Archiv für die Kategorie ‘Uncategorized’

7 Tage die Woche sich selbst überraschen

7. Januar 2009

1.) Sieben Tage die Woche sich selbst überraschen. Ja, hat man denn nie frei!?

2.) Manchmal bekommt man zu hören, wir hätten Luxusprobleme hier im Westen. Na sicher doch, wir leben schließlich im Luxus, oder nicht? Was sollen wir denn da sonst für Probleme haben?

3.) Wenn man zehn Tage im Bett gelegen hat und geht dann erstmals vor die Tür, fühlt man sich schneeweiß, von innen. Die Vögel piepen laut wie Kawasaki, alles ist klar und groß wie 1 Über-Ich.

4.) Du sollst niemals deinem Schicksal nachlaufen. Es wird dich schon finden. Es ist schließlich deines.

5.) „Wenn man lange im Bett liegt, fallen einem die Organe in den Kopf.“ (Die Gräfin)

6.) Die Schuppen in seinem Haar sahen aus , als wären sie direkt von der Großhirnrinde produziert worden, mit mächtig viel Fließfett. Er war unser Musiklehrer. Er liebte Cool-Jazz.

7.) Das Schicksal, für manchen ein schicker Schal.

8.) Frau Moll und ihr Futter, das ist ein Kapitel für sich. Da lässt sie nichts drauf kommen. Da kann man sie am Hinterkörper anzünden und das Fell lichterloh in Brand setzen, so lange sich in den vorderen Regionen um die Schnauze herum ein gut gefüllter Napf befindet, juchhu!

9.) „Große Sprünge“, meint die Gräfin zum Jahresanfang, „sind kleines Fliegen.“

10.) An guten Tagen herrschte im Mumms eine Atmosphäre, als wäre da noch ein Hinterzimmer, in dem Geld gefälscht wurde.

11.) Es gibt einen ganzen Haufen Trottel, arrogante Stöckelschuh-Kühe, Arschkriecher, Neidhammel, inkompetentes Pack und was weiß ich nicht alles, aber wenn es sie nicht gäbe, hätte man nichts zu berichten von Trotteln, arroganten Stöckelschuh-Kühen, Arschkriechern, Neidhammeln und inkompetentem Pack. Willkommen in Eurer Welt.

12.) Wenn sie aus dem Entspannungsbad steigt, fühlt sich alles schön leicht an und schön schwer zugleich, sagt sie, „als hätten sich alle Muskeln auf den Boden gelegt, auch die, die man sonst nie benutzt, aber die liegen ja eh schon.“

13.) Frau Molls Motto: „Fressen gehört dem, der es findet.“

14). Wenn man beim Arschabwischen spürt, dass die Haut um die Rosette herum runzlig wird, Hallelujah, dann wird man alt, verdammte Scheiße.

15.) Eine weiteres Indiz, dass man altert: Wenn man wehmütig feststellt, dass gewisse Sätze, die früher an der Tagesordnung waren, plötzlich ausgestorben sind, „Haste mal ne Aktive?“

Kinder, wie die Zeit zunäht!

17. November 2008

Ein Tag ohne Glück ist ein beschwerliches Leben.

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(Manche) Menschen sind schnelle Vergesser,  aber lange Einpräger.

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Den ganzen Sonntag nieselt es so fein, als würde der Regen durch ein Sieb gedrückt.

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„Hinterm Haus war ein Bach, der war voller Blutegel“, erzählt sie aus ihrer Kindheit. „Ein kleiner wilder Bach, nicht kanalisiert, und wenn der im Sommer Hochwasser hatte, das ging ganz flott, ein Sturzregen genügte, dann war ich nicht mehr zu halten. Ich tauchte und planschte bis meine Mutter aus dem Haus kam und mich rausholte, dann mussten die Blutegel sofort runter. Ich hab geschrieen, so weh tat das, weil die so an den Beinen klebten, aber wenn die ab waren, stürzte ich mich direkt wieder ins Wasser rein. Ich war Tarzan.“

6 Herrengedecke und 1 Sessel aus Plüsch..

10. November 2008

.. erscheint die Tage.

Bestellung: hier!

Stiefelwetter

10. November 2008

Novembersonntag im Bergischen Land. Stiefelwetter, stabil. Wir kraxeln durch die Wupperberge. Das Schöne an Gummistiefeln: Man kann ohne Rücksicht durch den Sumpf waten, man kann von Pfütze zu Pfütze bumsen. Und wenn es crrk!! macht unter den Stiefeln, hat eine Schnecke mit Häuschen Pech gehabt. Ich kann nicht überall sein mit den Augen. Mit dem Stiefel schon.

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„Wenn man Babybilder sieht von mir“, sagt sie beim Gehen, „also, ich war nur Speck und große Augen. Große traurige Augen. Man könnte meinen, ich wäre lebensmüde geboren. Und gerettet haben mich nur meine Neugier und meine großen Augen.“

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Stiefelwetter findet nicht jeder gut. Vor allem unser wildes Stiefeln. Manch einer ist sogar im Wald um Korrektheit bemüht. Am Wegesrand hat jemand das Laub so quadratisch übereinander geschichtet, als hätte er lieber Ritter Sport gefuttert. Die Laub-Edition. NUR IM NOVEMBER.

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Und der Gräfin ist gar nicht recht, dass ich so gedankenlos eine Schnecke platt trete, und dann noch eine Kolonie Pilze.
„Mann, du trittst aber auch überall drauf!“
„Na und? Das muss der Wald aushalten. Ich könnte ja auch ein Hirsch sein mit großen Schuhen.“

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Sie bleibt an einer Schonung stehen.
„So klein die Bäumchen auch sind, aber Herbst haben die auch schon.“

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Manches Laub-Blatt saust senkrecht zu Boden, wie von einer Guillotine gekappt, kunstlos, andere schaukeln und trudeln durch die Luft, langsamen Akrobaten gleich, die ihr eigenes Geschick genießen.

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Ich pfeife Beatles-Lieder im Wald. Ziemlich viele Beatles-Lieder. Ist ja auch viel Wald. Bergauf, bergab. Das Laub unter den Stiefeln, eine ständige Rutschpartie.
„Von zu viel Beatles wird mir schlecht“, ächzt sie.
Mir nicht. Liegt vielleicht daran, dass ich mir als Kind gerne was vorgestellt hab: Ich sitz mit Lennon/McCartney in einem Liverpooler Reihenhäuschen oben unterm Dach, drei akustische Gitarren, Zigaretten glühen im Aschenbecher, wir komponieren „I should have known better“ (Lennon/Glumm/McCartney).

Und vom Singen eigener Songs wird einem nicht schlecht. Oder? Na ja.. Verdammt.

*
Zur Apfelernte tritt die Absurdität offen zu Tage. Während in den Gärten die leckersten Äpfel vergammeln, rennen die Leute zum Bio-Bauern um die Ecke und kaufen die gleiche Sorte für 3 Euro das Kilo.

Beinah wäre uns das auch passiert, doch dann fiel uns auf, wieviel ungepflückte Apfelbäume den Weg säumen, den Weg rauf zum Theegarten, zum Bio-Bauern um die Ecke.
Haben wir uns spontan die Taschen gefüllt.
Frau Moll war ganz aufgeregt. Sie wollte auch einen Boskop tragen, in ihrer Schnauze. Wollte uns helfen. Vier Meter weit, da war mit Helfen Sense.
„Noch einen!“

Wir sind dermaßen aufs Kaufen fixiert und geeicht, sagt die Gräfin, wir glauben mittlerweile, alles, was nicht gekauft wird, ist nichts.

„Wir haben das Ernten verlernt.“

(Feiner Beifall.)

18. Oktober 2008

Neulich, beim Röntgen aufgeschnappt:
„MARLIES, ICH HAB HIER NOCH EIN HANDGELENK FÜR DICH SITZEN!!“

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Nicht nur mein linkes Bein ist neuerdings versehrt vom leichten Bandscheibenvorfall, auch in mein linkes Ohr schießt von Zeit zu Zeit ein Schmerz, so stechend, als drehe sich darin eine ungekochte harte Spiral-Nudel um die eigene Achse, wimmernd.

Unangenehm.
Meine linke Seite ist gestört.
Die künstlerische Seite, die feminine Seite.
Der Mond in mir, er hat voll einen an der Klatsche.

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„Jetzt tritt der Herbst in sein Stadium, wo die Farbe der Bäume auf dem Boden liegt.“
(Gräfin)

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Berlin, dickes B? Dass ich nicht lache. Baden-Baden hat 2 B und einen Strich in der Mitte.

Tja. Und jetzt?

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Mit Berlin ist es wie mit dem Schreiben. Es sind ja nicht die Sätze, die auf Stelzen daherkommen und vor Kraft kaum laufen können und die einem sofort ins Auge springen, nö, es ist das Volk der cleveren kleinen Sherpas, die Unterstützer-Szene, die den ganzen Ballast trägt und der man zunächst, auch als Schreiber, wenig Beachtung schenkt, die aber den Ton einer Story vorgibt. Den Takt. Den Herzschlag.

Genau das sind die Sätze.

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Die Gräfin hatte nur ein Mal im Leben wirklich kurzes Haar: als sie geboren wurde, und die nächste Viertelstunde.
Danach begann die Naturkrause zu arbeiten.

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Was einem so begegnet, wenn man montags früh gegen neun Uhr durch die Stadt stiefelt, die Ungekämmten und die Abgewrackten, in zerknautschten Mänteln, auf deren Säumen sie das Wochenende herumgesessen haben; und auf den Gehwegen sieht man Speckwürfel, ausgelegt für die Beladenen, für die von Sorge zerfressenen und von Gram zernagten, Junge, sind die mies drauf hier, andererseits, kommen wir Montag morgens nicht alle von irgendwoher, ungekämmt, abgewrackt, Spaß an nem Stück Speck?

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Ich meine, diese massive Tendenz zum Glücklichsein wird total überschätzt. Statt sich mal ne Weile dem Unglücklichsein hinzugeben. Da ist man mal ein Jahrzehnt lang mies drauf, ja und?

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Man muss auch ohne Ortswechsel sechs Wochen lang seelisch auf Montage gehen können.

Unbedingt!

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Mein armer alter Rechner (Siemens) braucht mittlerweile geschlagene zehn Minuten bis er hochgefahren ist. Dabei verursacht er Geräusche, als würde Ali Baba durchs Gehäuse reiten, mit seinen 40 Räubern auf dem Weg ins Freudenhaus von Virus City.

„Da stimmt doch was nicht!“ meint mein Chef hellsichtig, als ich davon erzähle. „Das ist doch verseucht, das Ding! Das kann doch nicht sein!“
„Ach, das hat der von Anfang an gemacht“, sage ich. „Also, vielleicht nicht zehn Minuten, aber zwei oder drei hat der immer gebraucht.“

Der ist wie ich. Ich brauch auch Zeit, bis ich auf Touren komme.
Oder, wie die Gräfin mal gemeint hat, treffend:
„Du hast etwas Komatöses im Charakter.“

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Und damit wir beim nächsten Mal keine rote Birne kriegen, wenn es wieder mal passiert ist, mitten im Vorstellungsgespräch: Furzen ist wie Applaudieren auf engstem Raum!

(Feiner Beifall.)

Wo immer dein Rom liegt

9. Oktober 2008

1
Unterwegs mit der Gräfin, während der Kapitalismus den Bach runtergeht.
„Ach ja!? Dann geh doch nach China“, lacht sie auf, „und werd Konsumist!!“

2
Die Nächte werden kühl, der Herbst ist da. Die gute alte Frau Frühdunkel.
Sie naht mit stürmischem Schritt und Sturzregen, Birken schütteln sich wie nasse Hunde, unter Kastanienbäumen: klock! klock! („Dasn Wetter, was? Ich hab ebn n’ Regenbogn gesehn, sah gut aus.“)

Es ist Herbst in der Stadt,
alles klafft auf, und
blättert ab.

3
Der Essigbaum in unserem Garten hat Kraft gekriegt, in seiner schätzungsweisen 10. Saison.
Sein Stamm, dick wie Männerarme.
„Der ist schon seit Jahren so dick“, widerspricht sie. Und seufzt. „Ich möchte auch mal so wenig mitkriegen wie du. Ich bin mein halbes Leben damit beschäftigt, dich auf irgendwas hinzuweisen..! Mir fehlt die Zeit für Hinweise an mich selbst!“

Wenn sie zornig wird und übertreibt, hach, ich komm mit Küssen rüber, schiebe sie heiß an ihren Leib, (unterm Regenschirm).
„AUFHÖREN! DAS IST.. UNGERECHT!“

4
„Ich bin immer wieder fasziniert, wieviele Leben ein einzelner Mensch leben kann“, sagt sie.
„Schön“, sag ich, „gesagt.“
„Wie, schön? Das ist überhaupt nicht schön. Das ist.. verwirrend.“

5
„Du..“
Spätabends, ich bin schon fast eingeschlafen, flüstert sie meinen Namen.
„Du..?“
„Mh..?“
„Können wir nicht einen Film über mich drehen? Ich will mich endlich mal groß im Kino sehen.“

6
„In diesen Blick hab ich mich verliebt“, sagt sie, als ich die Brille abnehme. „In diese Mischung aus Verwegenheit und Entschuldigung. In dieses: Soll nicht mehr vorkommen. Und dann wegdrehen und gackern.“

Ich hasse Brillen.

7
„Du darfst über mich schreiben, was du willst. Hauptsache, ich bin die Schillerndste, die Schönste, die Beste.“

8
Seit Tagen regnet es, ununterbrochen, als würden Rausche-Engel vorm Urinal stehen, aber der Hund muss ja trotzdem vor die Türe, und alleine geht er nicht.
Als der Regen aussetzt, sind wir sofort in den Gummistiefeln.

Graues Krähen-Wetter.
Man hängt gelb (runter von Ästen).
„Dieses kunterbunte Wachsen in der Natur.. finde ich sehr tröstlich“, sagt sie.

„Hier wollte ich schon immer mal stehen.“
Sie versteckt sich hinter mannshohem Schilfrohr und pflückt verkohlte Brombeeren.
„Meinst du, die schmecken noch?“
Ich untersuche die Früchte im Strauch daneben. Rote Früchte, wie Puffreis.
Eine leere Matrix.
„Vogelbeeren?“
„Nee.“

Bei den wenigen Leuten, die uns begegnen, macht es leise klick! in den Gehirnen, das sind die inneren Fotos, die man schießt im Herbst. Wenn man flammen-orange Laubbäume sieht und elf Töne von Grün und mittendrin ein blaues Haus, aus dessen Dach ein Schornstein ragt und dampft.

Und da, wie die Baumwurzeln schimmern, feucht – „möchte man so drüber lecken!“ ruft sie übermütig.

9
„Wenn das alles nicht klappt mit der Malerei, schreib ich ein Buch. Also, ich rede und du schreibst. .. In meinem Buch gibt es nur Helden, aber meine Helden sind bestimmt nicht die Micky Mäuse dieser Welt. Es sind die Versehrten, die Bekloppten. Der ganze rosa Fischschwarm mit dem einen lila drin.“

10
Rot und gelb liegt das Laub im Park.
„Nächste Woche ist alles blau“, sag ich.
„Blau?“
„Ja. Der Herbst hat eine neue Farbe angemeldet.“

11
„Weißt du was? Wenn ich Glück hab“, sag ich, „werde ich berühmt, wenn ich tot bin.“
Aber nur wenn ich Glück hab.

12
Aber ist auch nicht wichtig.
„Wo immer dein Rom liegt“, sag ich, „das ist wichtig. Dass du es findest.“
„Du meinst ich. Dass ich es finde.“
„Ja, ich.“
„Und du.“
„Ja. Du. Also ich – und du. Wir alle. Rom. Finden.“

11
Während die Gräfin eine Zugereiste ist, bin ich hier geboren.
„Glumm“, murmelte der Herr im September 1960, „such dir einen Platz zum leben.“
Nun war ich damals schon ein bequemes Bürschchen, also erkundigte ich mich, wo ich gelandet war.
„Solingen“, antwortete der Herr. „In der Stadt der Messer.“
„Scharf“, sagte ich.

Aus dem Veranstaltungsort namens Gehirn: (2!)

29. September 2008

„Ich muss lernen, mir zuzuhören“, meint die Gräfin, „und nicht dieser Stimme in meinem Kopf.“

*
Bei allem, was man tut, ist die Möglichkeit, dass man stirbt, immer präsent. Dass alles vergeblich ist. Ein letztes Mal. Nie wieder.
Allez!

*
So laut und stürmisch, wie ich 1969 „Dear Mrs. Applebee!“ gesungen habe, auf dem 24-Zoll-Fahrrad mit Bananensattel und Fuchsschwanz, genau so laut und stürmisch höre ich heute zwei achtjährige Kumpel auf dem Skateboard den Kannenhof runtersausen:

„Ich verpass dir nur zwei oder drei Kinnhaken!“ grölen sie, „Oohou-oohou-oohou..!“

Schöne Sache.
(Kennt einer den Song?)

*
Wir sind Ying und Yang.
Sie braust auf, ich bin ein ruhiger Vertreter.
Sie ist rot, ich blau.
„Du bist eine Truhe voll silberner Stille“, sagt sie.
(Außer beim Kartoffelessen. Da brummt die Bude.)

*
Es gibt Leute, die stehen so außerhalb ihrer Zeit, dass sie voll drin sind.
Der langhaarige deutsche Messias-Künstler Jonathan Meese ist so ein Fall.

*
Der Herbst ist da!
Die stürmische Frau Frühdunkel, denk ich.

Die Gräfin spricht

27. September 2008

„Fressen und kacken, der ganze Planet nichts als Fressen und Kacken. Sogar die Pflanzen“, sagt sie. „Von wegen Der blaue Planet. Das ist ein bißchen blauäugig von uns.“

*
„Auf die Zeichen hören, die einem überall begegnen, das ist Kosmos. Alles andere ist Bill Cosby Show.“

*
„Ich möchte eigentlich leben wie ein Hund“, sagt sie. „Am besten, ich lass mir das Kleinhirn rausnehmen. Dann sabbere ich ein bißchen vor mich hin und werde ungeduldig, wenn es Fresschen gibt.“

*
„Ich hab den ganzen Tag ein Gefühl im Ohr, als wär da Watte drin. Aber so laute Watte. Kennst du das? Das tappert und kraxelt in meinem Ohr, als würden da Läuse Bergsteigen.“

*
Bei aller Liebe zum Geschäft: Man muss auch italienisch bleiben.“

*
„Den ganzen Tag hat man sich selbst um sich! Unangenehm!“

*
„Unzufriedene Frauen sind die schlimmste Waffe der Welt. Schlimmer als Atombomben.“

Ein bißchen lebensmüde

20. September 2008

Ein bißchen lebensmüde sein schadet nicht. Man muß nur gerne nicht mehr leben wollen.

Deutsche Musike

17. September 2008

Sie reibt meinen Puls.
„Kann der auch schnurren?“

*
In unserer Kindheit, Ende der 60er Jahre, gab es noch fahrendes Volk, das am Rand der Stadt ihr Lager aufschlug.
Ein Bild, das komplett verschwunden ist aus unserem Land.
„Die waren wie ich“, erzählt die Gräfin. „Die hatten bunte Sachen an, die hatten schwarzes Haar. Ich dachte immer, zu denen gehöre ich..“
Sie war acht Jahre alt, die kleine Gräfin, als sie ihre Kreise zog um das Camp der Zigeuner, zwar in gebührendem Abstand, aber mit dem Wunsch verschleppt zu werden.
„Meine Mutter hat mich immer gewarnt: Die nehmen dich mit, wenn du denen zu nahe kommst!“
Es hat nie geklappt.

*
Es ist nicht das Mittelmaß, das in diesem Land den Ton angibt, es sind diejenigen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als dazu zu gehören, zum Mittelmaß.

Keine Sorge, Kinder. Das wird schon noch.

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Leben – was ist das schon. Man wird allein geboren, man stirbt allein, und zwischendurch trifft man ein paar Leute, wenn man Glück hat.

*
Als sie ging, verschwand nicht nur die Sonne, das Wetter insgesamt hörte auf zu existieren.
Er stand trotzdem im Regen.

*
Die Gräfin hat beschlossen, das Warum abzuschaffen. Ab in den Wandtresor damit, abgeschlossen und den Schlüssel weggeworfen. Kein Warum mehr in der Welt! Warum? Nur so.

*
Wenn wir am Abend die letzte Runde drehen mit dem Hund, begegnet uns ab und an der finstere Reitersmann. Schwarzes Cape, dunkle Kappe, dunkle Hose, schwarz glänzende Stiefel, auf einem großen schwarzen Rappen.
Wenn die beiden im Dämmerlicht gemächlich daher schreiten, langsamer als im Trab, das hat Majestät.

Eine andere Familie in der Nachbarschaft hat sich ein Pferd angeschafft. Ein rötlicher Fuchs, für den die Autogararge umgebaut wurde, zum Stall. Da steht der Fuchs nun geparkt, wird ein Mal die Woche ausgeführt, (nicht geritten), und gelegentlich hört man ihn schnauben.
Ich glaube, er betet: Der nächste Versuch, ihn tiefer zu legen, möge gelingen.