch was auf der Tasche hat. Aber das lässt sich heute nur noch schwer voraussagen. Männer mit Zöpfchen, früher mal sichere Kandidaten, kannst du mittlerweile abheften, unter Ulk.
Oder doch nicht?
Man müsste da mal nachhaken.

Der Ravioli-Klub kehrt vom Einkauf heim, beladen mit zwei Kartons voll Weinflaschen. Hm. Sollte wir uns in ihm getäuscht haben? Im Klub? Sollten die Dosen von Maggi, die mittlerweile wie in einer Wurfbude aufgebaut sind zur Pyramide mit roter Soße in der Küche, nur Tarnung sein? Und was ist mit den merkwürdigen Kennzeichen an ihrem Wagen, einem Audi Sport: vorne Kreis Koblenz, hinten Flensburg? Und eigentlich doch Allgäu!?
Das sind Terroristen.
Da kommt schon die Bombe.
„Puh.. geh mal aufs Klo“, meint die Gräfin.
„Das sind die Gewürze! Die vertrage ich nicht. Das viele Paprika.“

Abends sitzen wir einmal mehr im Oasis, unserem Stammlokal. Es liegt am Dorfrand von Tihany, oberhalb eines kleinen Binnen-Sees, in dem das Baden untersagt ist, nur Angeln ist gestattet. Das Oasis platzt wie immer aus allen Nähten.
Ich bestelle einen Grillteller und ein großes Helles, die schwarze Mumba O-Saft und gefüllten Krautwickel.

Ein Ehepaar nimmt Platz an unserem Tisch.
Sie kommen aus Dülmen in Westfalen.
„Kenn ich!“ ruft die Mumba. „Ulmener Wildpferde!“
„Genau!“ freut sich das Paar. „Richtig!“
Er ist Handwerker und hat keine Lust, 5.000 Mark im Jahr für Urlaub auszugeben. (Urlaub. Keine Ferien.)
„Ist doch viel schöner hier. Viel billiger. Wir kommen jedes Jahr.“
Sie ordern beide den beliebten Grillteller und Mineralwasser.

„Kann man in dem kleinen See da eigentlich auch baden?“ fragt der Mann mit Blick aus dem Fenster.
Er ist tiefbraun und macht einen sportlichen Eindruck, während sein Eheweib in einem Eimer Wischwasser nicht weiter auffallen würde.
„Nee. Da darf man nur angeln“, sag ich.
„Ach, ja? Ich bin Angler!“
„Der See soll sehr fischreich sein, hab ich gelesen“, sag ich sogar noch. Dann werden die Grillteller serviert, und das Ehepaar hat sich erledigt.

13. Juli

Dienstag. Heute ziehen wir um.
Das neue Quartier liegt nur einen Käferwurf entfernt, auf der gegenüberliegendren Strassenseite.
Das Häuschen gehört einer alleinstehenden Bäuerin, deren Mann schon einige Jahre tot ist.

Als sie merkt, dass wir zuhören, sie spricht deutsch, holt sie das Fotoalbum aus der Wohnzimmerschrankwand, und gleich das zweite hinterher.
Im Fernsehen läuft Derrick, ungarisch synchronisiert.
Die Mumba ist davon so fasziniert, dass ich das Fotoalbum alleine über mich ergehen lassen muss.

Eine halbe Stunde später meine ich sogar den entfernten Onkel Wanja auf dem verwackelten Foto zu erkennen, das aus dem Album rutscht und zu Boden segelt.
Ich heb es auf.
„Wanja?“
„Wanja, ja, scheene Mann. Aber Saufbruder. Immer dicke Saufbruder.“

Wir haben das Gefühl, in ein Museum einzuziehen, in dem alle Zimmer noch genauso aussehen wie vor dem Tod ihres Mannes und dem Auszug der Kinder. Ein ungarisches Museum der 70er Jahre.
Im Bad finden wir sogar Creme 21, („die gibt’s in Deutschland nicht mehr!“ kriegt sich die Gräfin kaum wieder ein), und den geschnitzten Herrgott an jeder Wand.
So kommt es, dass wir am Nachmittag die Wand anbeten, auf das morgen wieder die Sonne rauskommt, denn das Wetter ist so schlecht geworden, so viel kann man gar nicht futtern.

Im Gulasch-Hof, der eigentlich Gulyásdvar heisst, wechselt uns der Kellner unter der Hand Geld.
Schwarzer Kurs, guter Kurs: 54 Forint für eine Mark statt der offiziellen 50 Forint.
Können wir noch mehr Kesselgulasch fressen.
Nachteil: der Gulasch-Hof ist so gross, dass ich mich unter den unzähligen Ölportraits ungarischer Königshäuser frage, ob ich gerade gerülpst hab, oder ob das nur Hall im Ohr ist.

Auf der Speisekarte, ganz oben, das Tages-Angebot:
Napi: Fözelékek! Heute: Fötzeleck!
„Das nehm ich!“
„Lieber nicht“, meint die Gräfin. „Du weisst doch gar nicht, ob die geduscht ist.“
Das Ende vom Lied: ich esse zwei Kessel Gulasch mit Nockerln, die schwarze Mumba einen. Ärgerlich: der Palatschinken, auf den wir uns immer besonders freuen, ist ausgegangen.

Pappsatt und dennoch beleidigt ziehen wir heim, auf eine Runde Scrabble zur Nacht.

14. Juli

Mittwoch.

Die Gräfin hat geträumt, dass ein von mir deponierter Sprengsatz in ihrem Kiefer detoniert, nachdem sie kurz zuvor auf der Strasse meinen Bruder getroffen und ihn gefragt hat, ob er schon wüsste, dass ich jetzt eine Schwuchtel sei.

In der Mittagshitze schlendern wir durch Tihany, unserem beschaulichen Tom Sawyer und Huck Finn-Dorf. Aus Übermut bin ich barfuß unterwegs, was sich schnell rächt. Ich find kaum noch schattige Flecken, auf die ich meine Füße setzen kann, und bewege mich von Spot zu Spot. Wenn mal ein paar Meter lang keiner aufzutreiben ist, brennt es wie Sau unter der Sohle. Als weigere sich der Asphalt, angepackt zu werden von meinen Quanten, und heize den Boden extra auf mit Feuer aus dem Inneren der Erde.
„Das ist kein Mark Twain Abenteuer“, sag ich, „das ist Jules Verne.“

Plötzlich steht ein großer verlauster Köter vor uns. Ein Streuner, viereckig und traurig. Er trippelt vorsichtig auf uns zu, daran gewöhnt, mit Fußtritten und Schimpfworten vertrieben zu werden.
Als er spürt, dass wir es gut meinen, wird er gerdezu anhänglich und läuft uns hinterher.

Die Gräfin möchte den armen großen Kerl schon mit nach Hause nehmen, als sie im kurzen Fell an seiner Schulter eine schwärende Wunde entdeckt, über die eine Hundertschaft Flöhe hüpft.
Das Blut ist schwarz.

Wir sehen zu, dass wir Land gewinnen. Es brennt auch plötzlich nicht mehr so doll unter den Fußsohlen.
„Wir sind gemein“, meint die Gräfin, als wir wieder daheim sind. „Gemeine fiese Möpps.“
Dagegen ist nichts zu sagen.


15. Juli

Donnerstag. Junge, ist das heiss. Zu heiss zum Lachen, reicht es nur zum Glucksen und Gackern. Wir sind alberne Blagen.
Und wieder in Napi belöpö, unserem Freibad hinterm Luxus-Hotel, das in seiner Stille und Gediegenheit wie ein Sanatorium wirkt.
Nur die bekloppten Österreicher stören im Bild.
Aber wir haben es ja gern, wenn was stört.

Pepperl, der 10jährige, sammelt „Marienkäferl“ auf, seine kleine Schwester Roserl nimmt die Marienkäferl ihres Bruders nicht gerne „ins Wasser eini“, was soll sie auch mit Marienkäferl im Wasser?

Die Billardkugel, die fünf Kilogramm Übergewicht hat, alle im Gesicht, und „allerhöchste Bier-Time“ gewiehert hat einen Mittag lang, tritt noch einmal in Erscheinung.
Da steht er am Kiosk und hat Durst.
„Ich hätt gern ne Limonade“, brüllt er den armen Ungarn hinter der Scheibe an, „so hoch wie bis zur Decke!“
Er kriegt sich kaum wieder ein.
„SO HOCH WIE BIS ZUR DECKE!!“

Als ich heut morgen bei unserer Vermieterin anklopfe, an der Küchentür, um die nächsten zwei Nächte zu zahlen, steht sie überm Abwasch und hat Tränen in den Augen.
Erst denk ich, sie hätte vielleicht Zwiebeln geschält, doch dann stößt sie radebrechend hervor, dass am Morgen eine ihrer Schwestern gestorben sei.
Dabei fängt sie dann richtig an zu heulen, und in meiner Hilflosigkeit geh ich auf sie zu und nehm sie in den Arm, während die Gräfin in der Tür erscheint und nicht weiss, was los ist.

Es war ihre letzte Schwester. Als wir später ins Freibad aufbrechen, sehen wir sie am Fenster stehen.
Sie trägt bereits schwarz.
Da sind wir nicht mehr albern.

16. Juli

Unser letzter Tag am Balaton. Zum Abschied gehen wir noch mal Napi belöpö, logisch.
Weil gestern ein Aal in Ufernähe gesichtet wurde, haben heute alle Kinder im Freibad Angst vor der „riesigen Wasserschlange“.
Um sie abzuschrecken, hat ein Witzbold mehrere der Bojen, die den Badebereich im See abstecken, mit schwarzen Feinstrumpfhosen bezogen, die nun in dem leichten Wellengang aussehen wie schwarze, autonome Hühner, die ins Wasser picken.

Ansonsten ist auf dem Balaton heute eine Menge los, dutzende von Segelbooten, fast eine Regatta.
Unser österreichischer Freund hat heute nicht nur einen fetten Billardkugelkopf, sonder auch dicke Oberarme.
„Meinst du, der hat sich heut morgen ein halbes Pfund Gulasch injiziert?“
In unserem Salamisandwich, das wir täglich am Kiosk kaufen, entdeckt die Gräfin eine Wildschweinborste.
Oder vom Esel was dünnes.

Zum Abschluss gehen wir fünf Mal ins Wasser, „..so hoch wie bis zur Decke!“


17. Juli

Samstag.
Rückfahrt im Schnellzug nach Köln..
Aus vier Sitzen bauen wir eine Liegewiese und hauen uns zwei, drei Stündchen krumm hin, bis hinter Regensburg, da hören wir, wie die Türe aufgeschoben wird und zwei Leute Platz nehmen, die sich leise unterhalten.
Es dauert seine Zeit, bis wir richtig aufwachen und realisieren, wo wir überhaupt sind.

„Morgen“, grüßen die Eindringlinge.
„Morgen“, murmeln wir zurück und schieben unsere Sitze zusammen.
Dann schauen wir eine Weile verpennt dem aufkeimenden Morgen zu, bis die Unterhaltung der beiden Kollegen, sie arbeiten beide beim Sozialamt, abrupt abbbricht.
Als wir uns umschauen, schnarchen beide friedlich vor sich hin, während die Gräfin und ich hellwach sind.
Super Sache.

Kaum nähern wir uns dem Bergischen Land, dem kleinen England, regnet es. In meinem Kopf rattern die Möglichkeiten, wo ich ein Pack kaufen könnte.

Hauptbahnhof Solingen.
Der Taxifahrer, der uns zum Kannenhof bringt, ist ein ehemaliger Kollege der Gräfin und ein echt bergischer, wortkarger Kopp.
Immerhin schafft er es, so etwas wie eine zusammenhängende Frage zu stellen.
„Und witterungsmäßig? War gut? In Ungarn?“

Die Gräfin erzählt vom schnellen Wetterwechsel am Plattensee, doch er hört gar nicht richtig hin, und als wir oben an der Wupperstrasse an der Ampel stehen, murmelt er, den Finger an der Nase:

„Und das Wetter? War schön?“

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24 Antworten zu „Nachtzug nach Budapest“

  1. Herr Jeh sagt:

    gehts weiter? bin gespannt…

  2. minotaurus sagt:

    dranbleiben. ist spannend.

  3. glumm sagt:

    hallo amadea,

    die geschietelten & gekämmten weinberge
    sind aber doch HIER!

    oder überall.

  4. amadea sagt:

    Schön beobachtet, meinte ich. Hier sind keine. Hier sind nur hohe Staubzuckerberge.

  5. glumm sagt:

    ja, in dieser geschichte hier, mein ich, ist diese stelle.
    du hast woanders kommentiert.
    bei der 10.000 Euro Story.
    Ist aber auch egal,
    eigentlich.
    Aber so egal wiederum auch nicht.

  6. Himmelende · Das Letzte sagt:

    [...] so, wie sie sind – nur nicht noch schlimmer. Machen sie sich eine schöne Zeit, nehmen sie z.B. den Nachtzug nach Budapest. Budapest soll ja sehr schön sein zu dieser Jahreszeit. Bringen sie das alte Jahr gut herum, [...]

  7. Charlotte sagt:

    Ich hab jetzt Fernweh.

  8. amadea sagt:

    Und wie kann ich das neue Blog nun abonnieren? Oder geht das eh automatisch?

  9. glumm sagt:

    abonnieren? hm. gute frage. keine ahnung.

  10. Herr Jeh sagt:

    Ich hoffe, das war ein 3Wochen-Urlaub..

  11. glumm sagt:

    naja. paar tage kommen noch.

  12. realtroll sagt:

    manche stories brauchen wohl etwas länger, trotzdem schick zu lesen. die bäder in budapest sind doch super, halt zuweilen etwas schweflig, aber gesund.

  13. zeilentitan sagt:

    Danke für den ersten Kommentar! Mein neues Blog ist entjungfert.

  14. Gschropperl sagt:

    Früher war ich öfter mal in Sopron, weil das nur einmal Spucken von meiner Oma war. Aber seit die die Ebene gewechselt hat vor zwei Jahren, interessiert mich diese Richtung nimmer wirklich. Ungarisch ist eine interessante Sprache, ja. In diesem Sinne: Jó napot kivanok!

  15. KleinesF sagt:

    Budapest ist das neue Prag?

  16. Hans v. sagt:

    ..also manchmal muss man. manchmal muss man einfach doch:

    der song heisst sabbath bloody sabbath, nix sunday, vielleicht u2?

    und paranoid ist alles andere als eine instrumental-nummer, HERR glumm!!!! lochfraß?

    (das aschecontaimerschiff ist unterwegs)…

  17. zeilentitan sagt:

    Erst frühstücken und dann vögeln?

  18. glumm sagt:

    @hans v.:

    mehr fehler in einem Absatz
    konnten mir kaum unterlaufen..

  19. LadyMarguerite sagt:

    Jetzt bin ich in Urlaubs- nein, Ferienstimmung.

  20. KleinesF sagt:

    Lassen Sie sich Zeit, Glumm. Der 13. ist zu schnell geschrieben. Wie vor dem Tor, bloß keine Abschlusspanik.

  21. masturbates sagt:

    mach hin du wichser oder aufs maul

  22. Herr Jeh sagt:

    So kennen wir Urlaub…

    Aber hier stimmt was nicht:

    13. Juli

    Dienstag. Heute ziehen wir um.
    Das neue Quartier

    [...]

    14. Juli

    Donnerstag.

  23. ettoreschmitz sagt:

    Es macht mich ganz hibbelig, daß man über den Scrollbalken kein Bändchen legen kann, wenn man mal nachschenken geht….

    Schmitz

  24. sankt nikolaus sagt:

    Tja, das Leben kann so einfach sein, mann muss nur glück haben.
    Weihnachtsmann Köln

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