Studio 54

Als ich die 27 geschafft hatte und 28 wurde, lag das Problem auf der Hand – ich brannte vor Sorge: Worüber sollst du eigentlich schreiben, wenn die wilden Jahre vorüber sind – wenn Drogen keinen Spaß mehr machen, wenn Schnaps nur noch fad schmeckt und einen deprimiert, wenn man den Frauen nur noch hinterherschaut, weil man es immer so gehalten hat und wenn die Nacht nur noch zum Schlafen da ist und man früh um Sieben zur Arbeit hastet statt im Morgengrauen heimzukehren, im Schritt bekotzt, eine Zigarre im Gesicht – worüber zum Teufel soll man dann noch schreiben!!?  Dass man mit dem Hund rausgeht dreimal am Tag!!?

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Typen wie mir, die das Glück hatten, nicht mit 27 zu sterben, obwohl sie doch alles dafür getan haben, um Aufnahme in den Klub 27 zu finden, solchen Typen bleibt nichts anderes übrig, als die Suppe ganz auszulöffeln und noch mal 27 Jahre draufzusatteln, bevor sie endlich gehen dürfen, sag ich abends zu ihr, überwältigt von der eigenen Schlauheit.

Na, dann hast du es ja dieses Jahr geschafft, rechnet sie kurz durch.

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