DAS LEBEN, DARAUS SCHIESST SPRACHE: blau

Treiben lassen, treiben, egal wohin, dachte ich frühmorgens in dieser fremden blauen Küche, wichtig, dachte ich, wichtig ist allein das Wegkommen,

dachte ich und blickte an mir herunter, sah die Schuhe blau, die Hosen blau, alles blau blau.. selbst das Mädchen an meiner Seite war blau, und nett, aber nicht hübsch, und wäre es hübsch, wär es nicht nett gewesen, bloß – blau..

blau,

treiben lassen, treiben, wichtig ist allein das Wegkommen aus dem Messingbett der kleinen Blondine, die klagt immerzu, „Oje!“ klagt sie, „die Welt ist blöde“, klagt sie, das gefällt mir, das mag ich, aber der Po, der hat Falten, der hat Schluchten, die mag ich nicht, zumal, ihr Haar ist blond, nicht blau, ojedas passt nicht,

also weiter, tiefer durch die Nacht. Zur alten Fabrik, auf die Party, da steht ein Fass, davon sauf ich, da ist eine Fläche, darauf tanz ich, da läuft Grace Jones, da läuft Bowie, da ist der Pop de großen Stadt, und da ist ein Satz Ohren, Frauenohren, gewachsen wie Suppenlöffel, da sülz ich rein bis die Lichter angingen und die rote Sitzgarnitur mich ruft, mein Zuhause,

dem folg ich, dem Ruf,

und hier sitz ich nun in der Nacht, und da ist was in mir, das muss raus, brauche ich doch den Gassenhauer, den dicken Fisch, und das, wo Dichten nicht angesagt ist, aber das Leben mscht sich nichts daraus, das Leben ist nichts anderes als eine Pistole, daraus schiesst meine Sprache, und mal sehn, wieviel Munition so ein kleines Herz hergibt, wenn es über sich hinauswächst,

was? was? was?

denk ich gerade, da geht das Telefon, da platzt ihre Stimme rein..: „ich bin so unglücklich“, sagt sie, „ich halt das nicht aus, ich hab furchtbar geträumt“, „okay, komm vorbei“, sag ich, sagt sie: „hab kein Auto“,

frag ich, was sie geträumt habe, erzählte sie:

„ich lag im Keller auf einer Pritsche, konnt nicht schlafen, starrte auf die Wand gegenüber, da war ein Loch drin, da kroch ein Tier heraus, von weitem ganz niedlich kam es langsam näher, auf mein Kopfkissen, wurde größer und größer bis es zubiss mit langen spitzen Zähnen in meinen Hals, da rannte ich die Treppe hoch, sah dich mit einer Anderen im Bett, mit der Nase hat sie es dir gemacht und als es dir kam, fragte ich, wie es denn gewesen sei? Sagtest du, Wunderschön, was für Geniesser! Da hab ich auf dich eingetreten, wie eine Verrückte, in den Unterleib, richtig blau waren deine Eier, und jetzt bin ich wach“

sag ich: „komm vorbei“

sagt sie: „hab immer noch kein Auto“,

sag ich „dann hol ich dich ab, zu Fuß, in meine Arme“,

und da liegt sie nun bis in den Sonntagmittag, der Himmel blau, die Schuhe blau, und ich begleite dich nach Hause, Hand in Hand klauen wir Zigaretten in der Bäckerei, und die Luft ist zärtlich bis zur nächsten Strassenbiegung, da schauen wir einander nach, legen beschwörend die Finger auf die Lippen und so haben wir stillschweigend Stillschweigen vereinbart, dass ich hiermit

breche,

blau, blau wie ich bin.

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2 Gedanken zu „DAS LEBEN, DARAUS SCHIESST SPRACHE: blau

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