Ich hatte die 40 Golden Hits von James Brown, eine sensationelle Zusammenstellung im motownblauen Cover. Das Doppel-Album war meine Bibel, ich schleppte es mit zu jeder Party. Während einer intimen kleinen Sause in Pepes winzigem Appartement am Apolloweg kam es zum Zwischenfall.
Pepe hatte sich am gleichen Tag in der Tierhandlung ein paar Tanzmäuse gekauft, winzige piepsende Biester, die wie Tischtennisbälle zwischen unseren Beinen hin- und herflizten, während wir zu James Brown groovten. Out of Sight! Papa’s got a brandnew bag! Please please me! Night train!
Lena war an diesem Sommerabend dabei, der dicke Hansen, Karlos und seine Freundin Sandy, die auf Koks nicht aufhören konnte zu sabbeln, in mächtigen Schüben kamen die Sätze, wie Presswehen im Sprachzentrum.
Am nächsten Morgen lag die Hälfte der Rasselbande tot in der Ecke. Den Rest, also alles, was in der Nacht nicht plattgetanzt worden war, hatte der Stress dahingerafft. Niemand hatte etwas bemerkt. Wir hatten gezappelt, abgehottet, Wodka gesoffen, Bongs geraucht. Es waren einfach zu viele Beine gewesen, auf zu kleinem Raum, mit zu viel Drive.
Pepe öffnete das Fenster, wir entsorgten die schlaffen kleinen Körper auf dem Dach des Garagenhofs. So richtig lustig fand das keiner. Wir fühlten uns wie Schweine. Wenigstens ein bißchen. Wir wollen mal nicht übertreiben. Bei James Brown konnte es jederzeit zu Kollateralschäden kommen. The hardest working man in Showbusiness! Let yourself go!
“Ausserdem hätten die ja nicht mittanzen müssen”, meinte der dicke Hansen abgebrüht.
“Blödmann. Das waren Tanzmäuschen.”
“Ach so.”
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