Beim nächsten Krieg rechts halten

Sind die Leute da draussen eigentlich alle gleichzeitig bekloppt geworden? Oder ist es nach und nach geschehen, fast unmerklich und jeder für sich, bis es plötzlich soweit war, alle durchgeknallt?

Nicht, dass der Beantwortung dieser Frage zentrale Bedeutung zukäme, ich bin nur neugierig, und doch: Wären wir alle zur gleichen Zeit bekloppt geworden, einem chemischen Millionenruck gleich, einer gewaltigen zwielichtigen Initialzündung Richtung Untergang, dann hätten wir (immerhin) die Vorwürfe unserer Enkel vom Hals.

“WIESO ZUM TEUFEL HABT IHR DAGEGEN NICHTS UNTERNOMMEN?! IHR HÄTTET ES  DOCH MERKEN MÜSSEN, DASS KRIEG KOMMT ..!”

Merken müssen? Was denn? WIR???!

*

Sie hat ein Näschen für Stimmungen in der Gesellschaft. Für die Ängste, die aus den Gesichtern springen, im Bus, im Bioladen, auf der Meile. Für die Untergangsszenarien, die jedes Gesicht für sich ganz allein durchspielt und an die Wand wirft. Die Angst, dass einem das Geld ausgeht. Dass die Kinder sich selbst erschiessen in schwarzen Kampfanzügen. Dass unser alter, aus Amerika importierter Traum vom Tellerwäscher zum Millionär schon auf unterster Ebene versagt: vom Teller zum Wäscher in 50 Arbeitsjahren.

Dass alles verreckt und der Erde zuletzt nur ein Sehnsuchtstraum bleibt: von einem Trumm aus dem Weltall zerrissen zu werden.

*

“Diese schreienden Farben, dieses bonbonbunte Kindergarten-Zeugs! Dieses Neon überall! Es ist soweit! Die Lemminge stürzen sich wieder in die Farben!!”

Bevor es Krieg gibt, so ihre These, steht hysterisches Tanzen und Abfeiern auf der Agenda. Schreiende Warnwesten, alles, um die Fanfaren des Krieges zu überhören, zu übertünchen, zu überpinseln.

*

Keine Ahnung, was los ist. Die Hunde scheinen sich vor irgendetwas schützen zu wollen, was schon in der Luft liegt, aber von den Menschen noch nicht wahrgenommen werden kann.

Vor 14 Tagen ging es los. Frau Moll liess sich beim Spaziergang immer häufiger zurückfallen, um Gras zu fressen. Das wäre an sich kein Aufreger, sie hat schon immer Gras gefressen. Gelegentlich. Hunde fressen Gras, um den Magen zu entleeren oder kantige Knochenstücke erbrechen zu können. Aber Frau Moll kotzt das Gras nicht aus. Sie behält es für sich.

Ungewöhnlich ist auch die Menge, die sie aufnimmt. Und die Unabdingbarkeit, mit der sie vorgeht. Selbst ihr vielgeliebtes Stöckchenwerfen am Zedernweg muss zurückstehen, sobald ein saftiges Stück Wiese auftaucht. Gras hat plötzlich Priorität.

Und dann hören wir im Gespräch mit anderen Hundebesitzern, dass dieses Phänomen überall beobachtet wird. “Buddy hat noch nie so viel Gras gefressen wie in den letzten Tagen”, meint eine Nachbarin. Sie hat den alten Schrottplatzhund bei sich aufgenommen, der in seinem Leben kaum Gras gesehen hat und plötzlich Riesenportionen vertilgt.

Die Hunde fressen Gras wie verrückt. Ob es am jungen Frühlingsgras liegt, das besonders nährreich und saftig ist? Schon möglich, wer weiß, aber es ist Herbst. Das macht keinen Sinn. Es bleibt ein Rätsel.

“Vielleicht schützen die Hunde sich instinktiv vor irgendeiner Gefahr”, meint die Nachbarin. “Vielleicht wappnen die sich mit dem vielen Gras.”

Ja, schon – aber wovor?

*

Noch in den 80er Jahren passierte es, dass ich aufgewacht bin mit Sirenen im Ohr. Ich dachte, noch bräsig vom Schlaf, Scheiße, was ist los!? Ist Weltkrieg?? Erwischt es uns doch noch? Bis ich mich im Bett aufstützte und genauer hinhörte.

Ja, da waren Sirenen, da war Geheul über der Stadt wie kurz vorm Fliegerangriff, doch es war Samstagvormittag, Punkt 10 Uhr:

Probealarm.

Den gibt es schon lange nicht mehr. Mit dem Fall der Mauer wurden die meisten Lautsprecher abgebaut, frei nach der Devise: no Wall, no War.

Very einleuchtend, Sir.

*

“Sag mal, wann war die Kuba-Krise genau?” fragt sie.

“Hm.. 1962, glaub ich.”

“Schon klar. Aber wann? Im September?”

Ich weiß nicht, worauf sie hinaus will, aber sie ist im September 1962 geboren.

“Ja, kann sein..”, sag ich.

“Ich wusste es! Ich bin die Kuba-Krise! Immer kurz vorm Eskalieren! Immer kurz vorm dritten Weltkrieg!”

*

“Es wird allen anbefohlen, keinen Vagabunden, keinen hinschleichenden Müßiggängern und Straßenschlenderern eine Nachtruhe zu erstatten.”

(Aushang in Solingen, 1722)

*

Sie beginnt bereits Muttererde zu horten und nach nicht einsehbaren Grundstücken Ausschau zu halten, groß genug für einen Garten, der uns im Notfall durch den Kriegswinter bringt.

Das ist kein Spiel. Kein Kokettieren mit dem Schrecken. Es ist der Krieg in den Gesichtern, es ist der Grusel und der Verdruss, es ist die viele Technik, die sich einmischt und die Dinge nicht besser macht. Nur bequemer und bequemer und bequemer. Es ist der fortschreitende Hass auf alles und auf jeden, weil niemand verantwortlich ist. Es ist die große Misere.

Es ist bald Krieg – und alle müssen hin.

*

“Wir können froh sein, dass wenigstens die Tiere nicht auch noch einen Job suchen, zusätzlich zum Nestbau, der täglichen Nahrungsbeschaffung, der Revierverteidigung und Aufzucht der Jungen – also, wenn Tiere auch noch arbeiten gehen müssten wie wir Menschen, das wäre eine Riesenkatastrophe da draussen. Das wäre der totale Krieg um Arbeitsplätze!”

*

“Ich möchte doch mal wissen, was Bienen so denken. Ob die nicht stinkig sind, wenn die den ganzen Tag am Blütenkelch malochen, und dann kommt der dicke Imker daher und nimmt ihnen fast allen Honig weg. Da muss man doch stinkig werden, oder wie?! Hoffentlich zetteln die Honigbienen nicht auch noch einen Krieg an.”

*

“Es gab immer was zu essen im Garten, als wir klein waren. Wenn wir Hunger hatten, zogen wir uns einfach eine Möhre aus der Erde. Oder wir pflückten Kirschen vom Baum oder Pflaumen und Mirabellen. Mirabellen..! Was haben wir uns den Bauch vollgeschlagen mit Mirabellen!”

*

“Es liegt in der Natur der Deutschen: Wenn etwas schlimm ist, machen wir es noch schlimmer. Das haben wir quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Ein normaler Krieg reicht uns nicht, wir zetteln gleich einen Weltkrieg an, ach was, zwei Weltkriege. Wir verbrennen Millionen von Juden, wir schlachten Zigeuner ab und Schwule und Kommunisten und Behinderte, und warum? Um es schlimm zu machen, so schlimm wie möglich. So hart wie möglich, so gedankenlos wie möglich.”

*

foto.baumInNacht

*

“LARISSA,
HÖR DOCH MAL
ZWEI MINUTEN
DAS SABBELN AUF!”

Das Ohrfeigengesicht

Ich fuhr mit der Linie 3, als Jack zustieg. Jack, der Junkie. Hände wie ein Werkzeugmacher, eine Stimme wie Jägermeister on the rocks im Hals. Ob ich das vom Ohrfeigengesicht schon gehört hätte. Nee, wieso. Na, der wäre ja jetzt auch tot.

Erst wusste ich nicht genau, wer genau mit Ohrfeigengesicht gemeint war, dann störte ich mich an der Formulierung auch tot - wieso auch tot? Wer war denn noch tot? Bekam ich überhaupt noch etwas mit? Lebte ich noch in dieser Stadt?

Immerhin, den Namen Ohrfeigengesicht hatte ich schon gehört, war ja auch einprägsam, unverwechselbar eigentlich, doch welches Gesicht zu dem Namen gehörte, wusste ich nicht. Ich grübelte. Mein Namensgedächtnis ähnelte zunehmend einer Grube, in der im Laufe der Zeit ganze Kasernen an Namen verschütt gegangen waren, hohe Mietskasernen mit doppelt und dreifach Klingelleisten. Zurückgeblieben waren bloß Namensschildchen, lose im Gedächtnis-Schutt, ohne Verbindung, ohne Geschichte. Buchstaben, bloße Buchstaben.

Und außerdem:

Waren die Straßen der Stadt nicht voller Ohrfeigengesichtern und anderen abgewatschten Visagen? JETZT MIT NOCH MEHR MONSTERN!? Eine visuelle Gesamtstörung, die besonders Leuten auffiel, die von außerhalb kamen und erschreckten, was sich hier alles tummelte im Stadtbild, ohne weggesperrt zu werden?

“Moment mal.. Ohrfeigengesicht. War das nicht der Typ mit Zopf, der Spüli verkauft hat als Codein..?”

“Nee, das war der Saarländer. Das Ohrfeigengesicht war der Typ auf dem Mofa, den kanntest du auch, den kannte doch jeder. Der saß immer steif auf dem Mofa, wenn er zum Hilten kam.”

“Hm. So kerzengerade, der?”

“Genau der.”

Ein komischer Kauz. Er kam jeden Morgen auf seiner alten Zündapp zur Praxis von Doc Hilten geknattert, um seine Dosis Methadon abzuschlucken. Dann setzte er sich wieder aufs Mofa und fuhr nach Hause. Was anderes tat er nicht, jedenfalls wurde er nie bei etwas anderem beobachtet, außer Methadon schlucken und Mofa fahren. Ein gedrungener bulliger Typ, der niemals lachte und so steif ging, als wäre er jahrelang bei der Fremdenlegion gewesen, ohne je geschissen zu haben.

Den wahren Grund seiner Steifheit erfuhr ich erst jetzt, im Bus der Linie 3, in Höhe Wasserturm. Jack erzählte, dass dem Ohrfeigengesicht bei einem schweren Verkehrsunfall beinahe das Rückgrat weggebrochen war. Seitdem trug er dieses medizinische Korsett, das zu dieser ungemütlichen Körperhaltung führte.

“Eigentlich hätte der nicht mehr Mofa fahren dürfen. Der konnte sich kaum noch auf der Karre halten, mit all den Schrauben und Eisen im Kreuz. Der war eine wandelnde Ruine.”

Ich versuchte mir das Gesicht des Ohrfeigengesichts vorzustellen, was nicht so einfach war, da der Bursche den Helm fast nie abgenommen hatte. Wenn er mit einem sprach, klappte er einfach das Visier hoch und nuschelte monoton ins Futter.

“Leg doch mal endlich den fucking Helm ab!” hörte ich einmal, wie ihn jemand anpflaumte, “man versteht dich nicht!”, doch das berührte das Ohrfeigengesicht nicht. Und wer ihn doch mal ohne Helm erblickte, verstand auch, warum. Er sah aus, als habe ein Kampfhund versucht, ihm den Schlaf aus dem Auge zu reiben, und dabei gewaltig daneben gelangt. Die Stirn war so voller Narben und Katschen, dass Ohrfeigengesicht eine Untertreibung war, ein Kosename fast.

Das Ohrfeigengesicht starb im Sommer 2009, als außer ihm drei weitere langjährige Junkies ihr Leben ließen, alles geschwächte Dauerkonsumenten. Erst hieß es, ungewöhnlich sauberer Stoff sei in Umlauf gewesen, dann stellte sich heraus, dass es damit nichts zu tun hatte, jeder der Drei war seinen eigenen Tod gestorben, nur eben zufällig zur gleichen Zeit.

Längst nicht jeder Junkie stirbt an einer Überdosis. Es ist eher so, dass die Leute sich aufhängen, weil sie die Sucht nicht mehr ertragen, ihre Organe versagen, sie bekommen Krebs wie jeder andere Mensch auch. Sie sind müde und schlafen ein und werden morgens nicht mehr wach, von einem Gehirnschlag überrascht.

Oder sie ersticken, wie es Jack beinahe mal passiert war, der neben mir im Bus saß.

1999, nach der nächsten Strafanzeige wegen Ladendiebstahl, kleineren BTM-Vergehen und Urkundenfälschung brummte ihm ein Richter dreißig Monate ohne Bewährung auf.

“Die Milleniums-Party fand für Jack in der JVA Bochum statt”, erzählte Jack.

Zur Feier wehten weiße Bettlaken aus den Zellenfenstern und wurden abgefackelt. Da dachte Jack, gerade im Knast angekommen, ich zeig den Knackis mal, was eine Harke ist, und bereitete ein dickes Ding vor. Er nahm die Matratze, quetschte sie mühselig zwischen den Gitterstäben hindurch und zündete sie an. Nicht gerechnet hatte er mit der immensen Brennbarkeit von Matratzen und der Rauchentwicklung. Während die Matratze vorm Fenster lichterloh brannte und von den Gefangenen gefeiert wurde, zog der Rauch ungehindert nach hinten in die Zelle ein. Und wäre der Nachtschließer nicht gewesen, der Jacks Hilferufe ernst nahm, Jack wäre in der Silvesternacht jämmerlich erstickt, wie er mir zwischen zwei Haltestellen beteuerte.

Wahrscheinlich erzählte er Scheiße, irgendeine Legende, die unter Knackis die Runde machte.

Das Ohrfeigengesicht erwischte den klassischen Junkietod. Er hatte sich einen Schuss zur Nacht gesetzt und war daran krepiert, das wars. Mehr war nicht zu erfahren, es interessierte auch keinen. Bis auf Fahnder des Rauschgiftdezernats, aus statistischen Gründen.

Mit der Linie 3 angekommen im Zentrum stellte ich Jack die Frage, die mir die ganze Zeit auf der Zunge brannte.

“Sag mal, hieß der Kerl nicht schon Ohrfeigengesicht vor seinem Unfall?”

Ben Jakubeck, genannt Jack, gegerbte Haut, Werkzeugmacherhände und ein Zinken im Gesicht wie ein unfreundliches Geschlechtsteil, glotzte verständnislos.

“Keine Ahnung. Kann sein. Vielleicht sah der Arsch schon vorher scheiße aus.”

Na schön, nun war der Mann ja tot und ich konnte eh mich nicht daran erinnern, je ein Wort mit ihm gewechselt zu haben, doch als ich mir sein Gesicht vorstellte, dieses übelgelaunte vernarbte Gelände, das sich hinter einem ewigen Mofahelm verborgen hatte, da musste ich Jack Recht geben.

Verdammt, ja.

Das Leben und seine Motive waren kompliziert und undurchschaubar wie immer, und ein totes Ohrfeigengesicht war ein totes Ohrfeigengesicht, fertig, aus.

Zeit zum Schreiben (1)

Noch Wochen, nachdem in beiden Tageszeitungen der Stadt über den Literaturpreis berichtet worden war, grüßten mich die Punks und Ska-Brüder vom Mühlenplatz mit erhobener Bierpulle.

“Eh.. da kommt Bukowski! Wie siehts aus, Hank?”

“Stabil”, rief ich.

Bukowski, so ein Blödsinn. Bukowski war ein Trinker, der großartige Stories übers Leben schrieb, während ich nur großartig trank. Bukowski war ein Genie, ich nicht. Sparflammenbukowski, dachte ich.

Hauptsache stabil.

*

Kurz nach Neujahr ging das Telefon. Karlos war früh wach, weil er einen Termin auf dem Friedhof hatte, wo der Leichnam eines Motorradfahrers verscharrt werden sollte. Mit seiner schweren Maschine hatte er eine Bordsteinkante tuschiert und war im hohen Bogen gegen eine Hauswand geflogen. Angeblich fünfzig Meter weit. Der Aufprall hatte ihn enthauptet. Es hieß, der Fahrer, den ich nur vom Sehen kannte, habe so viel Kokain im Blut gehabt, dass das Messverfahren mehrfach wiederholt werden musste, weil die Laboranten das Ergebnis nicht glauben wollten. “Mit so viel Koks im Blut hätte er fliegen müssen.”

Mh.

Karlos hob den Hörer ab, nuschelte “Momentchen..”, und reichte gleich den ganzen Apparat rüber. “Für dich”, flüsterte er, und machte sich auf die Socken Richtung Friedhof.

Es gab Vormittage im Hochsommer, da waren drei oder vier Begräbnisse hintereinander keine Seltenheit für ihn, die drückende Hitze arbeitete für Sargträger und Totengräber, doch jetzt im Januar war nicht viel los im Bestattungsgewerbe. Tote Hose sozusagen, bis auf eine Motorradleiche ohne Kopf, die zuviel Marschierpulver geschnupft hatte. Es sah nach einem beschäftigungsarmen Vormittag aus für Karlos, doch immerhin, er hatte wenigstens etwas zu tun. Was mich betraf, so war das letzte Wort darüber noch nicht gesprochen. Weder, wer es sprechen würde, noch wann oder wo.

“Herr Glumm..?”

“Ja”, sagte ich und stierte in den Hinterhof.

“Buntenbach, Arbeitsamt. Schönen guten Morgen, der Herr! Na, ausgeschlafen?”

Bevor ich auch nur einen Ton erwidern konnte, rückte mein Sachbearbeiter, ein fescher junger Mann mit Wohnsitz Köln, schon mit der unangenehmen Sprache raus: eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, befristet auf sechs Monate. Wo? Bei OBI.

“Bei.. OBI!?”

“Die Eisenwarenabteilung sucht einen tatkräftigen jungen Mann. Da hab ich doch gleich an Sie gedacht.”

Einen Moment lang glaubte ich, Buntenbach wolle mich auf den Arm nehmen, doch ein Arbeitsvermittler, der um diese frühe Uhrzeit anruft, will einen eher nicht auf den Arm nehmen. Im Gegenteil. Der will einen eher loswerden. Raus aus der Statistik. Raus aus dem Bettchen.

In gewisser Weise konnte ich das sogar nachvollziehen. Mit Mitte zwanzig stand ich in der Blüte meiner Jahre, der Supervogel Jugend kreiste noch über mir, ich war voller Spannkraft. Selbst wenn man mit 25 nichts anderes tat, als von früh bis spät auf der faulen Haut zu liegen, wuchsen einem Matratzenmuskeln.

Dennoch war ich der Auffassung, dass die Gesellschaft in meinem Fall eine Ausnahme machen sollte, was das Arbeiten anging. Als angehender Erfolgsautor brauchte ich Zeit. Ich brauchte Zeit zum Saufen, weil man am Tresen die wichtigen Leute kennenlernte und Erfahrungen machte, die unabdingbar waren für einen Schriftsteller, und ich brauchte Ruhe, um mich von der ganzen Sauferei zu erholen. Und gegen Mittag, wenn es mir besser ging, wenn der Kater endlich nachließ, brauchte ich Zeit zum Schreiben. Ich wusste beim besten Willen nicht, wo da noch Zeit für eine geregelte Arbeit sein sollte. Vielleicht zwischen halb eins und eins. Aber war da Mittagspause. Allmählich wurde ich sauer. Was zum Henker ging da vor sich?! Die herrschende Klasse rottete sich zusammen, zu meinem Schaden.

“Ihr Ansprechpartner ist Filialleiter.. äh.. Moment.. Hafner, Herr Hafner.”

Ich saß da wie angeschossen. Ein halbes Jahr ABM. Im Baumarkt! Wenn ich von irgendetwas keine Ahnung hatte, dann von Baumärkten und Heimwerkern. Männer, die in der Freizeit Fliegengitter zimmerten und darüber mit ihrem Nachbarn fachsimpelten. Der seine Seele zum Hobbyraum erklärte und zwischen offenen Lacktöpfen Nazilieder pfiff. Au weia. Das hatte noch gefehlt.

Ich lotete alle Möglichkeiten aus, die Maßnahme abzuwenden oder wenigstens rauszuzögern, doch mir fiel nichts ein, was irgendwie Sinn gemacht hätte. Noch am gleichen Nachmittag rief ich den Filialleiter an, und wir machten einen Termin aus für das Vorstellungsgespräch.

Als ich Karlos und den anderen Kumpeln davon erzählte, lachten sich alle schlapp. Der Glumm im Baumarkt, in der Eisenwaren-Abteilung, zwischen Schrauben, Muttern und Nägeln, mit zwei linken Händen, das war ein gefundenes Fressen.

“Dabei hat der Glumm gar keine linken Hände, der hat überhaupt keine Hände! Der wichst auf Stumpen! Der Penner!”

Der Mitsubishi Boy freute sich schon darauf, mich in flagranti mit dem Besen in der Hand zu erwischen, (“aber na ja, haben wir nicht alle schon mal Staub gefressen?! HEHEHE!”), und der dicke Hansen, der sich mit Klavierunterricht für Schüler und einem kleinen Erbe über Wasser hielt, strahlte übers ganze fette Denunziantengesicht.

“Endlich haben sie dich am Arsch gekriegt, fauler Hund!”

Er drohte, zweimal die Woche im OBI als Testkäufer aufzulaufen, um zu überprüfen, ob ich tatsächlich präsent war in den Gängen oder ob ich mich doch nur aufs Klo verdrückte, EXPRESS lesen und ne Kippe rauchen, die Hand am Sack.

*

Anfang 1987, mit Kahnbeinbruch, auf dem Arm meine Nichte

*

10. Januar 1987, halb zehn.

Der faule Hund, der Zeitkrösus, der gefeierte Literat saß mit der Bierhefe vom Vorabend im Schädel im Oberleitungsbus nach Ohligs. Ich war nicht nur spät dran, ich sah auch noch scheisse aus. Nicht etwa, weil ich beim Vorstellungsgespräch auf Teufel komm raus einen schlechten Eindruck machen wollte, sondern weil Karlos früh am Morgen so lange das Klo blockiert hatte, mit seinem knochigen Hintern. So lange, dass ich mich schliesslich noch mal hingelegt hatte und mit dem Gesicht im Kissen eingepennt war. Ich hatte mir vom Preisgeld ein neues Kissen zugelegt. So ein großes leichtes Kopfkissen, in dem ich stets das Gefühl hatte, adieu zu sagen, wenn ich darin versank und meinen neuesten Träumen nachging.

Die OBI-Filiale in Ohligs war ein Flachdachbau und groß wie ein Fußballfeld, sie lag an einer vielbefahrenen Hauptstraße. Vom Parkplatz aus hatte man einen weitmaschigen Blick in den Laden. Ich rauchte eine letzte Kippe und schaute mir währenddessen das kommende Schlamassel durchs Panoramafenster an, bevor ich mich aufraffte und die Hölle betrat.

Es war ein bißchen wie im Stadion, eine halbe Stunde vorm Anpfiff: Scheinwerferlicht, Gedudel aus unsichtbaren Lautsprechern, Bratwurstatmosphäre. Zum Warmmachen schoben Spieler halbleere Einkaufswagen übers Feld, Ersatzspieler zogen einen Flunsch und lungerten im Kassenbereich herum.

Niemand hob den Blick, als ich in den Personalraum schaute und hallo sagte. Eine Handvoll Mitarbeiter gaffte erschöpft in die Pappbecher, die vor ihnen auf dem Tisch standen. Nur eine junge Blondine, die einzige, die keinen der orangefarbenen Kittel trug, drehte sich zu mir um.

“Hallo..”, lächelte sie freundlich.

Hinter ihr, im Stahlregal, stapelten sich die Verkäuferkittel, gebügelt und nach meinem armen Leib trachtend.

“Ich such Hern Hafner, den Filialleiter.”

“Im Büro”, meinte die Blondine.

“Ja schon. Aber wo ist das Büro?”

“Na ja. Hinter dir. Brauchst dich nur umzudrehen.”

Tatsächlich. Das Büro der Filialleitung ähnelte einem rundum verglasten Boxring, zu dem eine kleine Treppe hinaufführte. Der Kasten war eigentlich nicht zu übersehen, doch immer wieder geschah es, dass ich Dinge übersah, selbst wenn sie groß waren wie ein Boxring und in Flammen standen. Ich klopfte gegen den Türrahmen, wünschte guten Morgen und stellte mich vor.

“Ach, dann sind Sie das Vorstellungsgespräch.”

Herr Hafner, Mitte Dreißig, sportlicher Typ , schien soweit in Ordnung. Wenn er mit einem sprach, sprühten seine Augen, er gab sich jovial und verschmitzt, als könne man mit ihm Pferde stehlen. Andererseits hatte ich die Erfahrung gemacht, dass gerade diejenigen, die zunächst auf betont locker und jovial machten, sehr schnell sehr unlocker und unjovial werden konnten, geradezu bockig, wenn ihre Interessen berührt wurden, und dann war mit Pferdestehlen schnell Essig. Dann war kleiner Ponystall angesagt. Bürsten, striegeln, Fresse halten.

Rasch war geklärt, dass ich aus der ABM-Nummer nicht mehr raus kam. Obwohl ich mein Bestes gab, es war nichts zu machen. Der Filialleiter wollte mich unbedingt in seinem Team sehen. Ich fragte mich, warum, ich konnte es mir nicht erklären.

“Ich mein, handwerklich bin ich eine totale Null”, spielte ich meinen allerletzten Trumpf aus und achtete sorgsam darauf, dass die Hände kraftlos und schlaff über die Stuhllehne baumelten, wie traurige alte Stofftaschentücher.

“Das macht nichts, das lernen Sie schon noch.”

“Schön.. Aber was soll ich dem Kunden sagen? Ich mein, der denkt doch, da steht ein Mann im Kittel, ein Verkäufer, der weiß Bescheid, der hat Ahnung, und dann weiss ich nicht die Bohne Bescheid..”

“Ach was. Die ersten ein, zwei Wochen tragen Sie keine Arbeitskleidung, damit Sie niemand als Mitarbeiter identifizieren kann. Bis Sie besser Bescheid wissen, wo welche Ware steht. Und falls trotzdem jemand eine Frage hat, na dann verweisen Sie ihn freundlich an den nächsten Mitarbeiter. Alles kein Thema.”

“Kein Thema.. Hm. Und wenn kein nächster Mitarbeiter in der Nähe ist?”

“Na dann.. verweisen Sie den Kunden an den übernächsten.”

Ich riss mich zusammen. Gab alles. Ließ meine Hände über die Stuhllehne hängen wie abgenudelte Fensterleder und gab mich so antriebsarm, dass ich mir selbst schon wie der größten Hängenlasser in der Geschichte des Hängenlassens vorkam: eine wirklich schlimme schlaffe Geschichte.

“Und wenn überhaupt niemand in der Nähe ist?”

“Jetzt fangen Sie doch erst einmal an! Herrschaftszeiten!!”

Ein Mann sollte wissen, wann er verloren hat, weil sofort das nächste Match im Raum steht, das es zu erobern gilt. Und da ich den Job schon nicht verhindern konnte, ohne eine Sperre der Arbeitslosenkohle zu riskieren, hiess es nun für mich, so viel wie möglich rauszuholen. Besser gesagt, so wenig wie möglich. So wenig Wochenstunden wie möglich. Wenigstens das musste drin sein. Teilzeit, dachte ich.

“Ich brauche Zeit zum Schreiben”, sagte ich.

“Was denn, was denn..? Sie müssen schreiben lernen!?”

Verdammt! Darauf hätte ICH kommen müssen! Nein, ich klärte ihn auf. Dass er einen preisgekrönten Autor von Short Stories vor sich sitzen hatte. Einen angehenden Bestesellerautor. Den King of Satzbau. Saufziegen-Ferdi. Bukowski.

“Short Stories? Was schreiben Sie denn? Ist ja interessant.”

“Na ja.. Short Stories.”

Wir einigten uns auf den 1. Februar als Antrittstermin. Was für mich drei Wochen Galgenfrist bedeutete, immerhin. Und: eine Vier-Tage-Woche statt Fünf-Tage, fürs gleiche Gehalt, wobei das Gehalt so klein war, es war kaum als Gehalt zu bezeichnen. Aber immerhin.

Da war nur noch eines.

“Sagen Sie, Herr Hafner, Eisenwarenabteilung, muss das sein? Können Sie mich nicht woanders einsetzen?”

“Hm.. Wo denn? Welche Abteilung?” Er sah mich gespannt an. “Was können Sie denn? Wo liegen Ihre Fähigkeiten?”

Wir blieben bei Eisenwaren.

*

Fortsetz.:  Zeit zum Schreiben (2)

Es passierte nicht oft, aber es passierte

Auf die Unke war Verlass. Sie war zur verabredeten Zeit am verabredeten Ort, sie panschte keine zusätzlichen Streckmittel unters Pulver, und wenn es einem dreckig ging, packte sie gratis eine Messerspitze drauf. (Aber auch nur eine.) Ihre wenigen, streng nach Sympathie und Solvenz ausgesuchten Stammkunden konnten sich nicht beschweren.

Es sei denn, irgendwo im Geflecht der Großdealer, Zwischendealer und Kleindealer kam es zu Verzögerungen und sie wartete selbst auf ihre Lieferung. Das kam vor. Dann saß man als Kunde der Unke am Telefon und ersehnte ihren Anruf, ihre erlösenden, heiser hervorgestossenen Worte, “.. los, mach dich auf die Socken.” Aber das konnte dauern, bis es soweit war, und es strapazierte die Lachmuskeln.

Ja genau, die Lachmuskeln.

Ich hab einiges über Heroin gelesen, Biografien von toten Rockstars, ärztliche Bulletins, Christiane F., doch ein Phänomen ist bislang im literarischen Dunkeln geblieben: dieses verfluchte Grinsenmüssen, wenn der Entzug sich nähert.

Es geschieht in dem schmalen Zeitkorridor, wenn das letzte Quentchen Heroin gerade dabei ist, den Körper zu verlassen. Wenn Opiumreste durch die Zellen spuken, als säßen sie in der Geisterbahn, wenn Tarzan den Lendenschurz verliert.

Das sind jene verqueren Momente, wo jeder Junkie grinsen muss, ob er will oder nicht. Es lässt sich nicht unterdrücken. Ein Gefühl, als würde man sich als Kind gleich in die Hosen machen. Ein unwillkürliches Ziehen und Drängeln, auf das man nur zu gern verzichten würde. Man grinst wie blöde, dabei gibt es nichts zu lachen. Kein Wunder, dass ich darüber noch nie etwas gelesen habe. Es ist einfach zu dämlich. Aber es passiert auf der ganzen Welt, es passiert in Pakistan und es passiert in Potsdam und Peking, hundertttausendfach, Tag für Tag.

Zeichnete sich im Vorfeld ab, dass sie kein Originalpulver auf Lager haben würde, besorgte die Unke für ihre Stammkunden etwas Methadon, damit sie über die Runde kamen. Beziehungsmarketing nannte sie das, und es war nicht so, dass sie dabei mit den Augen zwinkerte, sie meinte es durchaus ernst. Humor war nicht ihr Ding. Sie war eine eher strenge Person. Sie arbeitete auf dem Büro, von neun bis fünf. Keine Ahnung, wo. Architekturbüro, sagte der dicke Ben. Ben war ein schwerfälliges pausbäckiges Hundertkiloschlachtschiff, das gerne zum Schnellchinesen ging und mit seiner Körperhygiene haderte. Aus der Ferne sah Ben manchmal aus, als trüge er einen Sepplhut, dabei hatte er bloß das Haar seit Wochen nicht gewaschen.

Dagegen duftete die Unke, als wäre sie gerade dem Dampfbad entstiegen, in einer Wolke von Patschuli. Niemand, der sie auf der Strasse sah, wäre auf die Idee gekommen, dass sie heroinsüchtig war oder gar dealte. Sie zählte zu den Menschen, die ihre Zukunft streng in graden und ungraden Kalenderwochen aufteilten und die einen verständnislos anglotzten, wenn man sie verständnislos anglotzte, weil man mit Kalenderwochen, ob grade oder ungrade, nichts am Hut hatte.

Natürlich kannten wir die Unke gut genug, um zu wissen, dass sie für eventuelle Notfälle stets etwas Heroin gebunkert hatte, für den Eigenbedarf. Sie war ja genauso drauf wie wir. Aber das hätte jeder von uns an ihrer Stelle genauso gemacht. Und ebenso klar war, dass noch so viel Bitten und Betteln keinen Sinn machte, von ihrem geheimen Vorrat würde sie nicht einen Krümel abdrücken. Ansonsten aber sorgte die Unke für uns wie eine Mutter, die gut bezahlt wird, und wir süchtigen Picos hielten ihr die Treue und kauften hauptsächlich bei ihr.

Dann, im Herbst, häuften sich Verspätungen und Lieferausfälle. Auch das Methadon floss nicht mehr so reichlich, wie es das lange Zeit getan hatte, um uns Kunden bei Laune zu halten. Jetzt hiess es improvisieren. Zur Not ging ich auf die Platte, was ich sonst tunlichst vermied. Wenn ich irgendetwas nicht gebrauchen konnte, dann meine Geschäfte im Scheinwerferkegel der Drogenfahndung abzuwickeln. Nee, danke. War nicht nötig. Ohne mich.

Sieh zu, dass du jemanden in der Hinterhand hast, falls die Unke mal ausfällt, dachte ich, ich war ja ein schlaues Kerlchen. Und in diesen Zusammenhängen lernte ich nun Tonino kennen. Tonino. Noch so ein verdammter Schlaumeier.

Feuerland

Die dritte Nacht hintereinander hatte sie bei mir geschlafen, und jeden Morgen ließ sie sich mehr Zeit, bis sie unter die Dusche stieg und nach einem Handtuch rief. Das Problem: Sie bedeutete mir nichts. Es konnte mir nicht schnell genug gehen, bis sie endlich weg war. Wir hatten uns nichts zu erzählen, ihr Hintern war plump, sie watschelte durch die Küche wie Daisy Duck. Es war schon immer sterbenslangweilig gewesen, wenn Daisy Duck im Micky-Maus-Heft auf der Bildfläche erschien und den Schnabel aufmachte. Andererseits küsste sie sehr süß und eifrig mit ihrer winzigen Zunge, wie ein Nagetier, es machte mich rasend. Wenn wir nachts aus dem Mumms nach Hause kamen, rissen wir uns die Klamotten vom Leib, schoben eine schnelle Nummer, das war in Ordnung. Aber mehr war nicht zwischen uns. Es war das erste Mal, dass ich so mit einer Frau zusammen war. So unentschieden. So la la. Ich war auf dem absteigenden Ast.

Wir saßen in der Küche und tranken Mocca. Es war noch dunkel draussen. Ich hatte keine Lust, Licht zu machen. Licht hätte Leben bedeutet, wäre einer Einladung gleich gekommen, mein Dasein aus der Nähe zu betrachten, zu sezieren, aber das wollte ich nicht. Ich war sechsundzwanzig Jahre alt und wollte in Ruhe kaputtgehen, mit allem Pipapo: Schnaps, Pulver, Action, aber bitte ohne die sehnsüchtigen Blicke einer Frau, die etwas von mir wollte, was ich nicht geben konnte.

“Ihr habt ne komische Brause, mal ganz heiß, mal eiskalt”, beschwerte sie sich. “Und der Strahl ist hart und tut weh auf der Haut. Kann man den nicht irgendwie.. gleichmäßiger einstellen?”

“Mal sehen”, sagte ich schlecht gelaunt und nahm einen Schluck Kaffee. Ich kam mir vor wie ein Ehemann, dessen Weib frühmorgens zur Arbeit musste, während er nichts zu tun hatte und zurück in die Koje kriechen konnte, weiterpennen bis in die Puppen. An sich keine üble Vorstellung, doch ich war nicht mehr müde. Ich hatte keine Lust weiter zu träumen.

Obwohl die Tür zu Karlos Zimmer zugezogen war, hörte man sein Knarzen, ein Kratzen, ein viehisches Strampeln im Schlaf. Vielleicht kamen die Geräusche und der Gestank auch aus der Nachbarswohnung, wo seit kurzem ein Neugeborenes lebte. Keine Ahnung. Vielleicht war ich auch heilfroh, überhaupt etwas zu hören. Die Stille, die uns einhüllte, wenn das Burgfräulein und ich zusammen saßen, war kaum zu ertragen. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, in ihrer Nähe. Nicht mal im Bett sprachen wir groß miteinander. Oder beim Chinesen. Eine Viertelstunde später war es geschafft. Die Frühschicht begann. Sie musste los. Sie arbeitete im städtischen Klinikum als Kinderkrankenschwester.

“Vielleicht bis morgen Abend..?” meinte sie, als das Taxi da war und der Fahrer schellte.

“Ja”, sagte ich. “Klar.”

Die Tür schlug zu, und ich setzte noch einen Kaffee auf. Es war kurz vor sieben. Und jetzt? Den ganzen Tag Kaffeetrinken? Das Telefon ging. Ich liess es klingeln, doch weil der Anrufer hartnäckig blieb, hob ich irgendwann den Hörer ab.

“Ich hab dich gestern kurz in der Stadt gesehen, du hast ja die Haare ab..!” rief Lena, ohne hallo zu sagen. Es schmerzte  in meinen Ohren, so laut war sie, wie eine Trans-All. Nein, Lena brauchte kein Starterlaubnis, um bei mir abzuheben.

“Ja, aber schon seit ein paar Tagen”, antwortete ich.

“Du siehst ja furchtbar aus. Wie ein entflohener Sträfling.”

“So, findest du?”

“Ja, gefällt mir nicht. Ein echter Kahlschlag. Ist ja nicht eine einzige Locke übrig. Geht’s dir so schlecht?”

“Hä? Wieso soll es mir schlecht gehen?! Nur weil ich beim Frisör war? Was ist denn das für eine Logik.”

“Nee, wegen uns mein ich. Willst du dich mit den kurzen Haaren selbst bestrafen?”

“Was.. redest du da? Selbst bestrafen wofür?” Erst jetzt fiel bei mir der Groschen. “Ich.. hab mich beschissen benommen letztens im Nordpol, tut mir leid, das war überflüssig. Aber ich komme schon klar, keine Angst.”

“Na ja, wenn du meinst..”

In Wirklichkeit kam ich überhaupt nicht klar, nicht die Bohne. Besonders nicht so früh am Tag, wenn ich nicht wusste, was ich mit mir anstellen sollte. Aber Lena war die letzte, der ich das auf die Nase gebunden hätte. Ich sah aus wie ein entflohener Sträfling? Da war ja selbst Karlos’ blöder Kommentar besser gewesen, “du siehst aus wie ein schwuler Berliner”, als er mich mit kurzem Haar gesehen hatte.

Karlos kam am frühen Nachmittag vom Friedhof. Er hatte es eilig. Raus aus dem schwarzen Panzer und die glänzenden Totenschuhe gegen Sneakers ausgetauscht, die Theaterprobe wartete. Am Wochenende war Premiere. Das Ensemble gab In der Einsamkeit der Baumwollfelder, geschrieben von einem Franzosen, der an AIDS gestorben war. Ich hatte den Text gelesen, konnte nichts damit anfangen. Aber der Titel war gut. Der Titel gefiel mir.

“Warte”, sagte ich zu Karlos, “ich komm mit in die Stadt.”

Wir stiefelten nebeneinander her. Die Weihnachtstage waren vorüber, die Fußgängerzone überfüllt von Leuten, die ihre Geschenkgutscheine einlösen wollten. Es nieselte. Krähenwetter. Keiner sagte ein Wort. Die Stimmung unter uns war auf dem Tiefpunkt. Ohne besonderen Anlass. Es war einfach so, dass wir seit ein paar Monaten zusammenwohnten, aber die Dinge sich dadurch nicht grundlegend geändert hatten. Nun, sie hatten sich überhaupt nicht geändert. Aus zwei Wohnungen war eine Wohnung geworden, that’s it. Ich fragte mich, was zum Teufel man schon erwarten konnte, wenn zwei Freunde Mitte Zwanzig ihre Möbel zusammenwarfen, zwei Freunde mit künstlerischen Ambitionen, von denen der eine so lala mit einer Mischung aus Daisy Duck und einem Burgfräulein zusammen war und ansonsten keinen Schimmer hatte, was das Leben bedeuten sollte, außer dass Weihnachten vorüber war. Immerhin. Und der andere schien zu glauben, eine Weltkarriere als Schauspieler sei auch in der Provinz möglich.

Karlos bog ab Richtung Theater, ich in die Kneipe. Die Nachmittage im Mumms waren gefürchtet. Es war kaum Publikum da, bis auf eine behäbige Skatrunde. Nichts bewegte sich. Andererseits konnte es stets passieren, dass plötzlich die Eingangstür aufschnappte und irgendein Großmaul samt Gefolge kam hereinspaziert, das eben noch auf allen sieben Weltmeeren unterwegs gewesen war, mit dem großen Schleppnetz.

Ich konnte schon immer gut mit Typen, die eine großes Maul haben. Fatzkes mit langer Zunge – große Klappe, nichts dahinter. Und davor: jede Menge herrlich lauter Luft.

“Wie oft hab ich früher im Mumms gestanden und dir zugeguckt, wie dich irgendwelche Großschnauzen vollgesabbelt haben. Aber du warst ganz begeistert und hast mit großen Notizbuchaugen zugehört”, meinte die Gräfin mal zu mir. “Junge, waren das Blödmänner, und was hattest du einen Spaß.”

Liess sich kein Großmaul blicken, blieb einem nichts anderes übrig, als geduldig auf den Abend zu warten. Nacheinander trudelten sie dann alle ein. Karlos, Schnaat, der dicke Hansen, der Mitsubishi Boy, Benzini, die wilde Inge, Ringo, ach, Dutzende von Typen und skurillen Kackern.

Als Jose, der Spanier, auftauchte, verschwanden wir nach draußen, einen Stickie rauchen. Jose hatte prächtige schwarze Locken und machte sich einen Spaß daraus, Deutsche als Fische zu bezeichnen, als die Fische der Welt. Wir saßen unter der überdachten Bushaltestelle.

“Jose, gib es endlich zu, du bist überhaupt nicht in Spanien geboren. Du bist gar kein Spanier: du bist selbst ein Fisch. Du Deutscher.”

“Nee, Alter, meine Eltern waren ein halbes Jahr in Deutschland, als ich geboren wurde, so gesehen..”

“Dachte ichs mir! Du bist ein Fisch!”

“.. nee, bin ich nicht. Guck mal, meine Eltern waren noch in Sevilla, ich bin noch in Spanien gebumst worden, verstehst du, ich bin ein.. ein andalusisch-bergischer Fisch. Die sind nicht so nass wie deutsche Fische.”

Ein paar Wochen zuvor hatte Jose im Gedränge des Mumms Ich liebe das heiße Leben in mein Notizbuch gepinselt, übers ganze Gesicht strahlend, auf der allerletzten Seite. Jose, das Stehaufmännchen. Zu Beginn der 80er Jahre hatte er mit Benzini im Übermut eine Handvoll Papers eingeworfen, auf Löschpapier geträufelte LSD-Säure. Während Benzini ohne größere Schäden davonkam, (na ja), irrte Jose tagelang durch die Stadt und bildete sich ein, das TV-Programm manipulieren zu können. Er war so neben der Kappe, er hielt sich für Jesus. Zuletzt lief er nackig über die A 46 und regelte den Verkehr. Es funktionierte sogar. Jedenfalls wurde er nicht totgefahren. Die Autobahnpolizei griff ihn auf und verfrachtete Jose nach Langenfeld, ins zuständige Landeskrankenhaus. Zwei Jahre blieb er in der Geschlossenen. Man hörte kaum etwas von ihm. Wenn etwas nach aussen drang, dann Schauergeschichten. Fett sei er geworden aufgrund der starken Medikamente gegen die Psychose, willenlos, apathisch – ein einziges Fass Chemie.

Einmal half ich einem Bekannten in der Papageiensiedlung beim Umzug, als Jose uns zufällig über den Weg tippelte. Er hatte Freigang und besuchte gerade seinen Bruder, der in der Nähe lebte. Jose tippelte über den Bürgersteig, mit winzigen Schritten schob er sich vorwärts. Ich grüsste, “Jose, wie gehts dir, mein Freund”, doch er erkannte mich nicht. Er hatte mich noch nie gesehen. Er war von einem unbekannten fernen Planeten, er war auf der Durchreise, er tippelte weiter.

Zu diesem Zeitpunkt hätte niemand einen Pfifferling auf seine Genesung gesetzt, doch mittlerweile war er wieder in der Stadt, lebte vorübergehend bei seinem Bruder. Es war kaum zu glauben, aber Jose hatte sich tatsächlich erholt. Er war ein bißchen gesetzter geworden, doch ansonsten kiffte und bumste er sich wieder durch die Landschaft, als wäre es niemals anders gewesen.

“Du verdammter Thunfisch”, strahlte er mich unterm Dach der Bushaltestelle an, mit seiner Lücke in den Schneidezähnen, dem kleinen Tor nach Andalusien, und reichte den Joint rüber. Ich riet ihm, in Zukunft mit dem Kiffen aufzupassen, “nicht, dass du hinterher wieder abdrehst.”

“Ihr Fische immer und eure Angst, dass was passiert.. Nee, ich pass schon auf. Komm, gehen wir zurück ins Mumms.”

Bekifft am Tresen stehen hatte den Vorteil, dass das Bier besser lief. Das war der Nachteil. Ich war ruckzuck voll. Als der Kellner kurz nach eins den Gong schlug, “LETZTE RUNDE!”, grinste mich die Trulla an, mit ihren unordentlichen Zähnen. Richtig frech grinste sie rüber, einer Aufforderung gleich, und schon stand sie neben mir. Ich kannte sie vom Sehen, eine gekünstelt wirkende, immer euphorische, hart an der Grenze zur Hysterie agierende Tucke. Sie lud mich ein, mit zu ihr nach Hause zu kommen. Ich zögerte keine Sekunde. Ich hatte keine Lust, die Nacht allein zu verbringen.

Erst im Taxi kriegte ich mit, dass ich an diesem Abend nicht der einzige war, den sie abschleppte. Außer mir stiegen der lange Picard und sein Kollege vom Tresen zu, ein stiller Trinker, den ich nur vom Sehen kannte. Die Beiden hatten im Mumms stundenlang am Tresen gestanden und miteinander gequatscht. Picard war ein Quatschkopf vom alten Schlag, der, wenn er nicht gerade in der Kneipe war, daheim auf der Couch saß, abwechselnd seine sechs Katzen streichelte und selbstgebackenes Haschischbackwerk futterte.

Das Taxi brachte uns in eins der besseren Viertel am Rande der Stadt. Ein reines Villenviertel gab es in Solingen nicht. Es gab vereinzelte Reiche-Leute-Spots am Stadtrand, mit seltenen Rosenstöcken im Vorgarten, aber spätestens keine fünfzig Meter weiter wartete ein Appartementhaus mit eingedrückter Klingelleiste und asozialem Geschrei in der Nacht.

“Meine Eltern sind verreist, die sind über alle.. hi hi.. Berge”, schnatterte die Unordentliche, “im Tessin”, als wir das großzügige Einfamilienhaus betraten. Ich schätzte sie auf Ende zwanzig. Kein Wunder, dass sie noch daheim lebte. Alles an ihr war unordentlich. Die Zähne, das Haar, die Augen. Die waren riesig, wie die einer Eule. Einer unordentlichen Eule. Ich fragte mich, ob vielleicht mein alter Freund Ringo Spaß an ihr gehabt hätte. Ringo mochte Frauen mit einem gewissen Schlampenfaktor. Wenn das Strumpfband speckig war, der Lippenstift krümelig, das Gehirn verrutscht und die Augen wie die einer Eule, solche Sachen.

Natürlich gab es Weiber, deren Mode es war, sich betont unmodisch zu geben, die das Haar extra tuckig werden liessen und Make-up wie Strassenmalkreide auftrugen, doch die Unordentliche war anders, Unordentlichkeit war ihre Natur. Sie konnte nicht anders. Allein die schiefstehenden gelben Zähne, wie ein kubistisches Häusermeer, das eng aneinander lehnte, damit die einzelnen Häuschen nicht umkippten und wild durch die Strassen purzelten. Grotesker Höhepunkt aber war ein fingerlanges Haar, das ihr aus der Nase wuchs, eine supra-dünne Liane, wie bei einem griechischen Müllmann. Streng genomnmen hatte ihre ganze ungeputzte Aura grandiose Züge, wäre da nicht ihre hysterische Stimme gewesen, dieses ewig quiekende “Hach, Kinder, was bin ich gut drauf heute und wie bezaubernd ist die Welt wieder einmal!” – dabei war doch alles Scheiße.

Wir ließen uns im Wohnzimmer nieder, das sie nur living-room desaster nannte, krankhaft gackernd. Sie zauberte einige Weingläser auf den Tisch, bauchige Teile, und füllte sie mit einem erlesenen Tröpfchen, wie sie dreimal hintereinander versicherte, ihr beknacktes unordentliches Haar in den Nacken werfend, und dabei entblößte sie ihr riesiges gelbes Pferdegebiss.

“Dieses Jahr Heiligabend”, überschlug sie sich, “war ich soo glücklich WIE NOCH NIE! Ich hatte das Gefühl, die ganze Welt wäre im Freudentaumel..! im Freu-den-tau-melll.. Kinder! Die ganze Fam-milie war ü-b-e-rglücklich!”

Der lange Picard und sein Kollege aus dem Mumms stierten ratlos in ihr Glas. Niemand wusste, wie er mit der Situation umgehen sollte. Die Unordentliche hatte offensichtlich einen weitaus größeren Knall als angenommen. Ein Urknall. Ich bediente mich aus der offenen Karaffe, die auf dem Tisch stand, und kippte die Flüssigkeit, die wie Campari aussah, in meinen erlesenen Weißwein.

“Du magst es, venezianisch zu frühstücken?” lachte die Unordentliche und hörte gar nicht mehr auf zu lachen. Das war kein Campari in der Karaffe, das war billiger Sirup. Ich hatte die Nase voll.

“Ich leg mich aufs Ohr”, sagte ich. “Ich bin erledigt.” Das war alles, was ich von diesem Leben noch erwartete. In einem fremden Bett schlafen und am nächsten Morgen das Haus verlassen, in einer fremden Gegend, als hätte ich mich in der Nacht verlaufen.

“Bedien dich, Cherie”, flötete die Dame des Hauses, “im ganzen Desaster-House sind genug leere Betten. Suche dir einfach eins aus.. à la vôtre!”

Ich steuerte einfach das erstbeste Zimmer an und knallte mich aufs Doppelbett, dessen Tagesdecke schräge Motive zierten, die ich nicht kapierte.  Irgendwelche Geometrie, Zirkelgeschäfte. Ich zog Schuhe und Hose aus. Auf dem Nachttisch lag ein Diercke Welt-Atlas und eine Schachtel Pralinen. Ich riss das Zellophan von der Packung und stopfte mir ein paar Schokoböhnchen in den Mund, die Finger im aufgeschlagenen Atlas. Ich tastete die Südspitze von Südamerika ab. Feuerland, las ich. Das war Feuerland? Die Tür ging auf. Als die Unordentliche mich sah, musste sie erst lachen, doch schnell schlug ihre Stimmung um. Sie wurde aggressiv, richtig böse.

“Was ist denn mit dir los?” verstand ich nicht, was los war.

“Na, was zum Henker würdest du denn sagen, wenn ich das Bett deiner Eltern einsauen würde??”

Ihr Gesicht nahm gefährlich zickige Züge an, und sie warf das Roßhaar in den Nacken.

“Ich saue hier nichts ein”, erwiderte ich, auch wenn ich mir da nicht so sicher war. “Aber okay, ich kann auch woanders hin. Kein Problem.”

Ich schnappte meine Klamotten, die Schachtel Pralinen und den Welt-Atlas, und verschwand eine Tür weiter, ins nächste Zimmer. Es war kleiner und sah weitgehend unbenutzt aus, ein Gästezimmer. Was die Möblierung betraf, so  erkannte ich auf Anhieb Interlübke, ein in weiß gehaltenes Kompaktschlafzimmer. Meine Eltern hatten in jüngeren Tagen lange darauf gespart, und als sie sich 1970 endlich ein Interlübke-Schlafzimmer leisten konnten und es aufgebaut vor ihnen stand, weinte Mutter vor Freude. Ich warf den Atlas aufs Bett und mich gleich hinterher. Ich wollte nur noch schlafen. Am frühen Morgen erwachte ich mit dem Schädel auf Feuerland, die Nasenspitze direkt vor Kap Hoorn.

Ahoi.

Der Digitalwecker zeigte exakt 12:02, als ich das zweite Mal wach wurde. Regen klimperte gegen das Fenster. Ich setzte mich auf den Bettrand und zog mir die Strümpfe an. Mir war übel. Ich hatte Kopfweh. Die kleinste Bewegung verursachte ein Stechen, als stießen hohe Stuhllehnen gegen papierdünnes Glas. Bevor ich meine Hose anziehen konnte, sank ich zurück ins Bett. Ich hörte Schritte. Die Tür ging auf. Die Unordentliche. Sie lugte ins Zimmer. Ich lag auf der Seite und tat so, als schliefe ich noch.

“Ich lasse mich krankschreiben”, hörte ich eine überraschend klägliche Stimme. “Aber erstmal hau ich mich noch zwei Stunden aufs Ohr. Kaffee ist unten in der Küche, und ein Brot kannst du dir auch schmieren, wenn du magst. Fühl dich einfach wie zu Hause.”

Sie schloss leise die Zimmertür.

Im Wohnzimmer, das mir kleiner und gedrungener erschien als in der Nacht zuvor, griff ich mir eine Camel ohne vom Tisch und ging erstmal ordentlich scheißen. Ich stöberte im Badezimmer nach Rasierklingen, so was konnte man immer gebrauchen, fand aber keine. Es gab nur Elektrorasierer, die Scherblätter intakt. Ich mochte aber keine Elektrorasierer, und ich mochte auch keine Väter, die Elektrorasierer benutzten. Solche Männer rasierten sich nicht, um sich zu erfrischen und zu entspannen, sie traten lediglich dem Wildwuchs von Barthaaren entgegen, eine rein mechanische Angelegengheit, ohne jegliches  Spitzengefühl.

Ich strich durchs Haus, landete in der Küche. Die Kaffeemaschine war in Betrieb, ich goss mir eine Tasse ein. Die Brühe war nicht nur kalt, sie schmeckte so grässlich, dass ich sie augenblicklich aus dem Hals zurückholte und in die Spüle ausspuckte. Blöde Kuh, dachte ich. Was erzählt die von frischem Kaffee. Ich steckte mir eine weitere Camel ohne an und warf einen Blick in den großen Wohnzimmerschrank, auf der Suche nach einer ausklappbaren Schrankbar, in der notdürftig verschlossene Glaskaraffen voller altem Scotch und Dujardin verrotteten.

Ich fühlte mich halb in einer Derrick-Folge, halb in einem x-beliebigen amerikanischen Roman, in dem spätestens auf Seite 10 erstmals der Satz kam: er mixte sich einen Drink. Wenn man amerikanischen Romanen Glauben schenken durfte, schien ganz Amerika den Feierabend mit einem Drink in der Hand einzuläuten, niemals soff ein Amerikaner direkt aus der Flasche.

Na toll.

Auf dem Sideboard entdeckte ich die Weihnachtspost. Sie bestand aus zwei Postkarten. Eine war in der DDR abgestempelt, eine in Braunschweig. Zwei Karten, zweimal der gleiche Tenor: Wieso lasst Ihr nichts mehr von Euch hören? Lebt Ihr noch? Über dem ganzen Haus lag eine leichte Fäulnis, ein unsichtbares und engmaschiges Tuch des Todes.

Ich liess mich auf dem Vollschaumsofa nieder, da war ich nicht allein. Da saßen zwei nagelneue Porzellan-Puppen, lieblos in die Sofakissen gedrückt. Daneben, auf einem Teewagen, ein Porzellanpuppen-Bildband. Beim Durchblättern stieg mir ein Geruch in die Nase, der mich an den druckfrischen Hochglanzporno erinnerte, den ich als Halbwüchsiger bei meinen Eltern im Schlafzimmerschrank gefunden hatte. Von dem ich lange nicht lassen konnte. Es war wie immer nach einem versoffenen Abend. Wenn ich aufwachte, war ich geil. Es war keine wirkliche Geilheit. Es war wie durstig sein und ein Glas Wasser runterstürzen. Einen Berg Plankton auskotzen.

Ein Regenschauer klatschte gegen die Panoramafenster. Im Garten miaute eine fette graue Katze, sie wollte rein. Ich versuchte, die Verandatür zu öffnen, kam mit dem Mechanismus nicht zurecht. Die Tür knarrte, bäumte sich auf. Ich fluchte, die Katze fluchte, der Regen flutete den gräulichen Rasen. Endlich schnappte die Tür auf. Das Vieh musterte mich skeptisch, drängelte sich rein.

Es schlich um mich herum. Ich hockte mich nieder, auf den flauschigen Teppich, der alle Geräusche schluckte. Es hatte aufgehört zu regnen, nur das Ticken einer Wanduhr war zu hören. In Häusern, in denen nichts zu hören ist bis auf das Ticken einer Wanduhr, stockt einem der Atem vor lauter Stille. Es ist, als greife der Tod nach einem. War die Familie wirklich in Urlaub, wie die Unordentliche behauptet hatte? Oder lagen Vater und Mutter den Schädel eingeschlagen in der Mansarde, dem einzigen Ort, zu dem kein Zutritt war?

Ich holte meinen Schwanz raus und ließ die Katze daran schnuppern. Ich spürte ihre Schnauzhaare. Sie war fett. Sie trollte sich. Sie war wahrscheinlich der Familienkater. Ich war ein einsamer Bauer in den Pyrenäen, der sich aufs Feld schlich und heimlich einen dicken Esel bumsen wollte. Verdammt. Ich saufte zu viel. Ich soff. SIFF. Himmel! Ich kannte nicht einmal mehr die Vergangenheitsform von saufen, weil sich mein verfluchtes kleines Dasein ständig im Hier und Jetzt abspielte, auf dem kläglichen Transportband zwischen Vergangenheit und Zukunft, ohne jegliche Reflexion. Ständig stand ich neben mir und beobachtete, was der Kerl wohl als nächstes tat. Das war alles. Die pure Gegenwart. Mehr war nicht.

Himmel, half!

Ich war am Ende. Der Mensch war am Ende. Irgendwann würde er nach Afrika zurückkehren. Er würde den aufrechten Gang verlernen und wieder oben in den Bäumen leben. Nur wie wir die verfluchte Gefrierkombination hinauf kriegten, stand noch in den Sternen. Die Katze kam zurück. Ich saß auf dem Teppich. Sie hatte Vertrauen gefunden, drückte sich an meine nackten Beine. Es dauerte keine fünf Minuten, da hatte ich die Hose angezogen, die Schuhe geschnürt, das Haus verlassen.

Ich stand draußen im Eingang. Ein sanfter Regen setzte ein, als stünden Engel vorm Urinal. Ich versuchte mich zu orientieren. Jemand schneuzte sich. Im Erdgeschoss war das Fenster auf Kipp. Die Unordentliche. Sie war erkältet. Ich hörte ein leises Strampeln, knöpfte den Mantel zu, und ging.

*

Fortsetzungen:

Der Schuss

Transportschaden

Die neue No. 3 (Opa erzählt vom Krieg)

Mitte der Neunziger war ein Tag wie der andere. Ich jobbte als Nachtportier im Hotel, auf dem Weg zum Nachtdienst besorgte ich mir Pulver, tagsüber versuchte ich Schlaf zu finden und Streit mit der Gräfin aus dem Weg zu gehen.

Ich hatte eine neue Stammdealerin. Selbst in der Szene war sie kaum bekannt, das hatte seinen Grund. Sie war supervorsichtig. Sie belieferte exakt drei Kunden, drei und nicht einen mehr, damit erst gar kein Gerede aufkommen konnte. Sie hatte panische Angst davor, im Knast zu landen. Da sie einer regulären Arbeit nachging, sie buckelte auf dem Büro, empfing sie ihre Kunden erst nach Feierabend, einen nach dem anderen. Eins, zwei, drei. Jeder bekam eine Viertelstunde. Als Dealerin war sie perfekt, ein gut geöltes Maschinchen, und sie liess uns niemals hängen.

Als sie selbst einmal auf dem Trockenen saß und es sich abzeichnete, dass sie erst am folgenden Abend wieder frisch sein würde, gab sie jedem von uns ein kleines Fläschchen Polamidon mit, damit wir über die Runden kamen und nur ja nicht woanders kaufen mussten. Sie war eine treue Seele, eine Krämerseele, und sie war eine Kauffrau.

Wenn alles seinen gewohnten Lauf nahm, saß sie Punkt halb sechs mit stämmigen und ungeheuer weißen Schenkeln in ihrem überheizten Wohnzimmer und arbeitete auf der elektronischen Feinwaage nacheinander die Bestellungen ab. Sie trug Shorts und hieß Jutta, aber wir nannten sie nur die Unke. Es lag an ihren Augen. Sie wölbten sich aus den Höhlen hervor wie Froschaugen, und sie schwammen geradezu in Tränenflüssigkeit. Es war, als hätte sie ein Depot angelegt, um jederzeit Zugriff auf ihre Tränen zu haben. Sie hätte eigentlich an einem feuchten Tümpel leben müssen, doch sie wohnte in einer hellen trockenen Drei-Zimmer-Wohnung im zweiten Stock, und in der Luft hing der schwere und süße Geruch von Patschuli.

Ich war nur in ihren erlauchten Kundenkreis gerutscht, weil ex-Kunde No. 3 für 24 Monate in den Bau musste. Selbst bei guter Führung und Entlassung auf zwei Drittel war er für mindestens anderthalb Jahre weg vom Fenster. Ich kannte ihn nur vom Sehen, wusste aber, dass es das übliche Junkiespiel war. Das Gericht hatte ihn aufgrund irgendwelcher halbgarer Aussagen verknackt, die andere Süchtige in der U-Haft gemacht hatten. Da ließ man sie so lange ohne Heroin oder Methadon zappeln, bis es ihnen schlecht genug ging und sie irgendeinen Scheiß verzapften, belastende Aussagen machten, ob die nun der Wahrheit entsprachen oder nicht, wen juckte das schon. Was bei jedem anderen Delikt kaum zu einem Verfahren geschweigedenn zu einer Verurteilung gereicht hätte, bei Rauschgift wurde alles abgenickt, alles ging durch, die lächerlichsten Beschuldigungen, weil so viele vom Elend der Junkies profitierten.

Junkies versorgten eine ganze Maschinerie aus jungen Kripobeamten, die sich ihre ersten Sporen verdienten, desillusionierten Drogenberatern, Gefängniswärtern, Psychologen, Bewährungshelfern, überforderten Ärzten, Arzthelferinnen, Apothekern, Gesundheitsamtmitarbeitern, Justizangestellten, Zollbeamten und Mafiosi. Jeder wollte ein Stück abhaben vom Junkie, der in aller Regel nichts anders tat, als sich selbst zugrunde zu richten. Und dafür wurde er auch noch bestraft und in eine Zelle gesteckt. Es war beschämend. Es war zum Kotzen.

Die Preise für schmutziges Strassenheroin blieben gegen jede Marktregel von Nachfrage und Angebot in künstlichen Höhen, weil der Staat sich seit Jahrzehnten anmaßte, die eine Droge als illegal zu brandmarken und damit dem Schwarzmarkt auszuliefern, während die andere Droge, Alkohol, billig und sauber in jedem Dorfkiosk zu kaufen war.

Es war grotesk. Ein Gramm gepanschtes Heroin kostete 100 Mark auf der Strasse, man wurde krank davon und wusste nie, welcher Zwischenhändler welches Streckmittel benutzt hatte, es war jedes Mal ein Vabanquespiel mit der Intensivstation. Was ein Gramm sauberes Heroin gekostet hätte? Fünf Mark, vielleicht zehn Mark, und der Hersteller hätte dabei immer noch seinen Schnitt gemacht. Aber Junkies hatten keine Lobby, es kümmerte niemanden, was mit ihnen geschah. Junkies kümmerten sich nicht mal um sich selbst, und sie steckten ständig in der Scheiße.

Schön. No.3 war also weg vom Fenster. Die Unke erkundigte sich bei ihren beiden verbliebenen Kunden, wer denn nun die neue No.3 werden sollte. Sie war eine altgediente Gewerkschafterin, der das Mitspracherecht der Arbeitnehmer noch etwas galt. Sie war der Boss.

“Hat einer ne Idee?”

Sie hatte bloß eine Vorgabe: Der neue Kunde musste zuverlässig sein. Mitch schlug mich vor, weil er wusste, dass ich auf der Suche nach einem neuen Dealer war. Mein alter hatte die Dealerei von einem auf den anderen Tag an den Nagel gehangen, weil er Vater von Zwillingen geworden war. Und so wurde ich die neue No. 3 der Unke.

Mitch, die laufende No. 2, kannte ich nicht erst aus Drogenzusammenhängen, wir waren uns schon im Haus der Jugend über den Weg gelaufen. Er hatte riesige Pranken, echte Werkzeugmacherhände, mit denen er eine Weile zum Flipper-King der Stadt aufgestiegen war, in den späten Siebzigern. Zwanzig Jahre später war er schwer alkohol- und heroinabhängig und ging niemals ohne Taschenbuch aus dem Haus. Es musste schon ein ordentlicher Schinken sein, ein Fantasy-Roman nicht unter Minimum 700 Seiten.

Die Exemplare waren zumeist komplett zerlesen, voller Eselsohren, das Cover war faltig und eingerissen und von fettigen Chipsfingern betatscht, aber egal, für Mitch war ein Buch in der Hand überlebenswichtig. Ein Buch in der Hand half ihm, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen wie in  einem langen mobilen Tunnel. Er hatte es drauf, lange Strecken mit dem Schmöker in der Hand zurückzulegen, und er las wirklich darin, er tat nicht nur so. Eigentlich war Mitch heroin,- alkohol- und lesestoffsüchtig.

“Voll polytoxikoman”, meinte er.

Die laufende No.1 im Kundenkreis der Unke war ein schmächtiger stiller Junge mit langem krausen Haar, ein ex-Liebhaber der Unke. Er machte nicht viel Worte, ein sanfter naiver Hippie, irgendwie übriggeblieben aus alten Zeiten. Er kam mit harten Drogen nicht zurecht. Er wurde immer sonderbarer. Er war davon überzeugt, dass sein Handy überwacht wurde, und nachts glaubte er den Funkverkehr der Bullen unter seinem Fenster zu hören und konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Zuletzt zitterte er beim fernsten Getrappel im Hausflur am ganzen Leib, und wenn es dann auch noch klingelte, schmiss er sein letztes Pulver ins Klo und zog hektisch ab. Es hatte ihn voll erwischt. Er sah überall Bullen.

“Glaubst du, ich bin langsam panne?” fragte er mich, und ich antwortete lange nicht darauf. Bestimmt fünfzehn Sekunden. Er ließ sich ins LKH einweisen, freiwillig, bevor andere es für ihn getan hätten. Ich sah ihn nie wieder.

Nachdem ich es in die Stadt geschafft hatte, schob ich das Rad in den Hausflur und lief die drei Stockwerke hoch. Oben angekommen drückte ich die Klingel der Unke. 1x kurz, 1x lang. Nein, auf dieses ausgefallene Klingelzeichen wäre kein Bulle je gekommen! Unter Garantie.

“Die Tür ist offen!” hörte ich die Unke schnaufen. Ihre Nasenscheidewand war vom jahrelangen Sniefen porös geworden, sie klang wie eine Art marodes Brauereipferd. “Komm rein.”

Sie saß am Wohnzimmertisch, mit ihren stämmigen und ungeheuer weißen Schenkeln. Der Tisch war über und über mit Zigarettenfiltern, Aluminiumfolie und anderen Utensilien übersät.

“Hallo”, keuchte ich.

Erledigt vom Radfahren und dem beginnenden Affen fiel ich in den Ohrensessel, einem gemütlichen Altertümchen, das sie vor Jahren auf einem Flohmarkt in Antwerpen erstanden hatte, damals, als sie noch clean und ansehnlich gewesen war. Keine Schönheit, das nicht, aber wild, eine Art Büro-Janis Joplin. Der Schweiß tropfte mir aufs T-Shirt.

“Willst du dich was frisch machen..?”

“Nee, schon okay”, sagte ich.

Sie grinste bräsig zu mir rüber. Erst da ging mir auf, wie sie das meinte, mit dem Frischmachen.

“Ja, klar”, beeilte ich mich.

Frischmachen bedeutete: Junge, du siehst so scheiße aus, ich streu dir erstmal ne Strasse. Zieh das erst mal weg, dann sehen wir weiter. Werd erstmal mal wieder Mensch. Du blöder Junkie.

“Mann.. du schwitzt ja wie ein Schwein..”, näselte sie.

Ich stöhnte zustimmend. Sie reichte eine Illustrierte rüber, auf der etwas Pulver zu einer kleinen braunen Pyramide aufgeschichtet war.

“In zehn Minuten musst du dich aber vom Acker machen, dann hab ich ein anderes Date.”

“Na und? Ich kenn doch deine Leute.”

Weil sie nicht antwortete, blinzelte ich zu ihr rüber. Die Augen waren ihr zugefallen, der Mund stand offen, und ganz langsam, Etage für Etage, sank das Kinn auf ihre Brust. Sie dämmerte. Braunes Pulver, feucht geworden vom Nasenrotz, sickerte aus ihrer Nase. Sie war breit wie tausend Russen. Sekundenschlaf. Der konnte dauern.

Ich schnupfte die Pyramide weg, die sie mir zuvor auf der Zeitschrift, Gala, rübergereicht hatte, und als sie anfing leise zu schnorcheln, nahm ich das Holzbrett ins Visier, das vor ihr auf dem Tisch lag. Den Hügel Pulver darauf schätzte ich auf vierzig, vielleicht fünfzig Gramm. Ich beugte mich vorsichtig über den Tisch, ohne das geringste Geräusch zu verursachen, und trug eine gute Messerspitze vom Pulverhügel ab. Ich lehnte mich zurück und streute mir eine lange Line auf der Gala, die ich so rasch wie möglich wegsniefte. Dann lehnte ich mich zurück. Ich hatte Gänsehaut, und mir war kotzübel, und ich war glücklich.

Sie wohnte in zentraler Lage, am Busbahnhof. Man hörte das Surren der startenden Oberleitungsbusse, Geschrei von Teenagern. Ich schielte immer noch auf das Holzbrett. Auf den Hügel darauf. Warum hatte ich nicht mehr genommen? Sie würde es gar nicht bemerken, die ein oder zwei Gramm weniger. Und selbst wenn. Sie hatte erst am Nachmittag Nachschub bekommen, sie war frisch wie lange nicht. Ich saß da und starrte den Hügel an. Den Fetisch.

“Wieviel?” murmelte die Unke plötzlich.

“Was..?”

“Wieviel du willst.”

Aufgeschreckt kramte ich die Geldscheine aus der Hosentasche. So schnell, wie sie weggesackt war, kam sie auch wieder zu sich.

“Zweihundert”, sagte ich. Ich wusste nicht, was sie mitbekommen hatte und was nicht. Mein Herz schlug wie verrückt.

“Zwei Blaue willst du? Hey.. hast du im Lotto gewonnen?!” Sie kicherte käsig und machte die Bestellung fertig. Glück gehabt.

Auf dem Rückweg hielt ich vor einem Altbau an der Florastrasse. Ich hatte kaum mein Rad abgeschlossen, schon riss Felix das Fenster auf.

“Komm rauf, Alter..!”

Ich wurde bereits sehnsüchtig erwartet. Ich war überfällig. Die zweihundert Mark waren ja nicht von mir, ich hatte die Kohle zuvor in der WG abgeholt. Die war jung, die WG, zwei Jungs und ein Mädel, Anfang Zwanzig, auf dem Weg in die Sucht. Sie hatten die Kohle mühsam zusammengeschmissen. Ich lieferte 1,4 Gramm ab. Für zwei Blaue. Was ein scheiß Kurs. Die Unke war von ihrem Lieferanten beschissen worden, dann hatte sie mich beschissen, nun beschiss ich die Greenhorns von der Florastrasse. Es war eine einzige groß Bescheißerei und kein Ende in Sicht.

Ob die drei wohl auch noch jemanden bescheißen würden, fragte ich mich, nachdem ich mich so schnell wie möglich verabschiedet hatte. Noch im Hausflur begegnete mir ein verschwitztes junges Mädchen, dem es nicht gut ging. Es hechelte die Stufen hoch, und drückte die Klingel.

“Ist offen..!” hörte ich noch.

Fakten auf den Tisch (21) – Die Gräfin über Deutschland

Boxen muss leidenschaftlich sein, das müssen kuriose Typen sein im Ring, nicht so durchkalkuliert wie Henry Maske oder unsere beiden ukrainischen Groß-Rehe.. wie heißen die noch, die Klitschkos, genau. Das sind eigentlich Hosenscheisser, Angsthasen sind das. Null Leidenschaft und immer Schiss, was auf die Nase zu kriegen, das ist ihr Motor im Ring. Dieser Art Boxen kann ich nichts abgewinnen. Aber die Deutschen stehen drauf. Die Deutschen stehen auf Angst, die jubeln der Angst zu. Hitler hatte auch Angst. So eine kleine graue Gestalt, so ein totalitäres Wrack, das selber Angst hatte vor der großen weiten Welt und diese Angst mit Größenwahn kompensierte – ich meine, keiner anderen Gestalt haben die Deutschen mehr zugejubelt im zwanzigsten Jahrhundert als diesem Hosenscheisser.

Manchmal glaube ich, das deutsche Volk fürchtet sich jetzt schon vor dem Moment, wo es wieder einen Adolf Hitler braucht.

Weisst du, was das schlimmste ist? Nein? Als Deutsch-Italienerin bin ich quasi doppelt geschlagen, mit Hitler und Mussolini.

Heil, Bella!

*