Heroin

“Mann, dass du so dämlich bist, hätte ich nicht gedacht..!”

Es war meine Schwester, die so aufrichtig reagierte und es kaum glauben wollte, als ich ihr von meiner Heroinsucht erzählte. Und obwohl Sucht mit dämlich oder nicht dämlich wenig zu tun hat, musste ich lachen. Sie hatte ja recht. Ich war nicht siebzehn gewesen, als ich mit Heroin zu experimentieren begann, (mit siebzehn war Kiffen meine Dienstmarke), sondern  neununduzwanzig. Da weiss man eigentlich, was man tut. Da kennt man das Dorf, in dem man sich bewegt: Pappenheim.

Ich war überrascht, dass sie überrascht war. Dass sie bis zu diesem Moment augenscheinlich nichts von meiner Sucht bemerkt hatte. Es musste sie doch stutzig gemacht haben, wie schlecht ich aussah, wenn wir uns im Kreis der Familie begegneten: fahle Haut, Mundwinkel im Keller, verkniffener Blick. Heroin und Gesichtszüge, auf Dauer eine tragische Liaison. Ergebnis: ein alter Hund, ein Hush Puppy.

Selbst meine Mutter hatte mich eines Tages auf den Kopf zu gefragt: “Sag mal, nimmst du Heroin?” Von ihrer Direktheit war ich so perplex, dass mein massives Abstreiten glaubhaft geklungen haben muss, jedenfalls hat sie mich bis zu ihrem Tode nie wieder darauf angesprochen. Dabei war ich lediglich konsterniert, mit welcher Hellsicht sie erkannt hatte, dass es sich bei mir eben nicht um Alkohol oder zuviel Haschisch handelte, oder um Koks, Speed oder irgendwelche Hammerpillen, sondern tatsächlich um Heroin. Schore. Material. Golden Brown.

An diesem (“Dass du so dämlich bist, hätte ich nicht gedacht!”-)Abend standen wir zu viert in einem überfüllten spanischen Lokal am Grünewald, wir warteten auf einen freien Tisch. Ich hatte einiges an Bier und warmen Osborne intus. Meine Schwester brach in Tränen aus, als ich ihr von dieser Desasternacht in Karlos’ Auto erzählte, wo ich im besoffenen Kopf Heroin geschnupft hatte und bewusstlos weggesackt und beinah verlorengegangen war. Es waren zornige, aufgebrachte Tränen. Sie hätte mir am liebsten eine gescheuert, damit ich aufwachte.

“Erzähl es nicht den Eltern”, bat ich sie noch. Im Rentenalter wollte ich ihnen das nicht mehr antun. Wenn es je einen Zeitpunkt gegeben hatte, ihnen von der Sucht zu erzählen, dann hatte ich ihn verpasst. Was sollte das jetzt noch bringen, ausser unnötig Sorgen. Mein jüngerer Bruder wusste ohnehin Bescheid. Ich glaube, er hasste mich für meine Heroinsucht.

Für die Sucht nach harten Drogen hat der Holländer den Begriff Versklavung geprägt. Treffer. Man begibt sich freiwillig in den Rang des Untertan. Die Versklavung beginnt genau genommen mit dem Zeitpunkt der Geburt, wenn man brutal dem Fruchtwasser entrissen wird, Mutters Schutzzone, in der es neun Monate lang behaglich warm gewesen war. Eine typisch männliche und sehr kitschige Vorstellung, na ja klar, und dennoch: Das erste Mal Heroin gleicht nicht weniger als der Rückkehr in den Mutterschoß.

Ein Empfang mit Tschingderassa und Jubelchören im Blut, und wenn dir die Hitze des Opiats erstmals das Rückgrat hochkriecht, fühlst du dich angekommen, alles Suchen hat ein Ende. Es ist, als zöge die Brandwehr einen Ring Warmwasserschläuche um deinen Körper, ohne einen Fingerbreit auszusparen. Alles dicht.

Hier ist sie, die ewige Placenta.

Ein Gleiten durch tiefe See, ein Abtauchen, wie es mich schon als Kind in den Schlaf gebracht hat, wenn ich mir im Bett liegend vorstellte, in einem kleinen gläsernen U-Boot unterwegs zu sein. Davon konnte ich nicht genug bekommen, von diesem schwebenden U-Boot-Gefühl ganz ohne Platznot und ohne Sonar, während um mich herum die Unterwasserwelt vorüberzog, ein warmer blauer Ozean.

Einmal angedockt gibt es kein Entrinnen mehr. In unseren Träumen und auf Opium kehren wir ins Universum zurück, leicht wie Kosmonauten, dämmernd. (Die Gräfin sah sich als Kind vorm Einschlafen durchs All fliegen, begleitet von weissen Pferden, ihrer ultimativen Verstärkung.)

“Wenn ich die Pferde aus der Entfernung heranfliegen sah, wusste ich, alles wird gut, und schlief ein.”

*

Die Leute wissen gar nicht, was für eine Aufgabe das ist, Junkie zu sein, welch anstrengende Arbeit. Das ständige Auf-Achse-sein, das Warten und das Leuten hinterhertelefonieren, denen man seine letzte Pappe mitgegeben hat, das Abgezocktwerden und selber Leute abzocken, der Schiss vor Rauschgiftbullen und Untersuchungshaft, das ständige Geldauftreiben – und wofür das alles? Nur, um nicht von jetzt auf gleich aus dem Himmel zu fallen und dir die Seele aus dem Leib zu spucken.

“Blödmann!”

*

Als ich 2005 das Bloggen entdeckte, war ich schon einige Zeit raus aus dem Geschäft, es wäre genug Abstand dagewesen, um über Sucht zu schreiben. Doch ich hatte Panik vor einer Drogenbeichte a la Christiane F. Nicht, dass ich Christiane F. und ihre Geschichte vom Bahnhof Zoo schlecht gefunden hätte, im Gegenteil, das Buch faszinierte Ende der 70er Jahre, doch danach war das Thema für mich verbrannt. Später erst las ich Junkie von Burroughs und erkannte, dass Heroin eine kulturelle Dimension hat. Dass es Sachen zu sagen gibt, auch über die nächste Portion hinaus.

Dennoch, Drogenbeichten gab es zu Hauf und ich wollte vermeiden, meine eigene hinzuzufügen. Bloß keine Langeweile verbreiten, dachte ich, Langeweile ist eine niederträchtige Natter. Doch je länger ich schreibe, desto deutlicher wird es: Sucht gehört zu meiner Geschichte, es lässt sich nicht raushalten. Letztendlich behandle ich alles, was mir gefällt, wie ein Süchtiger. Sobald ich etwas gut finde, kann ich die Finger nicht davon lassen, ich muss es wieder und wieder tun, was es auch kostet, woher es auch kommt, scheiß der Hund drauf, her damit.

Es gibt nur einen Ausweg, Sucht zu vermeiden, nämlich erst gar nicht damit anzufangen. Wenn ich aber etwas erst gar nicht anfange, woher zum Teufel soll ich dann wissen, ob es das Potential in sich birgt, mich an die Hammelbeine zu kriegen. Mich süchtig zu machen, so süchtig, dass ich es mir immer und immer wieder besorgen muss.

Es ist ein verdammtes Dilemma.

*

Ende der 80er Jahre schwappte die zweite Welle harter Drogen durch die Strassen, und dieses Mal war ich fällig, mit knapp dreissig Jahren. Zwar war mit Pepe im Sommer 87 bereits einer meiner besten Freunde an einer Überdosis verreckt, doch zu der Zeit hatte ich mich noch rausgehalten. Nicht, dass die Wirkung mir nichts gegeben hätte, doch Heroin griff mir zu massiv ins Seelenleben ein. Es putzte einen regelrecht von der Platte. Das wollte ich mir für besondere Anlässe aufbewahren.

Wenn das Pulver gut war, und das Pulver in den 80ern war durch die Bank reiner als heute, weniger verschnitten, fühlte ich mich wie unter einem Schlaghammer, der unentwegt niederfiel. Ich musste kotzen, bis auch der letzte Fitzel Mageninhalt raus war, eine grandiose Reinigung, doch ich wäre nicht auf die Idee gekommen, dem Zeug deswegen hinterherzulaufen.

*

Schlaghammer. Karlos wohnte, wie auch der Mitsubishi Boy, in einer Siedlung, deren Strassen Vogelnamen hatten, Drosselstrasse, Finkenstrasse, Lerchenstrasse. Nun sind Vögel freundliche Menschen, aber das nur am Rande. Nicht weit entfernt war die alte Gesenkschmiede, die schon im zweiten Weltkrieg für die Rüstung produziert hatte und nun, in den 80er Jahren, kurz vor ihrem Ende stand. Aber noch arbeitete der Betrieb, noch war in regelmäßigen Abständen der dumpfe und schwere Schlag des niedersausenden Gesenkhammers zu hören, ein Gong wie aus der Eisenzeit. Ein Sound im Viertel, der bedrohlich aus der Zeit fiel.

Suchtgeläut.

*

In den Neunzigern, als ich schon bis zum Kragen im Pulver steckte, hatte ich diese Faustregel, mit der ich körperliche Gewöhnung zu umschiffen versuchte. Eine Strategie, die halbwegs aufging. Auf einen Tag Pulver folgte ein Tag Pause. Zwei Tage Pulver, zwei Tage Pause. Drei Tage Pulver, drei Tage Pause, undsoweiter. Doch je länger ich konsumierte, desto schwerer fiel es mir, meine selbst aufgestellte Regel einzuhalten. Nach drei Tagen Heroin am vierten Tag nicht zum Dealer zu rennen, war ein Kraftakt und immer schwerer durchzuhalten.

Drei Tage Entzug bedeuteten drei schier endlose Tage im Bett. Bedeuteten kaum Schlaf, dünne Träume, Nachtschweiß. Bedeuteten wildes unnützes Gestrample und eine Million kruder Gedanken, wie man es anstellen könnte, ohne Knete an das Zeug zu kommen. Drei Tage Entzug bedeuteten extrem miese Laune, Maulfaulheit und an die Decke starren.

“Du verpestest die ganze Bude mit deiner Passivität!” schrie die Gräfin mich an.
Oh. Sie hätte es nicht schöner schreien können.

Wenn ich es tatsächlich geschafft hatte, drei Tage clean zu bleiben und halbwegs auf den Beinen war, hatte ich am vierten Tag schon wieder Mücken im Hintern. Ich konnte es kaum erwarten, den Tag hinter mich zu bringen, damit ich an Tag fünf endlich wieder bei eins anfangen konnte. Nach all dem kräftezehrendem Cleansein sehnte ich mich nach dem Klingelzeichen, das ich bei meinem Dealer anschlagen würde.

So schlich ich einige Zeit um die Sucht herum wie die Katze um den heissen Brei. Ich verbrühte mir ständig das Schnauzhaar und schreckte zurück, nur um mir kurz darauf wieder das Schnauzhaar zu verbrühen und zurückzuschrecken. Dass die Gräfin in dieser Zeit nicht weggelaufen ist, bleibt mir bis heute schleierhaft. Wie oft kam ich nach Hause und es dauerte keine Minute und eine Ketchupflasche knallte gegen die Küchenwände, sie ertrug meine Opiumpupillen nicht mehr.

“ICH KANN DIESE WINZIGEN VERLOGENEN AUGEN NICHT MEHR SEHEN!!”

Und dennoch – ich wollte es nicht anders. Es war genau das, was ich wollte, ich wollte süchtig sein. Ich wollte Abhängigkeit kennenlernen, ich wollte wissen, wie das ist, wenn man morgens affig aufwacht, ohne einen Pfennig in der Tasche, ich wollte nicht bloß darüber lesen, was andere in solchen Situationen getan haben.

Sucht wurde zunehmend mein ganz privater Weltkrieg gegen mich selbst. Ich wollte mich selbst erobern, ich wollte mich kleinkriegen, ich legte alles daran, mich zu foltern, zu desillusionieren, zu töten. Warum? Woher soll ich das wissen. Frag mal die großen Kriegsherren, warum sie Krieg geführt haben.

Vermutlich hatten sie alle einen Vater, der selbst in den Krieg gezogen war und dem sie gleichtun wollten. Auch meine Geschwister und ich sind mit dem Krieg unseres Vaters aufgewachsen, wir sind von seinen Erlebnissen geprägt. Im zweiten Weltkrieg gehörte er als 17jähriger zu Hitlers letztem Aufgebot. Und wie mein Vater als Melder hinter den feindlichen Linien agierte und dem Gemetzel an der Front ausweichen konnte, so ging ich der Einwegspritze aus dem Weg, der Maschinenpistole der Drogenszene. Ich rauchte und schniefte das Pulver in nicht haushaltsüblichen Mengen, injizierte es aber nicht ein einziges Mal.

Ich agierte wie Vater in geschützter zweiter Reihe.

“Was glaubst du, was an der Front für ein Durcheinander herrscht. Jeder hat die Hosen voll, jeder sieht zu, dass es ihn nicht trifft. Melder zu sein war mein Glück. Weil ich ständig in Bewegung war, bot ich kein Ziel. Die Jungs dagegen, die vorn an der Maschinenpistole saßen, die hatten Pech.  Zuletzt waren alle Kameraden tot oder verwundet. Ich war der Einzige aus meinem alten Zug, der noch lebte.”

*

Um viertel vor Zehn, wenn ich auf dem Weg zum Nachtdienst am Werwolf ankam, schaute ich hoch, ob bei Kilian Licht brannte. Kilian wohnte über der Pizzeria und hasste nichts so sehr wie Uncoolness. Dass irgendwelche “dahergelaufenen Spacken” ihn per Sturmklingeln nachts aus dem Schlaf holten, weil ihnen der Stoff ausgegangen war, und die ganze Nachbarschaft im Bett stand. Dann konnte Kilian jähzornig werden. Ich erlebte einmal, wie er in Rage eine halbvolle Dose Bier durch seine eigene Bude kickte, bloß weil jemand zur falschen Uhrzeit zu lange geschellt hatte. An sich war er ein friedlicher und verlässlicher Dealer, der keine Super-Portionen vertickte, (“ich hab nichts zu verschenken, Kinders”), der aber sein Wort hielt.

Begonnen hatte alles 1989 mit einem Telefonanruf. Die meisten Dinge beginnen mit einem Telefonanruf. Ein Telefonanruf ist so lapidar, dass man gar nicht auf die Idee kommt, damit würde eine neue Ära eingeläutet. Aber dann hebt man den Hörer ab – und die Sache geht ihren Weg. Ich bin seither sehr vorsichtig geworden mit der Entgegennahme von Telefonaten. Ich hab zwar ein Handy, aber kaum jemand kennt die Nummer, und am Festnetz ist eine Mailbox vorgeschaltet. So ein Fehler soll mir nicht noch einmal unterlaufen.

Der Anruf im Sommer 1989 kam vom schönen Dirk. Der schöne Dirk starb einige Jahre später allein in seiner kleinen Bude am Vogelsang an einem Hirnschlag, ohne dass es jemand bemerkt hätte. Wochenlang lag er tot in seinem Bett. Zwar war mir aufgefallen, dass die Schlagläden jedes Mal geschlossen waren, wenn wir am Vogelsang entlangfuhren, doch so dicke waren Dirk und ich nun auch wieder nicht, dass ich deshalb einen Kontrollbesuch gemacht hätte. Vielleicht war der schöne Dirk in Urlaub, oder er hatte Nachtdienst und musste tagsüber schlafen. Vielleicht war es auch nur reiner Zufall, dass die Schlagläden ausgerechnet immer dann geschlossen waren, wenn meine Kumpel und ich am Vogelsang unterwegs waren. Erst als seine Schwester die Polizei informierte, weil sie seit Wochen nichts von ihm gehört hatte, fand man den Leichnam im Bett, das Gesicht von Maden untertunnelt. Tatortreiniger mussten die Körperreste mit dem Spatel vom Laken kratzen, bevor der schöne Dirk auf ewig im Zinksarg verschwand.

Dirk rief damals an, weil er gutes Material auf der Tasche hatte und etwas verticken wollte. Er war ein komischer Kauz. Er gehörte zu den Leuten, die immer ein dickes Brötchen schmieren wollten, dabei war er bloß ein lieber Kerl mit einem schönen Gesicht und einem guten Herz. Viele Morphinisten sind im Grunde nichts anderes als herzensgute Süchtige mit einem Batzen unerledigter Kindheit am Arsch.

Wir verabredeten uns für den späten Nachmittag in einer Kneipe in der Nordstadt.

“Was soll ich für dich mitbringen?”

“Na, ein Halbes”, sagte ich. Ein halbes Gramm war die übliche Einheit und eigentlich zu viel für mich alleine. Normalerweise teilte ich mir einen Fuffie mit Karlos, davon waren wir beide noch kackendicht. Aus irgendwelchen Gründen wollte ich mir das Pack aber nicht teilen, dabei wohnten wir zusammen, Karlos und ich. Ich wollte ganz allein breit sein.

Auf dem Weg zum Date mit dem schönen Dirk lief mir Kilian in der Fußgängerzone über den Weg, zwischen Woolworth und Kaufhalle.

“He”, sagte er.

“He”, sagte ich.

Kilian, ein Schreinergeselle mit wallendem blonden Haar, hatte eine Zeitlang die halbe Innenstadt mit Haschisch versorgt, nun war es ruhig um ihn geworden. Man sah ihn kaum noch. Wir kamen ins Gespräch. Kilian war ein freundlicher Zeitgenosse. Jetzt aber, zwischen Woolworth und Kaufhalle, war etwas in seinem Blick, anders als sonst. Er taxierte mich regelrecht. Er druckste herum. Endlich rückte er damit heraus.

“Du ziehst doch auch schon einmal Näschen..”, begann er zögerlich, und erst, als ich nickte, fuhr er fort. “Ich mein.. ich kann morgen was für dich klarmachen, wenn du Lust hast, meine ich.. Kannst dich morgen Abend bei mir melden, oder die Tage. Wie du willst.”

Ich war baff, dass selbst ein alter Kiffer wie Kilian jetzt mit Schore dealte, aber irgendwie lag es in der Luft. Leute begannen auf harte Drogen umzusteigen, die bislang strikt die Finger davon gelassen hatten. Es war, als wäre der Schlagbaum hochgegangen. Heroin, Kokain und Amphetamine schwappten in gewaltigen Wellen durch die Strassen, und ehe man sich versah, stand man bis zu den Knien im Gift.

“Mal sehen”, sagte ich. Dass ich selber gerade auf dem Weg war, einen Fuffie zu kaufen, erwähnte ich nicht.

Dirk erwartete mich bereits. Er hockte am Tresen, mit winzigen diamantharten Pupillen, und nuckelte am Bierglas. Er sah aus, als hätte er frisch gekotzt. Ich bestellte ein Kölsch. Im gleichen Moment wollte ich die Bestellung rückgängig machen. Du kotzt doch sowieso alles wieder aus, sobald du das Näschen gezogen hast, dachte ich, beliess es dann aber beim Bier. Was sollte ich sonst trinken. Einen Kaffee hätte ich ebenso ausgekotzt wie Kirschsaft. Und bei Kirschsaft kam hinzu, dass einen die Leute komisch anglotzten, wenn man unten am Pissoir stand und kotzte: Ist das alles Blut? fragten sie erschrocken. Soll ich den Arzt rufen!?

“Alter, hast du gestern das Spiel gesehen?” machte der schöne Dirk auf jovial, so wie er es immer tat, um davon abzulenken, dass hier nur ein Deal stattfand, aber ich hatte keine Lust auf Gequatsche. Ich wollte den Fuffie kaufen, das Bier austrinken und dann nichts wie nach Hause, ein Näschen ziehen. Und dann noch eins.

Der schöne Dirk, der im Moment alles war, nur nicht schön, meinte jedoch, mir unbedingt einen Bären aufbinden zu müssen. Angeblich hatte er am Wochenende eine Alte klargemacht, mit riesigen Möpsen. Erst hielt ich es für eins seiner Märchen, doch dann kam er zu der Stelle, wo er unten lag und die Möpse über ihm dröhnten wie Sturmgeläut, “Alter, ungelogen, ich wusste nicht, an welche Titte ich zuerst packen sollte, hier, so Monster waren das, ich schwöre!” demonstrierte er seine Verzweiflung. Er griff einen Stapel Bierdeckel vom Tresen und jonglierte, bis einer nach dem anderen zu Boden ging.

“So Möpse, Alter!”

Wir tranken das Bier aus und trennten uns vor der Kneipe.

“Wenn was ist, ruf an”, sagte er.

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13 Antworten to “Heroin”

  1. brammbus Says:

    gibt ne gelungene Doku über den Sänger von Pentagram..
    Bobby Liebling….sehenswert!
    und eigentlich benutzt man das wort doch öfter,ob man will oder nicht..

  2. lava. Says:

    Grandios.

  3. lava. Says:

    Was ich meine mit grandios = “Heroin” klingt wie der lange gesuchte Romananfang mit dem du endlich wirst. was du schon lange einforderst = bekannt.

  4. brammbus Says:

    warttett ,mitsubishi boy II kommt noch..mal

  5. Woanders – heute mal sehr journalismuslastig | Herzdamengeschichten Says:

    [...] Und dann noch: Glumm über Heroinsucht. [...]

  6. Uwe Says:

    Harter Tobak in gewohnt süffiger Prosa dargereicht. Gefällt mir, wie Sie Ihren Sucht-Charakter ohne Sentimentalität und Beschönigung ins Visier nehmen. Gruß, Uwe

  7. poeblo popolo Says:

    Hat eigentlich schon irgendjemand das mit dem Rapper-Rappen bemerkt? Pformidabel!

  8. kurt Says:

    wie heisst der rapper?

  9. kurt Says:

    hat keiner gesehn aber woher auch.

  10. Kill all junkies! Says:

    http://www.facebook.com/DeadJunkieGoodJunkie

  11. spread Says:

    formidabel!


    Das erste Mal Heroin gleicht nicht weniger als der Rückkehr in den Mutterschoß.

    Ein Empfang mit Tschingderassa und Jubelchören im Blut, und wenn dir die Hitze des Opiats erstmals das Rückgrat hochkriecht, fühlst du dich angekommen, alles Suchen hat ein Ende. Es ist, als zöge die Brandwehr einen Ring Warmwasserschläuche um deinen Körper, ohne einen Fingerbreit auszusparen. Alles dicht.

    Hier ist sie, die ewige Placenta.

  12. Heroinrauchen | Glumm Says:

    […] HEROIN […]

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