Hüört Ens!

Von Teilen der konservativen Solinger Presse erst gepusht, dann ignoriert, weil es in einem Text (huch!) um Drogen geht, die sogar verkauft werden:  Songs aus Solingen, auf Solinger Platt. Die gesamte Playlist, u.a. mit S.Y.P.H., Stiller Teilhaber, Lex Parka, Ras Meier, Leukel, Mutz, Heidi Witzka, Harry Rag und dem schönen „Erop eronger“ (Rauf und runter) von Georg Zangl, findet man  hier.

Das Bergische Land gilt unter Sprachforschern als „Knautschzone der deutschen Dialekte“, weil sonst nirgends so viele verschiedene Mundarten auf so engem Raum existieren. Was Solingen betrifft, so haut das hin. Im Stadtteil Ohligs wird ein (etwas) anderes Platt gesprochen als im zehn Kilometer entfernten Zentrum.

In „Erop eronger“ von Georg Zangl heisst es, und ich übersetze den Anfang mal gleich, „ich sitz in der Küche rum und prakesier.“ Nun bin ich mit Platt groß geworden, meine Eltern sprechen es bis heute, und bei „prakesieren“ sehe ich sofort meinen Vater vor mir, der mich bittet, einen Moment zu warten, „Jung, ich bin noch am prakesieren.“

Auf hochdeutsch bedeutet prakesieren in etwa: nachdenken, überlegen, aber da ist mehr drin in prakesieren, eine stille Verzweiflung ist in diesem Wort. Ich sitze in der Küche und denke nach ist etwas ganz anderes als Ich sitz in der Küche rum und prakesier.

Das ist eine komplett andere Küche.

Hin-und her überlegen trifft es noch am ehesten. Ich sitze in der Küche und überlege hin und her. Prakesieren ist immer eine langwierige Geschichte, eine echte Bergische Meisterschaft. Man leuchtet eine Sache aus, guckt sich noch die kleinste Schneise im Lichtschein an, damit es später nicht heisst, hättest du doch.  Ein bißchen mehr.

PRAKESIERT!

3 Gedanken zu „Hüört Ens!

  1. Lieber Andreas Glumm,
    es freut mich das Du Spaß und aber auch mehr an unserem Tonträger
    hast. Auch für mich war es auch eine Reise in die Vergangenheit da mein Vater, Opa, Oma grundsätzlich Platt sprachen.

    Geh mal auf die Seite von Georg Zangl. Er ist ein großer Künstler. Dieses Lied ist übrigens über seinen Vater.

    Momentan schreibe ich einen Brief ans ST eben wg. Ihrer Ignoranz.
    Wenn man bedenkt das die teilnehmenden Musiker ca. 1.000. 000 Tonträger unter die Leute gebracht haben ist die Haltung des ST nicht
    zu verstehen.

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