Concierge

Da wir im Erdgeschoß wohnen, hat Frau Moll den Job der Concierge an sich gerissen. Niemand, der das Haus betritt, ob Freund, ob Feind, geht einer Hütehündin durch die Lappen. Gestern Abend, ich steh draußen vor der Tür und nehm eine letzte Zigarette, hat Frau Moll im Garten zu tun, an mehreren Maulwurfhügeln, als Lester nach Hause kommt, der seit zwanzig Jahren unterm Dach haust, und dessen 70er Jahre-Matte zunehmend grau wird. Oder ist das schon weiß? Ist das Eis?

“Hallo Lester”, sag ich.
“Hallo”, sagt Lester, und Frau Moll schiesst mit einem Gebell aus dem Garten herauf, als würde sie schweres Schuhwerk tragen und Gitanes ohne Filter rauchen.
“Ach, halt die Klappe..”, weise ich den Hund zurecht, “ist doch nur der Lester”, und Lester zugewandt: “Die grüßt nur.”
“Hä?” fragt Lester, dessen Ohren ich noch nie gesehen hab, weil da ständig krause Haare drüber sind. Im übrigen ist er bereits im Hausflur und nimmt die ersten Treppenstufen.
“Frau Moll”, sage ich höflich, “wünscht dir einen guten Abend.”
Lester dreht sich nur kurz auf dem Absatz um, und marschiert weiter, ohne etwas zu erwidern. Was ist denn mit dem los?
“DIE SAGT NUR GUTEN ABEND!”
“Ja, n’Abend”, höre ich Lester noch, bevor er oben in seiner Kombüse verschwindet. Junge, Junge. In diesem Haus muss man gelegentlich sehr deutlich werden.

*

Weltmeister im breitbeinig Abwarten auf 500beine.

Heart, Susanne Eggert, 2011

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Klappe auf

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