Watzmann

Samstagmorgen im Heimwerkermarkt, Filiale Ohligs.

Während die Sonne durch die Glasfront brennt, lümmelt Oelze in der Gartenmöbel-Ausstellung auf der Hollywoodschaukel. Er stößt sich mit der Ferse ab und der Wippwind lindert die Luft, die stickig ist überm Königssee, der Fototapete, die Oelze mit Herrn Niebur angekleistert hat.

Oelze wippt, Oelze seufzt. Bei so einem Wetter tut er normalerweise keinen Handschlag. Das tut er jetzt zwar auch nicht, doch statt hier herumzuwippen würde er lieber mit der Gräfin den Watzmann hoch hüften und ihr die Sonnenstrahlen stehlen.
Ach, Gräfin. Du schöne Neue.

Verknallt knöpft Oelze den Kittel zu und schlappt eine Runde durch die Elektro-Abteilung, wo gerade ein Frühkonzert gegeben wird. Jemand probiert die diversen Türschellen, Glocken und Gongs durch.
„Junger Mann, ich habe da ein Problem“, wendet sich vertrauensvoll ein Rentner an Oelze. Der nickt mitfühlend auf.
„So? Was denn?“
„Also, ich habe ein Hock-Klosett zu Hause, so was Französisches, Sie wissen schon. Jetzt ist der Wasserdruck des Spülers aber so hoch, dass er mir nach dem .. öh…immer den.. na, Sie wissen schon, über die Füße schiebt, öh.“
„Also, ich weiß auch nicht“, rätselt Oelze, „da wenden sie sich am besten an unseren Gerd. Kommen Sie mal mit.“

In der Sanitär-Abteilung übt Klosett-Gerd Dahl, der grundsätzlich in schwarzer Skihose aufläuft und überhaupt aussieht wie ein alpiner Tanzlehrer, eine verzwickte Schrittfolge vor dem Art-deco-Spiegel.
„Ich hab da ein Problem..“, setzt der Rentner erneut an, und der Fachmann erteilt Rat.
„An Ihrem Spülkasten befindet sich eine Regulierschraube, die drehen Sie einfach ein Stück heraus. Oder noch einfacher, Sie kaufen sich einen Druckminderer. Aber am einfachsten: Sie kacken mittig in den Trichter! Hahaha!“
Eigentlich ist Dahl ganz in Ordnung, denkt Oelze. Wenn der nur nicht so verflucht nach einem Tanzlehrer aussehen würde.

Oelze spaziert zur Warenannahme. Vielleicht ist ja etwas angeliefert worden, irgendein Zeugs, das man Preisauszeichnen und Einregalen kann.
„Herr Niebur, wie sieht’s aus? Kleine Palette für mich?“
Herr Niebur sitzt am Pult und wienert seine Schuhe.
„Nee Jung, heut ist Samstag, da kommt hier nix mehr. Hab ich den andern auch schon gesagt.“

„OH SCHEISSE!“ flucht Hansa, gleich nebenan in der Holz-Abteilung. Hansa bedient die Säge und hat sich einmal mehr geirrt: statt einem Regalbrett die Kundschaft zersägt.
„Dem Hansa muss was über die Leber gelaufen sein“, glänzt Herr Niebur und schließt Lappen und Schuhbürste weg. „Ist schon sein Dritter heut.“
„ACHTZIG MAL FÜNFUNDZWANZIG!“ macht Hansa sich Mut. „Die Maße stimmen doch!“
„Das wird den Chef aber freuen“, meint Oelze und wuchtet seinerseits das Rolltor zur Rampe hoch. Der Frühling hält voll drauf, in der Ferne glitzert der Watzmann, mit seiner Kuppe aus ewigem Schnee.

Oelze lehnt sich an BÖCKELMANN, den Müllcontainer. Der verzehrt gerne geschlitzte Kartonage, mit ein bisschen Styropor drunter gemischt, dann brummt er friedlich und man kann prima mit ihm schwatzen, im Moment jedoch wirkt er ganz gram, in seinem Rostbraun.
„He, Oelze..“, spricht er mit schwacher Stimme, „..wirf doch mal einen Karton ein, von Gutbrod, wie letztens..“
Oelze erinnert sich.
„Der war klasse, was?“
Unter den Produzenten von Hollywoodschaukeln ist Gutbrod derjenige, der seine Gerätschaften in stabile, würzige Kartons verpackt, die exakt BÖCKELMANNS Geschmack treffen.
„Aber heute ist Ebbe, alter Knabe. Tut mir leid.“
Enttäuscht schließt BÖCKELMANN seine Klappe, „..schungg!“, und Oelze wird von Herrn Niebur gerufen.

„Hier ist doch was für dich, mein Jung. Eine Palette Rucksäcke, steht hinten in der Ecke. Aber auf dem Bogen fehlen die Preise, da musst du dich an den Eichkater wenden.“
Eichkater, stellvertretender Filialleiter, ist zwar ein pfiffiges Kerlchen, lungert aber die halbe Zeit in den Katakomben herum, wo er zwischen den Bilanz-Ordnern der vergangenen Jahre gut fünfzig Pötte Brauselutscher versteckt hält. Die sind eigentlich für die Kinder der Kundschaft bestimmt.
Oelze greift nach dem Wareneingangs-Bogen.
„Herr Niebur, falls Sie irgendwo einen Krümel Styropor auftreiben..“
„..dann werfe ich den in den BÖCKELMANN“, verspricht Herr Niebur, nebenan brüllt Hansa: „VERFLUCHT!!“, „Blutbad“, strahlt Niebur, „rekordverdächtig!“

Oelze schlendert Richtung Pausenraum, vorbei an den Kassenboxen, da sitzt die Geibel, das Relikt. Zickige Zähne, Dauerwelle, zerreißt sie sich das Maul über Klosett-Gerd Dahl, der ihr soeben eine Fehlgeburt gewünscht hat, übers Wochenende.
„Mit dir Tanzsack bin ich fertig!“ schnattert sie ihm hinterher und nimmt einen zornigen Schluck aus der Schnabeltasse.
Auch Oelze bietet sie die Zähne.
„Tagedieb!“ faucht sie ihn an. „Du willst doch gar nicht arbeiten, du…du Bergsteiger!“

Oelze steigt die Stufen zum Pausenraum hoch, wo Eichkater auf einem Autositzheizkissen mit Zigarettenanzünder probesitzt. In seinem Nacken wühlen Daumen und Zeigefinger von Gabi, der blonden Sekretärin, die Oelze morgens mit zur Arbeit nimmt.
Gerade versucht sie, Eichkater einen Pickel auszudrücken. Oder ist das ein Grützbeutel?
„Gabi, lass doch.. Der Pickel fällt von ganz alleine ab.“
Doch Gabi lässt nicht locker, bis Eichkater der Kragen platzt.
„Verdammt, Gabi.. das tut weh, wenn du so daran knibbelst!“

Auf dem Stuhl gegenüber brütet Klosett-Gerd über einer Stuyvesant.
„Gestern im Ersten gesehen, über die Elbfischer?“
„Nee“ sagt Eichkater genervt, und Gabi quiekt auf, weil der fette Pickel sich öffnet.
„Da hat’s vor zwanzig Jahren noch mehr als tausend Fischer gegeben, an der Elbe, und heute gibt’s noch ganze zwölf, musst du dir mal vorstellen, und dann haben sie auch die Fische gezeigt, die sie mittlerweile aus der Elbe rausholen, mit Beulenpest und alles, ich sag euch, ich rühr kein Fischstäbchen mehr an.“
„Halt doch mal still!“ beschwert sich Gabi, weil Eichkater losprustet, plötzlich „..pffft!“ der Eiter, Gabi schreit: „Das Schwein bespritzt mich!“, und Eichkater röhrt: “Jetzt brauch ich aber erst mal was zum Lutschen!“
„Einen Moment“, schaltet Oelze sich ein, „ich hab hier einen Bogen, auf dem fehlen die Preise.“
Hastig überfliegt Eichkater das Papier, „Rucksäcke? Musst du den Gerd fragen“, und verschwindet in der süßen Kühle der Katakomben.

Klosett-Gerd feuert die nächste Sruyvesant.
„Die Rucksäcke kannst du zu den Gartenmöbeln fahren, Preise bring ich später rüber.“
„In Ordnung“, meint Oelze, stiefelt aber zunächst eine Etage tiefer zum Personal-Klo, wo er hin und wieder eine Rote Zora durchzieht. Während Oelze die Purpfeife bebröselt, hört er ein Knistern aus dem Archiv nebenan, ganz leis’, die Lutscherfolien.
„So ein Schleckermaul!“ lobt Oelze den stellvertretenden Filialleiter und steigt leicht bekifft wieder in den Laden hoch.

„JUHUUU!“ kreischt die Geibel, das Relikt, in ihrer Kassenbox, und schwingt einen zusammengeklappten Schirm, Taschenformat. „DEN HAT MIR EIN STAMMKUNDE GESCHENKT, OB DER WOHL BEI KNIRPS ARBEITET, VIELLEICHT IST ES JA DER DIREKTOR, IST ZWAR NUR SO EIN KLEINER, KOSTET IM GESCHÄFT HÖCHSTENS EINEN ZEHNER, ABER IMMERHIN, GESCHENKT IST GESCHENKT!“
Oelze fragt sich, mit wem sie überhaupt redet, weil alles sich abwendet, nur Klosett-Gerd Dahl schielt aus dem Pausenraum und zwinkert Oelze zu.
„Die Geibel hat ein neues Hobby. Sie züchtet Pilzkulturen.“
Oelze kann den Gag nicht mehr hören.
„In ihrer Muschi, ich weiß.“

Er flieht vor dem Inferno aus Lärm und gleißendem Neonlicht und verkrümelt sich eine Weile am Dübel-Center, wo es in der Regel recht ruhig zugeht. Außerdem hat man hier einen guten Blick auf die Kollegen, etwa den Praktikanten, der an Gondel 16 mal wieder mit dem Besen zugange ist.
Der Praktikant, ein Bär von einem Praktikanten mit riesigen, haarigen Armen, hat den lieben langen Tag nichts anderes zu tun, als um Gondel 16 herum zu fegen, den Blick zu Boden, in Demut. In spätestens zehn Tagen wird er einen Graben gezogen haben, metertief, und niemanden wird es aufgefallen sein, schon gar nicht der Kundschaft, die Gondel 16 weitestgehend meidet, sind dort doch härteste Ladenhüter im Angebot.
„Och, ich hab kein Bock mehr..“, singt Oelze vor sich hin, da sieht er aus den Augenwinkeln ein schweres Fußballerbecken auf sich zurollen.
Der Chef, ziemlich verärgert!
„Nichts zu tun ausser blöd rumdübeln, Oelze? Der Eichkater hat doch bestimmt was für dich! Ist ja nicht so, als wären wir hier bei armen Leuten. Wo ist der Eichkater überhaupt..? Eichkater!“
Oelze weiß auch nicht.
„Aber morgen hab ich wieder Bock!“
„Was? Wie? Morgen ist doch Ihr freier Tag! Eichkater..! EICHKATER!!?“
„Hier Chef!“
Zwischen Lampenständern und Zubehör ragt in der Elektro-Abteilung ein Lollie hervor, mit Brause.
Oelze wundert sich, wie Eichkater es so schnell aus dem Keller herauf geschafft hat, aber das wird das Geheimnis seines stellvertretenden Erfolgs bleiben.

Am Dübel-Center ordnet Oelze auch die letzte Schachtel ordentlich an den Haken, pikobello ist die Gondel jetzt, da lässt sich keine weitere Minute herausschinden, und bevor der Chef auf die Idee kommt, er, Oelze, solle an der Säge aushelfen, beim Gemetzel, schnappt er sich lieber die Palette Rucksäcke in der Warenannahme.

Herr Niebur sattelt gerade seine orangefarbene Elektroameise.
„Ah, gut dass du kommst, Oelze! Ich reite mal eben rüber zum Kiosk. Pass solang hier auf, aber vergiss nicht das Tor zu schliessen, falls du doch gehst.“
„Mach ich“, meint Oelze und spaziert auf die Rampe.

Die Vögel zwitschern, der Watzmann summt ein Liedchen, nur BÖCKELMANN pfeift auf dem letzten Loch.
„He, Oelze..“
Der tätschelt den Container.
„Tut mir leid, alter Knabe, ich hab nichts für dich.“
Er überlegt.
„Na ja, ein paar Brauselutscher hab ich natürlich in der Tasche, für den Eichkater, für alle Fälle.“
BÖCKELMANN ist alles andere als begeistert.
„Daran hab ich mir schon mal bös den Magen verdorben.“
Er öffnet seine Klappe, einen Spalt nur, und Oelze füttert ihn mit einigen Lollies, bis BÖCKELMANN schäumt: „Lass gut sein, bäh..!“

„So, dann mal ran an die Rucksäcke“, spuckt auch Oelze, allerdings in die Hände, und sucht sich einen Hubwagen. Pumpt die Gabeln unter die Palette mit den Rucksäcken und fährt los. Die stickige Luft im Laden macht ihn ganz benommen, und eine Weile fühlt sich Oelze, als führe er hier gar nicht durch die Gänge, sondern mitten durch sein Herz, wo er auf die Gräfin stößt. Ihr Gesicht fließt nah und warm, ihre Nasenflügel beben, und Oelze fährt Parallelslalom…
„JUNGER MANN, GEHÖREN SIE ZUM HAUS HIER?!“
Ein Greis im Rollstuhl knittert auf Oelze zu.
„Sozusagen..“
„WO KRIEG ICH DENN HIER ANSTREICHSACHEN?? ICH SEH SO SCHLECHT!“
„In unserer Farben & Tapeten.“
„HÄÄ?“
„FARBEN UND TAPETEN! ICH ZEIG IHNEN DEN WEG!“

Oelze kurvt mit der Palette Rucksäcke voraus, der Rollstuhl schnurrt hinterher, streift in einem engen Gang die Schnäppchen-Gondel, die klirrend zu Boden geht.
„WAT IS DAT SO LAUT HIER, JUNGER MANN??!“
Oelze ist in hundert von einhundert Fällen heilfroh, wenn er die Kundschaft wieder vom Hals hat.
„WEGEN IHREN ANSTREICHSACHEN, DA WENDEN SIE SICH LIEBER AN UNSEREN HERRN HELLMANN, DER IST DA SPEZIALIST!“
„Wah..? Wer..? Hell..mann..??“
„WEGEN IHREN ANSTREICHSACHEN!“
„Anstreich..? Nein, ich..“
Hellmann, im ganzen Bergischen Land berüchtigt für seine einnehmende Art, hat ganz in der Nähe gerade nichts zu tun.
„IN WELCHER FARBE MÖCHTE DER HERR DENN STREICHEN, BITTE SEHR?“
„Streichen, ich? Nein..ich meine, das ist nicht für mich, mehr für meinen Sohn…“
„ACH WAS, DAS MACHEN WIR BEIDE SCHON“, schreit Hellmann, und schiebt den Alten in sein Revier, „JETZT KOMMEN SIE ERST MAL MIT.“
„Mein Sohn“, winselt der Greis, „sollte vielleicht doch besser selbst vorbeischauen..“
Zu spät. Hellmann hat ihn bereits in der Mache.
„SOO, ZUR ENTSPANNUNG GIBT’S ERSTMAL EIN KÜSSKEN, NICHT WAHR!“
Oelze sieht zu, dass er Land gewinnt, samt seinen Rucksäcken.

In der Holz-Abteilung steht Hansa an der Säge, mit Ohrschutz, daneben ein Kunde.
„Würden Sie mir die Latte hier in zwei Teile sägen? Da will ich mir ein Fliegengitter draus bauen, aber so kriege ich die Latte doch nicht in mein Auto verstaut.“
„WELCHE LATTE?“ klagt Hansa.
„Nun ja, die Latte hier eben…“
„DAS IST EINE ZWO-VIERZEHNER, DIN-GENORMT, PASST FÜR JEDEN AUTOTYP, SELBST MINICOOPER!“
Der Kunde kommt ins Schwitzen.
„Schon…aber dann muss ich…die Latte aus dem Fenster raushängen..“
„DIE ZWO-VIERZEHNER?“
„..die Zwo-Vierzehner..das tue ich nicht so gerne, könnten Sie nicht eventuell doch…mal eben in Ihre Säge..?“
„KEINE SÄGE, EIN PRÄZISIONS-SCHNEIDER IST DAS, PASST DIE ZWO-VIERZEHNER GAR NICHT REIN, ZU SCHMAL!“
„Oh..ja, und mit einer Handsäge?“
Hansa läuft rot an, eine brenzlige Färbung für die Kundschaft.
„WAS ZUM TEUFEL FÜR EINE HANDSÄGE DENN??“
„äh..nun..mit der hand…sägen..“
„SIE SPRECHEN VON EINEM FUCHSSCHWANZ!“
„Genau!“
„DA KLEBT BLUT DRAN.“

Oelze wirft einen Blick auf die Wanduhr. Gleich ist Mittag. Dann werden hier alle nervös.
„JA, MENSCH, IST DENN HIER NIEMAND, KEIN ABTEILUNGSLEITER ODER SO WAS, DER EINEM MAL EINE VERNÜNFTIGE ANTWORT GEBEN KANN?!“ erregt sich irgendwo eine weibliche Kundin, aber niemand schert sich darum, schon gar nicht Eichkater, der stellvertretende Filialleiter, der an Gondel 16 das Sortiment ausdiskutiert, mit einem Firmen-Vertreter.

„Schon die Verpackung wird von der Kundschaft gar nicht angenommen“, beschwert sich Eichkater und hält ein eingeschweißtes Schlüsselloch in die Höhe. „Trotz optimaler Platzierung ist der Umsatz gleich Null.“
Wenn Eichkater nicht gerade zwischen den Bilanzen rumlutscht, ist er ein gnadenloser Fighter.
„Da sind wir mit der anderen Firma besser gefahren!“
Der Vertreterfisch windet sich.
„Verstehe ich nicht, in anderen Filialen wird der Artikel gefressen wie Scheiße.“
„Andere Filialen, andere Filialen“, schmettert Eichkater ab, „wir sind hier nicht in einer Ihrer gottverdammten anderen Filialen, sondern im tiefen Ohligs!“
Erbost entreisst er dem Praktikanten den Besenstiel, will damit einknüppeln auf den Fisch, der blitzschnell eine Handvoll Lollies hervorzaubert.

Auch Oelze kriegt allmählich Hunger. Legt mit dem Hubwagen einen Zahn zu, doch plötzlich herrscht helle Aufregung um ihn herum: Alles sprintet in Richtung der Gartenmöbel-Ausstellung, auch Klosett-Gerd Dahl kommt in einer interessanten Schrittfolge daherscharwenzelt.

„Heut Abend geh ich schön schwofen, mit meiner Alten.“
„Wollen die alle in die Gartenabteilung?“ erkundigt sich Oelze mit einem mulmigen Gefühl.
„Exaktemang“, meint Dahl, „da soll irgendwas passiert sein.“
Zur Sicherheit schnappt sich Oelze einen der Rucksäcke von der Palette, bevor er Gerd folgt. Die Garten-Abteilung ist ein einziges Menschenknäuel, mittendrin der Chef, der umständlich mit der Unfalltrage hantiert.
In der Menge brodelt es.
„…Hollywoodschaukel eingestürzt…!“
„…ganze Familie beim Probeschaukeln ertrunken…!“
„…im Königssee…!!“
„WELCHER VOLLIDIOT HAT DAS DING ZUSAMMENGESCHRAUBT??“ platzt der Chef.
„Bestimmt der Oelze!“ schnattert das Relikt, die Geibel. „Der hat doch zwei linke Hände!“
“Der hat überhaupt keine Hände!”
„DA IST ER!!“

Die Köpfe fliegen herum, Oelze nimmt die Beine in die Hand, merkt, dass er so nicht vom Fleck kommt, lässt sie wieder ab und rennt los. Beinahe rammt er dabei Herrn Niebur, der auf seiner Ameise dahergeritten kommt.
„ICH HAB DIR DOCH EXTRA GESAGT, DU SOLLST DAS ROLLTOR SCHLIESSEN, WENN DU GEHST! IRGENDWELCHE DEPPEN HABEN DEN BÖCKELMANN MIT LUTSCHERFOLIEN ZUGEQUAST!!“
„DAS IST JA WOHL DER GIPEL!“ zetert die Geibel, „BAAH!“

Höchste Eisenbahn! Mit einem Sprung über das Drehkreuz flüchtet Oelze hinaus auf den Parkplatz, tritt dabei mit dem Außenrist gegen einen Einkaufswagen, „Ne Flanke wie ne Bratwurst!“ brüllt der Chef, der ihm auf den Fersen ist, „STEHENGEBLIEBEN!“
Oelze saust um die Ecke, rein in den Kiosk, wo er sich zum Frühstück regelmäßig die warmen Salinos abholt, und verbarrikadiert sich.
„VIER PFUND PROVIANT FÜR DEN RUCKSACK UND DAS TELEFON!“ pfeift er die Verkäuferin an. Die bleibt gelassen.
„Kleinen Gipfelsturm arrangieren, Herr Oelze, mit Ihrem Schatz?“
„Aber ja doch“, versichert Oelze, „die Konkurrenz schläft nicht!“, und tatsächlich, „Hü, Oelze..“, kommt BÖCKELMANN hektisch angeraschelt. „Nümm müch müt.“

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Eine Antwort zu “Watzmann”

  1. minotaurus sagt:

    Gut geworden! Kann ma’ nich meckern.