I AM AIREN MAN, von Airen

Airens furioses Debut STROBO hallt noch durch die Lande, schon hat der Berliner Blumenbar-Verlag den Nachfolger auf den Markt geworfen, I AM AIREN MAN. Wie schon für STROBO bedient sich Airen auch hier aus seinem eigenen Blog, den er seit 2007 bei wordpress führt.

2009 verlässt Airen Berlin in Richtung Mexiko-Stadt. In der Mega-City übernimmt er einen Job für eine deutsche Beratungsfirma, arbeitet im 17. Stock eines Gebäudes im Finanzzentrum. Wie in Berlin wird dem Ich-Erzähler auch hier bald klar, dass er nicht recht in die Liga der Karrieristen passt, “in unbequemen harten Schuhen mit unsicherem Tritt”, er geht lieber feiern und lässt die Puppen tanzen. Zwar hat Mexiko-City keinen Techno-Tempel Berghain, aber in der Zona Rosa lässt sich ähnlich versumpfen, und eine Koks und Pillen-Connection ist schnell aufgemacht.

Über dem Buch liegt eine gewisse Ruhe, der Stil ringt nicht ganz so nach Atem wie in STROBO, kommt gedämpfter. Fast scheint es, als klopfe das Erwachsensein an: Sollte das Rumziehen mit schnitzeldraufen Weibern und nachts den Schwanz einer Transe im Arsch doch nicht das Ende aller Dinge sein? Und gerade, als der Roman beginnt, ein wenig zu langweilen, (10 Seiten), lernt er die überschwängliche alte Dona Tina kennen, eine Nachbarin, die ihn bald mit ihrer Enkelin Lily verkuppelt.

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Man setzte mich natürlich direkt neben Lily. Und Manuél, mit dem ich am Freitag zusammen abgestürzt war, warnte mich: “Die hat auch was mit Frauen.”
“Ich hab auch was mit Männern”, ignorierte ich seinen Blick.
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Daraus wird: Liebe. Und genau das, was in STROBO noch ein echter Betriebsunfall gewesen wäre, das Ende aller Feierei, bringt in I AM AIREN MAN die Wende. Airen wird Vater, kehrt vorläufig nach Berlin zurück, und am Ende des Buchs gibt er tatsächlich den Stab weiter an die nächste Techno-Generation.

Das ist knackig geschrieben, hat Bewegung und Herz. Ich hab wahlweise alle zwanzig Seiten “genau” gemurmelt oder kurz aufgelacht (“Mein Mitbewohner Tommy war ein langhaariger, voll verpeilter Kiffer, eine lahme, dusslige Memme”) oder ich musste einen Satz nochmal lesen und schnalzen. Klasse.

Airen | I Am Airen Man | 176 Seiten | gebunden | € 17,90 | Blumenbar Verlag | Berlin 2010 | Originalausgabe | ISBN 978-3-936738-85-8 |

Interview mit dem Autor im Deutschland-Radio

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