Live am Bahnhof

Vor der perfekt ausgeleuchteten Frische-Theke des Bahnhof-Cafes stapft ein großer alter Mann wütend auf und ab. Er erregt sich darüber, dass er das Käsebrötchen erst umständlich mit der Greifzange aufs Tellerchen packen, das Tellerchen aufs Tablett stellen, das Tablett auf der meterlangen Roll-Leiste bis zur Kasse durchschieben muß, bis er endlich, ENDLICH! zahlen dürfe.

Und dann essen.

“DAS IST.. ALSO, ICH WILL DOCH NUR EIN KÄSEBRÖTCHEN ESSEN, WO IST DENN DA DAS PROBLEM, JUNGE FRAU??! KÖNNEN SIE MIR DOCH SO IN DIE HAND GEBEN! STÖRT MICH NICHT!”

Er dreht sich zum Publikum um.

“ODER STÖRT DAS WEN?!”

Die Mitarbeiterin macht den Alten wiederholt darauf aufmerksam, dass er sich nun mal in einem SB-Restaurant befindet, wo gewisse hygienische Auflagen zum Standard gehören, was den Mann erst recht zornig werden lässt.

“ES-BE, ES-BE..! WAS WOLLEN SIE MIT ES-BE? WAS IST DAS ÜBERHAUPT?”

“Na ja.. Selbstbedienung?”

“JUNGE FRAU! ICH WILL NUR EIN KÄSEBRÖTCHEN AUF DIE FAUST, MEINETWEGEN AUCH AM TISCH DAHINTEN, WENN DAS SO.. WICHTIG IST. WARUM MACHEN SIE EIN PROBLEM DARAUS??! HIER IST MEINE HAND, DA IST EIN BRÖTCHEN, ALSO..!?”

Das gesamte Bahnhofs-Cafe lauscht mittlerweile der Auseinandersetzung, es steht spitz auf Knopf, auch was die Sympathien betrifft. Der Alte ist zu laut, die Mitarbeiterin zu unbeteiligt.

Erst als die Chefin, alarmiert vom Lärm, aus ihrem Euroscheinchen-Zählbüro tritt, kommt Bewegung in die Sache. Sie zitiert die Mitarbeiterin heran und verkündet gut vernehmbar für die vorderen Sitzreihen des Cafes, “na, dann lass dem ollen Kacker in Gottes Namen sein Gnadenbrötchen.”

Es wird ihm direkt zwischen die Zähne serviert, ausnahmsweise.