Benno, der Hundeführer von Solingen

Hundeführer Benno (48) ist eine Institution in unserer Stadt. Seit vielen Jahren führt er Hunde aus, der Rekord liegt bei 17 Hunden gleichzeitig.

Jeder in der Stadt kennt Bennos fröhliches Gebell, “NA, ALLES KLAR? GEHT SO, JA!?”

Wenn der Meister und sein Rudel die Strasse überqueren, wundern sich alle, wie er das hinkriegt. Ein Dutzend Leinen an einem Dutzend Hunde, und nichts verheddert und verknotet sich.

Ein Dutzend Hunde sind immerhin 48 Beine und 48 Pfoten. 12 Schnauzen. 12 scheißende Hintern.

Magie.

Benno ist ein Schäfer, der seine Herde durch die Strassen treibt. Immer eilig, selten hastig.

Selbst wenn Benno siebzehn Rabauken auf einmal ausführt, gibt es niemals Stress, und niemand quengelt. Und spurt doch mal ein Hund nicht richtig, reicht ein kurzes knarzendes Kommando, schon hat Benno wieder den Respekt der Truppe.

Wenn also Martin Rütter der sozialisierte Super-Rüde unter Deutschlands TV-Hundepsychologen ist, dann ist Benno einfach Benno,

mitten unter uns.

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Mehr Solinger Gesichter von Susanne Eggert auf

Citronenbusen

Lümmel ist ein Wilhelm Busch-Buchstabe

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Lümmel ist ein Wilhelm-Busch-Buchstabe.

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Wenn man den halben Tag vorm Computer sitzt, gibt es irgendwann nur noch den Bildschirm, dich und drumherum Schwärze. Am PC bist du ähnlich wie ein Planet, der durchs Universum rauscht.

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Wahrscheinlich ist alles minutiös geplant. Damit man am Ende des Lebens die Schnauze dermaßen voll hat, dass man froh ist, wenn es vorbei ist.

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Die Zeit lässt sich nicht zähmen, mit der Zeit muss man anders umgehen: Wenn sie vorbeigelaufen kommt, musst du aufspringen und mitfliegen.

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Alle wollen jung sein. Dabei birgt das Alter das Geheimnis.

Die Gräfin

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Irgendwie imponiert einem das ja, wenn sich jemand treu bleibt, auch wenn alle Anderen rufen: Du bist ein Arsch! Und als ich ihn jetzt im Fernsehen gesehen hab, fand ich ihn zum ersten Mal schön, mit so viel Schmerz im Gesicht. Zum Schluss ist er doch noch ein Mensch geworden wie du und ich.

(über Helmut Kohl)

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Egal, was du tust, du drückst überall deinen Stempel auf. Du lebst, als würdest du am Schreibtisch sitzen und dir Geschichten ausdenken.

(über mich)

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“Was hast du eigentlich gedacht, als du gemerkt hast, dass dein jüngerer Bruder plötzlich einen Vollbart hat und wie Jim Morrison aussieht?

“Na, ich hab ihn gefragt, ob er ne Million Dollar machen will, was sonst.”

“Ah ja. Und er hat wahrscheinlich geantwortet, nee, lass mal, Bruder, kein Interesse, oder? Das sieht euch Glumms ähnlich!”

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Es ist mal wieder so weit. Der Herbst naht und die Gräfin ist der Meinung, sie habe zwei Kilos zuviel drauf.

“Ich habe kolossale Fettschmerzen!”

Sie sitzt im Bett, ein Kissen im Rücken.

“Wer eine Technik erfindet, wie man die Pfunde vom Bauch einer Frau hoch in die Brüste kriegt, ohne groß zu schneiden, der hat noch für seine Ur-Ur-Enkel ausgesorgt.” Sie guckt in den Fernseher. “Meinst du, das könnte ich mir patentieren lassen?”

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Sie hat den Teelöffel aus der Tasse genommen und die Backen aufgeblasen, auf denen sie eine Melodie trommelt.

“Wie findest du das? Hast du’s erkannt? Ist ein Oldie.”

Ich nicke. Der Rhythmus, eine Schlaghose. Unverkennbar.

“Give peace a chance”, sag ich.

“John Lennon? Blödsinn.”

Sie trommelt den Song noch mal. Es gibt Berufsjugendliche, und es gibt Mädchen um die Fünfzig. Was der Unterschied ist? Die Gräfin.

“Give peace a chance”, beharre ich.

“Nein! Nicht John Lennon! Das ist Coconut!”

Coconut? Was zum Henker soll Coconut sein? Kenn ich nicht. Nie gehört. Sie teelöffelt noch mal die Melodie.

“Popcorn!” sag ich. “Du meinst Popcorn! Nicht Coconut!”

Popcorn war ein Instrumental-Hit in den frühen 70ern. Ein Sound wie aus dem Flipperautomat. Aber von ganz unten, aus dem Kabelgewirr. Den Kurzschlußschluchten.

“Popcorn, Coconut, Paperlapapp..! Aber wie man daraus Give peace a chance hören kann, ist mir ein Rätsel.”

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