Nachtzug nach Budapest (Review)

*

1. Juli 1993

“Ungarn..?! Bei Allah – Ungarn, gefährlich! Nur Zigeuner!” Der türkische Taxifahrer, der uns zum Hauptbahnhof bringt, wo Punkt 20 Uhr 37 der Donau-Kurier starten soll, der Nachtzug nach Budapest, schlägt die Hände überm Kopf zusammen. “Zigeuner an allen Ecken!”

Am Bahnhofskiosk kauft die Gräfin den aktuellen STERN. Titel-Story ab Seite 8: CHICAGO AN DER DONAU. Eine finstere Ballade über die Unterwelt von Budapest und ihren König Miklos, der wegen seiner Vorliebe für saure Milch-Mix-Getränke nur Miklos, der Molkeschädel genannt wird.

In Köln betritt ein älterer Rheinländer unser Abteil, just in dem Moment, als es der Gräfin am Rücken juckt, “dahinten, wo ich nicht drankomme. Nun mach schon.” Ich hebe vorsichtig ihr T-Shirt an, bis die gerötete Stelle gefunden ist, und erledige meinen Job. Der Rheinländer tut zwar schinant, glotzt aber unter Garantie rüber. Mir macht kein Rheinländer was vor.

Hach ja!!

Donnerstagabends in Urlaub fahren, was könnte unspektakulärer sein! So unspektakulär wie unser Gepäck: ein speckiger grüner Koffer und ein Bundeswehrrucksack, passend zum Donau-Kurier, dem staubstarrenden grauen Schnellzug, den es aus den frühen sechziger Jahren in die Gegenwart verschlagen hat, um uns beide heil zum Balkan zu bringen. Nur komisch, dass der Herrgott ausgerechnet uns beide im Auge behalten soll, bei den vielen Leuten, die gerade auf unserem Planeten unterwegs sind. Aber das Problem klären wir später. Im nächsten Leben. Wenn ich mehr darüber weiß.

Hauptbahnhof Bonn. Der ältere Herr ist hier daheim. Er meint es gut, wie Rheinländer eben so sind. Sie haben ein Herz, und sie sind stolz darauf, es Auswärtigen zu zeigen. Manchmal vertun sie sich auch und zeigen die Lunge. Hauptsache es pumpt.

“Wann kommt ihr denn in Budapest an?” fragt er höflich.

“Zwölf Uhr”, sage ich, und füge hinzu, “also morgen Mittag zwölf Uhr.”

Er winkt heftig ab.

“Morgen Mittag? Oje – das ist nix mehr für mich. Also, tschö.”

“Jetzt sind wir schon eine Stunde unterwegs”, rechne ich durch.

“Eine erst?”

Sie macht sich daran, aus vier der sechs quietschenden Sitze eine Liegewiese hinzukriegen, im Schnellzug nach Budapest. Frauen haben ein wärmeres Verhältnis zu Zügen. Zu Maschinen und Apparaturen im Allgemeinen. Einerseits praktisch, andererseits pfleglich. Damit nichts drankommt. Damit überall ein Heim draus wird.

Sie betrachtet den Ring an ihrer Hand, ein Erbstück von Oma Soest. Ein schönes, klassisches Teil aus echtem Sterlingsilber.

“Vielleicht sollte ich den Ring in Budapest lieber abziehen, hinterher wird der mir noch geklaut.”

“Beim Popeln?”

“Frauen popeln nicht.”

“Ist wahr? Dann kannst du den Ring ja auch dranlassen. Dann kann dir ja nichts passieren.”

“Wieso? Bestehlen ungarische Trickdiebe etwa nur Frauen, die den Finger in der Nase haben?”

Der Einwand scheint mir berechtigt. Da ist was dran.

“Dann zieh den Klunker lieber ab”, sag ich. “Ist besser so.”

Noch bevor wir Koblenz erreichen, suche ich das Bordklo auf. Am Nachmittag hab ich mir auf den letzten Drücker ein Pack besorgt, beim Bruder vom dicken Hansen, davon ist noch gut die Hälfte übrig. Das blowe ich mir jetzt weg. Die Gräfin muss ja nicht alles mitkriegen. Vorallem nicht meine Heroinexperimente. Experimente? Dass ich nicht lache: ha ha. Alles halb so ha ha. Die folgenden zwei, drei Tage, das steht mal fest, wird es mir nicht gut gehen. Für jeden Tag, den ich breit bin, zahle ich mit einem Tag Depression, so die gängige Junkiegleichung. Heute bin ich den dritten Tag drauf.

Auf dem Klo streue ich das braune Pulver auf einen Streifen Alu-Folie, den ich mit dem Feuerzeug erhitze, das Papierröhrchen im Mund, um den Dampf zu inhalieren, da ruckelt der Zug so heftig über die Schienen, als mache er einen Bocksprung, und die ganze verdammte Bagage in meiner Hand geht in einer einzigen großen Stichflamme auf. Vor Schreck lasse ich alles fallen, die Alu-Folie mit dem Heroin obenauf landet punktgenau im Klo.

“Scheisse!!”

Das war’s. Der verkohlte Streifen Aluminiumfolie im Pisswasser, der Rest auf dem nassen Boden. Es stinkt nach Chemiebaukasten, nach Unfall. Merkwürdigerweise nehme ich das Debakel achselzuckend, ja gelassen hin, beinah so, als wäre nichts geschehen. Ich schlingere zurück ins Abteil, mit rußverschmierten Fingern.

“Ach nee. Was hat der Herr denn so lange auf dem Klo gemacht? Schön einen geblowt?”

Hm. Vielleicht hätte ich mir doch die Finger waschen sollen.

“Versucht hab ich’s, ja”, gebe ich zu. “Aber mir ist alles in Flammen aufgegangen.”

“Toll. Und? Ist noch was übrig? Geht das Spielchen jetzt in Ungarn so weiter?”

“Nee. Das war’s.” Ich hebe wie zum Schwur die Hände. “Ich hab nichts mehr. Niente. Alles weg.”

“Mir doch egal.”

Sie hat partout keine Lust, sich die Laune verderben zu lassen, und summt bei offenem Fenster San Bernadino.

“Ist nicht viel los in Koblenz, du. Guck mal, die Weinberge. Gekämmt und gescheitelt.”

Nicht mal im Nachhinein werde ich schlau daraus, warum das so eine Riesenstichflamme in meiner Hand gegeben hat – ruckelnder Zug hin oder her. Muss wohl ein Zeichen vom Herrgott gewesen sein, eine Botschaft. Aber welche? Dass ich die Finger künftig vom Heroin lassen soll? So profan, und so berechtigt?

Frankfurt am Main. Verspätet eingetroffen auf Gleis 5 der Intercity Johann Sebastian Bach.

“Ich denke, der heisst Donau-Kurier”, sag ich.

“Heisst der ja auch. Die meinen einen anderen.”

..und auf Gleis 12 der Donau-Kurier nach Budapest, über Wien-West..

Noch sind wir allein im Abteil. Und das soll auch so bleiben. Wenigstens für heut Nacht.

“Dieser Zug endet hier”, faucht die Gräfin in den Gang. Dann ziehen wir die ochsenblutroten Vorhänge zu und stellen die Deckenbeleuchtung auf matt. Viertelstunde Aufenthalt in Frankfurt, Viertelstunde Bangen, dass die Tür zubleibt, dass wir unter uns bleiben, Viertelstunde Gesprächsfetzen auf dem Gang und Ziehen und Poltern von Gepäckstücken. Und dann – passiert es doch. Die Schiebetüre öffnet sich. Die Gräfin und ich starren aus dem Halbdunkel der Kabine zurück wie zwei Schwachsinnige, die Appetit haben, auf alles, was da kommet, und die Tür wird genauso hektisch wieder zugeschoben wie sie aufgerissen wurde.

“Schulligung..”

Ja, in Ordnung. Als wieder einigermaßen Ruhe einkehrt, geh ich auf den Gang hinaus und klemme die beiden Reserviert!-Schildchen von der Nachbarkabine an unsere Tür. Das sieht doch wesentlich besser aus.

“Mehr kann man nicht machen”, sag ich. “Das muss reichen. Oder?”

“Ich wüsste was besseres”, meint sie. “Zieh die Schuhe aus.”

Gute Idee. Denn trotz Einlegesohlen: in den schwarzen Sneakers absorbieren meine Füße derart viel Schweiß, dass ich mich nicht zu weit zu mir selbst runterbeugen darf, sonst muss ich kotzen. Kaum hab ich die Schuhe ausgezogen, schiebt sich entschlossen die Kabinentür auf.

“Frei?”

Ein Vater, ein Koffer, eine halbwüchsige Tochter. Ich nicke mürrisch, ein Paar stinkige Strümpfe in der Hand, die leider niemanden stören.

“Sie fahren bis Ween?” fragt der Mann. Hager wie ein Langstreckenläufer, mit amerikanischem Akzent.

“Über Wien”, antworte ich. “Bis Budapest.”

Zwei Minuten drauf.

“Und Sie? Fahren auch bis Wien?” frag ich.

“Ween”, sagt er. “Yes. Vienna.”

Vier Minuten später. Die Gräfin macht sich am Fensterplatz lang und studiert im Halbdunkel unser Ticket.

“Kommt Passau vor Wien?” flüstert sie in mein Ohr.

“Klar. Passau ist die Grenze.”

“Au weia. In Passau sind wir erst um vier Uhr. Und hier, Wien. Um acht.” Sie stöhnt. “Und die ganze Zeit die blöden Amis im Abteil.”

Das Töchterchen liest im Dämmerlicht ein Micky Maus-Taschenbuch und lutscht am Daumen, sobald es sich unbeobachtet fühlt. Einmal verlässt der Mann unser Abteil, mit einem Seitenblick auf meine Strümpfe, und als er wenig später zurückkehrt, sammelt er eiligst die Tochter und das Gepäckstück ein.

“Free Abteil! Next to the right!”

Jessas! Wir feiern alle ein Fest. Ohne eine weitere Sekunde zu verlieren, löschen die Gräfin und ich das Deckenlicht und machen aus allen sechs Sitzen eine einzige solide ochsenblutrote Liegewiese, die uns kommod durch die Nacht bringt.

Krummes Schlafen bis 4 Uhr, Passkontrolle Passau. 8 Uhr, Wien West-Bahnhof. Halbe Stunde Aufenthalt.

“Fühl mal.”

Sie hält mir den Hinterkopf hin. Überall Beulen, meint sie, vom langen Liegen. “So Liegebeulen.”

“Quatsch. Da ist gar nichts.”

“Wie, da ist gar nichts? Du merkst auch gar nichts! Du mit deinem tauben Blowgehirn.”

Später hat sie den STERN in Arbeit und macht mit mir irgendeinen Psycho-Test, doch mir fallen dauernd die Augen zu. Ein bißchen Heroin scheint doch durchgekommen zu sein. Im Test geht es um Stress.

*

2. Juli 1993

Hinter der österreichisch-ungarischen Grenze wird aus dem Schnellzug eine zuckelnde Regionalbahn, ohne dass die Zugmaschine gewechselt worden wäre. Ab sofort stoppen wir an jedem Kaff, das eine Kuh und einen Bürgermeister hat. Die Hitze wird von Stunde zu Stunde unerträglicher, da die Fenster eingerostet sind und sich nicht öffnen lassen. Es raubt einem den Atem. Doch ein anderes Abteil ist nicht frei.

Als wir um die Mittagszeit herum endlich Budapest erreichen, sind wir so erledigt, wir können uns kaum noch auf den Beinen halten.

In der Bahnhofshalle bricht in dem Moment die Hölle los, als man uns als Touristen identifiziert, auf der Suche nach einer Unterkunft. Innerhalb einer halben Minute sind wir von zig Einheimischen belagert, die für little money Privatzimmer vermieten, oder die wenigstens Leute kennen, die Privatzimmer vermieten, oder die jemanden anrufen können, der Leute kennt, die Privatzimmer vermieten, für very very little money.

“Wir bringen direkt in Zimmer, Herr!”

“Zimmer! Wir gute Doppel-Zimmer! Privát!”

“Hier, Herr! Billige große Zimmer! Für scheene Frau! Und Hund auch!”

“Wir haben keinen Hund mit.”

“Egal! Für scheene Frau!”

Von allen Seiten zerren Hände an uns und unserem Gepäck, es geht zu wie auf dem Basar. Wir wissen nicht, wem wir trauen können. Eine energisch plappernde, etwas dickliche Frau lotst uns schließlich aus dem Gewimmel heraus, wir folgen ihr einfach, wie betäubt vom Lärm, der Hitze und der langen Zugfahrt. Auf dem Bahnhofsvorplatz parkt der Wagen der Frau. Ein winziges Vehikel, winziger als ein Fiat 500. Ein altes Ostblockmodell.

“Da ist doch grade mal Platz für den Motor”, meint die Gräfin skeptisch. “Wo sollen wir denn da da noch rein?”

“Vielleicht bringt sie uns einzeln und nacheinander ins Quartier”, vermute ich noch, da hat sie uns schon samt Gepäck in den winzigen Wagen gestopft, so geschwind, wir wissen kaum, wie uns geschieht. Es ist, als hätte die Frau die Karosserie mal eben um uns herum aufgebaut.

Die Gräfin hockt auf meinem Schoß, den Kopf direkt unterm Wagendach, während die dicke, nach Schweiß riechende Hauptstädterin losbraust und auf der sechsspurigen Utca wendet, ohne groß auf den Verkehr zu achten. Sie ruft irgendwas in unsere Richtung, das möglicherweise “es wird schon gutgehen!” bedeutet, “die Anderen sollen sich nur verpissen!” Wie auch immer, sie fährt einen beinah schon kriminell schnittigen Damenbart spazieren, so aus der Nähe betrachtet.

“Hoffentlich hat sie nichts mit Miklos zu schaffen”, flüstert die Gräfin, “dem Molkeschädel.”

Andererseits, so ein bißchen Unterweltkontakt hat noch nie geschadet. Sie kutschiert uns in die Wohnung eines “Freundes”, der im Moment nicht daheim sei, aber ein großes helles Zimmer zu vermieten habe. So verstehen wir ihre Worte jedenfalls, als sie uns die Bleibe in einem klassizistischen Hochhaus zeigt, direkt an der lärmenden Hauptstrasse. Bevor wir uns entscheiden können, lässt sie einfach die Schlüssel da und verschwindet ohne ein weiteres Wort.

Am Abend essen wir gegenüber im überfüllten IMBISZ eine Gulaschsuppe und fallen todmüde und geschlaucht ins Bett. Niemand lässt sich in der Wohnung blicken, auch nicht in der Nacht. Vielleicht haben wir die Dame mit Bart auch falsch verstanden, und die Bude gehört uns ganz allein.

*

3. Juli 1993

Wir sind nicht allein. Nachdem der Inhaber der Wohnung einmal aufgetaucht ist, geht er nicht mehr weg. Heute ist der 22. Todestag von Jim Morrison. Schon früh am Morgen ist es so heiß und stickig in der Stadtwohnung, nach einer schnellen schwitzigen Nummer packen wir die Schwimmklamotten und fahren mit der Straßenbahn zur Margareten-Insel, ins größte Freibad der Stadt. Den Tipp haben wir aus einem veralteten Reiseführer Budapest.

Das Freibad ist überfüllt. Aus den heissen Duschen sickert eine Brühe heraus, die nach Jauche müffelt, kalte Duschen finden wir nicht. Im Schwimmerbecken, groß wie ein Fußballfeld, wimmelt es von toten Insekten, die auf der Wasseroberfläche treiben und niemanden kümmern. Als die Gräfin schreiend die Flügel und weitere Kleinteile einer Libelle ausspuckt, hat sie die Nase voll und bleibt fortan auf der Liegewiese.

Zweierlei ist seltsam: Anstatt zu schwimmen, stehen die Einheimischen zu Hunderten im Wasser und trampeln sich gegenseitig auf den Füßen rum. Gelegentlich wird stoisch nach einem Ball gegriffen, der von irgendwoher geflogen kommt. Unglücklich sieht aber niemand aus. Glücklich auch nicht. Zweitens ist die Hälfte des monströs großen Beckens Nichtschwimmerbereich, und als ich es doch einmal wage und ein paar Stöße kraule, beziehungsweise so tue, als könnte ich kraulen, was nicht stimmt, werde ich sofort und unmissverständlich zur Räson gerempelt; “tabú” kommt es von allen Seiten.

Drittens: Es gibt allerlei Bratfischbuden.

Schwimmen macht hungrig, auch wenn man im Wasser nur rumlümmelt. Die Bratfischbuden schenken wir uns. Wir landen in einer Nebenstrasse in einem kleinen Keller-Restaurant. Der Wirt nudelt zu Ehren von Jim Morrisons 22. Todestag “L.A. Woman” runter, das ganze Album, doch ich bin zu erledigt, ich habe an nichts Freude. Allmählich macht sich der Entzug bemerkbar. Nur bei “Riders on the storm” werde ich etwas rührselig. Die Gräfin auch. Sie weint sogar ein bisschen, und ich werde neidisch.

Als wir später in die Wohnung kommen, werden wir schon erwartet, von  Zsa Zsa. Er ist schwer enttäuscht, dass wir auf der Margaraten-Insel das hässliche Freibad besucht haben, statt uns auf eine der vielen Sehenswürdigkeiten zu konzentrieren.

“Gellert-Bad”, bellt er ein ums andere Mal, wie ein dicker verfressener Köter, “Gellert-Bad , wunderbaar!”

*

4.Juli 1993

Der dritte Tag in der Hauptstadt. Das Hochhaus liegt im Stadtteil Pest, im 8. Bezirk, direkt an einer quirligen Kreuzung. Ohne Unterlaß rollen Strassenbahnen heran, die Hitze staut sich in der Dachwohnung. Zudem arbeitet im Innenhof des Hochhauses eine stramme Zikaden-Manufaktur. Unser Vermieter, den wir Zsa Zsa nennen, da er mit Nachnamen Gabor heisst und mit den Augenlidern zuckt wie eine Hollywood-Diva, ist Tag und Nacht daheim. Die wenigen Worte, die er aus dem deutsch-ungarischen Wörterbuch gelernt hat, nuscheln besonders galant aus ihm heraus, wenn ihm morgens die Gräfin über den Weg läuft.

“Scheene Frau.. ! Küss die Haand..”

Für meinen Geschmack tun sie ein bisschen arg vornehm, die ganzen Ungarn mit Bratenfleck auf ihrem gerippten Unterhemd und dem Mundgeruch eines langen Sommers. Seltsam auch: Zsa Zsas Kühlschrank ist zum Bersten bepackt mit Milchprodukten. Sonst nichts. Nur Dutzende von übereinander gestapelten Kefir- und Molke-Bechern. Wir wissen nicht, was wir davon halten sollen. Und ob die Dinger schmecken. Einmal ertappen wir Zsa Zsa mit einem Michbart.

Da es auch in der Nacht kaum unter 25 Grad abkühlt, schlafen wir bei offenem Fenster, trotz der im Fünf-Minuten-Takt vorüberratternden Strassenbahnen und den Ambulanzwagen, deren nordamerikanische Sirenen durch die Nacht heulen wie im Ballerspiel am Computer. Da zudem die Strassenlaternen und Neonreklamen unser Zimmer ausleuchten, wird es niemals richtig dunkel. Ich schiebe mittlerweile einen kleinen Affen. Es ist eine einzige Strampelei, ich wandere das Bett im Liegen auf und ab.

Tagsüber ist es kaum besser. Die Hitze staut sich so in den Strassen, dass wir jedes Getränk auf der Stelle wieder ausschwitzen und nichts übrig bleibt zum Pinkeln.

“Ich rieche schon nach Ammoniak”, stöhnt die Gräfin.

Es ist Sonntag, wir gehen wieder schwimmen, diesmal ins legendäre Gellert-Bad. Ich bin dermaßen mies drauf, dass ich eine geschlagene halbe Stunde wie ein trotziger kleiner Bub neben dem Thermalbecken stehe und vor Kälte bibbere. Ich will nur noch eines: so schnell wie möglich nach Hause. Ein Pack kaufen.

Es ist unmöglich, Zugang zu seiner Umgebung zu kriegen, wenn man einen Affen schiebt. Gegen den kleinsten Heroinentzug ist ein Alkoholkater eine Tüte Süßigkeiten vom Büdchen.  Heroin bedient das Ruhebedürfnis. Heroin schafft es, dass man sich für eine Weile pudelwohl wie ein Säugling fühlt. Heroin ist Stille. Wenn man es intus hat. Wenn man Heroin nicht intus hat, wird es verdammt laut. Die ganze tolle Jugendstilarchitektur im Gellert-Bad kann mich jedenfalls mal am Arsch lecken. Die Gräfin spielt Kommodo-Waran und toter Mann im Wasser.

“Kann man sich mit Krokodilen anfreunden?” ruft sie gut aufgelegt. “Ich meine, kennst du jemanden, der ein Krokodil zum Freund hat? Ich finde, Krokodile haben was Tröstliches an sich, was Uraltes, das ich gerne zum Freund hätte. Was meinst du?”

Ich antworte nicht. Ich steh am Beckenrand und bibbere. Sie findet mich doof.

“Komm doch rein, ist lecker warm. Wie in der Badewanne.”

“Nee! Keinen Bock! Echt nicht.”

*

5. Juli 1993

“Wir scheissen auf die Großstadt und fahren heute mit dem Bummelzug zum Balaton”, schreibe ich auf die Postkarte, die ich für Karlos und Sandy in Budapest gekauft habe und jetzt abschicke. Zum Abschied hat Zsa Zsa, wie immer frisch herausgeputzt, einen Bückling vor der Gräfin hingelegt, so tief, ich dachte schon, gleich leckt er ihr die Schuhspitze, doch da war ihm sein Wanst im Wege.

Der Zug zum Plattensee ist so brechend voll, dass wir uns abwechselnd einen Sitzplatz teilen müssen. Der Gräfin steht der Schweiss fingerdick auf der Stirn, und unter ihrem weissen Hemd tropft es vom Busen auf den Bauch.

“Hier, fühl mal.. Fühlen! Nicht dranpacken!”

Mir gehts besser, nach drei beschissenen Entzugstagen kann der Urlaub losgehen. Und wir sind endlich aus Budapest raus. Ich hasse große Städte. Große Städte sehen nur im Spielfilm gut aus, wenn man nicht an der Hauptverkehrsader wohnt und die Rush Hour nicht vierundzwanzig Stunden am Tag dauert.

Neben unserem Sitzplatz hockt ein gemütlicher dicker Ungar mit Schnauzbart und einem kleinen Transistorradio, das er leise zur Unterstützung einsetzt, während er die Landschaft erklärt, die am Fenster vorüberzieht, wie in eine Live-Schalte in die gute alte Puszta. Er spricht ein bisschen deutsch, seine Großmutter stammt aus Schwaben und ein Kamerad von ihm, sein bester Kamerad, arbeitet bei Quelle in München als Foto-Laborant.

Alle paar Kilometer zeigt er nach draussen. Da, wo die langgestreckten verlassenen Kasernen stehen, waren früher SS-20-Raketen der Sowjets stationiert. Da vorn hat Beethoven eine Weile gelebt. Da hinten gibt es Knoblauchwurst. Als wir ein duftendes Lavendelfeld passieren, müssen viele Reisende niesen, auch mir kitzelt der Duft lila in der Nase. Wenn der Ungar mal nichts zu erzählen hat, sitzt er angestrengt nachdenkend da, als suche er bereits nach der deutschen Formulierung für die nächste Sensation, die vorüberzuckelt.

Dann kommt Szekesferhar, die alte ungarische Hauptstadt, in der früher die Keenige gekreent wurden. Dahinten wurde Piroschka übers Knie gelegt. Und dann kommt eine Batterie endloser riesiger Schweinehallen.

“Scheene Schweinestall. Scheen!”

Ein paar Kilometer lang stinkt es so erbärmlich nach Kuhscheisse, dass sich die Gräfin auf eine verschwitzte Kippe ins Raucherabteil abseilt.

“Scheen! Scheen!!”

Da in Budapest keine Zeit mehr war, um sich mit Getränken einzudecken, sitzen wir die zwei Stunden im stickigen Bummelzug zum Plattensee auf dem Trockenen und stellen notgedrungen das Reden ein, was den Ungar schwer enttäuscht. Seine detaillierten Reisebeschreibungen stoßen auf immer weniger Resonanz. Aber was soll man auch sagen, wenn einem der Schmand unterm Gaumen steht.

Endlich kommen wir in Siofok an, dem wichtigsten Badeort am Plattensee. Es herrscht Betrieb wie in Budapest. Wir können kaum die nächste Fähre abwarten, die uns auf die andere Seeseite übersetzt, ins beschauliche Tihany, dem Geheimtipp im Reiseführer. Unserem erklärten Ziel.

Am Kiosk in Tihany erkundigen wir uns nach einem Privatquartier, und es dauert keine Minute, da hocken wir mit einer Adresse versehen in einem Geländetaxi, das uns ins höher gelegene Dorf bringt, zur Csokonai Str 80. Ein flacher Bungalow mit Garten, in dem Mirabellenbäume wachsen, Vögel zwitschern. Der Bungalow hat drei grosse Schlafräume, wir sind nicht die einzigen Gäste. Ein anderes deutsches Pärchen, zehn Jahre jünger, wohnt bereits hier, wir benutzen gemeinsam die Küche. Wir finden zehn Dosen Ravioli im Küchenschrank, ordentlich übereinander gestapelt. Fortan fungieren die Nachbarn als Ravioli-Klub. Im Garten laufen uns kopulierende Riesenkäfer über den Weg, die machen es zu dritt. Da kennen die nichts.

*

6. Juli 1993

Das erste Mal gut geschlafen. Kaum wach geworden, sitze ich am Tisch und mach mir ein paar Notizen, bevor ich wieder alles vergesse, während die Gräfin, an diesem Tag als “schwarze Mumba” unterwegs, im Bett bleibt und einen Kriminalroman liest. Hin und wieder spielt sie sich am Bär, zwei Mal spiele ich mit. Das sind langsam mal Ferien. Auch der Ravioli-Klub macht nebenan eine Büchse auf. Leider hat sich das Wetter über Nacht geändert. Der Himmel ist bedeckt, es ist kühl und windig. Unbeeindruckt davon schleppen sich drei rote Riesenkäfer ineinander verkeilt durch den Garten.

Wir stellen alle Fenster und Türen auf Durchzug, wie wir es in Budapest gelernt haben, obwohl es gar nicht mehr heiß ist, und prompt fällt eine Vase vom Schrank auf den Parkettboden und zerschmettert. Ich setze die Vase, es sind jetzt fünf große Einzelteile, notdürftig wieder zusammen, und stelle sie vorsichtig in den Küchenschrank, hinter die Ravioli-Dosen. Diese Schweine. Die kriegen auch alles kaputt. Die beschütten sich mit Kamillentee zum Frühstück. Woher kommen die überhaupt?

“Aus dem Allgäu”, meint die Gräfin.

Alles klar.

Als es anfängt zu regnen, gehen wir spazieren, zum See runter. Mehrfach begegnet uns ein junges Paar, das schlampig im Kreis herumirrt, ohne Orientierung, man grüsst sich.

“Die halten uns für Ungarn”, flüstert die Gräfin.

“Ja, es geht los, ja”, sag ich, “wir assimilieren.”

Das Freibad am Balaton hat geschlossen, wir kommen nicht ans Seeufer heran. Es regnet sich ein. Die Gräfin kauft am Markstand einen Armreif aus Messing.

“Messing ist das Gold der Beladenen”, sag ich und weiss selbst nicht, woher ich das hab und was das soll. Auf dem steilen Rückweg hoch ins Dorf sticht mir eine langbeinige Gulaschmücke in den Hals, als ich sie verjagen will, verfehle ich das Insekt und knalle mir selbst eine. Die Gräfin kriegt sich nicht mehr ein vor Lachen. Wir sind klatschnass vom Regen.

“Was ein nasser Urlaub”, schimpft sie glänzend am Arm, wo das Messing sitzt. “Entweder man schwitzt, oder man ist im Wasser, oder man war gerade im Wasser und schwitzt schon wieder, oder man ist klatschnass vom Regen. Egal, was man tut, immer ist man nass.”

Die Einheimischen am Kiosk sind ein Bild für sich. Stehen da aufgereiht wie vornehme Bauarbeiter und saufen Wein und Jägermeister aus Halbe-Liter-Bierkrügen. Mir fällt ein Spruch von Benzini ein: Du kannst den ganzen Tag ein Glas Champagner in der Hand haben, du bleibst immer Arbeiterklasse, worauf ich antwortete, Richtig, aber andererseits können die soviel Jägermeister saufen, wie sie wollen, die werden NIE Arbeiteklasse.

Die Ungarn sind ein stilles Volk, genügsam irgendwie, und es hat die höchste Selbstmordrate der Welt. Abends packe ich das winzige Stück Hasch aus, das ich beim Bruder vom dicken Hansen noch abstauben konnte. Wir stecken es auf den Kopf einer Sicherheitsnadel, zünden es an, inhalieren den Rauch. Die Sparmethode. Kratzt im Hals und knallt. Und nicht nur das. Es bleibt sogar noch was übrig.

*

7. Juli 1993

Am Morgen höre ich einen verzweifelten Aufschrei aus dem Bad, der mir bekannt vorkommt.

Wie seh ich denn aus..? Verdammt! Das darf doch nicht wahr sein.”

Der Bettfrisör war da, garantiert. Immer, wenn der Bettfrisör zu Besuch kommt, ungebeten und über Nacht, erwacht die Gräfin mit einer Frisur “wie eine verdammte Kathedrale!” Oder als wären da “überall Butterhörnchen auffem Kopf!”

Einmal verpasste er ihr gar ein Kurzhaar-Toupet.Guten Morgen, der Herr”, grüßte ich erstaunt, als sie die Küche betrat, “darf ich Ihnen weiterhelfen?”

Blödmann”, zischelte sie, “hau ab!”, und da der Bettfrisör zwar die Frisur verpfuscht, aber nichts an der Stimme ändert, erkannte ich umgehend meinen Lapsus: die Blaublütige!

Steht Ihnen ganz hervorragend, der neue Europa-Schnitt, gnä’ Frau.”

Europa-Schnitt?! Schau mal, wie ich aussehe! Wie ein wildgewordener Handfeger!”

Der Bettfrisör!” schimpfte ich. “Den hole ich mir.”

Aber natürlich war er da längst über alle Berge. So wurde der Bettfrisör Stammgast in unserem Heim, und beinahe gewöhnte ich mich daran, morgens ihre entsetzten Aufschreie aus dem Bad zu hören.

HIMMEL! WIE SEH ICH DENN AUS!? WIE EIN KOPFPUDEL!!”

Wie ne Lachsalve!”

Ne triefäugige Frauenkolumne!”

Als hätt ich die Nacht unterm Elektrozaun verbracht!”

Dann aber verschwand der Bettfrisör, und ward nicht mehr gesehen. Vermutlich fühlte er sich der Löwenmähne der Gräfin auf Dauer nicht gewachsen. Dinge, die bereits in Unordnung sind, noch mehr durcheinanderzubringen, schien selbst ihn zu überfordern. So war eine Weile alles in Ordnung, die Dinge gingen ihren Weg. Die Gräfin wurde wach, betrachtete sich im Spiegel, gähnte zufrieden.

Bis heute Morgen in Tihany, als ich sie jammern höre: “Was ist das denn..? Ich werd bekloppt!” Und da ich in der Regel stets das Schlimmste befürchte, wenn ich höre, dass jemand bekloppt wird, stürze ich ins Badezimmer.

Wo isser?”

Wer?”

Der Bettfrisör!”

Der Bettfrisör? Schlimmer!Der SPECKMONTEUR war da!”

DER SPECKMONTEUR??”

HIMMEL, JA!”

Ein ganzes Kilogramm hat er ihr angeblich an den Bauch gepappt, über Nacht.

“Hier, sieh mal, wie das schwabbelt, iihh.. Das ist der Thunfisch-Auflauf von gestern Abend.”

Ich seh nichts. Da ist doch überhaupt nichts. Hier steht ja nicht einmal eine Waage im Badezimmer.

Pah, Männer! Ihr habt dafür keinen Blick. Ein Kilogramm! Ich bin so fett, ich hab kolossale Fettschmerzen.”

Natürlich ist der Speckmonteur allen Ehemännern, Lebensgefährten und ständigen Komplizen nicht unbekannt. Der Speckmonteur, Kumpel von Decubito, Boss des berüchtigten Orangenhaut-Anbaugebiets Po-Ebene, leistet schon seit geraumer Zeit ganze Arbeit und versetzt Frauen in aller Welt in Angst und Schrecken. Hinzu kommt, dass eine eingebildete Bindegewebsschwäche der Gräfin massiv aufs Zungenbein drückt und dafür sorgt, dass eine Kanonade an Hassgesängen niedergeht, Hassgesänge auf alle Speckmonteure und Bettfrisöre dieser Welt, und hat die Gräfin ihre Kodderschnauze erst einmal aktiviert, wechseln selbst Rammstein verschämt die Straßenseite.

Ein Kilo über Nacht, es reicht. Jetzt wird gefastet”, jammert sie. “Ich faste, bis ich wieder in mein Kommunionsröckchen reinpasse.. Egal, ob wir in Urlaub sind oder nicht. Und das wird keine Bum-Bum-Bratwurst-Diät, wo es vierzehn Tage lang nur Bratwurst und Speiseeis gibt, nichts da, diesmal wird richtig gefastet: Ich geh auf Null-Diät.”

So weit, so gut, möchte man denken. Nur ist sie der Überzeugung, dass es verdammt öde ist, tagelang nur den eigenen Geschmack im Mund zu haben, wie das beim Fasten üblich ist.

Das ist das Problem beim Fasten”, doziert sie und unterbreitet mir einen Vorschlag. “Du bestellst dir jeden Abend eine feine Mahlzeit, und wenn du brav aufgegessen hast, darf ich dir eine Runde durch den Mund lutschen.”

Nur für den Geschmack, versteht sich”, fügt sie hinzu, weil ich skeptisch dreinschaue.

Na schön. Da ich, was das Kochen angeht, in einem Abhängigkeitsverhältnis erstarrt bin, schlage ich ohne Zögern ein. Aber erst mal frühstücken. Sie haut ordentlich rein. Danach schneide ich mir im Garten die Fußnägel, überm Gullydeckel. Die sind so happig geworden, die Fußnägel, die ziehen schon Blicke im Freibad. Nichts gegen Blicke, aber wenn die ständig und ausschliesslich auf die Füße zielen, das verunsichert schon. Ich meine, Füße sind ja ein bißchen wie Zähne, nur untenrum: Jeder achtet beim Anderen darauf, ob sie gut in Schuss sind. Da muss man schon ein Auge drauf haben.

Tihany. Das Dorf erinnert mit seinen rietgedeckten Dächern an das Kaff am Mississippi, wo Tom Saywer und Huckleberry Finn lebten, in der deutschen Verfilmung von 1968. Telegraphenmasten, staubige Wege, Hühner, die in den Hof gescheucht werden. Es gibt sogar einen klappernden Pferdewagen, und der Postbote tuckert auf einem Mofa durchs Dorf. Und auch wenn wir es noch nicht endeckt haben: irgendwo lässt Tante Polly ihren Tom den Zaun streichen, und Huck Finn wird in einer Tonne wach.

Huck Finn war das Idol ihrer Kindheit. So wollte die blutjunge Gräfin leben. Frei, und in den Tag hinein. Und Pfeife rauchen. Mark Twain, seine kultivierte, zu Herzen gehende Sprache, hatte sie ganz allein für sich entdeckt, als sie neun oder zehn Jahre alt war. Sie las ihn ein ums andere Mal, sie konnte nicht genug davon kriegen.

“Mark Twain hat meine Lust auf Sprache geweckt.”

Zwar ist sie heute noch ihrem Vater dankbar, dass er ihr abends Gedichte vorlas. Den Erlkönig, wo sie stets weinen musste, wenn der Vater mit dem Kinde davonreitet, doch das war alles nichts gegen die Abenteuer am Mississippi, von Tom Saywer und Huckleberry Finn, von Indiana Joe und Tante Polly, die gerne streng gewesen wäre, aber ein zu großes Herz hatte. Vermutlich stammte sie aus dem Rheinland.

“Aber die Kindheit kommt nie wieder”, seufzt die Gräfin.

“Es kommt niemals auch nur irgendetwas wieder”, sag ich.

Abends Spieleabend auf dem Zimmer. Wer verliert, musste dem anderen einen blasen. Klare Ansage, kein Heckmeck. Die Gräfin gewinnt mit 40 Punkten Abstand beim Scrabble. Dann schlägt sie mich mit 2:1 beim Backgammon. Die Partie Dame geht an sie. Die Partie Schach eröffne ich französisch, dann löschen wir das Licht.

*

8. Juli 1993

Das Wetter wird besser, das Freibad hat wieder geöffnet. Napi belöpö, so steht es geschrieben auf den Eintrittskarten, napi belöpö wird ab sofort unser Running Gag.

“Napi belöpö! Napi belöpö!” schmettern wir im Chor wie die Blagen. Die haben auch nie eine Ahnung, was sie da plappern, und es ist ihnen auch schnuppe.

Auf der Liegewiese haben wir clevererweise einen Platz im Radius eines Rasensprengers belegt. Der ist frech wie Dreck. Kaum hat er uns einige Runden lang verschont, schlägt er nur umso emsiger und erbarmungsloser zu. Nur unter Mühen gelingt es mir, auf die Schnelle eine Brücke über dem Notizbuch zu errichten, mit dem Rumpf, damit es trocken bleibt und die Schrift nicht unleserlich wird.

“Na, typisch!” kräht die schwarze Mumba. “Für dein scheiss Buch achtest du drauf, dass ja nichts drankommt, aber ich kann vollregnen wie Harri, das juckt den Missjöh ja nicht! Nee! Das nicht! “

“Es ist dreissig Grad”, zurre ich meine Verteidigungslinie fest. “Das ist das Wasser doch eine schöne Erfrischung für dich.”

“Ach ja? Und Ihr gnädiges Notizbuch, das braucht keine Erfrischung, wie!?”

Eigentlich nicht.

Das Freibad gehört zu einem Luxus-Schloßhotel und kostete 100 Forint Eintritt, zwei Mark. Es befindet sich direkt am Ufer des Balaton und ähnelt einem herrschaftlichen Anwesen, mit seinem Bestand an dichten Nadelbäumen und der großzügigen Rasenfläche. Es ist soviel Platz, niemand muss dem anderen auf den Pelz rücken. Muss nicht, aber man kann trotzdem, wie wir lernen werden.

Etwas abseits steht ein weiteres Hotel, leicht heruntergekommen, Marke DDR-Plattenbau. Es stammt noch aus der Zeit, als altgediente Stalinisten am Balaton ihre wohlverdiente Kampfruhe fanden und sich gegenseitig unter die Erde soffen. Die Gräfin hat einen zweiten Krimi in Arbeit. Wenn sie einmal liest, ist sie nicht mehr zu halten. Sie liest und liest, sie liest sich um Kopf und Kragen. Nur wenn der Rasensprenger wieder mal um sich spuckt, tschilpt sie kurz auf, wie in einer Zoo-Handlung, die ein fieser Kunde betritt, mit dem niemand zu tun haben möchte.

“TSCHILP! TSCHILP!”

Ich habe auch langsam die Nase voll, immer nur aufzupassen, dass mein scheiss Notizbuch nicht nass wird, und so verlagern wir unseren Liegeplatz einige Meter näher zum Ufer hin. Hin zu den beiden österreichischen Familien. Vielleicht sind es auch mehr als zwei Familien, vielleicht drei oder vier. Vielleicht ist es ein ganzer Mafiaclan aus dem Waldviertel. Schwer zu sagen. Jedenfalls handelt es sich um eine ganze Menge Väter, Mütter, Kinder, Tanten und Onkel, allesamt aus Österreich. Ein Junge heisst der Pepperl, und sein Vater ist der Toni. Der Toni verharrt eine dreiviertel Stunde in der Kronen-Zeitung, um dann mit einem Mal wild um sich zu schlagen. Erst mit der Zeitung, dann mit Badeschlappen. Dann schmökert er ungerührt weiter.

Pünktlich um sechs läuft ein Ausflugsdampfer in den nahen Hafen von Tihany ein und hupt wie ein Eisbrecher am Nordpol, daraufhin ziehen wir Leine. Baden macht hungrig. Unser liebstes Restaurant liegt am Rande von Tihany, wo wir die Kellner mit Trinkgeld zuscheissen, weil es so schön billig ist. Die machen uns den Ranzen rund, ohne dass wir auf dreißig Mark kommen.

Ich nehme grundsätzlich Steak, während die Gräfin schon mal Sachen nimmt wie Huhn mit gefülltem Apfel, das ich dann zur Hälfte als Nachtisch verputze.

(Postkarte an Schnaat.)

“Ich glaub, heut Abend nehme ich mal ein schönes Steak”, sage ich zur Gräfin, “mit Lyoner Zwiebeln.”

*

9. Juli 1993

Wir sind erst am frühen Nachmittag im Napi Belöpö-Bad, Grund: Sie hat sich einen ordentlichen Sonnenbrand geholt und möchte sich heute schonen. Aber nicht lange. Ich empfehle ihr, demnächst nur noch in einem Schrank verborgen das Wasser zu betreten. Sinn macht das nicht, aber wir sind in Ferien. Nicht in Urlaub. In Ferien. In Ferien ist Unsinn Programm. Wieder liegen wir im Freibad, dick eingecremt mit Sonnenmilch von Nivea, die hier so teuer ist wie ein ganzes Abendessen zu zweit, und brabbeln wie die Kleinkinder.

Die missratene österreichische Großfamilie, sie wohnt im Luxus-Hotel, trudelt ein. Besonders angetan hat uns der feiste kleine Österreicher mit den schütteren Haartäschchen hinterm Ohr. Dreimal hintereinander fordert er seine Landsleute zum Bier am Kiosk auf, mit dem stets im gleichen Tonfall vorgetragenen Vorwurf, es sei schliesslich schon 14 Uhr und damit “allerhöchste Bier-Time!”

Er lacht sich scheckig.

“Allerhöchste Bier-Time! Mahahaaa!”

“Der geht mir auf den Sack”, sag ich zur schwarzen Mumba, die davon nichts hören mag.

“Kümmere dich nicht immer um das Gewäsch anderer Leute.”

“Oh und ob, ich kümmre mich um jedes Gewäsch!” entgegne ich und imitiere den vertrottelten Glatzkopf:  “Allerhöchste Bier-Time, ha-ha-haa!”

“Der soll endlich die Fresse halten!” meint die Gräfin.

Als der Österreicher endlich sein gezapftes Allerhöchste-Bier-Time-Bier in der Hand hält, sehe ich ihn herzhaft gähnen, während seine Landsleute ihre Humpen auf ex leeren, mit erschöpften Gesichtern.

Zehn Minuten drauf, wir kommen gerade aus dem Wasser, hängt der feiste Blödmann erledigt in den Seilen und lässt nur noch ein schwächelndes “bier..time” herauströpfeln, und wir beömmeln uns vor Vergnügen. Seine Landsleute dagegen wenden sich sauertöpfisch ab.

“Dem brauche ich gar nicht auf die Fresse zu hauen”, sag ich zur Gräfin, “der besorgt das schon selbst.”

“Na, dann ist ja gut.”

*

10. Juli 1993

Nach dem Frühstück (reggeli) schneide ich mich beim Rasieren ins Fleisch, zweimal hintereinander. Erst in die Unterlippe, dann in die vor Wut geblähten Nasenflügel. Solch blutige Katschen hole ich mir immer dann, wenn ich eine fabrikfrische Solinger Klinge einlege und daher besonders vorsichtig zu Werke gehe. Das geht dann jedes Mal besonders schief und ich brauche eine halbe Haushaltsrolle, um die scheiß Blutung zu stoppen.

Später liegen wir im Garten. Es ist drückend heiss. In der Ferne grollt ein Gewitter, als habe der Herrgott seinen neuen Riesenbackofen in Betrieb genommen, mit Chesterkäse und Blitzkartoffeln.

“Hast du schon wieder Hunger?” fragt sie mit den Hintern in der Sonne, während der Rest ihres Körpers Sonnenbrand hat und verhüllt ist. Aber sie hat ja recht. Ich bin am Balaton in Ferien und was tu ich? Bin nur am fressen.

Ein fahrendes Büdchen auf drei Rädern tuckert durchs Dorf und verkauft Eiscreme in Riesenbechern. Das erinnert die Gräfin an ihre Zeit in der Lukas-Klinik, wo sie Jahre zuvor, mehr aus Versehen, eine Lehre als Krankenschwester begonnen hatte.

“Das muss so vor 12, 13 Jahren gewesen sein.”

Einmal kam ihr auf dem Flur Schwester Ingeborg entgegen, völlig aufgelöst. “Der Borchert hat den Sputum-Becher vom Langner leergesoffen!” Borchert und Langner waren zwei Tattergreise, die gern mal mit Stuhlgang um sich warfen, wenn er nur schön hart und griffig genug war. “Das war für die beiden alten Böcke wie eine Kissenschlacht.” Wir lachen noch eine Stunde später, jedes Mal aufs Neue, wenn dieses Bild wiederkehrt, wo sich Borchert über den Sputum-Becher vom Langner hermacht. “Bäähh..!”

“Eigentlich komisch, dass wir mit unseren riesigen Gehirnen nicht jeden Tag wahnsinnig werden”, sagt sie schliesslich.

“Wieso? Werden wir doch.”

“Ja schon. Aber ich meine, so richtig bekloppt.”

“Ja. Das meine ich ja auch.”

*

11. Juli 1993

Wir spazieren ein Mal quer über die ganze Halbinsel. Clevererweise genau in der Mittagshitze. Schwarz-gelbe Salamander flüchten in die Weinstöcke, wenn sich unsere Badeschlappen nähern.

“Ich finde, man sollte mal wieder Löwen ansiedeln in Europa”, sagt sie, “damit wir alle etwas kleinlauter werden. Elefantenkühe in Köln-Porz, Alphamännchen in Prag. Die Menschheit braucht Freßfeinde, damit sie das Leben wieder zu würdigen weiss, auf freier Wildbahn.”

Der laue Wind macht die Mittagsglut kaum erträglicher. Wir beobachten einen Bauer bei der Arbeit. Ganz allein auf weiter Flur bestellt er sein Feld und singt mit fester Stimme. Ein singender Bauer, in sich versunken, bei der Feldarbeit. Dass es so was noch gibt..

“Eigentlich tut er das Sinnvollste, was ein Mensch tun kann”, sagt die Gräfin leise. “Er baut Nahrung an. Er sät, er erntet, und irgendwann landet es auf seinem Teller. Er braucht von niemandem Anerkennung.”

“Und bekommt sie doch”, sag ich. “Er bekommt die Anerkennung von Gott.”

Keine Menschenseele begegnet uns, zwei Stunden lang. Der Boden ist wie ausgedörrt. Salamander huschen ins Weizenfeld, wir ruhen unter einem Aprikosenbaum. Und urplötzlich hören wir Strandbadgeräusche. Gequieke von Kindern. Wir biegen um die Ecke, und befinden uns mitten in Rimini: ein 50 Meter langer Sandstrand am verschilften Ufer des Balaton. Hunderte von Leuten faulenzen im Schatten, alles Einheimische. Warum kaum einer im Wasser ist, merken wir, als wir kopfüber in den See stürzen und auftauchen, inmitten von Unmengen totem, stinkigen Fischlaich.

“Napppff”, nehme ich den Mund halbvoll.

Zurück nach Tihany halten wir an der Uferstrasse den Daumen raus. Drei junge Ungarn nehmen uns im Skoda mit. Im Radio laufen die Doors.

“Don’t you love her madly.”

In unserem Häuschen auf der Csokonai Str 80 hocke ich erst mal eine halbe Stunde platt im Sessel. Etwas Fischlaich kommt hoch, als ich rülpse. Dann verschwinde ich mit dem Mini-Piece aufs Klo. Stecke es auf den Kopf der Sicherheitsnadel, und rauche mir einen. Die Badezimmertür springt auf. Die Gräfin. Sucht ihr Feuerzeug.

“Och, du Arsch! Hast du alles weggeraucht?”

Der Qualm steht noch in der Luft.

“Nee, ich hab noch was in petto”, wiegel ich ab. “Im Schränkchen neben meinem Bett.”

Verdammt, das muss ich jetzt abtreten.

Am Abend, noch vor dem üblichen Steak, suchen wir uns im Garten ein sonniges Plätzchen. Ganz am Rand der Wiese werden wir fündig. Erst sind wir nicht allein, doch der Ravioli-Klub macht sich schnell vom Acker, als er uns kommen sieht. Überhaupt erweisen sich unsere Nachbarn aus dem Allgäu als angenehm mundfaul. Pro Tag wechseln wir im Schnitt einen Satz, zumeist unvollständig.

“Da, du haben”, hab ich heut morgen nur geknurrt, als ich dem Jungen die Glaskanne der Kaffeemaschine aushändigte. Sollte in etwa heissen: Hier, wir sind fertig mit Kaffee, ihr könnt jetzt Tee saufen, wenn ihr wollt.

“Ja”, antwortete er, und dann habe ich ihn auch nicht weiter stören wollen, wo er doch grade so schön mit dem Abwasch beschäftigt war, unter anderem auch mit unserem dreckigen Geschirr. Da fiel der Abschied leicht. Seine blonde Freundin Rita ist geborene Ungarin, soviel hat sie der Gräfin verraten, im vertraulichen Gespräch von Frau zu Frau. Meist sehen wir Rita beim Wäscheaufhängen im Garten, oder Essen machen.

Um mal auf meinen eigenen Stuhlgang zu sprechen zu kommen, ich meine, immerhin befinde ich mich in Ungarn auf fremden Terrain: Ich könnte auch genauso gut Schnecken sammeln, auf die Strasse legen und langsam von den Autos überfahren lassen. Das wäre von der Essenz her in etwa das gleiche Ergebnis wie das, was ich morgens in die Schüssel setze.

“Dabei hab ich heut noch gar nicht geschissen. Gestern auch nicht.”

“Das brauchst du mir nicht zu sagen, das riech ich auch so”, meint die schwarze Mumba. Sie löst Kreuzworträtsel.

“Liegt Celle in Niedersachsen?”

“Mh. Klar.”

“Weisst du, was Wechsel, Umlauf ist?”

“Mh. Irgendwas in der Finanzscheisse. Da kenn ich mich nicht so aus.”

“Hab ich aber gedacht, dass du das weisst. Du bist ja noch dööfer als ich.”

Wie will eine Frau, die dööfer mit doppel-ö schreibt, Rätsel lösen?

“Wie denn sonst? Mit einem ö?! Doch wohl nicht?”

Mh. Döfer? Scheisse. Um zu prüfen, ob nicht nur meine Gehirnleistung, sondern auch mein Gewebe altert, zeichnet sie mir irgendeinen Kram mit dem Kugelschreiber auf den nackten Hintern. Ich kann es nicht richtig erkennen, vermutet aber, es handelt sich bei dem Tattoo um zwei skelettierte Fische, die sich einen Herrenwitz erzählen. Wie sie damit allerdings den Alterungsprozess meiner Haut prüfen will..

“KLAPPE HALTEN, HASCHDIEB!”

Da wir keinen Fernseher auf dem Zimmer haben, müssen wir behelfsmäßig vorgehen: Am frühen Abend lassen wir uns auf dem alten Sofa nieder und glotzen auf die Stelle an der Wand, an der sich der Schatten eines gegenüberliegenden Fensters abbildet, etwa in Bildschirmgröße.

“Schalt mal um”, sag ich.

Dann muss es wohl 17.30 sein. Zeit für Al Bundy oder irgendeinen anderen TV-Verlierer. Wir haben ein Faible für Gesockse und verkommene Subjektive, wir lieben skurrile Gewinner und andere Personen. Und die müssen nicht notwendigerweise skurrile Namen tragen. Das ist wirklich nicht nötig. Die konnten ruhig Orion Specht heißen. Oder Herr Billwitz. Randolph Stuttgard. Kinkerlitzchen Carmichael.

Alles kein Problem.

Abends essen wir zur Abwechslung im Gulazs-Hof. Die Ungarn sind die wahren Krauts. Alles wird eingelegt und in Kraut gewickelt. Die Schnäpse laufen unter BARACK PALINKA und UNICUM. Ausserdem soll ich für die Gräfin etwas notieren, nämlich dass auf den Milchkartons FRISS TEJ steht. Als wir auf den Nachtisch warten, Palatschinken, sägt sie mit dem Speisemesser in meinen kleinen Finger.

“HERR OBER! HIER VERBLUTET EINER! RUFEN SIE BITTE DIE AMBULANZ, ABER LANGSAM!”

*

12. Juli 1993

Ob mein Gewebe altert, hat sie nicht feststellen können, aber dafür ist unsere Bettwäsche heut morgen kuliverschmiert. Sie malt ein Hütchen auf meinen Schwanz.

“Das ist nicht gemalt”, sagt sie.

Ach so. Richtig. Montagmittag. Wir sitzen im Garten.

“Komisch”, mault sie, “in jedem Urlaub krieg ich schnell braune Füße, aber hier, guck mal, immer noch Käsequanten.”

“Nächstes Mal nehmen wir einen Karton Selbstbräuner mit.”

“Hartmut, die Brechstange!”

“Irmgard!”

In der Tat, das Wetter am Balaton ist sehr wechselhaft. Zudem nervt, dass immer mehr Deutsche vorfahren. In NRW ist Ferienbeginn. Die Dachdecker kommen. Verdruss bereitet weiterhin, dass wir tags drauf den Bungalow räumen müssen, die Hütte ist ab dem 13. Juli gebucht. Wohin also? Die Gräfin kümmert sich nicht darum, überlässt mir alles. Sie liest den nächsten Krimi, er spielt in Uruguay, aber sie kapiert die Handlung nicht richtig. Ich hingegen kapiere so langsam überhaupt nichts mehr. Bestehen Ferien bloß aus Herumlungern im Garten unter Wolken und gelegentlichem Almdudler-aus-dem-Kühlschrank-holen für die Freundin, die einem die Zigaretten wegqualmt – sonst nichts? Nicht mal, wo man die nächsten Nächte unterschlupfen soll?

“Lass mal ziehn.”

Wir rauchen unser absolut allerletztes Piece von der Sicherheitsnadel. Noch knapp eine Woche Ferien, und nichts mehr zu rauchen. Schon sehe ich mir die eintrudelnden Neu-Urlauber genauer an, frage mich, wer ein Kiffer sein könnte. Aber das lässt sich nur noch schwer voraussagen. Männer mit Zöpfchen, früher sichere Haschisch-in-der-Tasche-Kandidaten, kannst du mittlerweile abheften. Oder nicht?

“Man müsste da mal nachhaken”, sag ich.

Der Ravioli-Klub kehrt vom Einkauf heim, beladen mit zwei Kartons Wein. Hm. Sollten wir uns in den beiden etwa getäuscht haben? Sollten diese ganze Dosen Ravioli, mittlerweile zur Pyramide aufgebaut wie in einer Wurfbude, nur Tarnung sein? Und was ist mit den merkwürdigen Kennzeichen an ihrem Wagen, einem Audi Sport: vorne Kreis Koblenz, hinten Flensburg? Ich denk, die kommen aus dem Allgäu! Hier stimmt was nicht, und zwar ganz gewaltig nicht. Das sind Terrorhelfer. Und da kommt auch schon die Bombe!

“Puh.. geh mal aufs Klo”, meint die Gräfin.

“Das sind die ungarischen Gewürze! Das vertrage ich nicht. Das viele Paprika.”

*

13. Juli 1993

Dienstag. Wir ziehen um. Das neue Quartier ist nur einen Steinwurf entfernt auf der gegenüberliegendren Strassenseite. Das Häuschen gehört einer alleinstehenden Bäuerin, deren Mann bereits seit einiger Zeit tot ist. Als sie merkt, dass wir ihrer Lebensgeschichte tatsächlich folgen, sie spricht gut deutsch, holt sie das Fotoalbum aus der Wohnzimmerschrankwand und gleich das zweite hinterher. Das Erste Ungarische Fernsehen zeigt Derrick, ungarisch synchronisiert. Die Gräfin ist davon so fasziniert, dass ich das Fotoalbum alleine über mich ergehen lassen muss.

Keine halbe Stunde später bin ich mit den Familienverhältnissen so weit vertraut, ich meine sogar Onkel Wanja auf einem verwackelten Foto zu erkennen, das aus dem Album gerutscht ist und zu Boden segelt.

Ich hebe es auf.

“Onkel Wanja?” frage ich.

“Wanja, ja, scheene Mann. Aber Saufbruder. Immer Saufbruder.”

Wir haben das Gefühl, in ein Museum einzuziehen, in dem alle Zimmer noch haargenau so hergerichtet sind wie vorm Tod des Ehemannes und dem Auszug der Kinder. Ein Museum der 70er Jahre. Im Bad finden wir ein orangefarbenes Töpfchen Creme 21, (“die gibt’s in Deutschland nicht mehr!” ruft die Gräfin so begeistert, als habe sie eine archäologische Sensation aufgetan), und in allen Räumen und Fluren hängt der geschnitzten Herrgott an der Wand. Und so kommt es auch, dass wir am Nachmittag die Wand anbeten, es möge doch bald bitte wieder die Sonne scheinen, denn das Wetter ist so schlecht geworden. So schlecht, so viel kann man gar nicht futtern.

Im Gulasch-Hof, der eigentlich Gulyásdvar heisst, wechselt uns der Kellner unter der Hand Geld. Schwarzer Kurs, guter Kurs: 54 Forint für eine Mark statt der offiziellen 50 Forint. Können wir noch mehr Kesselgulasch fressen. Auf der Speisekarte, ganz oben, das Tages-Angebot: Napi: Fözelékek! (Heute: Fötzeleck!)

“Das nehm ich!”

“Bist du sicher?” meint die Gräfin. “Du weisst doch gar nicht, ob die vorher geduscht hat.”

Das Ende vom Lied: ich nehme zwei Kessel Gulasch mit Nockerln, die Mumba einen Kessel. Ärgerlich: der Palatschinken, auf den wir uns immer besonders freuen, ist ausgegangen. Pappsatt und dennoch beleidigt ziehen wir heim, auf eine Runde Scrabble zur Nacht.

*

14. Juli 1993

Mittwoch. Sie träumt, ein von mir deponierter Sprengsatz sei in ihrem Kiefer detoniert, nachdem sie kurz zuvor auf der Strasse meinen Bruder getroffen und ihn gefragt hat, ob er schon wüsste, dass ich jetzt eine Schwuchtel sei. Das Wetter bessert sich, nicht nur das, es wird wieder knallheiß. In der Mittagsglut schlendern wir eine Runde durch Tihany, unser beschauliches kleines Dorf am Mississippi. Dass nirgends ein Lattenzaun gestrichen wird, besagt gar nichts.

Ich bin barfuß auf den geteerten Wegen unterwegs, was sich schnell rächt. Ich finde kaum noch schattige Spots, auf die ich meine Füße setzen kann, ohne dass mir die Sohlen verqualmen. Ich bewege mich von Spot zu Spot, manchmal muss ich regelrecht springen, wie von Pfütze zu Pfütze. Das ist kein Mark Twain Abenteuer, das ist Jules Verne. Mit einem Mal steht ein großer verlauster Köter vor uns. Ein Streuner, viereckig und traurig. Er tippelt vorsichtig auf uns zu, daran gewöhnt, sofort mit Fußtritten und Schimpfworten vertrieben zu werden. Als er spürt, dass wir es gut mit ihm meinen, jedenfalls nicht notwendigerweise schlecht, wird er sofort anhänglich und läuft hinter uns her. Die Gräfin will den armen großen Kerl schon mit nach Hause nehmen, als sie in seinem Fell eine schwärende Wunde entdeckt, über die eine Hundertschaft Flöhe hüpft. Das Blut darunter ist schon ganz schwarz. Wir sehen zu, dass wir Land gewinnen. Es brennt auch plötzlich nicht mehr so doll unter den Fußsohlen.

“Wir sind gemein”, meint die Gräfin, als wir wieder daheim sind. “Wir sind genauso gemein wie alle anderen.”

Dagegen ist nichts einzuwenden, und ich wüsste auch nicht, warum. Von der Illusion, ich sei ein besserer Mensch, hab ich mich schon lange verabschiedet.

*

15. Juli 1993

Als kleines Mädchen, erzählt sie, habe sie ständig versucht, kranke Tiere vor dem sicheren Tod zu bewahren. Jungvögeln, die aus dem Nest gefallen waren, schob sie Würmer in den Hals, “und trotzdem waren die Vögelchen ruckzuck verendet.” Auch Mäuse brachte sie mit nach Hause, “die hatte ich allerdings aus dem Nest geklaut, weil die so schutzbedürftig aussahen.”

“Ich wollte immer alle Tiere aufpäppeln, die malad waren, ich wollte propere Riesenvögel aus Spatzen machen – hat nie funktioniert. Meine Mutter hat mal einen Schreikrampf gekriegt, als sie meine Jackentasche ausleerte und da war eine glibbrige tote Kröte drin, die ich am Teich gefunden hatte. Danach hat sie meine Taschen nie wieder angerührt.”

“Wenn ich vom Teich kam, hatte ich ständig die Jacke voller Froschlaich und Würmern und was sonst so über den Boden krabbelte. Andererseits waren aber auch tausend Insekten ständig an mir interessiert, das muss man auch mal so rum sehen.”

Donnerstag. Junge, ist das heiss. Zu heiss zum Lachen, reicht es nur zum Glucksen und Gackern. Wieder im Napi belöpö, unserem Freibad hinterm Luxus-Hotel, das in seiner Stille und Gediegenheit wie ein Sanatorium wirkt. Nur die bekloppten Österreicher stören im Bild. Aber wir haben es ja gern, wenn etwas stört. Und das bißchen Österreich, mein Gott, wenns scheen macht. Der Allerhöchste Bier-Time-Blödmann, der gut zwanzig Kilogramm Übergewicht mit sich herumträg, (und zwar samt und sonders im Gesicht), tritt ein weiteres Mal in Erscheinung. Diesmal am Kiosk, und er hat wieder Durst.

“Ich hätt gern eine Limonade”, brüllt er den armen Ungarn hinter der Theke an, “so hoch wie bis zur Decke!” Er kriegt sich kaum wieder ein. “SOO HOOOCH WIE BIS ZUR DECKE!!”

Als ich heut morgen bei unserer Vermieterin anklopfe, an der Küchentür, um die nächsten zwei Nächte zu zahlen, steht sie überm Abwasch gebeugt und weint. Erst denke ich, sie hätte vielleicht Zwiebeln geschält, doch dann stösst sie unter Tränen hervor, dass am Morgen eine ihrer Schwestern gestorben sei. Dabei fängt sie richtig an zu heulen und in meiner Hilflosigkeit geh ich auf sie zu und schliesse sie in meine Arme. Es war ihre letzte Schwester.

Als wir später ins Freibad aufbrechen, sehen wir unsere Vermieterin am Fenster stehen. Sie trägt bereits schwarz. Heute sind wir nicht albern.

*

16. Juli 1993

Ich weiß nicht, ob Gott existiert. Ich glaube nicht. Aber ich hätte es gern. Ich fände es besser, wenn es Gott gibt. Und ich würde mich für einen Mann entscheiden, als Gott. Kein Mann im schmutzigen Hemd. Ein Mann mit kanariengelber Fliege. Keine Frau. Oder nur eine sehr vornehme Frau. Eine Herzogin vielleicht, mit 100.000 Dollar teurem Zobel und einem ungeduldigen Fingerschnippen, wenn es unten auf der Erde zu trödelig vonstatten geht. Zu wenig schick. Ist Gott aber doch ein Mann, was ich vermute, dann ist er Österreicher – ein österreichischer Lagerarbeiter, 47 Jahre alt, der sein Stammcafe hat und ein wenig nuschelt. Keine große Sache. Gott eben.

“Hör mir auf mit Gott. Ich hab noch nie mit Gott gelacht”, meint die Gräfin. “Ich hab noch nie zu ihm gesagt, na, hör mal, du bist mir ja vielleicht einer..”

*

17. Juli 1993

Unser letzter Tag am Balaton. Zum Abschied gehts noch mal ins Napi belöpö, logisch. Weil am Tag zuvor ein Aal in Ufernähe gesichtet worden war, haben alle Kinder Angst vor der “riesigen Wasserschlange”. Um sie abzuschrecken, hat ein Witzbold mehrere Bojen, die eigentlich den Badebereich abstecken, mit schwarzen Feinstrumpfhosen bezogen, die sich nun im leichten Wellengang bewegen wie schwarze autonome Hühner, die Seewasser picken.

Ansonsten ist auf dem Balaton die Hölle los. Dutzende von Segelbooten sind unterwegs, eine Regatta. In unserem Salamisandwich, das wir täglich am Kiosk kaufen, entdeckt die Gräfin eine Wildschweinborste. Oder vielleicht vom Esel was dünnes. Zum Abschluss steigen wir fünf Mal ins Wasser. Als wir auf der Wiese liegen, erzähle ich von früher. Weil mein Kopf voll niedlicher Löckchen war, machten sich meine Schwester und meine Cousine einen Spaß daraus, mich zu verkleiden und zu schmücken, sie konnten nicht genug davon kriegen, wenn sie mal wieder auf mich aufpassen mussten. Sie nannten mich Goldmarie und trugen mir Lippenstift auf, sie behängten mich pfundweise mit Lametta vom Christbaum und kicherten. Ich hatte keine Chance. Ich war vierundzwanzig Monate alt.

Dann, als Teenager, hatte ich soviel Locken, man konnte mich auf hundert Meter Entfernung von hinten erkennen, nur an meiner wilden Naturkrause. Ich war ein junger weißer Little Richard, ein Priester der Straße. Und heute?

“Herr Geheimrat! Wo sind deine Locken geblieben?” entrüstete sich Harry neulich, der mich länger nicht gesehen hat. Als hätte ich meine negroide Kopf-Bebauung selbst geplättet, aus lauter Vergnügen am Plattmachen. Aber es stimmt ja. Aus der wilden Mähne der 70er Jahre ist gemäßigter Wellengang geworden, es plätschert dunkelblond über den Schädel, Geheimratsecken fressen sich wie Parkplätze in den brasilianischen Urwald. (Ein unhaltbarer Zustand. Ich spiele mit dem Gedanken, nordamerikanische Umweltaktivisten zu engagieren, die sich an die letzten verbliebenen Riesen ketten.)

“Also, ich finde das sexy”, sagt die Gräfin. “das sieht so verletzlich aus..”

“Sexy?! Du findest Geheimratsecken sexy?”

“Na.. sexy nicht wirklich. Aber verletzlich. Verletzlichkeit finde ich sexy. So herum ist es richtig..”

Erst sexy, dann nicht wirklich sexy, oder doch nur mit Einschränkung, also, ich weiss nicht. Früher lagen die Dinge einfacher. Ich hatte eine schöne Matte und die Mädels liefen mir hinterher. Das war besser. Da war ich mein eigenes Naturvolk.

“Blödsinn, das sind doch gar keine richtigen Geheimratsecken. Die kommen erst noch..”, tröstet sie mich.

“Na, toll! Weißt du noch früher? Da war ich mein..”

“..eigenes Naturvolk, ja, ich weiß.”

*

18. Juli 1993

Samstag. Rückfahrt im Schnellzug nach Köln. Aus vier Sitzen bauen wir eine Liegewiese und hauen uns zwei, drei Stündchen hin. Krummes Liegen bis hinter Regensburg, da hören wir, wie die Türe aufgeschoben wird und zwei Leute Platz nehmen, die sich leise unterhalten. Es dauert seine Zeit, bis wir richtig wach sind und realisieren, was los ist.

“Morgen”, grüßen die Eindringlinge.

“Morgen”, murmeln wir zurück und schieben die Sitze zusammen. Wir schauen eine Weile verpennt dem aufkeimenden Morgen zu, bis die Unterhaltung der beiden Kollegen, beim Sozialamt beschäftigt, abrupt abbricht. Als wir uns umschauen, schnarchen beide friedlich vor sich hin, so friedlich, sie verpennen sogar ihren Zielbahnhof, während die Gräfin und ich fortan hellwach sind. Super Sache, insgesamt.

Kaum nähern wir uns dem Bergischen Land, dem kleinen England, beginnt es zu regnen. Hauptbahnhof Solingen. Der Taxifahrer, der uns zum Kannenhof bringt, ein ehemaliger Kollege der Gräfin, entpuppt sich als echt bergischer, wortkarger Knabe. Immerhin schafft er es, so etwas wie eine zusammenhängende Frage zu stellen.

“Und witterungsmäßig? War gut? In Ungarn?”

Die Gräfin erzählt vom schnellen Wetterwechsel am Plattensee, doch er hört gar nicht richtig hin, und als wir oben an der Wupperstrasse an der Ampel stehen, murmelt er nur, den Finger in der Nase: “Und das Wetter? War schön?”

Tags: , , , , , ,

31 Antworten zu „Nachtzug nach Budapest (Review)“

  1. Herr Jeh sagt:

    gehts weiter? bin gespannt…

  2. minotaurus sagt:

    dranbleiben. ist spannend.

  3. glumm sagt:

    hallo amadea,

    die geschietelten & gekämmten weinberge
    sind aber doch HIER!

    oder überall.

  4. amadea sagt:

    Schön beobachtet, meinte ich. Hier sind keine. Hier sind nur hohe Staubzuckerberge.

  5. glumm sagt:

    ja, in dieser geschichte hier, mein ich, ist diese stelle.
    du hast woanders kommentiert.
    bei der 10.000 Euro Story.
    Ist aber auch egal,
    eigentlich.
    Aber so egal wiederum auch nicht.

  6. Himmelende · Das Letzte sagt:

    [...] so, wie sie sind – nur nicht noch schlimmer. Machen sie sich eine schöne Zeit, nehmen sie z.B. den Nachtzug nach Budapest. Budapest soll ja sehr schön sein zu dieser Jahreszeit. Bringen sie das alte Jahr gut herum, [...]

  7. Charlotte sagt:

    Ich hab jetzt Fernweh.

  8. amadea sagt:

    Und wie kann ich das neue Blog nun abonnieren? Oder geht das eh automatisch?

  9. glumm sagt:

    abonnieren? hm. gute frage. keine ahnung.

  10. Herr Jeh sagt:

    Ich hoffe, das war ein 3Wochen-Urlaub..

  11. glumm sagt:

    naja. paar tage kommen noch.

  12. realtroll sagt:

    manche stories brauchen wohl etwas länger, trotzdem schick zu lesen. die bäder in budapest sind doch super, halt zuweilen etwas schweflig, aber gesund.

  13. zeilentitan sagt:

    Danke für den ersten Kommentar! Mein neues Blog ist entjungfert.

  14. Gschropperl sagt:

    Früher war ich öfter mal in Sopron, weil das nur einmal Spucken von meiner Oma war. Aber seit die die Ebene gewechselt hat vor zwei Jahren, interessiert mich diese Richtung nimmer wirklich. Ungarisch ist eine interessante Sprache, ja. In diesem Sinne: Jó napot kivanok!

  15. KleinesF sagt:

    Budapest ist das neue Prag?

  16. Hans v. sagt:

    ..also manchmal muss man. manchmal muss man einfach doch:

    der song heisst sabbath bloody sabbath, nix sunday, vielleicht u2?

    und paranoid ist alles andere als eine instrumental-nummer, HERR glumm!!!! lochfraß?

    (das aschecontaimerschiff ist unterwegs)…

  17. zeilentitan sagt:

    Erst frühstücken und dann vögeln?

  18. glumm sagt:

    @hans v.:

    mehr fehler in einem Absatz
    konnten mir kaum unterlaufen..

  19. LadyMarguerite sagt:

    Jetzt bin ich in Urlaubs- nein, Ferienstimmung.

  20. KleinesF sagt:

    Lassen Sie sich Zeit, Glumm. Der 13. ist zu schnell geschrieben. Wie vor dem Tor, bloß keine Abschlusspanik.

  21. masturbates sagt:

    mach hin du wichser oder aufs maul

  22. Herr Jeh sagt:

    So kennen wir Urlaub…

    Aber hier stimmt was nicht:

    13. Juli

    Dienstag. Heute ziehen wir um.
    Das neue Quartier

    [...]

    14. Juli

    Donnerstag.

  23. ettoreschmitz sagt:

    Es macht mich ganz hibbelig, daß man über den Scrollbalken kein Bändchen legen kann, wenn man mal nachschenken geht….

    Schmitz

  24. sankt nikolaus sagt:

    Tja, das Leben kann so einfach sein, mann muss nur glück haben.
    Weihnachtsmann Köln

  25. Regensburg sagt:

    Schön zu lesen…

    Danke Sven

  26. kurt sagt:

    die langbeinige gulaschmücke,ich schmeiss mich wech auf das monster..

  27. kurt sagt:

    die langbeinige gulaschmücke

    das wohl der das beste ,was ich jemals vor die augen hatte
    respekt mr.glumm

  28. kurt sagt:

    ich hab jetzt fernweh iss klasse
    wer sollte da an lissabon denken dem schweitzer geleehrten der hier vielleicht was abgekupfert hat
    als er ein buch in händen hielt und vorher im nassen den sprüngen auf die schliche kam
    das geile iss sein wahrer name
    irgendwas mit bier
    nich der biermann der shakesspeare übersetzt hat,nein ein dozent in berlin der nix wissen will von der welt bis er seine tüte mit sachen widerfindet nach dem besuch bei der augenärztin der schönen die auch was zu sagen hatte ,wie hört der roman eigentlich auf…hihi

  29. kurt sagt:

    es war nich das lesen ,..es war das schnaufen vor den bergischen plattlatschen
    die u-bahn zwischen klauberg und schelltunnel
    eine durchführung nur am zigeunerposten zur umkleide im schacht
    wir pieppten nie
    und das war der weg

  30. 2011 in review « Glumm sagt:

    [...] 02. Nachtzug nach Budapest [...]

  31. hausdrachen sagt:

    Ich hab auch mal Urlaub in Solingen gemacht, zwei Tage, in einem Bauhaus – Villa mit Heimkino, der Garten ein Park, riesige Rhododendrons, Springbrunnen und rumänischem Gärtner. Mehr habe ich von dem Ort nicht gesehen. Aber das war auch schon spannend genug. Aus anthropologischer Sicht.-:)

    Es grüßt aus Budapest.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s


Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 31 other followers