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	<description>Locker machen für die Hölle</description>
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		<title>Schulschwimmen</title>
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		<pubDate>Fri, 17 May 2013 11:16:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>glumm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Schulschwimmen hatte mit Sport nichts zu tun. Zwar war ich vernarrt in alles, was irgendwie mit Bewegung und Beinen zu tun hatte, ich liebte Fußball, Leichtathletik und Trampolin springen, ja sogar Bodenturnen ging in Ordnung, solange es sich um Salto vorwärts handelte und nicht um Purzelbaum mit anschliessender Kerze – doch sobald es ins Wasser [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=glumm.wordpress.com&#038;blog=2163523&#038;post=14122&#038;subd=glumm&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Schulschwimmen hatte mit Sport nichts zu tun. Zwar war ich vernarrt in alles, was irgendwie mit Bewegung und Beinen zu tun hatte, ich liebte Fußball, Leichtathletik und Trampolin springen, ja sogar Bodenturnen ging in Ordnung, solange es sich um Salto vorwärts handelte und nicht um Purzelbaum mit anschliessender Kerze – doch sobald es ins Wasser ging, versteifte ich. Ich hasste Schwimmen.</p>
<p>Ich konnte nicht schwimmen. Ich glaube, ich war der letzte Schüler der 4a, der noch nicht schwimmen konnte. Wenn alle zwei Wochen Donnerstags nach der großen Pause der Reisebus kam, um uns zum Hallenbad zu bringen, war der Tag für mich gelaufen. Am liebsten wäre ich stiften gegangen, egal wohin, Hauptsache raus aus diesem Bus, diesem großen Gefährt Richtung Hölle.</p>
<p>Ich saß zusammengekauert auf dem hintersten Sitz, neben Annemie Müller mit ihrem schweinerosa Schwimmbeutel. Die Strecke zur Badeanstalt war kurz, es dauerte nicht mal fünf Minuten. Fünf Minuten im Bus können eine ungemütlich lange Zeitspanne sein, wenn am Ende die Zwangseinweisung ins Wasser droht, alle vierzehn Tage Donnerstags, von 10.15 bis 12.15. Und wenn man am Morgen bereits die Badehose druntergezogen hatte, eine enge Buxe, die schlimm am Sack zwickte, das war auch nicht schön.</p>
<p>Da beide Schwimmstunden in die reguläre Öffnungszeit fielen, waren wir Jungs nicht allein unter der großen Gemeinschaftsdusche. Da standen auch Rentner mit durchgedrückten Beinen und dicken weissen Bäuchen, die zuhause keine Duschmöglichkeit hatten. Mitleidlos und zornigen Waschfrauen gleich seiften sie ihre riesigen hängenden Gemächte ein, sie putzten und schrubbten mit einer Hingabe, als walkten sie Wäsche im Weltkrieg, während wir Kinder verschämt die Köpfe senkten und dem Seifenschaum nachblickten, der in militärisch anmutenden langen  Kolonnen Richtung Abfluß sickerte &#8211; ein übles Gemisch aus Schamhaaren, Kolibakterien, Alterszucker und <em>Fa</em>.</p>
<p>Und dann begann der Horror.</p>
<p>Noch war ich nicht im Wasser. Zum Abkühlen wechselten wir von der warmen Dusche unter die eiskalte Brause, von der es nur eine einzige gab und wo man fröstelnd darauf warten musste, bis man endlich an der Reihe war. Danach ging es im Gänsemarsch ins Becken, ins kachelblaue Inferno, in der Nase den Gestank von Chlor und im Ohr die spitzen, von den hohen Gründerzeitwänden widerhallenden Schreie der Mitschüler, die Spaß am Schwimmen hatten, die Butterfly und Kraulen konnten und kurz vorm Rettungsschwimmerabzeichen standen, die einen anrempelten und zur Seite stießen, weil sie es nicht erwarten konnten, ins Wasser zu kommen.</p>
<p>Die <em><strong>mich</strong></em> anrempelten!</p>
<p>Mich, die Nummer 1 in Sport, außer in Schwimmen, die in sich gekehrt und bibbernd den Ausgang der Badeanstalt ins Visier nahm: O MEIN HERR,  BITTE  SCHWING DIESE VERFLUCHTE TÜRE AUF, BEFREIE MICH! HOL MICH HIER RAUS! BITTE!</p>
<p>Es gibt Gerüche, die holen die schönsten Momente der Kindheit zurück. Der Geruch, der im Spätsommer beim Pflücken von Brombeeren in der Luft ist, macht mich glücklich, besonders wenn dabei ein leichter Landregen niedergeht. Brombeeren im Regen sind eine sehr leise, sehr süße Bombe. Doch wehe, von irgendwoher steigt Chlor in meine Nase. Dann ist bei mir ruckzuck Essig mit Brombeere, dann ist knallhart Kindheit angesagt im gekachelten Becken Badeanstalt Birker Strasse 1969. Dann sehe ich mich inmitten von Schamhaaren, Kolibakterien, Alterszucker und <em>Fa</em>, mit soviel Herpes am Maul wie Blumenkohl in eine Kiste passt.</p>
<p>Schulschwimmen war für mich ungefähr so, als erwachte ich alle zwei Wochen im falschen Erdzeitalter, wo die Amphibien noch in der Entwicklung waren und ich als Gottes erster Versuchsfrosch ins Wasser hüpfte. Derweil spazierte ein ganz in weiß gekleideter Badeherr mit amüsiertem Gesichtsausdruck und in offenen Badelatschen am Beckenrand entlang und notierte in sein gottverdammtes Bademeisternotizbuch, was alles falsch lief, unten im Wasser.</p>
<p>Meine unkoordinierten Versuche, mich irgendwie über Wasser zu halten und nicht abzusaufen, bedachte er solange mit Spott, (“Na Glummi, wieder auf Krötenwanderung?”), bis ich endlich soweit war und den Freischwimmer wagte. Und wo ich schon mal dabei war, packte ich vierzehn Tage später den Fahrtenschwimmer drauf. Ich hatte den begehrten Freien-Fahrten, fertig, aus.</p>
<p>Kraulen kann ich bis heute nicht.</p>
<p>Ich bin immer noch neidisch auf die Burschen, die so lässig und souverän das Becken durchpflügen, als wären sie am Mittelmeer geboren und könnten schön singen. Ich kann gerade mal Brustschwimmen und bin froh, wenn ich eine halbwegs spritzende Arschbombe hinkriege, ohne Schmauchspuren zu hinterlassen.</p>
<p>Apropos Schmauchspuren.</p>
<p>Ich habe da diesen wiederkehrenden Traum. Ich sitze mit dem Bademeister von der Birker Strasse in der Badewanne. Es ist Samstag, und Samstag ist Badetag. Wir baden in jedem Traum gemeinsam, ich und der Bademeister, mittlerweile ein alter Sack. Doch sein Gesicht ist jung und spöttisch wie eh und je. Bis plötzlich eine Kackwurst <em>plopp</em>! an der Wasseroberfläche auftaucht, wie ein brauner Pottwal.</p>
<p>IIHHH! schreit der alte Bademeister und stürzt aus der Wanne. DER HAT INS WASSER GEKACKT!</p>
<p>Pitschenass rutscht er auf den Badezimmerkacheln aus und legt sich lang. Zähne ausgeschlagen. Scheisse am Bauch.</p>
<p>Ich wache hochzufrieden auf.</p>
<p style="text-align:center;">*</p>
<p style="text-align:center;"><a href="http://glumm.files.wordpress.com/2010/07/san-muedermann.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2897" alt="san.muedermann" src="http://glumm.files.wordpress.com/2010/07/san-muedermann.jpg?w=450"   /></a>&#8220;Schwimmen? Näh &#8211; nix für mich.&#8221;</p>
<br /> Tagged: <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/alterszucker/'>Alterszucker</a>, <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/badeanstalt-birker-strasse-solingen/'>Badeanstalt Birker Strasse Solingen</a>, <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/badezimmerkacheln-sehen-scheisse-aus/'>Badezimmerkacheln sehen scheisse aus</a>, <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/bodenturnen/'>Bodenturnen</a>, <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/brombeeren-im-regen/'>Brombeeren im Regen</a>, <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/fa/'>Fa</a>, <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/gemeinschaftsdusche/'>Gemeinschaftsdusche</a>, <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/ich-kriege-keinen-purzelbaum-hin/'>Ich kriege keinen Purzelbaum hin</a>, <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/kolibakterien/'>Kolibakterien</a>, <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/schmauchspuren/'>Schmauchspuren</a>, <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/schulschwimmen/'>Schulschwimmen</a>, <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/schwimmbeutel/'>Schwimmbeutel</a>, <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/trampolin-springen/'>Trampolin springen</a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/glumm.wordpress.com/14122/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/glumm.wordpress.com/14122/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/glumm.wordpress.com/14122/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/glumm.wordpress.com/14122/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/glumm.wordpress.com/14122/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/glumm.wordpress.com/14122/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/glumm.wordpress.com/14122/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/glumm.wordpress.com/14122/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/glumm.wordpress.com/14122/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/glumm.wordpress.com/14122/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/glumm.wordpress.com/14122/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/glumm.wordpress.com/14122/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=glumm.wordpress.com&#038;blog=2163523&#038;post=14122&#038;subd=glumm&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Lügen haben kurze Beine</title>
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		<pubDate>Fri, 17 May 2013 09:53:14 +0000</pubDate>
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		<title>Zielfahndung</title>
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		<pubDate>Wed, 15 May 2013 10:22:44 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Tagged: Meigener Strasse Solingen, Zielfahndung<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=glumm.wordpress.com&#038;blog=2163523&#038;post=14073&#038;subd=glumm&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
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<br /> Tagged: <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/meigener-strasse-solingen/'>Meigener Strasse Solingen</a>, <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/zielfahndung/'>Zielfahndung</a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/glumm.wordpress.com/14073/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/glumm.wordpress.com/14073/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/glumm.wordpress.com/14073/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/glumm.wordpress.com/14073/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/glumm.wordpress.com/14073/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/glumm.wordpress.com/14073/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/glumm.wordpress.com/14073/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/glumm.wordpress.com/14073/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/glumm.wordpress.com/14073/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/glumm.wordpress.com/14073/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/glumm.wordpress.com/14073/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/glumm.wordpress.com/14073/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=glumm.wordpress.com&#038;blog=2163523&#038;post=14073&#038;subd=glumm&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Der erste Zungenkuss</title>
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		<pubDate>Tue, 14 May 2013 05:35:52 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Fryda war ein Jahr älter als ich, ein temperamentvolles wasa-blondes Mädchen mit vielen Sommersprossen, auf skandinavische Weise hübsch und unkompliziert. Nur ihr Nachname war kompliziert. Er begann mit Zy.. und war der letzte im örtlichen Telefonbuch &#8211; dafür war sie die erste, die mir einen Zungenkuss verpasste, 1974 im Metropol-Kino in der unterirdischen Karstadt-Passage. An [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=glumm.wordpress.com&#038;blog=2163523&#038;post=14037&#038;subd=glumm&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Fryda war ein Jahr älter als ich, ein temperamentvolles wasa-blondes Mädchen mit vielen Sommersprossen, auf skandinavische Weise hübsch und unkompliziert. Nur ihr Nachname war kompliziert. Er begann mit Zy.. und war der letzte im örtlichen Telefonbuch &#8211; dafür war sie die erste, die mir einen Zungenkuss verpasste, 1974 im Metropol-Kino in der unterirdischen Karstadt-Passage.</p>
<p>An den Film selbst hab ich keine Erinnerung, (Karlos meint, es wäre <em>Das große Fressen </em>gewesen), aber den stürmisch drängelnden Fleischlappen in meinem Mund habe ich nicht vergessen. Ich wurde gnadenlos überrannt, im Sitzen. Ich wusste überhaupt nicht, was los ist. Dabei fing es vielversprechend an. Ein bisschen wie an der Wursttheke, wenn die freundliche Verkäuferin eine Scheibe Fleischwurst rüberreicht, doch kaum ist der Happen im Mund, rollt der Bulldozer los und walzt alles nieder, was sich in den Weg stellt.</p>
<p>Wow. Sie hatte Temperament. Meist trafen wir uns im Entenpark oder hinterm Karstadt am Graf-Wilhelm-Platz. Es war Februar. Es war windig. Es war überhaupt eine zugige temperamentvolle Ecke damals, hinterm Karstadt. Das Gebäude glich einer grossen Hutschachtel und war mit dem einzigen Wolkenkratzter der Stadt verbunden, dem Turm-Hotel. Hintenraus gab es keine Schaufenster und keinen Eingang, nur eine tote asphaltierte Auslauffläche, für Publikum gesperrt. Da standen wir, pärchenweise, und knutschten: Karlos und Biene, der dicke Hansen und Anne, sein Bruder und Guddi, Pepe und Simone, der Mitsubishi Boy und Jaqueline, ich und Fryda. Wir knutschten und fummelten und machten <em>kisskiss</em>, wie meine halbitalienische Oma das nannte<em>, </em>wenn sie uns zufällig in der Stadt traf.</p>
<p><em>Na, macht ihr wieder kisskiss?</em></p>
<p>Nach Feierabend kam der schwule kleine Chef der Lebensmittel-Abteilung aus einem Seitenausgang und versorgte uns Jungs mit Zigaretten. Mädchen existierten für ihn nicht.  Er übersah sie einfach. Einmal führte er ein wildes Tänzchen auf, nur für Karlos und mich. Wie ein Gockel fegte er übers zugige Parkett, einfach so, ohne begleitende Musik, nur er, seine fliegenden Beine und seine Verrücktheit. Wir klatschten und lachten und feuerten ihn an, sogar die Mädchen mochten den kleinen schwulen Kerl an diesem Tag.</p>
<p style="text-align:center;">*</p>
<p>Fryda nahm meine Hand und führte sie in ihre Hose. Mir brach der Schweiss aus. Zentimeter um Zentimeter zitterte ich die enge Jeanshose runter, bis zum Buschansatz. Es war das erste Mal, dass ich soweit unten war, am Busch klopfte. Weiter unten wurde das Haar noch dichter, und obwohl ich gar keine Lust hatte an einen Hund zu denken, musste ich spontan an den Hund meines Opas denken, Oscar, ein Deutsch Drahthaar.</p>
<p>Die Möse kriegte ich nicht zu packen, Frydas Hose war einfach zu eng und ich zu nervös, um den Reißverschluss aufzumachen und mir Platz zu verschaffen. Es war ein ziemlicher Reinfall, an diesem windigen und kühlen Tag hinterm Karstadt am Grafen.</p>
<p>Februar eben.</p>
<p>&#8220;Besser, wir machen das demnächst bei uns zuhause im Hobbykeller, ganz in Ruhe&#8221;, meinte Fryda schliesslich. Sie hatte schon mit Jungs gefummelt, vielleicht sogar mit ihnen geschlafen, während es für mich die Premiere gewesen war. Die Pettingpremiere. Jedenfalls, aus der Nummer war ich vorerst raus, und zur Fortsetzung in ihrem Keller kam es nie.</p>
<p>Ein paar Jahre später traf ich Fryda wieder. Sie war 18 und hübscher als je zuvor, doch irgendetwas schien mit ihr nicht zu stimmen. Sie sah aus, als würde sie bei Velvet Underground singen, und zwar nicht im Hintergrund, sondern ganz vorn, neben Andy Warhol.</p>
<p>Dann rückte sie mit der Bombe heraus: Sie war auf Heroin. Auf “H”, wie wir das damals nannten, “Eitsch”.</p>
<p>“Wenn wir uns einen Druck setzen”, erzählte sie von ihrem neuen Leben in ihrer Clique, “machen wir uns schön, wir putzen uns richtig raus mit Make up und Lidschatten und alles und fahren nach Köln auf die Rolle, wie die Stars.”</p>
<p>Ich war empört. H und Köln, das war wirklich das letzte. Ich schimpfte sie aus, ich verstand nicht, wie man so doof sein konnte, Heroin zu nehmen, &#8220;wie die Stars!&#8221; höhnte ich, doch sie blieb unerreichbar für meine Worte. Sie lachte nur und nannte mich ihren naiven kleinen Andi von früher. Dann hörte ich eine Weile nichts mehr von ihr.</p>
<p>Anfang der 80er Jahre, an einem bräsigen Sommersonntag, war ich mit einem Bekannten unterwegs, als ich sie plötzlich auf dem Bürgersteig sah. &#8220;Halt an&#8221;, sagte ich zu Carsten, der einen gelben Mercedes fuhr und schläfrig in die Welt guckte. Er liess mich raus, und Fryda und ich fielen uns in die Arme. Sie war ins Zentrum gezogen, wohnte am Friedhof, war clean. Ich blieb bis zum Abend bei ihr und wir holten alles nach, wofür wir in jüngeren Jahren zu jung gewesen waren. Dann hörte ich wieder nichts von ihr.</p>
<p style="text-align:center;">*</p>
<p>1995 stattete ich Fryda einen Überraschungsbesuch ab, in Dortmund, wo sie seit Jahren mit ihrem Mann lebte. Die Adresse hatte ich von Jerry, einem gemeinsamen Bekannten, der Kontakt zu ihr hielt, und als ich in Dortmund eine Verabredung hatte, (mit dem Verleger einer holländischen Hardrock-Enzyklopädie, die ich gemeinsam mit Schnaat für den deutschen Markt bearbeiten und übersetzen sollte), stand ich unangemeldet bei ihr auf der Matte, in der Dortmunder Nordstadt.</p>
<p>Wir hatten uns fünfzehn Jahre nicht gesehen. Sie ahnte nichts von meinem Besuch. Mir öffnete eine geschrumpfte Heroin-Hausfrau die Tür, immer noch blond, aber ganz klein geworden, und sie trug eine viel zu kantige Brille. Nach einem ersten ungläubigen Austausch von Blicken fiel sie mir um den Hals.</p>
<p>“Bist du&#8217;s..?! Bist du das wirklich?”</p>
<p>Ich hatte die Taschen voller Kohle, der Verleger hatte einen Vorschuss rausgetan, und so dauerte es keine zehn Minuten, bis ich Fryda gestand, warum ich da war.</p>
<p>“Sag mal, kannst du was Pulver klarmachen?”</p>
<p>Sie war nicht so überrascht, wie man meinen könnte, schließlich hatte ihr Jerry von meiner latenten Sucht berichtet.</p>
<p>“Wieviel willst du setzen?” fragte sie und holte ein Bier aus dem Kühlschrank. Ich blieb eine Stunde und lernte ihren Typ kennen, der in Ordnung war und die halbe Zeit am Rechner saß, sie erledigte einige Telefonate, aber es tat sich nichts an diesem Abend. Sie bot mir etwas Methadon an, aber danach stand mir nicht der Sinn.</p>
<p>Ihr Mann erzählte, dass ihm während einer Schmuggelfahrt über die holländische Grenze fast der mit sechzig Gramm gefüllte Pariser im Darm geplatzt war. Wie, fast geplatzt? sagte ich. Na, der war porös geworden, sagte er, das Pulver wurde feucht, von der Darmflüssigkeit.</p>
<p>&#8220;Jedes Mal, wenn wir in den nächsten Tagen von dem Pulver aufkochten, stank die ganze Hütte, als hätte man einem alten Hund in den Arsch gegriffen. Aber was solls, was ist los! Nur weil es mal ein bisschen nach Scheisse stinkt, wirfst du doch keine sechzig Gramm weg.&#8221;</p>
<p>Fryda stand dabei, klein geworden und verzog die Miene mit gespielter Empörung. Ich fuhr nach Hause, ohne dass wir Pulver klargemacht hätten. Meine Taschen waren immer noch voller Kohle.</p>
<p>Fryda sah ich nie wieder.</p>
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		<title>Zedernweg</title>
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		<pubDate>Mon, 13 May 2013 05:03:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>glumm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Biografie]]></category>

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		<description><![CDATA[Als es in Meigen noch den Biobauern gab, schnappten wir uns Samstagmittags schon mal den Hund und spazierten zur Hofschaft. Es waren meist kleine Besorgungen, 150 Gramm Feldsalat, 2-3 Möhren, Kräuter. &#8220;Hoffentlich hat der noch auf&#8221;, sagte die Gräfin, wir waren spät dran. &#8220;Wenn nicht, sind wir dann angeschissen?&#8221; &#8220;Nö. Dann machen wir Fisch.&#8221; Der [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=glumm.wordpress.com&#038;blog=2163523&#038;post=14047&#038;subd=glumm&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Als es in Meigen noch den Biobauern gab, schnappten wir uns Samstagmittags schon mal den Hund und spazierten zur Hofschaft. Es waren meist kleine Besorgungen, 150 Gramm Feldsalat, 2-3 Möhren, Kräuter.</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">&#8220;Hoffentlich hat der noch auf&#8221;, sagte die Gräfin, wir waren spät dran.</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">&#8220;Wenn nicht, sind wir dann angeschissen?&#8221;</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">&#8220;Nö. Dann machen wir Fisch.&#8221;</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">Der Biobauer war ein Bursche mit langen Dreadlocks, er hatte die Ruhe weg. Als wir ankamen, baute er den kleinen Verkaufsstand gerade ab, den er dreimal die Woche vor der Scheune aufstellte, für Eingeweihte wie uns und für Wandersleute, die zufällig des Weges kamen und einen Batzen Dill verlangten.</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">Der Feldsalat war dummerweise schon alle.</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">&#8220;Nehmt doch Möhren&#8221;, schlug der Biobauer vor.</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">&#8220;Sowieso&#8221;, sagte die Gräfin.</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">Ansonsten war da nur noch eine Kiste Grünkohl.</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">&#8220;Grünkohl hatten wir diesen Winter noch nicht&#8221;, meinte sie. Wir nahmen ein Kilo. Ein Riesenteil. In die Zellophantüte gequetscht sah es aus wie Gemüse vom Angeberplaneten. Die Gräfin drückte mir das Monster in die Hand und wir zogen weiter, nach Hause. War ja nichts Großes geplant. Nur ein kleiner Spaziergang, verbunden mit dem Einkaufsbummel beim Biologiefarmer.</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">Der Hund murrte enttäuscht. Einem Stock hinterherrennen müsste doch drin sein, sagte sein Blick, wenigstens das, oder nicht? Aber ich hatte keine Lust, Holz zu werfen. Ich bin ein träger Bursche bisweilen.</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">Als wir in den Zedernweg einbogen, wo sich die großen Kuh-und Pferdewiesen kreuzen und ständig Kiebitzgerangel in der Luft herrscht, stoppte die Gräfin abrupt ab.</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">&#8220;Da sind sie!&#8221;</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">&#8220;Da ist wer?&#8221;</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">&#8220;Das verdammte Ordnungsamt!&#8221;</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">In hundert Meter Entfernung parkte ein silberner Kombi, mit der Schnauze zur Straße. Damit er auch jeden Moment losbrausen konnte. Die Verfolgung aufnehmen. Wir hatten mittlerweile ein Näschen für die Brüder. Da machte uns keiner was vor.</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">&#8220;Die sind überall&#8221;, sagte die Gräfin.  &#8220;Und jetzt kommen sie sogar schon Samstagmittags.&#8221;</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">Wir versteckten uns hinter der Streukiste an der Zufahrt zum Naturfreundehaus und hielten Kriegsrat. Frau Moll war nicht gemeldet beim Ordnungsamt, unfallversichert war sie auch nicht. Da hockten wir nun, mit unserem dicken Angebergrünkohl vom Gemüseplaneten und einem nicht angemeldeten, nicht angeleinten und unzufriedenen Hund und überlegten hin und her, wie wir es deichseln sollten.</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">Das Risiko eingehen und den Zedernweg einfach weiterlatschen in der Hoffnung, dass wir falschliegen und der Wagen gar nicht vom Ordnungsamt ist? Oder doch lieber einen Umweg einschlagen? Dazu hätten wir allerdings erstmal umkehren müssen.</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">Die Minuten verstrichen, es begann zu nieseln. Der Regen pixelte unsere Haut, der Hund wurde unruhig und kläffte los.</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">&#8220;Klappe zu!&#8221; flüsterte die Gräfin und streichelte Frau Moll. Sie hatte uns schon mal in die Scheisse geritten, als sie ausgerechnet an einem parkenden Polizeiwagen hochgesprungen war und mit ihren scharfen Krallen einen Joint in den Lack gekratzt hatte, nur weil im Wageninneren ein Rauschgiftrüde saß und seine Aufwartung machte.</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">&#8220;Sitzt da überhaupt einer im Wagen?&#8221; fragte ich unschlüssig. &#8220;Kannst du das erkennen? Oder ist da gar keiner drin?&#8221;</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">&#8220;Weiss nicht. Ja, doch. Zwei Leute sind das, glaub ich.&#8221;</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">Zwanzig Minuten später. Wir hatten den Raum grosszügig umgangen und befanden uns jetzt gut zweihundert Meter vor dem silbernen Fahrzeug. Als wir uns umdrehten, gab es Gas.</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">&#8220;Scheisse!&#8221;</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">&#8220;Jetzt haben sie uns am Arsch.&#8221;</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">Bußgeld. Anzeige, Nachzahlung, Wesenstest. Flüchten machte keinen Sinn. Wir ergaben uns und blieben stehen. Der Wagen kam im Schritttempo angefahren, und fuhr vorüber. Darin zwei Kerle, einer mit Schnäuzer, die uns keines Blickes würdigten. Wir sahen nur, wie der Beifahrer lässig sein Geld durchzählte, alles kleine Scheine.</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">&#8220;Zwei Schwule!&#8221; rief die Gräfin erleichtert. &#8220;Die haben sich nur gegenseitig einen geblasen!&#8221;</p>
<p style="margin-bottom:0;" align="JUSTIFY">Das war gerade noch mal gut gegangen.</p>
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		<title>In einem weissen Zimmer</title>
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		<pubDate>Fri, 10 May 2013 09:29:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>glumm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Be Bop]]></category>
		<category><![CDATA[Charlie Parker]]></category>
		<category><![CDATA[Charlie Parker-Discografie]]></category>
		<category><![CDATA[Chet Baker]]></category>
		<category><![CDATA[Kuppelei-Paragraph 180]]></category>
		<category><![CDATA[Olivetti-Reiseschreibmaschine]]></category>
		<category><![CDATA[Schneeblind]]></category>
		<category><![CDATA[Theater-Pädagogin]]></category>
		<category><![CDATA[Waking Act]]></category>
		<category><![CDATA[White room]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich war volljährig und Lena süße fünfzehn, das war das Problem. Ihre Mutter fürchtete, dass man sie wegen des Kuppelei-Paragraphen 180 drankriegte, also untersagte sie uns den Sex in ihren vier Wänden, auch wenn sie ansonsten nichts dagegen einzuwenden hatte und ihrer Tochter die Pille besorgte. &#8220;Geht meinetwegen in den Park und treibt es im [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=glumm.wordpress.com&#038;blog=2163523&#038;post=14019&#038;subd=glumm&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich war volljährig und Lena süße fünfzehn, das war das Problem. Ihre Mutter fürchtete, dass man sie wegen des Kuppelei-Paragraphen 180 drankriegte, also untersagte sie uns den Sex in ihren vier Wänden, auch wenn sie ansonsten nichts dagegen einzuwenden hatte und ihrer Tochter die Pille besorgte.</p>
<p>&#8220;Geht meinetwegen in den Park und treibt es im Gebüsch, aber nicht in meinem Haus! Nicht, solange Lena keine sechzehn ist!&#8221;</p>
<p>Lenas Mutter war eine resolute und etwas anstrengende Person, frisch geschieden. Den Vater hatte ich nur einmal kurz gesehen, als er unmittelbar vor dem Auszug aus dem gemeinsamen Reihenhaus auf dem Wohnzimmerteppich kauerte und irgendwelche Dinge hin-und herschob, die wie kleine Ambulanzwagen aussahen, Matchboxautos &#8211; ein Mann Mitte vierzig, mit traurigen erstickten Augen.</p>
<p>Selbstverständlich wusste Lenas Mutter, was ihre jüngste Tochter für ein Früchtchen war, das machte die Sache nicht einfacher. Wir mussten ganz schön tricksen, bis Lena ihren sechzehnten Geburtstag feierte und endlich auch offiziell den Mann bumsen durfte, den sie erst zum Mann gemacht hatte, mit ihrer unschuldigen Gabe, alles richtig zu machen.</p>
<p>Es war auch zu lächerlich gewesen. Als wir uns kennenlernten, war ich ein lockiger, von Mädchen umschwärmter 19jähriger Nichtsnutz, der ein Geheimnis verbarg: Ich hatte noch nie mit einem Mädchen geschlafen. Beim ersten Versuch mit 16 war es schief gegangen, (an einem  Sonntagmittag, es liefen <em>Die grossen Acht</em> auf Radio Luxemburg, das war Scheisse), danach traute ich mich nicht mehr heran. Zwar hatte ich Petting, und das auch nicht wenig, doch ich vermied jegliches Eindringen.</p>
<p>Ich blieb aussen vor.</p>
<p>Bis zu dem Tag, als ich Lena davon erzählte. Lena, ein bildhübsches Mädchen mit langen braunen Haaren und braunen Augen, ein echtes Kleinod, das der liebe Gott mir an die Hand gegeben hatte, wollte kaum glauben, was sie da hörte. Am nächsten Tag trafen wir uns in der Nähe ihres Elternhauses, sie musste Zeitung austragen. Ich seh es noch vor mir, wie sie dasteht mit ihrer Zeitungskarre und auf mich wartet mit Verwunderung im Blick, und wie ich auf sie zugehe, beinah schlendere, so cool wie möglich, hatte ich mich doch am Tag zuvor offenbart, war das Geheimnis doch kein Geheimnis mehr &#8211; ich fühlte mich so nackt und wehrlos, so geschwächt.</p>
<p>Ich hatte mich in ihre Hände begeben, in die Hände eines 15jährigen aufgeweckten Mädels, in das ich so verliebt war, dass es weh tat.</p>
<p>Als wir wenig später miteinander schliefen, in ihrer kleinen Kajüte unterm Dach, passierte es wie von ganz allein: Ich rutschte plötzlich in sie hinein, und war drin. In dieser Nacht, ich blieb heimlich bei ihr, war ich so stolz und voller Lebensmut, es müssen Sturmglocken geläutet haben bis hinaus in den Pazifik.</p>
<p>Ein Jahr später zog Lenas Mutter (und damit auch Lena) vom Stadtrand ins Zentrum um. Ich erwachte eines Morgens in Lenas kleinem Zimmer, ich hatte verschlafen. Ich jobbte als Kommissionierer bei der FZ, einem Zwischenlager für Tiefkühlprodukte. Lena war längst fort, sie absolvierte eine Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin, genau drei Monate lang. Es folgten eine abgebrochene Lehre zur Zahnarzthelferin und einige Jahre Kellnern in diversen Brombeerweinschenken und Kneipen, bevor sie Anfang der 90er Jahre nach Hamburg ging, Abitur nachmachte und zur Theater-Pädagogin umsattelte, heiratete, ein Kind bekam und sich auf Theater-Festivals einen Namen machte als Walking Act.</p>
<p>Was eine Frau.</p>
<p>Ich wollte gerade aufs Klo gehen und hatte die Hand schon an der Türklinke, da hörte ich die rauchige Stimme von Lenas Mutter und erstarrte. Was zum Teufel machte sie um diese Uhrzeit daheim? Sie hätte längst zur Arbeit sein müssen. Hatte sie Urlaub und Lena vergessen, mir davon zu erzählen? Oder ging es ihr nicht gut und sie hatte sich krank gemeldet? Und da war noch eine Stimme! Die von Dascha, Lenas geschwätziger Kusine.</p>
<p>&#8220;..was machen wir zum Reis?&#8221; fragte Dascha, die sich erst unlängst in der Wohnung einquartiert hatte, und Lenas Mutter antwortete irgendetwas, von dem ich bloß &#8220;Spargel&#8221; mitbekam.</p>
<p>Oh Gott. Ich zog mich weiter an, traute mich aber nicht aus dem Zimmer. Am Abend zuvor war mächtig Stunk in der Bude gewesen, weil ich betrunken das Klo bekotzt hatte. Ich stand an der Zimmertür und horchte. Als die Stimmen sich entfernten, in Richtung Wohnzimmer und Balkon, öffnete ich vorsichtig die Tür und schlich den langen Korridor entlang, an dessen Ende sich die rettende Etagentür befand, die Pforte zur Freiheit, zur Sonne, zur Photosynthese. Doch als ich die Hälfte des Flurs hinter mir hatte, näherten sich Schritte und ich verschwand hastig im Zimmer von Lenas grossem Bruder Tom.</p>
<p>Tom, einige Jahre älter als ich, lebte ebenfalls in der Eigentumswohnung, wenigstens auf dem Papier. Er war der Prototyp des gepflegten Langhaarigen, der sich hauptsächlich darüber definierte, welche Platten er hörte. Man kannte solche Typen. <em>Wie findest du mich?</em> glotzten sie einen groß und ängstlich an, wie die Hasen, wenn sie am Plattenspieler standen und ihre Lieblings-Hits präsentierten. (Natürlich war ich auch nicht anders. Sobald irgendwer eine alte Doors-Nummer auflegte, keuchte ich ein Gedicht von Jim Morrison.)</p>
<p>Toms Plattensammlung umfasste Tausende Jazz-Scheiben, besonders Be Bop hatte es ihm angetan. Wer Be Bop hörte, musste hart im Nehmen sein. Mit Be Bop machte man sich keine Freunde. Zwei, wenn es hochkam, oder eher doch nur einen, sich selbst. Dafür war seine Charlie Parker-Discografie komplett, seiner Meinung nach. Charlie Parker-Platten waren sein ganzer Stolz.</p>
<p>Als Familienmitglied war Tom kaum präsent. Er studierte Design in Elberfeld, wo er auch eine kleine Bude gemietet hatte. Das Zimmer in der Wohnung seiner Mutter diente mehr als Ausweichquartier und war so etwas wie die späte Erfüllung eines spleenigen Teenagertraums: Es war ganz in weiß gehalten, dem Kolorit der Unschuld.</p>
<p>Angefangen bei der Wandfarbe, 3fach aufgetragen, bis hinunter zum lackierten Holzboden und den darauf liegenden, ineinander überlappenden Flokatis: alles in weiss. Auch die wenigen Möbel waren, wenn nicht per se weiß, mit weißen Tüchern verhangen. Die Matratze? Mit weißem Spannlaken bezogen. Das Regal? Weiss. Auch die darauf liegenden Füllfederhalter und andere kleine Accessoires: weiß, weiß, weiß. Sogar eine weiße Reiseschreibmaschine von Olivetti hatte Tom aufgetrieben. Einzig die schwarzen Typen störten, weswegen Tom die Maschine auch nie benutzte.</p>
<p>Ich musste aufs Klo, traute mich aber nicht aus dem Zimmer. Warum eigentlich nicht? Warum machte ich nicht die Türe auf, spazierte durch den Flur und rief fröhlich &#8220;Guten Morgen&#8221; und machte, dass ich so schnell wie möglich auf den Pott kam, ordentlich abschiffen? Weil ich nicht so war, damals. Ich war scheu. Ich war zwanzig und konnte mittlerweile sogar in eine Frau eindringen, aber im Umgang mit Erwachsenen blieb ich gehemmt. Ich verstand Erwachsene nicht. Ich wusste nicht, was sie von mir wollten, ich kam nicht klar mit ihren Erwartungen, und überhaupt, ich fand Erwachsene ungeheuer langweilig und borniert.</p>
<p>In der Mitte des Resopaltisches stand eine schlanke weiße Vase, darin eine weiße Lilie, Botschafterin des Todes und beinahe schon mumifiziert, so lange war Tom nicht mehr dagewesen. Ich spannte einen Bogen Papier in die Schreibmaschine und tippte so leise wie möglich: <em>dascha ist eine krude schachtel</em>.</p>
<p>Ich musste sicken wie ein Pferd. Ich hielt es kaum noch aus. Ich lief hin und her und drückte mein Geschlecht wie ein kleiner Schulbub. In einer Ecke des Zimmers entdeckte ich eine leere Milchkanne. Sie diente als Zierde, wie alles Zierde war in diesem unwirklichen Raum, der zum Eislaufen animierte, zum Zähneputzen und zum Wäsche waschen, alles Dinge, die sich nicht im geringsten mit meinen Bedürfnissen deckten, morgens um halb neun.</p>
<p>Ich setzte die Kanne an und ließ sie seufzend volllaufen &#8211; randvoll. Wäre Lenas Mutter oder Dascha in diesem Moment zufällig eingetreten, es hätte Geschrei gegeben, richtig Operette: DAS SCHWEIN IST IN LENAS ZIMMER UND PISST IN DIE MILCHKANNE!</p>
<p>Erleichtert schlockerte ich ab. Und dennoch, irgendetwas stimmte hier nicht. Es dauerte einen Moment, bis mir aufging, was das war, was nicht stimmte. Es war die Farbe meines Urins. Das okkere Gelb, es störte.</p>
<p>Kacken musste ich auch. Ich überschlug die rechnerische Wahrscheinlichkeit, einen weißen Stuhlgang hinzubekommen, der sich der Umgebung des Zimmers unauffällig angepasst hätte, und entschied mich gegen einen Ausscheidungsversuch. Ich stöhnte auf, so laut und verzweifelt, dass ich schon glaubte, mich verraten zu haben, doch niemand riss die Tür auf, niemand rief die Polizei. Doch was tun? Die Flinte schultern, ins Wohnzimmer rennen, zwei gezielte Betäubungsschüsse absetzen? (Nicht vergessen: Dascha ein Handtuch über den Kopf werfen!) Oder doch lieber gleich die weisse Fahne hissen und mich stellen? Ich hockte auf dem Hintern und kniff die Arschbacken zusammen. Lena würde kaum vor vier Uhr zurück sein. Bis dahin hätte ich mir längst die Beine runter geschissen.</p>
<p>Es begann nach Mittagessen zu duften. Nach Spargel. Als Kind hatte ich beim Spargelessen stets das Gefühl gehabt, ein Pony zu reiten, nur das half mir jetzt auch nicht weiter.</p>
<p>Lenas Mutter und Dascha liefen zwischen Küche, Wohnzimmer und Balkon hin und her und schnatterten ausgelassen. Ich hörte, wie im Bad Wasser eingelassen wurde &#8211; Dascha ging baden. Dascha badete jeden Tag vorm Mittagessen. Solange sie im Badezimmer war, war sie ausgschaltet. Ich wusste aus Erfahrung, sie würde schwere süße Öle auftragen und ihr Gesicht einer Sonderbehandlung unterziehen, mit allerlei Zaubermittel und Püderchen.</p>
<p>&#8220;Zieh nicht so ein Gesicht&#8221;, hatte ich sie einmal gestichelt, &#8220;du hast keins&#8221;, worauf Dascha nach reiflicher Überlegung (&#8220;Wie hat der das gemeint, Lena!?&#8221;) beschloss, mir NIE MEHR zu verzeihen.</p>
<p>Das Badewasser wurde abgedreht, Dascha rutschte stöhnend und stinkend in die Wanne. Ich sah sie vor mir, das Haar dünn und nass und kaputt wie zerdrückte Kartoffelchips. Das war meine Chance: Dascha im Bad und Lenas Mutter, so hoffte ich, auf dem Balkon, eine rauchen. Schnell raus aus Toms Zimmer! Die letzten Meter durch den Korridor, dann leise die Etagentür aufgezogen &#8211; zur Sonne, zur Arbeit! &#8211; doch zu meiner Enttäuschung stand Lenas Mutter nicht auf dem Balkon, sondern in der offenen Küche und brutzelte. Eine winzige Kopfbewegung ihrerseits hätte gereicht, und ich wäre geliefert gewesen. Nein, der Fluchtfisch war gegessen. Dazu wurde frischer Spargel gereicht.</p>
<p>Jetzt hatte ich auch noch Hunger, verflucht!</p>
<p>Zurück im Zimmer wusste ich nicht, was ich tun sollte und überflog Toms Plattensammlung. Damit die blütenweisse Komposition seines Jungendraums durch nichts gestört wurde, hatte Lenas großer Bruder sämtliche Cover entfernt. Die Platten steckten in ihren weißen Innenhüllen und waren nur anhand der verschiedenen Label zu unterscheiden. Allmählich verwirrte das viele Weiß, das mich umgab &#8211; erste Aufallerscheinung: ich versuchte einer Zigarette mit der weißen Schere Feuer zu geben.</p>
<p>Ich durchforstete die Platten nach Musik, die mich interessierte. Aber da war bloß Be Bop. Be Bop war für mich gleichbedeutend mit dicken Knäueln Elektrodraht, die zu entwirren ich nicht imstande war. Allerdings gab es einen Titel von Charlie Parker, der mit Be Bop nichts am Hut hatte, sondern mit großem Orchester eingespielt worden war und geradezu verwunschen klang, wie aus der Zeit gefallen, in den Schoß eines Zulu.</p>
<p>Das Stück hatte ich im Radio gehört, ein einziges Mal nur. Dummerweise wusste ich den Titel nicht. Ich saß auf dem Flokati, den leckeren Spargelgeruch in der Nase und hatte noch jede Menge Zeit in diesem Irrenhaus, bis vier Uhr Minimum, und die Blase lief auch auch schon wieder woll, obwohl ich nichts getrunken hatte. Gut.</p>
<p>Mit Schneeblindheit hatte ich jetzt nicht gerechnet.</p>
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		<title>Becher Kakao auf dem Balkon</title>
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		<pubDate>Tue, 07 May 2013 14:16:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>glumm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Bankenkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Bankenrettung]]></category>
		<category><![CDATA[Dia-Abende]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach Mutters Tod schnappte ich mir zwei-, dreimal die Woche den Hund und besuchte meinen alten Vater, der jetzt allein in der großen Wohnung an der Schillerstraße lebte. Meist blieb ich den ganzen Nachmittag. Wir zerrten den Diaprojektor aus den Tiefen des Wohnzimmerschranks, fanden zudem eine aus Japan importierte winzige Spezialbirne, damit der Projektor auch [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=glumm.wordpress.com&#038;blog=2163523&#038;post=14008&#038;subd=glumm&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Nach Mutters Tod schnappte ich mir zwei-, dreimal die Woche den Hund und besuchte meinen alten Vater, der jetzt allein in der großen Wohnung an der Schillerstraße lebte.</p>
<p>Meist blieb ich den ganzen Nachmittag.</p>
<p>Wir zerrten den Diaprojektor aus den Tiefen des Wohnzimmerschranks, fanden zudem eine aus Japan importierte winzige Spezialbirne, damit der Projektor auch Licht hatte, und schauten alte Dias. Nur wir beide. Was früher von Hosianna-Schreien und Kichern begleitete Dia-Abende im Kreise der ganzen Familie waren, inklusive Tanten und Onkel und Cousins und Cousinen, das besorgten wir nun zu zweit, plus Hund. Der lag auf dem Teppich und schnorchelte vor sich hin.</p>
<p>Statt umständlich eine Leinwand aufzubauen, verdunkelten wir das Esszimmer und projezierten die Fotos einfach an die Wand. Fotos aus Kindertagen, von Ausflügen in den Benrather Schloßpark und Bootstouren auf der Diepentalsperre, Ferienbilder vom Lago di Garda. Mir fiel auf, dass es so gut wie kein einziges Bild von meinem jüngeren Bruder gibt, auf dem er mal nicht aus vollem Hals lacht.</p>
<p>Am liebsten waren mir die Dias, die meine Mutter in jungen Tagen zeigten. Wie sie, kaum volljährig und im feschen Badeanzug, mit der Plattenkamera flirtete, die mein Vater hielt. Eine junge Frau, die sich ihrer Schönheit bewusst war, ohne arrogant zu wirken, grandiose Bilder, auch wenn wir sie oft nur mit schwerem Herzen betrachteten.</p>
<p>Als es Frühling wurde, schälte sich ein neues Ritual heraus: sobald ich am frühen Nachmittag in Vaters Wohnung aufkreuzte, ich hatte wieder meinen eigenen Schlüssel, gab es einen großen Becher heissen Kakao auf dem Balkon unterm Dach, Südseite, mit dem gewaltigen Rundumblick über die Stadt. Wir saßen am Tisch, tranken Kakao und teilten uns das abonnierte Tageblatt, so, wie meine Eltern es getan hatten, in besseren Zeiten.</p>
<p>In unserer Familie gab es dieses geflügelte Wort, das besonders meine Mutter mit spitzbübischem Charme bemühte, um Außenstehenden den Alltag der Glumms näherzubringen:</p>
<p>&#8220;Bei uns wird jeden Morgen ausgiebig gefrühstückt, um halb eins gibt es Mittagessen, nach dem Mittagsschläfchen wird der Kaffeetisch gedeckt, und wenn wir Kaffee getrunken haben, wird es auch langsam Zeit fürs Abendbrot.&#8221;</p>
<p>Die Mahlzeiten stellten traditionell den Mittelpunkt des Familienlebens dar. Darum war ich auch so traurig, als ich in den letzten Monaten vor Mutters Tod feststellen musste, dass die Stimmung zwischen meinen Eltern am Mittagstisch einen Tiefpunkt erreichte. Das Alter setzte ihnen zu und zerstörte die gemeinsame Harmonie, bis zum Schluss immer weniger übrig war. Da Mutter die Kraft fürs Kochen fehlte, sie war auf 50 Kilo abgemagert, bekamen beide das Essen von einem Menüdienst geliefert, den ein befreundeter Metzger anbot.</p>
<p>Meine Eltern saßen am Tisch, an dem sie schon Jahrzehnte lang miteinander gespeist und gelacht und geredet und Spiele gespielt hatten, nun aber kauerte jeder für sich allein da, abgeriegelt in seiner Trutzburg, und löffelte wortlos und beleidigt das halbwarme Essen.</p>
<p>Ich konnte es kaum ertragen.</p>
<p>Ich schätze, es war kein Zufall, dass Mutters Tod quasi beim Mittagessen eingeläutet wurde. Sie hatte eine Dessertschale in der Küche vergessen, und auf dem Rückweg stolperte sie im Esszimmer über ihre eigenen Schläppchen. Sie war eh schlecht zu Fuß, hatte Wasser in den Beinen. Sie erinnerte an ein zerzaustes krankes Vögelchen, das in den Regen gekommen war. Beim Sturz zog sie sich einen komplizierten Bruch zu, oberhalb des Knies. Sie wurde in die Klinik eingeliefert, doch sie erholte sich nicht mehr und starb einen Tag nach dem Weihnachtsfest 2010 an einem schweren Herzinfarkt.</p>
<p>Auch wenn ich mir so noch viel Mühe gab, ich konnte meinem Vater natürlich nicht die Frau ersetzen. Ich ebensowenig wie meine Geschwister, die sich an den Wochenenden um ihn bemühten. Am schönsten war es, wenn der Balkon die Nachmittagssonne perfekt einfing und Vater von früher erzählte. Aus seiner Kindheit in der &#8220;schlechten Zeit&#8221;.</p>
<p>Ich hab ihn mal gefragt, wann das denn genau gewesen sei, diese ominöse schlechte Zeit, und ahnte schon, dass damit nicht die Zeit unter den Nazis gemeint sein konnte, sondern das Ende der Weimarer Republik, als es Millionen von Erwerbslosen gab. Auch mein Großvater war damals ohne Arbeit. Als Vater von (zu jener Zeit) vier Kindern eine Katastrophe. Sein Job war ein typisches Nebenprodukt der Solinger Klingenindustrie, als Schleifer von rundlaufenden Werkzeugen wie etwa Bohrern belieferte er Zahnärzte im Bergischen Land, doch die Nachfrage war gegen null gesunken. Das war die schlechte Zeit, aus der heraus die Nazis schliesslich 1931 die Macht ergriffen.</p>
<p>Damals war mein Vater fünf Jahre alt.</p>
<p>Von der Hasseldelle aus, wo die Familie Glumm ein zweistöckiges Fachwerkhaus bewohnte, wovon ein Stockwerk komplett untervermietet war, hiess es jeden Sonntag zu Fuß über die Stadtgrenze nach Wuppertal, immer den steilen Berg hinauf bis Cronenberg, wo ein Zweig der Familie Glumm ein Lebensmittelgeschäft besaß. Tante Clara und ihr schwuler Ehemann, von dem niemand wissen durfte, dass er schwul war, die aufkommenden Nazis hatten was gegen Schwule, führten den Laden.</p>
<p>Drei Stunden dauerte der Marsch bis Cronenberg, nur um bei Tante Clara übriggebliebenes Brot vom Vortag abzustauben, zwei Laibe, wenn&#8217;s hochkam. Selbst wenn die Jungs und ihr Vater sich beeilten, brauchten sie vielleicht eine halbe Stunde weniger, &#8220;da konnte wir es auch genauso gut langsam angehen lassen.&#8221;</p>
<p>In Cronenberg angekommen, liessen sie sich am Waldrand auf einer bestimmten Bank nieder und erholten sich von den Strapazen des Anstiegs. An einem Sommertag 1932, während einer solchen Rast, schnitzte mein Großvater mit einem Taschenmesser den Namen meines Vaters in die Lehne der Holzbank, WILLI. Als mein Vater 1948 aus englischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, war die Bank den Abhang runtergepurzelt und vermoderte achtlos im Wald.</p>
<p>Eines Tages aber holten Cronenberger Einheimische die Bank wieder hinauf und stellten sie an ihren angestammten Platz. Und obwohl seit 1932 fast zwanzig Jahre vergangen waren, der Name WILLI war so gut zu lesen wie am ersten Tag, wovon sich mein Vater Anfang der 50er Jahre überzeugen konnte.</p>
<p>&#8220;Das war mal ne Bankenrettung, die sich lohnte&#8221;, sagte ich und Vater lachte.</p>
<p>Wie so oft war es weniger die Anekdote an sich, die mein Herz auf dem sonnigen Balkon zusätzlich aufheizte, es war vielmehr die Art und Weise, wie Vater erzählte. 85 Jahre alt, mit brüchiger Stimme und der traurigen Gewissheit, dass mit seinem Tode auch diese kleine Geschichte zu den Akten kommen wird, dass eines Tages niemand mehr da ist, der von dieser Bank erzählen kann. Und ich sitze da und höre zu und versuche mir alles zu merken, so gut es eben geht.</p>
<p>&#8220;Steht die Bank noch?&#8221;</p>
<p>&#8220;Ach wat, die is längst verfault.&#8221;</p>
<br /> Tagged: <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/bankenkrise/'>Bankenkrise</a>, <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/bankenrettung/'>Bankenrettung</a>, <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/dia-abende/'>Dia-Abende</a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/glumm.wordpress.com/14008/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/glumm.wordpress.com/14008/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/glumm.wordpress.com/14008/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/glumm.wordpress.com/14008/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/glumm.wordpress.com/14008/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/glumm.wordpress.com/14008/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/glumm.wordpress.com/14008/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/glumm.wordpress.com/14008/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/glumm.wordpress.com/14008/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/glumm.wordpress.com/14008/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/glumm.wordpress.com/14008/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/glumm.wordpress.com/14008/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=glumm.wordpress.com&#038;blog=2163523&#038;post=14008&#038;subd=glumm&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Locker machen für die Hölle</title>
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		<pubDate>Mon, 06 May 2013 13:23:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>glumm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Inge Brandenburg]]></category>

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		<description><![CDATA[Beim Frühstück erzähle ich ihr von einer Dokumentation über die vergessene deutsche Jazzsängerin Inge Brandenburg, von der ich nie zuvor gehört hatte. Dass sie schon 1979 gestorben ist und dass zu ihrem Begräbnis nur sieben Leute kamen. &#8220;Sieben&#8221;, sage ich. &#8220;Na ja sieben.. Ich mein, was willst du mehr vom Leben als sieben Menschen, die [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=glumm.wordpress.com&#038;blog=2163523&#038;post=13996&#038;subd=glumm&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p align="left">Beim Frühstück erzähle ich ihr von einer Dokumentation über die vergessene deutsche Jazzsängerin Inge Brandenburg, von der ich nie zuvor gehört hatte. Dass sie schon 1979 gestorben ist und dass zu ihrem Begräbnis nur sieben Leute kamen.</p>
<p align="left">&#8220;Sieben&#8221;, sage ich.</p>
<p align="left">&#8220;Na ja sieben.. Ich mein, was willst du mehr vom Leben als sieben Menschen, die zu deinem Begräbnis erscheinen und es ernst meinen&#8221;, sagt sie.</p>
<p style="text-align:center;" align="left">*</p>
<p style="text-align:left;" align="left"><em>Warum müssen wir sterben? </em></p>
<p style="text-align:left;" align="left"><em>Und wenn wir schon sterben müssen, warum gibt es dann noch alte Fotos von uns, auf denen wir lachen?</em></p>
<p style="text-align:center;" align="left">- Die Gräfin -</p>
<p style="text-align:center;" align="left">*</p>
<p style="text-align:left;" align="left">Am 10. Mai ist es ein Jahr her, dass ich mir einen dreifachen Herzinfarkt anlachte. Karlos hat mich mal gefragt, ob ich das Leben jetzt intensiver lebe. Sagen ja so ziemlich alle, die dem Tod von der Schippe gesprungen sind. Nee, sagte ich zu Karlos, nicht dass ich wüsste. Es ist nur so, dass seither eine Art Urvertrauen flöten gegangen ist.</p>
<p style="text-align:left;" align="left">Das Urvertrauen, ewig zu leben.</p>
<p style="text-align:center;" align="left">*</p>
<p style="text-align:left;" align="left">Und dann spielt mir der Zufall eine kleine Notiz in die Hände, vom Februar 2012 auf 500beine. Drei Monate vor dem Unglück auf dem Fronhof. Der Text ist keine große Sache, doch als ich den letzten Satz erreiche, wird mir ganz anders. Was zum Teufel wusste ich im Februar 2012?</p>
<p style="text-align:center;" align="left"><strong><a href="http://500beine.myblog.de/500beine/art/7564789/Ich-hab-mal-ein-Buch-gelesen">Ich hab mal ein Buch gelesen</a></strong></p>
<p style="text-align:center;" align="left">*</p>
<p><a href="http://glumm.files.wordpress.com/2011/08/april2011-018-kl.jpg"><img class="size-full wp-image-7094" alt="Ich mag Hunde." src="http://glumm.files.wordpress.com/2011/08/april2011-018-kl.jpg?w=450&#038;h=337" width="450" height="337" /></a></p>
<br /> Tagged: <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/inge-brandenburg/'>Inge Brandenburg</a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/glumm.wordpress.com/13996/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/glumm.wordpress.com/13996/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/glumm.wordpress.com/13996/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/glumm.wordpress.com/13996/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/glumm.wordpress.com/13996/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/glumm.wordpress.com/13996/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/glumm.wordpress.com/13996/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/glumm.wordpress.com/13996/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/glumm.wordpress.com/13996/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/glumm.wordpress.com/13996/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/glumm.wordpress.com/13996/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/glumm.wordpress.com/13996/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=glumm.wordpress.com&#038;blog=2163523&#038;post=13996&#038;subd=glumm&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">Ich mag Hunde.</media:title>
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		<title>Bitterstoffe</title>
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		<pubDate>Fri, 03 May 2013 16:38:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>glumm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[10 Tage Mallorca all inclusive]]></category>
		<category><![CDATA[Alexis Korner]]></category>
		<category><![CDATA[Bitterstoffe]]></category>
		<category><![CDATA[Rankstützen]]></category>

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		<description><![CDATA[1 Großes Hallo Richtung Lohhausen-Flughafen. &#8220;Luise, meine zwölftbeste Freundin! Wie siehts aus? Hast du dein Röckchen dabei..?&#8221; &#8220;Zwei, Edith, zwei. Eins mit Rüschen, eins mit Schlitz. Extra für dich, Liebes!&#8221; &#8220;Na Prösterchen! Dann kanns ja losgehn!&#8221; Luise und Edith thronen auf ihren Gepäckstücken und begiessen die kommenden zehn Tage Mallorca im klimatisierten Beach Club mit [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=glumm.wordpress.com&#038;blog=2163523&#038;post=13985&#038;subd=glumm&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;">1</p>
<p>Großes Hallo Richtung Lohhausen-Flughafen.</p>
<p>&#8220;Luise, meine zwölftbeste Freundin! Wie siehts aus? Hast du dein Röckchen dabei..?&#8221;</p>
<p>&#8220;Zwei, Edith, zwei. Eins mit Rüschen, eins mit Schlitz. Extra für dich, Liebes!&#8221;</p>
<p>&#8220;Na Prösterchen! Dann kanns ja losgehn!&#8221;</p>
<p>Luise und Edith thronen auf ihren Gepäckstücken und begiessen die kommenden zehn Tage Mallorca im klimatisierten Beach Club mit hochprozentigen kleinen Schweinereien, während ich schon am nächsten Halt raus muss. <i>In Fahrtrichtung links, </i>wie die Stimme von Band freundlich befiehlt, vermutlich weil man in Fahrtrichtung rechts voll in den Inter-City nach Dortmund kracht.</p>
<p>Es ist September, es ist zu kühl für September und ich bin auf dem Weg zur Auftaktveranstaltung. Sechs Monate warten darauf, mich in Geiselhaft zu nehmen, sechs Monate Maßnahme des Job-Centers, sechs Monate und nicht einen Maßnahmetag weniger. Andererseits &#8211; alles besser als Mallorca all inclusive, oder nicht.</p>
<p>Die Maßnahme findet im stillgelegten Trakt einer alten Volksschule statt und dient der <i>Stabilisierung der Beschäftigungssuche</i>, wie es im Anschreiben heisst. Hätte man das Kind beim Namen genannt, es hätte <i>Sechs Monate raus aus der Statistik</i> heissen müssen, und die Referenten Reinigungskräfte. Statistiksäuberer.</p>
<p>Putzerfischchen, mit Urlaubsanspruch.</p>
<p>Allein die Formulierung <i>Stabilisierung der Beschäftigungssuche</i> ist mir ein Rätsel. Wie zum Henker lässt sich eine Suche <i>stabilisieren?</i> Forcieren lässt sich eine Beschäftigungssuche, sie lässt sich aufgeben oder anpassen oder sonstwie gestalten, doch <i>stabilisieren</i>?! Werden da stramme Bambusstäbe und Rankstützen ausgeteilt? Oder doch lieber direkt als Dragee zur innerlichen Anwendung, für die ganz Sensiblen?</p>
<p>Wenn ich im Leben eins gelernt habe: Eine Formulierung in einem offiziellen Schreiben ist nie umsonst, es steckt immer etwas dahinter. In diesem Fall der unausgesprochene Vorwurf, der Verdacht: Langzeitarbeitslose sind nicht stabil. Sie finden keine Arbeit, weil sie nicht hart genug daran arbeiten, Arbeit zu finden. Sie geben zu schnell auf, sie sind haltlos und labil, sie pennen bis in die Puppen, verschlampen Unterlagen und kleben in der Bewerbungsmappe das falsche Foto falschrum auf die falsche Seite,</p>
<p>HERRGOTT!!</p>
<p>NUN STABILISIEREN SIE SICH DOCH ENDLICH, SIE.. SEELCHEN!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align:center;">2</p>
<p>Ich hab noch Zeit und entscheide mich, im Schnellcafe am Hauptbahnhof einen Hauptbahnhofs-Espresso zu nehmen. Ist ja immer ein Risiko. Wenn man Pech hat, erwischt man einen Espresso, der nach allem, aber nicht nach Kaffee schmeckt, nicht mal lauwarm nach Hauptbahnhof, trotz all der Vollautomaten. Der hier geht. Ist zwar nicht so schwarz, dass man gleich zum Gospelsänger wird, aber geht.</p>
<p>Ich blicke aus dem Fenster und entdecke Pauli auf dem Bahnhofsvorplatz. Seine knorrige Visage ist unübersehbar, auch wenn er selbst blind wie ein Maulwurf  ist und sich eher tastend durch die Welt bewegt. Meist hat er einen Schmöker aus dem Fantasybereich in Arbeit, er liest ununterbrochen. Er liest im Gehen, er liest im Bus, er liest, wo immer er sich gerade aufhält, die Schwarte so nah vor den Augen, als würde sie bräunen.</p>
<p><i>Ohne was zu lesen bin ich kein Mensch</i>, hat er mal gesagt, doch an diesem Morgen ist er ohne Buch. Kein Mensch. Was ich sehe, ist Pauli ohne alles sozusagen. Er steht unbeteiligt auf dem Bahnhofsvorplatz und beobachtet den Himmel über den Taxis. Ich zögere einen Moment, geh dann hinaus, den heissen Pappbecher in der Hand.</p>
<p>&#8220;Lange nicht gesehen, Pauli.&#8221;</p>
<p>Für die Uhrzeit umweht ihn schon eine stolze Fahne, und ohne mich groß anzusehen legt er sofort Beschwerde ein. Er habe drei Monate im offenen Vollzug abgesessen, wegen einer nicht bezahlten Geldstrafe, aber niemand in der Szene, er wiederholte: NIEMAND!, hätte seine Abwesenheit bemerkt.</p>
<p>&#8220;Ich bin schwer enttäuscht!&#8221;</p>
<p>Ich muss lachen und klopf ihm auf die Schulter.</p>
<p>&#8220;Das wird schon wieder, Pauli. Guck mal, ich hab dich sofort erkannt &#8211; das ist doch schon mal was.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ach, du.. redest doch nur mit dem Mob, damit du was zu schreiben hast. Nee, mein Freund, du zählst nicht. Du bist out of order.&#8221;</p>
<p>Ich kenne Pauli aus längst verschollenen Haus der Jugend-Tagen. Schon damals war er als Suffkopp verschrien. Zwischenzeitlich dem Pulver verfallen und in den Knast gewandert, ist er nun reumütig zum Jägermeister zurückgekehrt, vielmehr zur Billigvariante Gold-Förster oder Försters Gold, aus meiner Perspektive lässt sich das schlecht zu entziffern. Was Pauli schon immer auszeichnete, das filigrane Klauen von Spirituosen, ob im gut sortierten Einzelhandel oder in Discountermärkten, hat er immer noch drauf. <i>So was verlernt man nicht</i>, meint er bescheiden und hakt sein Talent unter der Etüde Fingerübung ab.</p>
<p>&#8220;Wieso hast du kein Buch dabei?&#8221; frag ich.</p>
<p>&#8220;Keine Ahnung, was ich noch lesen soll. Die Buchhandlungen sind voll bis unter die Decke, aber ich find nichts, was ich nicht schon irgendwo gelesen hätte. Bei dir hab ich auch mal geblättert, bei nem Kumpel am Rechner. Wie heisst das, Blog? Fand ich jetzt auch nicht so berauschend. So ein Mix aus Bukowski und.. ja, keine Ahnung was. Sorry, Babe, aber so isses nun mal.&#8221;</p>
<p>Sprichts, und taucht unter in der Fußgängerzone. Ich blicke ihm hinterher und frage mich, wie das eigentlich kommt, dass unter meinen Bekannten so auffallend viele Arbeitslose, Kleinkriminelle und arbeitslose Kleinkriminelle sind, aber auch ganz herkömmliche Trinker und Junkies ohne Job und Perspektive. Ha ha! Sehr witzig!</p>
<p>Alles halb so ha ha.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align:center;">3</p>
<p>Es nieselt, der Wind wird heftiger. Bis zum Schulungsgebäude sind es zu Fuß zehn Minuten &#8211; immer die Fußgängerzone runter und unten am Marktplatz rechts. Ist ja nicht das erste Mal, dass ich dort eine Maßnahme mitmache. Dass einem Fallmanager was eingefallen ist .</p>
<p>&#8220;Ich glaub, wir müssen da noch mal was machen mit Ihnen.&#8221;</p>
<p>(Ich glaub, Sie müssen noch mal für ein paar Monate aus der Statistik raus.)</p>
<p>(Ich schätze, meine Vorgesetzte wird sonst unruhig.)</p>
<p>(Ich hoffe, ich schaffs noch bis zur Rente.)</p>
<p>Maßnahmen des Job-Centers sind die reine Zeit-und Geldverschwendung, und alle wissen Bescheid, alle spielen mit. Jedem Beteiligten ist klar, dass niemand schneller einen Job ergattert, nur weil er an einer Maßnahme teilnimmt. Maßnahmen dienen allein dazu, die Maschinerie der Trägervereine am laufen zu halten, die sich rund um die kommunalen Arbeitsämter und deren Budget für Langzeitarbeitslose aufgebläht hat.</p>
<p>Natürlich kommt es schon mal vor, dass Teilnahmer innerhalb weniger Tage die Fronten wechseln. Eben noch als arbeitslose Sozialarbeiter einer Maßnahme zugewiesen, werden sie vom Trägerverein vom Fleck weg als Referent engagiert und stehen als Ex-Arbeitslose vor Immer noch-Arbeitslosen und wissen nicht so recht, was sie eigentlich erzählen sollen. Warum sie plötzlich auf der anderen Seite stehen und aus dem Du ein Sie werden soll.  Ist aber auch nicht so wichtig. Wichtig ist, dass es bei der Übermittlung der Kontodaten keine Zahlendreher gibt. Das wäre asozial.</p>
<p>Eine Maßnahme hat aber auch gute Seiten. Man ist von Leuten umgeben, die in ähnlichen Situationen stecken wie man selbst und von denen man noch was lernen kann. Denn mal ehrlich, was ist das Leben groß? Man wird allein geboren, man stirbt allein, und zwischendurch trifft man ein paar Leute, die einem was beibringen &#8211; wenn man Glück hat.</p>
<p>Ausserdem ist es ja nicht so, dass allen Erwerbslosen SOFORT der HIER, ICH! ICH! ICH!-Schaum vorm Mund steht, sobald irgendwo eine Stelle frei wird. Nicht jeder Erwerbslose, (das Wort benutzt mein Vater immer), will unbedingt und unter allen Umständen einen Job finden. Nachbar Timo zum Beispiel will gar nicht mehr arbeiten, er ist vom Macher zum Lasser geworden. Als er einen Termin im Job-Center hat und vom Fallmanager gefragt wird, wie er sich das denn vorstelle mit seiner beruflichen Zukunft, antwortet Timo ohne jeglichen Anflug von Ironie:</p>
<p>&#8220;Ich plane, demnächst mehr beim Lotto zu gewinnen.&#8221;</p>
<p>Und das ist nicht mal gelogen. Timo, ein hochintelligenter Bursche mit einem IQ von 130, hat lange Jahre als Personalberater in einer renommierten Headhunter-Kanzlei gearbeitet, doch das ist beinahe ein Jahrzehnt her. In der Zwischenzeit hat er von seinen Ersparnissen gelebt, so lange, bis sie restlos aufgebraucht waren, <i>trotz eingeschränktem Konsum von so ziemlich allem</i>, wie er sagt. Nach zehn Jahre Arbeitslosigkeit hat er sich nun endlich arbeitslos gemeldet und bezieht Hartz IV.</p>
<p>Timo, ein ruhiger Vertreter, der nicht viel Wert auf Gesellschaft legt, verbringt seine Abende damit, bei abgestellter Türklingel klassischer Musik und Opern zu lauschen, am liebsten Puccini, am liebsten über Kopfhörer. Und wenn nicht gerade Mitarbeiter des Job-Centers in der Nähe sind, gibt Timo freimütig zu, dass die Sache mit der Arbeit für ihn erledigt sei. Dass ihm, unlängst 50 geworden, das Leben zu schade sei, um davon jede Woche sechzig Stunden abzuknapsen.</p>
<p>Oder 38,5.</p>
<p>&#8220;Ich hab das hinter mir. Ich hab das lang genug gemacht. Ich brauch das alles nicht mehr. Ich will die restlichen zwanzig Jahre meines Lebens geniessen und nicht bloß ein Jahr Rente beziehen und dann tot umfallen.&#8221;</p>
<p>Er hat sich einen Hund zugelegt, einen quirligen Collie, mit dem er auf Frisbee-Wettbewerben bis hinauf nach Belgien brilliert und das Bergische Land durchwandert, oft in tagelangen Touren. Alles besser als die Tretmühle Arbeit, sagt Timo. Alles besser als Mallorca, sag ich.</p>
<p>Unter einem schlackegrauen Himmel springe ich in der Fußgängerzone von Vordach zu Vordach, von Markise zu Markise, bis ich halbwegs trocken das Schulungsgebäude erreiche.</p>
<p>Die Auftaktveranstaltung beginnt Punkt zehn. Schnell noch eine rauchen, unter diesem speziell für Raucher gezimmerten Unterstand mit Aschenbecher, wo schon ein Haufen Leute wartet, alle mit dem gleichen Passierschein in der Hand, der sie als Teilnehmer der Maßnahme ausweist.</p>
<p>&#8220;Hallo.&#8221;</p>
<p>Kaum jemand grüsst, als ich mich dazustelle. Nur ein langer Stoffel mit Stirnglatze nickt freundlich. <i>Rottner</i>, stellt er sich vor. Wir unterhalten uns ein bißchen, dann gehts los.</p>
<p>Träger der Maßnahme zur <i>Stabilisierung der Beschäftigungssuche</i> ist eine als gemeinnützig anerkannte Fortbildungsakademie mit Sitz in Frankfurt, die in ganz Deutschland Ableger gebildet hat und gut im Geschäft ist. Pro Teilnehmer kassiert ein Veranstalter einige Tausend Euro, je nach Dauer und Intensität der Maßnahme. Es gibt Maßnahmen, da muss man ein halbes Jahr lang Tag für Tag seine acht Stunden abreissen, es gibt Maßnahmen, da schaut man am Montag- und am Donnerstag-Vormittag kurz auf einen Maßnahme-Kaffee rein und hat ansonsten seine Ruhe.</p>
<p>Ruhe ist das Stichwort, Ruhe zum Schreiben. Um ein Minimum an Ruhe zu haben, sozusagen die existentielle Portion, gibt es eine amtliche Voraussetzung: Man muss aus der Zeit fallen. Man darf nicht dazugehören. Nirgends. Wenn die Leute dich angucken, muss ihnen auf Anhieb klar sein, intuitiv und unmissverständlich: Dieser Mann kriegt keine sms-Nachricht von mir. Den rufe ich nicht an. Der ist definitiv nicht eingeladen. Nirgends. Dann hat man seine Ruhe. Das Minimum.</p>
<p>Die Gräfin und ich pflegen eine besondere Form von Autismus: Wir versuchen so viel wie möglich von der Welt mitzukriegen, ohne von ihr behelligt zu werden. Kein leichtes Unterfangen.</p>
<p>&#8220;Am besten, wir schleichen uns in eine betreute Aussenwohngruppe ein, damit wir den Kopf frei haben für die wirklich wichtigen Dinge&#8221;, so die Gräfin leuchtend:  &#8220;Dann sind wir Königin!&#8221;</p>
<p>Das ganze hat allerdings einen faden Beigeschmack, und ich werde ihn nicht los. Es stellt sich nämlich die Frage, warum die Gesellschaft für einen verschnarchten Autor aufkommen soll, der kein Buch auf die Reihe kriegt. Warum ihn mit Hartz IV durchziehen, bis er wann auch immer ein Bein auf die Erde bekommt. Und was, wenn dieses Bein niemals bis zur Erde reicht? Wenn es sich auf Dauer als Phantombein entpuppt? Blutleer und zu nichts nütze?</p>
<p>Tja, Freunde, das war die Sorte Fragen, die mir nicht in den Kram passt. Und weiter.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align:center;">4</p>
<p>Was mir sofort gegen den Strich geht, ist dieser große Aufkleber über der Tür, der uns Teilnehmer empfängt:</p>
<p><em>ARBEITSFABRIK.</em></p>
<p>Erst denk ich, die haben sich irgendwie vertan in der Aufregung, dass da schon wieder zwei Dutzend Kunden anrücken, die Ende des Monats für ihren Lohn  sorgen, doch dann seh ich mir den Banner genauer an und entdecke Spuren von Abnutzung &#8211; der Aufkleber ist nicht neu, der hängt schon länger. Das ist durchdacht, das Wort <em>Arbeitsfabrik, </em>und<em> e</em>s klingt gespenstisch. <em>Arbeitsfabrik</em> hätte man auch hoch oben über einem Konzentrationslager montieren können, zur Begrüßung. Warum nicht gleich <em>Arbeit adelt.</em></p>
<p>Nach einer Weile finde ich <em>Arbeitsfabrik</em> nur noch dümmlich und doppeltgemoppelt. Es soll wohl darauf hinweisen, dass in diesen Räumen hart gearbeitet wird, mit klar definierten Strukturen und Hierarchien, ohne das übliche Maßnahmegesäusel und Bewerbungsgewäsch, aber mit klipper und klarer Ansage:</p>
<p>hier herrscht<em> Pünktlichkeit. Sauberkeit. Ordnung.</em></p>
<p style="text-align:center;">
<p style="text-align:center;">5</p>
<p>Zweiter Tag der Maßnahme. Heute sind Einzelgespräche anberaumt. Anwesend sind zwölf Langzeitarbeitslose. Nur zwölf, am ersten Tag waren es noch dreiundzwanzig, die sich in die Anwesenheitsliste eintrugen. Die Hälfte der Leute hat sich schon verabschiedet. Ich frage mich, wie die das hinkriegen. Haben die alle Husten und sich krankschreiben lassen? Oder ist ihnen plötzlich aufgegangen, dass sie ja doch einen Job besitzen und nur vergessen haben, da auch hinzugehen. Kann natürlich jedem mal passieren, so ein Malheur. Logisch.</p>
<p>Ist klar.</p>
<p>Einzelgespräche bedeuteten, dass stets ein Arbeitsloser ins Büro gerufen wird und die anderen elf Leute herumsitzen und nichts zu tun haben. Zwar gibt es nebenan einen großen Technik-Raum, ausgestattet mit funktionstüchtigen Rechnern und schnellem Internetanschluss, doch zumindest an diesem Tag bleiben alle den Monitoren fern und lernen einander kennen.</p>
<p>Mohammed, genannt Momo, rechts von mir, ein stabiler Bursche mit Backenbart, hat sich am Morgen das Kinn ausrasiert. Nun ist es so schwer gerötet, er sieht aus wie nach einer Brandrodung.</p>
<p>Momo stellt sich mit Handschlag vor. Sein Vater ist ein aus Marokko eingewanderter Metzger. Er hatte diesen Beruf auch für seinen Ältesten vorgesehen, und weil Momo ein braver Muslim ist, der Vater gehorcht, begann er eine Metzgerlehre, die er aber nach ein paar Monaten schmiss.</p>
<p>&#8220;Ich kann keinen Hammel mehr riechen, Baba! Die machen mich ganz bräsig, deine Hammel!&#8221;</p>
<p>Er überwarf sich mit der Familie und siedelte nach München über, jobbte bei BMW am Band, verdiente gutes Geld, war einsam, kehrte zurück und heuerte im typischsten aller Solinger Berufe an, dem Schlieper, dem Messerschleifer.</p>
<p>&#8220;Ich hab auch am Stein gearbeitet&#8221;, mischt sich ein spätes Mädchen ein, um die fünfzig, krumme Haltung, doch Momo lässt sich nicht beirren. Wir erfahren, dass er eine Weile vor hatte, professioneller Bodybuilder zu werden, &#8220;für die Frauen&#8221;, wie er betont.</p>
<p>Tatsächlich hat er Oberarme wie Straßenkreuzungen und ein strammes Kreuz. Beste Voraussetzungen für eine Karriere als Kraftpaket. Als ihm jedoch mehr und mehr klar wurde, dass er dafür sein ganzes bisheriges Leben über den Haufen werfen und stattdessen jede Menge Stereoide fressen müsste, entschied er sich schweren Herzens dagegen.</p>
<p>&#8220;Wegen den Frauen.&#8221;</p>
<p>Ich bin überrascht, was die Leute so alles für Jobs hatten, bevor sie arbeitslos wurden. Unter den Teilnehmern, die anwesend sind, befindet sich der 57jährige ex-Chefredakteur einer Zeitung, eine Ukrainerin, die Mathematik in Kiew studiert hat sowie ein junger Fitnesstrainer mit einem auffälligen Tattoo: Eine tintenblaue Schlange rekelt sich an seinem schlanken Hals empor. Eine Szene, die ich eher auf Porzellan vermutet hätte, auf Teegeschirr.</p>
<p>Der Fitnesstrainer, ein gutaussehender Bursche, ist irgendwie atemlos. Es fehlt ihm an Ruhe. Er hat zu gleichen Anteilen deutsche und serbische Vorfahren und ist exakt seit einem Jahr arbeitslos, obwohl er im Besitz hochwertiger Trainerscheine ist.</p>
<p>&#8220;Ich hab einfach kein Glück&#8221;, nölt er, und im weiten Rund nicken die Köpfe wie an Schnüren gezogen, sie nicken und nicken.</p>
<p>Ursprünglich komme er aus Baden-Württemberg, erzählt der Fitnesstrainer und beschwert sich, dass man in Solingen nur Kiffer kennenlerne.</p>
<p>&#8220;Achtzig Prozent aller jungen Solinger kiffen.&#8221;</p>
<p>Dagegen wäre an sich nichts einzuwenden, führt er fort, &#8220;aber ich kiffe nicht, ich bin ja Fitnesstrainer.&#8221; Wir fragen uns, was eigentlich die übrigen zwanzig Prozent Solinger mit ihrem Leben anstellen, die nicht kiffen. &#8220;Saufen, fixen, tralala&#8221;, sagt jemand, ich glaub, ich bin das.</p>
<p>Tarik, EDV-Fachmann, ist gut ausgebildet und noch keine dreissig Jahre alt. In jedem Kurs gibt es mindestens einen arbeitslosen EDV-Fachmann. Es gibt zu viele von ihnen. Sie stehen sich gegenseitig auf dem Fuß und nehmen sich die wenigen verbliebenen 400 Euro-Jobs weg.</p>
<p>Tarik kann sich maßlos darüber aufregen, dass das Job-Center für die Hin-und Rückfahrt zur Auftaktveranstaltung keinen Pfennig Fahrgeld erstattet, während es ab Tag 1 der regulären Maßnahme Fahrgeld gibt. Ausserdem, so Tarik, ein kleiner Nerd, hat er bei dem Betrag, den alle Teilnehmer für einen Monat Busfahren im voraus erhalten sollen, eine andere Summe errechnet: 35, 20 Euro statt 33, 00.</p>
<p>Er steht mächtig unter Strom und wiederholt die Zahlen, bis sie auch der letzte von uns parat hat und zornig aus der Wäsche guckt. Tarik ist kein unsympathischer Kerl, mit einem verschmitzten Lächeln und Gespür für Komik, doch beim Geld hört für ihn der Spaß auf.</p>
<p>Als wir das Fahrgeld am Nachmittag abholen sollen, ausgezahlt wird es einige Strassenzüge weiter bei einer Aussenstelle des Maßnahmeträgers, macht Tarik sich frühzeitig auf die Socken. Er fliegt beinahe durch die Fußgängerzone, will unbedingt der erste sein. Dass ihm womöglich 2 Euro 20 Cent weniger ausbezahlt werden als ihm zusteht, lässt ihm keine Ruhe. Er will unbedingt Beschwerde einlegen, ist sich aber nicht sicher, wo &#8211; ob beim Maßnahmeträger oder besser direkt beim Arbeitsamt.</p>
<p>&#8220;Wahrscheinlich schicken die mich sowieso von einem zum anderen und wieder zurück, bis ich nicht mehr weiss, wo mir der Kopf steht,&#8221; seufzt er. &#8220;Das ist ein ganz abgekartetes Spiel!&#8221;</p>
<p>Und wieder sieht man Köpfe nicken.</p>
<p style="text-align:center;">
<p style="text-align:center;">6</p>
<p>Die beiden Referenten haben wenig Zeit für die Teilnehmer. Sie sind vollauf damit ausgelastet, dicke Akten anzulegen, die ständig aktualisiert werden müssen. Meist stecken sie mit der Nase in irgendwelchen Ordnern und rufen uns einzeln ins Büro, wo wir Formblätter zu unterschreiben haben, deren Richtigkeit sie wiederum gegenzeichnen müssen.</p>
<p>Nur hin und wieder gelingt ihnen in den sechs Monaten so etwas wie ein Vermittlungserfolg: Momo bekommt eine Praktikumsstelle. Bei den angeblich so vielfältigen Beziehungen zur heimischen Industrie keine große Nummer.</p>
<p style="text-align:center;">
<p style="text-align:center;">7</p>
<p>Mir gefallen Menschen, die sich mit einer gewissen Nonchalance durchs Leben bewegen, und unauffällig. Typen, die man schnell mal verwechselt, weil sie auf den ersten Blick so gar nichts besonderes an sich haben, bis man sie näher kennenlernt und feststellt, he, der ist ja ganz locker, der Blödmann. Der macht einfach nur wenig Wind um sich.</p>
<p>Rottner, der lange Stoffel, ist ungefähr in meinem Alter. Er hat eine Stirnglatze und ständig diese Jesus-Sandalen an den Füßen, egal ob bei Sonnenschein oder Regen. Mit den Latschen und dem karierten Holzfäller-Thermohemd wäre er in den frühen 90ern noch anstandslos als Sozialkundelehrer durchgegangen, mit halber Stundenzahl, doch wir schreiben das Jahr 2011 und Rottner ist seit 11 Jahren arbeitslos.</p>
<p>Zuvor hat er zwei Jahrzehnte lang Wärmespeicher auf großen Frachtschiffen ausgetauscht, für eine international tätige Firma in Cuxhaven. Nun lebt er in Solingen. Warum lebst du in Solingen? frage ich. Warum nicht? nuschelt er, und wir belassen es dabei.</p>
<p>So genau wollte ich es  ohnehin nicht wissen.</p>
<p>Rottner hat einen Hund. Nun haben viele Arbeitslose einen Hund, sie haben ja auch die Zeit dafür, aber nicht alle haben einen Hund mit einer Geschichte wie sein Hund Bootsmann, ein Boxer-Rüde.</p>
<p>&#8220;Bootsmann? Och. Wie der Hund auf Saltkrokan?&#8221;</p>
<p>Rottner nickt. Viele Worte macht er nicht. Er hat einen leichten Sprachfehler: Die Zungenspitze klopft beim Sprechen gegen die Schneidezähne, so leicht, dass es nicht direkt als Lispeln durchgeht, eher als kleine Marotte, das &#8216;s&#8217; zu Bett bringen zu wollen, auch am hellichten Tag, mitten im hellichten Satz.</p>
<p>&#8220;Der Hund von den Kleinen Strolchen hiess auch Bootsmann&#8221;, meint Rottner.</p>
<p><i>Blödsinn,</i> entgegne ich. <i>Der hiess anders</i>, doch noch eine ganze Weile ist Rottner nicht davon abzubringen, dass nicht nur der Hund auf Saltkrokan, sondern auch der Hund der Kleinen Strolche Bootsmann hiess. Und natürlich sein Hund, der Boxer-Rüde, klar, der auch. Es geht also insgesamt um drei Hunde, die Bootsmann heissen oder heissen sollen.</p>
<p>&#8220;Der hatte so ein fettes schwarzes Klätschauge&#8221;, sagt Rottner, &#8220;der Bootsmann von den Kleinen Strolchen.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ja, der hatte ein schwarzes Klätschauge, aber der hiess nicht Bootsmann, der.. der hiess anders.. Schibulsky oder so.&#8221;</p>
<p>&#8220;Schibulsky? Der hiess doch nicht Schiebulsky! Das war doch kein polnischer Pfannkuchen!&#8221;</p>
<p>&#8220;Ah Mann.. natürlich hiess die Töle bei den Kleinen Strolchen nicht Schibulsky, das weiss ich auch, das war SPASS! Aber erst recht nicht Bootsmann..!&#8221;</p>
<p>&#8220;Na schön&#8221;, gibt Rottner sich geschlagen, als er spürt, wie ernst es mir damit ist. &#8220;Aber auf Saltkrokan, der dicke Hund, der heisst Bootsmann.&#8221;</p>
<p>&#8220;JA!&#8221; schreie ich. &#8220;DER SCHON!&#8221;</p>
<p>Über einen Bekannten erhielt Rottner die Anfrage, ob er nicht Lust hätte, dem örtlichen Boxerhundeverein beim Renovieren zu helfen. Das alte Blockhaus auf dem Vereinsgelände hatte es nötig. Na schön &#8211; Rottner war arbeitslos und handwerklich nicht ungeschickt, er schlug ein.</p>
<p>Nach vierzehn Tagen harter Arbeit kam der Vorsitzende des Vereins auf ihn zu und fragte, ob er, Rottner, unbedingt eine Rechnung brauche oder ob man das vielleicht auch so regeln könne, unter der Hand.</p>
<p>&#8220;Nö&#8221;, sagte Rottner. &#8220;Ich will ihr Geld nicht, ich will einen Hund.&#8221;</p>
<p>So kam es, dass unmittelbar nach dem nächsten Wurf des hochprämierten Zucht-Weibchens Daxa von Bückeburg, &#8220;oder wie die Boxer-Tante da hiess&#8221;, Rottners Telefon klingelte: er könne jetzt ins Clubhaus kommen und sich einen Welpen aussuchen. Jetzt, auf der Stelle.</p>
<p>Rottner latschte hin und entschied sich für einen flinken kleinen Rüden, dann latschte er wieder heim. Und dann dauerte es noch einmal zwei Monate, bis ihm der kleine Hund vorbeigebracht wurde, als Bezahlung für Renovierungsarbeiten am Clubhaus.</p>
<p>&#8220;Sagen Sie, haben Sie Erfahrung mit Hunden, Herr Rottner?&#8221;</p>
<p>&#8220;Hunde? Wer? Ich? Nö. Nicht direkt. Aber ich weiss schon, wie er heissen soll. Ich hab schon einen Namen.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ja sicher. Das ist Carlo von Bückeburg, der II.&#8221;</p>
<p>&#8220;Hm? Nee, der heisst Bootsmann.&#8221;</p>
<p>Der kleine Hund ging in die Hundeschule und absolvierte die Welpengruppe, zuletzt die Rockergruppe. Allerdings ohne Rottner. Der hatte keine Lust mitzukommen, das übernahm die Frau des Vereinsvorsitzenden, zweimal die Woche, drei Monate lang, und auch nicht ganz freiwillig.</p>
<p>&#8220;Machen Sie mal&#8221;, hatte Rottner zu ihr gemeint, &#8220;Sie machen das schon. Hauptsache, Sie versauen mir den Hektor nicht.&#8221;</p>
<p>&#8220;Welchen Hektor?&#8221;</p>
<p>&#8220;Na den Bootsmann.&#8221;</p>
<p>Später gewann Bootsmann Preise auf Ausstellungen, er war von bemerkenswert schönem Wuchs, was Rottner auch nicht groß berührte, Schönheitswettbewerbe waren nichts für ihn, <em>alles zu affig da</em> <em>unter</em><i> all dem Gepudel</i>.</p>
<p>Mittlerweile ist Bootsmann im besten Hundealter und Rottner und er sind gute Freunde geworden. Wenn Rottner, wie während der Maßnahme des Job-Centers, den halben Tag aus dem Haus ist, übergibt er Bootsmann in die Hände seiner Nachbarin.</p>
<p>&#8220;Die geht mit dem Joggen in der Heide. In Ordnung hab ich zu ihr gesagt, machen Sie mal, gehen Sie ruhig Joggen mit dem Kerl, Hauptsache, er kommt hinterher nicht zu mir an und beschwert sich, he, Langer, die Tante ist mit mir jeden Tag drei Stunden durchs Unterholz gehoppelt.&#8221;</p>
<p style="text-align:center;">
<p style="text-align:center;">8</p>
<p>Es dauert eine Woche und ich gerate mit einem 57jährigen Ex-Chefredakteur aneinander, der zudem eine halbe Karriere als Radiomoderator hinter sich hat sowie eine dreiviertel Karriere als Rockmusiker. Die Betonung liegt bei allen drei Karrieren auf hinter sich, was allerdings mit 57 nicht ungewöhnlich ist.</p>
<p>Früh am Morgen reisst er gleich das Maul auf, wenn auch mit einer angenehm klingenden, sehr sonoren Alexis Korner-Blues-Stimme, was den Stuss, den er absondert, halbwegs abfängt und mildert.</p>
<p>Er sei immerhin Chefredakteuer gewesen, mault er zum wiederholten Male vor versammelter Mannschaft, man habe ihn zu dieser Maßnahme &#8220;zwangsrekrutiert&#8221;. Als wären auch nur einer von uns freiwillig hier. Von welcher Zeitung er kommt, lässt er unerwähnt, trotz Nachfrage. Erst auf mein Drängen hin, ich will wissen, mit wem ich es zu tun habe, rückt er mit dem Namen der Zeitung heraus,  &#8220;Die Brücke&#8221;.</p>
<p>Die Brücke ist ein Obdachlosenmagazin und wird in den bergischen Großstädten verkauft. Das ist an sich kein Grund, die Nase zu rümpfen, aber wenn jemand sich als ex-Chefredakteur aufspielt.. Na schön. Wir erfahren weiter, dass er in der Redaktion als 1-Euro-Kraft angefangen hatte, sich hocharbeitete und als die Zeit vorüber war, beschäftigte man ihn weiter, bezahlt aus Töpfen des Arbeitsamts.</p>
<p>&#8220;Die hatten mir versprochen, ich dürfte dableiben bis zur Rente. Und dann war plötzlich doch kein Geld mehr da&#8221;, jammert er sonor. (Der könnte ins Radio gehen, denke ich, da wusste ich das noch nicht mit seiner halben Radiokarriere.)</p>
<p>Es ist neun Uhr, als wir um den Tisch herum sitzen. Zuvor hat eine Krankenschwester einen 45minütigen Vortrag über Gesundheit und richtige Ernährung gehalten, so als wären Langzeitarbeislose zu doof zum Fressen. Die Krankenschwester ist allerdings okay soweit. Sie arbeitet im Klinikum im Nachtdienst und verdient sich tagsüber mit Vorträgen etwas hinzu. Sie ist der Typ vorsichtige Radfahrerin Mitte vierzig, der im Verkehr nervt, aber sie erinnert mich an meine Schwester. Da kann sie eigentlich sagen, was sie will, sie hat bei mir ein Stein im Brett.</p>
<p>Am Ende des Vortrags erzählt sie irgendetwas über Kalorienzufuhr, als der ex-Chefredakteur, der zufälligerweise neben mir sitzt, plötzlich ausholt, um seine Sicht der Welt darzulegen. Es beginnt mit unserer von riesigen Konzernen versauten Industrienahrung (<i>wir werden mit Abfall zugestopft</i>) und endet bei Quantenphysik. Für sich genommen macht das alles Sinn, doch er wirft alles in einen Topf und rührt darin herum, bis irgendein unausgegorener Mist herauskommt.</p>
<p>Besonders auf den Geist geht mir, dass seiner Meinung nach alles, was aus Indien und China kommt, gaanz toll ist, und alles was aus dem Westen kommt, gaanz böse. Da platzt mir der Kragen.</p>
<p>&#8220;Du redest nur Scheisse&#8221;, fahre ich von der Seite an. &#8220;Von vorne bis hinten nur Müll.&#8221;</p>
<p>Zuletzt hatte er behauptet, eine positive buddhistische Grundstimmung könnte bei Rauchern sogar Lungenkrebs verhindern.</p>
<p>&#8220;Mein Gott, natürlich erleichtert positiv denken das Leben, aber es macht den Krebs nicht weg! Das ist doch voll Kokolores.&#8221;</p>
<p>Ich werde aggressiv und rücke ihn mit seinem Gefasel in Sektennähe.</p>
<p>&#8220;Den Quark, den du zusammenquasselst und wie du das tust, erinnert an Scientology.&#8221;</p>
<p>Das Wort &#8220;Scientology&#8221; habe ich hinter meinem Rücken aufgeschnappt, wo es Rottner gerade ausgesprochen hatte, der Wärmepumpenaustauscher und Besitzer von Bootsmann, der den Scheiss auch nicht mehr mitanhören kann. Seltsamerweise reagiert der ex-Chefredakteur weniger auf meine Kritik als auf die Heftigkeit meiner Worte, die mich selbst überrascht hat.</p>
<p>&#8220;Ich wollte hier niemanden auf die Füße treten und Aggressionen auslösen&#8221;, sagt er.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align:center;">9</p>
<p>Momo, der verhinderte Bodybuilder, berichtet von der wilden Zeit, als er davon träumte, Profi zu werden und die Kraftsportbühnen der Welt zu besteigen, mit eingeölten Muskelsträngen. Damals plante er den Tagesablauf strikt nach der Ernährungsvorgabe. Dazu gehörte auch, den Wecker auf drei in der Nacht zu stellen, um eine Portion Nudeln zu kochen und zu sich zu nehmen. Damit sollte der Körper mit den Kalorien aufgefüllt werden, die er im Schlaf gerade verbrannt hatte.</p>
<p>&#8220;Um den Energieabfall zu minimieren. Das war zu der Zeit, als ich gnadenlos auf Masse gemacht hab.&#8221;</p>
<p>Um auf Masse zu machen gabe er Monat für Monat Hunderte von Euro für Pülverchen und Vitamin-Shakes aus.</p>
<p>&#8220;Das war schon geil, das Massemachen. Mit Anabolika baut man viel schneller Muskelmasse auf als nur mit Training. Da glaubst du jeden Morgen, du könntest die Welt aus den Angeln heben. Doch sobald du die Anabolika absetzt, fällt alles zusammen und du bist nur noch Gewürm.&#8221;</p>
<p>Als Momo endete, war Stille. Ich fühlte mich fatal an Heroin erinnert. Nur dass Heroin keine Muskeln aufbaute, sondern Illusionen. Aber der Zusammenbruch war der gleiche.</p>
<p>Links neben mir sitzt eine hübsche Ukrainerin, die Mathematik und Statistik in Kiew studiert hat und in ihrem blauen 80er Jahre-Kostümchen an eine alternde Stewardess erinnert. Nach dem Ernährungs-Vortrag der Krankenschwester meldet sie sich und will wissen, wie man am effizientesten Bitterstoffe zu sich nehmen könne, doch die Krankenschwester kann nicht viel weiterhelfen.</p>
<p>Gewisse Gemüsesorten wie Fenchel enthalten Bitterstoffe, sagt sie. Doch würden Bitterstoffe zunehmend aus unserer Nahrung herausgeschwemmt, damit es fluffiger schmecke.</p>
<p>Pernod, sage ich, ist auch bitter, und links von mir die Frau kichert. Es ist die Frau mit schiefer Haltung, die behauptete, auch schon am Stein gearbeitet zu haben. Eine nette Frau. Dreimal verheiratet, drei Kinder von drei Männern. Stammt ursprünglich aus Freiburg und hat hoch im Norden in der Verwaltung eines Rüstungsbetriebs gearbeitet.</p>
<p>&#8220;Ich hatte die Panzerketten unter mir.&#8221;</p>
<p>In Solingen ist sie der Liebe wegen gelandet. Hat hier das dritte Mal geheiratet und 10 Jahre lang (wieso eigentlich immer genau 10 Jahre?) in einem Familienbetrieb Messer geschliffen. Seither ist ihr Rücken lädiert, vom langen Sitzen am Schleifstein.</p>
<p>Tatsächlich bildeten Haltungsschäden über Jahrhunderte so etwas wie das Krankheitsbild Nr. 1 unter der Solinger Arbeiterschaft, und noch heute sind orthopädische Deformationen dieser Art im Stadtbild präsent: Buckel, Höcker, Schulterkröpfe.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align:center;">10</p>
<p>Ausser einem EDV-Spezialisten befindet sich in jeder Maßnahme auch ein Zombie. Ein graues Etwas, das auf seinem verhuschten Pfad durchs Dasein gerade Station in der Langzeitarbeitslosigkeit macht. Wobei an dieser Stelle einschränkend gesagt werden muss: Langzeitarbeitslosigkeit beginnt definitionsgemäß bereits nach einem Jahr ohne steuerpflichtige Beschäftigung. Meines Erachtens ist man nach einem Jahr aber noch lange nicht langzeitsarbeitslos. Dazu fehlt dann doch noch ein bisschen was.</p>
<p>In unserer Stabilisierungs-Maßnahme heisst der Zombie Eileen. Eileen ist um die vierzig und hat es an den Nerven. Das Haar gebrochen und voller Spliss, der Blick getrübt, der Mund eine Kneifzange, dazu nachlässige Kleidung &#8211; insgesamt ist Eileen eine einzige Altlast.</p>
<p>Einmal stapfen wir nebeneinander durchs Treppenhaus. Sie ist furchtbar unsicher und wägt ihre Worte ab, sie will bloß nichts dummes, nichts falsches sagen. Da tut sie mir ein bisschen leid, und fortan mag ich sie.</p>
<p>Sie zählt zur Abteilung <i>Ich möchte keinem auf den Wecker gehen, aber ich bin so unglücklich, merkt das denn niemand? </i>Nicht selten weiss ich bei diesen Menchen nicht, wie ich ihnen meine Sympathie deutlich machen kann, ohne sie gleich in die Arme zu schliessen. Ein aufmunterndes kleines Lächeln hier, ein aufmunterndes kleines Lächeln da, das kann jedenfalls auf Dauer dümmlich wirken und eher das Gegenteil bewirken.</p>
<p>Also belasse ich es oft bei meiner heimlichen Sympathie und gehe davon aus, dass diese Mitmenschen meine Gefühle schon irgendwie mitkriegen, oder zur Not eben erraten. Eine trügerische Annahme, die mich im Leben schon oft in die Bredouille gebracht hat.</p>
<p>In einem Fall wie Eileen geht es <i>nur</i> darum, dass jemand spürt, dass ich auf seiner Seite bin, doch in anderen Fällen wurde ich schon komplett missverstanden, nur weil ich den Mund nicht aufmachte. Weil ich davon ausgegangen war, dass Menschen meine Gedanken und Blicke schon richtig einschätzen.</p>
<p>So war ich automatisch davon ausgegangen, dass meine beiden Geschwister es mir nicht verübelten, dass ich kaum noch Einladungen annahm, ob zum gemeinsamen Essen, zum Spieleabend oder zum traditionellen Osterfeuer. Aus dem einfachen Grund, dass ich keinen Alkohol mehr trank und mir jede Gesellschaft nach spätestens einer Stunde lästig wurde und ich nur noch heim wollte. Das müssen die doch wissen, dachte ich. Die kennen mich doch. Pustekuchen.</p>
<p>Was ich dabei nämlich unterschlug: Andere Leute, selbst Geschwister, die mit dir aufgewachsen sind, haben den Kopf und das Herz voll anderer Dinge, die ich nicht mitkriege. Das macht es so nötig, dass man sich hinstellt und sagt, was man will und was man nicht will, was man mag und wasn man nicht mag, was man schlachtet oder besser heile lässt, was man küsst oder fortstößt, was man sich einverleibt oder was man auskotzt.</p>
<p><em>Wer sagt, was er will, kriegt, was er braucht,</em> meint die Gräfin, als ich abends nach Hause komme und von meinem Tag erzähle. Zum Abendessen gibt es überbackenes Fenchelgemüse.</p>
<p><em>Bitterstoffe</em>, sag ich.</p>
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		<title>Zurück zum Rauchen</title>
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		<pubDate>Fri, 03 May 2013 11:28:28 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Electric Notizbuch]]></category>
		<category><![CDATA[gemalt von Susanne Eggert]]></category>
		<category><![CDATA[Susanne Eggert]]></category>
		<category><![CDATA[Cartoon Susanne Eggert]]></category>
		<category><![CDATA[NRW das strengste Nichtrauchergesetz deutschlandweit]]></category>

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		<description><![CDATA[.. Seit dem 1. Mai hat NRW das strengste Nichtrauchergesetz deutschlandweit. Man darf so ziemlich nirgendwo mehr ungestraft die eigene Lunge in Schutt und Asche legen. Und genau zu dem Zeitpunkt kommen wir auf den Plan und hören mit dem Rauchen auf. .. weiter auf 500beine  Zurück zum Rauchen * Tagged: Cartoon Susanne Eggert, NRW [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=glumm.wordpress.com&#038;blog=2163523&#038;post=13980&#038;subd=glumm&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
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<p><em>Seit dem 1. Mai hat NRW das strengste Nichtrauchergesetz deutschlandweit. Man darf so ziemlich nirgendwo mehr ungestraft die eigene Lunge in Schutt und Asche legen. Und genau zu dem Zeitpunkt kommen wir auf den Plan und hören mit dem Rauchen auf. </em><span style="color:#000000;font-family:Georgia, Times New Roman;font-size:large;"><br />
</span></p>
<p>..</p>
<p style="text-align:center;">weiter auf 500beine</p>
<p style="text-align:center;"><strong> <a href="http://500beine.myblog.de/500beine/art/7826989/Zuruck-zum-Rauchen">Zurück zum Rauchen</a></strong></p>
<p style="text-align:center;">*</p>
<p style="text-align:center;"><a href="http://glumm.files.wordpress.com/2012/10/zinober-no9k-002-e1349095712755.jpg"><img class="aligncenter  wp-image-11831" title="Raucherin, Susanne Eggert, 2012" alt="Eggert, Susanne Eggert, 2012" src="http://glumm.files.wordpress.com/2012/10/zinober-no9k-002-e1349095712755.jpg?w=405&#038;h=523" width="405" height="523" /></a></p>
<br /> Tagged: <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/cartoon-susanne-eggert/'>Cartoon Susanne Eggert</a>, <a href='http://glumm.wordpress.com/tag/nrw-das-strengste-nichtrauchergesetz-deutschlandweit/'>NRW das strengste Nichtrauchergesetz deutschlandweit</a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/glumm.wordpress.com/13980/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/glumm.wordpress.com/13980/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/glumm.wordpress.com/13980/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/glumm.wordpress.com/13980/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/glumm.wordpress.com/13980/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/glumm.wordpress.com/13980/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/glumm.wordpress.com/13980/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/glumm.wordpress.com/13980/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/glumm.wordpress.com/13980/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/glumm.wordpress.com/13980/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/glumm.wordpress.com/13980/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/glumm.wordpress.com/13980/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=glumm.wordpress.com&#038;blog=2163523&#038;post=13980&#038;subd=glumm&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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