Ein seltenes, ein seltsames Arrangement von Frau

Der 21. Februar 1987 war ein nebliger Freitagabend. Ich stand in der Saaltür über der alten Stadtbücherei und blickte mich um, ob jemand Bekanntes im Publikum war. Sah nicht so aus, auf den ersten Blick. Und auf den zweiten auch nicht. Meine Leute gingen nicht ins Theater. Die hatten selbst dauernd Vorstellung. Und auch ich war ja nur gekommen und stand jetzt in der Saaltür, weil Karlos auf dem Küchentisch eine Freikarte dagelassen hatte, für den Tucholsky-Abend.

„Lohnt es sich zu kommen?“

„Mh na, ich spiel einen besoffenen Berliner“, hatte Karlos gemeint, „der 1930 von einer Wahlveranstaltung kommt und sich aufs Maul legt.“

Ja, das ging in Ordnung. Schnaat hatte noch angerufen, wollte vielleicht mitkommen, wusste aber nicht, ob er es schaffen würde. Er steckte mal wieder auf irgendeiner Autobahn fest, auf dem Rücksitz seine E-Gitarre. Wir waren für halb acht im Mumms verabredet, doch als er um viertel vor acht immer noch nicht da war, machte ich mich alleine auf die Socken.

Die Kulisse im selten gebuchten Saal über der alten Bücherei erinnerte ans Oktoberfest. Das Publikum saß in langen Bankreihen an zusammengeschobenen Tischen, blau-weiße Wimpel standen herum, Zigarettenrauch lümmelte über den Köpfen. WÄHREND DER VORSTELLUNG BITTE NICHT RAUCHEN. Gleich hinterm Eingang war eigens ein Bierstand aufgebaut worden. Ein erwartungsvolles Surren lag in der Luft, wie von Hummeln in einem dicken Hintern.

Ich bestellte ein großes Helles. Jemand winkte, von weiter vorn. Ich winkte zurück, einfach so, auf Verdacht. So wie ich es auch auf der Strasse machte, wenn ein Auto hupte, aber zu schnell weg war, um den Insassen zu identifizieren. Einfach mal zurückwinken. Kann ja nicht schaden.

Es war jemand mit Schnäuzer. Er rief etwas in meine Richtung. Ich verstand nicht. Aber er meinte mich, keine Frage. Ich nahm mein Bier und ging übers frisch gewienerte Parkett Richtung Bühne, durch die vollbesetzten Reihen.Jetzt erkannte ich ihn. Der dicke Duce, mit dem ich beim RSV gemeinsam Fußball gespielt hatte. Er trug jetzt Schnäuzer und das schwarze Haar zu einem langen dünnen Zopf gebändigt. Er griente wie ein wohlgenährter Seehund.

„Duce..! Du alter Sizilianer..“

Lang nicht mehr gesehen. Er war nicht alleine. Er grinste. In der Jugend hatten wir gemeinsam beim RSV Kohlfurth gespielt, ich im Sturm, der Duce auf der Bank, und Jahre später, zu Beginn der Achtziger, waren wir uns im Kühlhaus der Frischdienst-Zentrale über den Weg gelaufen. Der Duce als Staplerfahrer, ich als Kommissionierer. Kurioserweise stand die nagelneue, fußballplatzgroße Halle der FZ in Kohlfurth, gleich neben dem Platz des RSV. Kohlfurth schien unser Schicksal zu sein.

„Der Duce“, grinste ich. Die Frau, die ihm gegenüber saß, hatte lockiges schwarzes Haar und große Augen. Ich kannte sie nicht. Was sofort ins Auge fiel, war dieser Fleck überm Mund, ein Muttermal, das mit jedem Schritt, den ich näher kam, mehr funkelte. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich dieses Mal, das wie eine Identifikationsnummer aufleuchtete, sobald man in ihr Gesicht schaute, eine Million Mal anschauen sollte. Und nicht nur das.  Auch, dass darauf ein einzelnes Schnurrbarthaar wächst, aber nur von Zeit zu Zeit, bevor es sein Wachstum wieder einschränkt, auch das wusste ich nicht, nicht im Februar 1987.

Welch eine besondere Frau. Ich war durcheinander. Das war ein einziges Mal passiert, bei Lena: ein Mund, den ich auf der Stelle wollte. Ich fragte mich, wie der Duce an so eine Frau gekommen war, der sizilianische Schmerbauch. War sie vielleicht seine jüngere Schwester? Hatten Sizilianer nicht immer eine jüngere Schwester, die sie zu Hause versteckten bis sie zwanzig war? Bis sie sich sich den Weg freischlug? Duce grinste sein breites, unrasiertes Vorstoppergrinsen. Er hatte den Nagel seines kleinen Fingers extrem lang wachsen lassen. Es sah aus wie ein kleiner Boots-Steg.

„Alter, was machst du denn hier?!“

„Karlos spielt hier Theater, ein Freund von mir“, sagte ich. „Und du? Was machst du.. was macht ihr hier?“

Ich sah fragend zu seiner Begleitung rüber. Es wäre ein perfekter Zeitpunkt gewesen, um uns einander vorzustellen, doch der Duce schwieg. Ein träger, eher behäbiger Typ. Sein langes Haar, zum Zopf gebunden, baumelte wie ein Lineal auf seiner Schulter, als wir uns die Hand schüttelten. Wieso kannte ich sie nicht? Wo kam sie her? Ihr Blick, aus der Tiefe des Tisches. Der Tiefsee. Keck und schüchtern zugleich.

Dieses Muttermal.

Jahre später erzählte sie davon, wie sie als kleines Mädchen allen Urlaubern am Strand ein ebensolches Muttermal ins Gesicht malte, mit Mutters Schminkstift, genau an der gleichen Stelle, wo es bei ihr saß, zwischen Nasenflügel und Oberlippe.

„Sonst waren andere Menschen in meinen Augen nicht vollständig.“

Sie erinnerte sich sogar noch an das Gefühl, wie es war, den Stift in der Hand zu halten und in ein fremdes Gesicht einen bekannten Punkt zu malen.

„Das war ein sehr.. befriedigendes Gefühl.“

„Ich hab von deinem Literaturpreis gelesen. Glückwunsch“, grinste der Duce und rieb seinen Schnauzer. „Ich wusste ich ja gar nicht, dass du schreibst.“

„Ich auch nicht“, fiel mir nichts Besseres ein. Es war laut im Saal. Ich kletterte langsam in sie hinein, sie kletterte mit. Lächelte.

„Mal im Ernst“, meinte der Duce. „Hast du damals auch schon geschrieben?“

„Damals?“

„Na, in der FZ.“

Ich beugte mich ein Stück über den Tisch.

„Mh, ja klar. Das ganze Scheißhaus voll.“

„Das Scheißhaus?“ Duce klopfte sich gemütlich auf die Schenkel. „Dann warst du das!“

Tatsächlich hatte ich damals aus Frust über die vielen Überstunden sämtliche Klowände beschmiert, mit harmlosen Verballhornungen von FZ, wie FZ = Fauler Zauber, FZ = Ferkel Zitzen, FZ = Fot Zen, so filigranes Zeugs eben. Schnell kamen Sprüche von Kollegen hinzu, und Scheißhauszeichnungen, dicke Edding-Möpse und abspritzende Schwänze. Darunter die Version, wo das Sperma hauchzart von der langen Nudel hing, was die Geschäftsführung merkwürdigerweise so zum Toben brachte, dass Maßnahmen eingeleitet wurden. Verdächtige Mitarbeiter aus dem Tiefkühllager wurden aufgefordert, Schriftproben abzugeben. Es waren sechs oder sieben Leute, denen man solche Schmierereien zutraute, und ich zählte nicht dazu. Und das, obwohl ich revolutionäres, langes Haar trug, permanent zu spät kam, Haschisch bei der Arbeit rauchte und montags laut schnarchend auf dem Klo meinen Bierrausch vom Wochenende ausschlief, bis der treue Duce endlich aufkreuzte um mich aufzuwecken.

„Mittlerweile sind auf dem Pott die Klotüren oben durchgesägt“, meinte er.

„Oben? Wie, oben?“

„Na, oben eben, zur Hälfte weg. Damit die Vorarbeiter sehen können, wer wie lange am scheißen ist.“

„Sag bloß, du bist immer noch in der FZ?“

Sie hatte noch kein Wort gesagt. Nur dagesessen, das geheimnisvolle Muttermal tänzeln lassen. Den Fleck.

„Na logo“, hörte ich Duce sagen, fast ein wenig stolz, „fahre ich immer noch Stapler in der FZ. Was denkst du.“

Dann erlosch das Deckenlicht.

„Bis gleich mal“, sagte ich, und guckte zu ihr herüber Sie lächelte.

„Klar Mann, bis gleich mal“, rückte Duce seinen Stuhl zurecht, und ich federte zurück zum Bierstand, ein Großes nachlegen.

Vorhang auf für Tucholsky – eine Revue. In der ersten Nummer besang ein Chor von Waschweibern ihre nichtsnutzigen Ehemänner, die zweite Nummer war auch okay und zu Beginn der dritten kam Karlos auf die Bühne getorkelt, und brach zusammen. „Wie Sie mir hier sehn, bin ick nämlich auffet Maul jefalln..“ Er war der betrunkene Berliner, der vier Wahlkampf-Veranstaltungen hintereinander besucht hatte und nun durch die Straßen eierte. „Det is wejen dem Jleichjewicht..“

In Höhe vom Duce und seiner Begleitung wickelte sich Karlos um eine imaginäre Straßenlaterne und berlinerte drauflos, wunderbar besoffen. Jawoll – zeig ihr, wer wir sind, Karlos, dachte ich, und sorgte im Gegenzug für Szenenapplaus. Das weitere Programm verfolgte ich dann mit nur einem Auge, weil das andere permanent das Geschehen am Tisch im Blick hatte, vorne im Halbdunkel, im Ungefähren. Wer war sie, verdammt?

Nach der Zugabe ging die Deckenbeleuchtung an, Stühle rutschten übers Parkett, Leute verließen den Saal. Anderes Publikum sammelte sich zu Grüppchen, man stand zusammen und plauderte. Der Abend sollte noch nicht zu Ende, der Bierstand nicht umsonst aufgebaut worden sein. Ein Kellner drehte seine Runden, mit einem Tablett Retsina. Sie stand mit dem Duce und anderen Leuten herum, während ich mich kurzerhand zu Karlos Eltern an den Tisch setzte.

„Na, wie isses?“ pummelte mich seine Mutter freundlich von der Seite an. „War doch ein netter Abend, oder?“

„Ich hab den Karlos noch nie so besoffen erlebt“, sagte ich. Karlos‘ Vater verzog die Mundwinkel. Er hatte Recht. Wenn ich hier noch länger rumsaß und meine Zeit vertrödelte, ging sie mir womöglich durch die Lappen. Erstmal ein Bier holen. Neben mir stand eine von der Sonne verbrannte, blonde Tussi, die mir zuvor schon aufgefallen war. Die dünnen schwarzen Handschuhe, die sie trug, waren an den Fingerspitzen abgeschnitten. Als sie nach dem Becher Bier griff, stellte ich mir meinen Schwanz in ihrer Hand vor. Wie sie ihn umklammerte.

„He, Duce.“

Ich zog ihn auf meine Seite.

„Schiess los.. ist das deine kleine Schwester?“

„Wer?“

„Na, wer wohl..“

Er grinste. „Nee.“

„Freundin??“

„Nee. Auch nicht.“

Sie schaute zu uns herüber, und der Duce schwieg. Dann erzählte er, wie er neulich, während der Frühschicht in der FZ, beinahe einen Kollegen umgefahren und unter einem Berg Paletten begraben hätte.

„Was war drauf?“

„Hm? Wo?“

„Auf den Paletten.“

„Butter.“

„Deutsche?“

„Irische.“

Karlos erschien mit dem Sonnenscheinchen, seinem neuesten Fang. Das Sonnenscheinchen übernachtete gelegentlich bei uns am Kannenhof und quiekte wie ein Marzipanschwein, in das ein kleiner Motor eingebaut war. Ich mochte das Sonnenscheinchen nicht besonders. Die ganze Wohnung roch noch nach ihrem Parfüm, wenn sie längst weg war, als zöge sie einen Riesenschweif WC-Steine hinter sich her. Außerdem hatte ich das Sonnenscheinchen in Verdacht, uns bestohlen zu haben. Ein paar Gramm Grüne Türkenplättchen waren spurlos verschwunden, seit ihrer letzten marzipanen Vorstellung am Kannenhof.

„Jetzt tu mal her, Chef!“ entriss Karlos dem verblüfften Kellner das Tablett und verteilte den Retsina. „Das dauert mir zu lang hier! Ramba Zamba Kickerverein!“

Alle griffen zu, die schwarzen Handschuhe zuerst. Nur der Duce lehnte ab. Er trank keinen Alkohol. Auch sie kam dazu. Endlich stand ich neben ihr. Sie war ein wenig blass, so aus der Nähe. Ein bisschen klein. Sie trug schwarze Röhrenjeans, ein Bolerojäckchen und spitz zulaufende Stiefeletten. Und den Fleck. Musik lief, von Band. Lief die schon die ganze Zeit?

„Ich weiß überhaupt nicht, was ich jetzt sagen soll“, sagte ich.

„Sag irgendwas“, sagte sie.

„Schöne Schuhe“, sagte ich.

„Ja. Meine Hexenschühchen.“

Wir stießen miteinander an und kippten den Retsina auf ex runter. Ich schüttelte mich.

„Schmeckt, als würde man Tannennadeln kauen.“

Sie sah gut aus, wie lange keine Frau mehr. Alles an ihr stimmte. Nichts störte.

„Ich dachte, du wärst Duces Schwester.“

„Seine Schwester?“ Ihr Glucksen klang wie ein warmes Lasso.. „Wir sind Freunde, mehr nicht.“

„Aber Italienerin bist du schon, oder?“

„Meine Mutter ist Deutsche, mein Vater Süditaliener. Aber ich hab ihn nie kennengelernt.“

„Ich hatte eine norditalienische Großmutter“, entgegnete ich stolz und pries meine Vorfahren mütterlicherseits, mit der ersten Einwandererwelle zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus einem kleinen Bergdorf im Friaul nach Deutschland gespült. Das Bergische Land mit seiner Klingenindustrie, den Farben-und Lackfabriken und der Werkzeugproduktion war eine hungrige Region, hungrig nach ausländischen Arbeitskräften. Meine Großmutter, als Zweijährige gekommen, sprach schon bald Deutsch wie eine Einheimische und wurde dennoch auf offener Strasse bespuckt und als Itakkerin verspottet. So richtig heimisch wurde sie nie im Bergischen Land. Meist umgab sie sich mit ihren Geschwistern Tante Mariechen und Onkel Peppo mit dem streichholzdünnen Oberlippenbärtchen, und wie sie alle hießen und ein bißchen anders waren als die Familie meines Vaters. Leichter, lebendiger. Meine Großmutter heiratete einen Deutschen, der gerne ein Gläschen trank und lieber Billard spielte als für die Nazis zu kämpfen. Er fiel 1943 in der Nähe der holländischen Grenze. Sie heiratete nie wieder und begann zu trinken. Ich erinnere mich, sie einmal im Bierbrunnen getroffen zu haben, da muss sie um die Siebzig gewesen sein. Am hellichten Tag saß sie am Tresen und drohte mir im Beisein von Karlos und Schnaat mit dem erhobenen Zeigefinger, „Andreas, mit dir wird es ein schlimmes Ende nehmen!“ Wir waren alle Mann hackevoll. Als sie 1980 starb, fand man unter ihrem Bett eine ganze Batterie leerer Bier-und Schnapsflaschen.

„Man ist ja doppelt geschlagen“, sagte sie, als ich meine Familiengeschichte beendete, „als Deutsch-Italiener. Von Hitler und von Mussolini.“

„Tu mal dein Kuli!“

Das war Karlos. Er kam von hinten und fächerte sich mit einem Bierdeckel Luft zu. Er schwitzte unter der Maske, die sich allmählich auflöste.

„Darf ich vorstellen – Karlos“, sagte ich, und dabei fiel mir auf, dass ich ihren Namen gar nicht kannte. Und dass sie gar nicht so klein war, wie ich zuerst gedacht hatte. Sie hielt nur Abstand, mit großen neugierigen Augen, die nichts verpassen wollten.

„Genau, ich bin der Karlos“, glühte Karlos durch die restliche Theaterschminke hindurch, „und meine Vorfahren sind aus Pommern. Was ist jetzt mit dem verdammten Kuli!?“

Ich rollte den Kugelschreiber aus dem Notizbuch und reichte ihn Karlos, der sich eine Telefonnummer auf dem Bierdeckel notierte, was dem Sonnenscheinchen nicht passte. Als Karlos mir den Kuli zurückgeben wollte, langte der Duce dazwischen.

„Konfisziert“, sagte er und nahm mir mein Notizbuch aus der Hand. „Du kriegst ein Original-Staplerfahrer-Autogramm.“ Zum Schreiben benutzte er meinen Rücken.

„In Liebe, der Duce.“

Ich schlug eine neue Seite auf, da kam sie von hinten, schnappte sich das Notizbuch und meinen Stift und verzog sich wortlos an einen der Tische. Es dauerte. Sie saß da und schrieb in mein Notizbuch, das wie stets dem Bestand meines Vaters entnommen war. Das war schon ein heiliger Akt geworden. Notizbücher im Handel zu kaufen war untersagt, solange mein Vater sie von Großhändlern als Werbegeschenk bekam. BENNINGHAUS, IHR SCHRAUBENHÄNDLER. Während sie schrieb, hörte ich dem Duce zu, oder ich quatschte mit Karlos, keine Ahnung. Es dauerte.

Dann kam sie zurück.

„Ist leer.“

„Was?“

„Der Kuli. Der ist leer.“

Sie reichte ihn mir, was ich komisch fand, wenn er wirklich leer war. Sie suchte in ihrer Jacke.

„Ich hab selbst einen, irgendwo.“

Werfe einen Blick in die Handtasche einer Frau und du weißt, mit wem du es zu tun hast, sagt der Volksmund. Nun trug die Gräfin keine Handtasche, als wir uns kennenlernten, doch als sie den Stift suchte, kam ein Radiergummi und ein halbes Hanuta zutage.

„Hm. Na, egal. Ich war sowieso fast fertig.“

Ich schaute kurz rein. Eine Seite war vollgeschrieben, in geschwungenen schwärmerischen Buchstaben. Irgendwas von FARCE konnte ich entziffern. DAS LEBEN EINE FARCE. Und: „Ich bin traurig mit großen Augen seit meiner Geburt.“

„Und deine.. Nummer?“ fragte ich.

Es zuckte in ihrem Blick. Als wäre ein Tier durchs Bild gesprungen. Dieser wilde Bruch.. Da stimmte was nicht, verdammt. Hatte sie einen Macker..?

„Du wohnst nicht allein?“

Sie wirkte gehetzt. Auch ich fühlte mich ganz grau. Sie nahm das Buch, das nach einer Mischung aus Messing und AG Backen in der Grundschule roch, und setzte darunter: Konny, die Gräfin. In eckigen Zusatzklammern: Falls. Und die Telefonnummer. Dann nahm sie einen Schluck Bier und rülpste leise.

„Ich ruf dich an“, drohte ich.

„Ja“, sagte sie.

Sie schaute müde aus. Wunderschön, und sehr müde. Ich hatte die Nummer. Sie unterhielt sich ein paar Takte mit dem Duce, ich holte mir ein großes Bier und ein letztes Pinnchen Retsina. Später drehte ich mich noch mal um. Sie war nicht mehr da. Ich lief durch den sich leerenden Saal, schaute in jeden Winkel, sie war weg. Ich hatte die Nummer.

Hätte ich doch besser die Fresse gehalten

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