Raucht Ahmeds Schuhe

Ahmed, ein in Marokko geborener Deutscher, konnte wie alle marokkanischen Jungs ohne zu husten unglaubliche Mengen Haschisch in sich aufnehmen und dabei noch wunderbar erzählen. Großes arabisches Palaver, mysteriöse kleine Schoten, Tausendundeine Nacht.

In diesem Zusammenhang erfuhr ich auch die Wahrheit über RAUCHT AHMEDS SCHUHE, jenem hochklassigen Graffito, das lange Zeit das Gesicht der Stadt prägte und mich jedes Mal übermütig am Joint ziehen liess, wenn wir daran vorbeifuhren.

Die Story: Anfang der 80er Jahre besucht Ahmed seine alte Heimat in den marokkanischen Bergen. Auf dem Samstagsmarkt kauft er einen Batzen Grünen Marroc, den bringt er zum Dorfschuster. Der hat gerade ein paar nagelneue Schuhe vorrätig, unter der Ladentheke. Große Schuhe, stabile Absätze.

Lassen die sich noch äh präparieren? meint Ahmed und präsentiert der Einfachheit halbe seine frisch erworbenen 200 Gramm Haschisch allerbester Qualität. Der Dorfschuster nickt, „sicher, machen wir Hochhackige draus“, und geht an die Arbeit.

Tags drauf ist die Arbeit getan und Ahmed verschickt ein Paar Schuhe nach Deutschland, postlagernd Ahmed, doch das Paket kommt nie an. Fast ein halbes Jahr lang erkundigt er sich unregelmäßig in der Hauptpost nach der Lieferung, und jedes Mal geht ihm die Muffe, ob ein Rudel Rauschgifthunde wartet. Riesenschnauzer. Doch das Paket ist unterwegs verschütt gegangen. Von den Hunden gemopst. Dicken Zöllnern gefuttert. Was auch immer.

Ahmed kann es nicht fassen. „Wo sind meine schönen Schuhe hin“, klagt er sein Leid und hört nicht auf zu klagen, „mit den stabilen neuen Absätzen?!“

Nun gehört Ahmed zu der Sorte Mensch, von der heutzutage nur noch sehr selten die Rede ist: ein Mensch mit einem guten Herz. Es pumpt das Blut ordentlich durch seinen Körper, es hat kein Gramm Fett zu viel und es hat kein Loch. Außerdem haben Menschen mit einem guten Herz meist gute Freunde.

Um ihn aufzumuntern, und um der deutschen Paketpost einen letzten diskreten Hinweis zu liefern, basteln Ahmeds Freunde ein pfeilförmiges Verkehrsschild und pinseln Ahmed, o,4 km drauf. Dann nageln sie es oben an der Hauptstrasse fest, gleich unter den blauen Autobahnhinweisen.

Eine perfekte kleine Fälschung, die niemandem auffällt, weder der Straßenaufsicht noch der ADAC-Volksarmee. Leider auch nicht den Special-Force-Fahndern der Deutschen Post, den eines Tages ein fehlgeleitetes Paar nordafrikanischer Moonboots mit riesigen grünen Absätzen zugespielt wird, „hier! Such!“

„Erzähl kein Scheiss, Ahmed..!“

Ich hatte die Nase voll von seinen Lügenmärchen. Dem ganzen Zinnober und Kokolores. Ich wollte endlich die Wahrheit hören. Und mit mir Generationen von Solingern und Einreisenden. Was zum Teufel steckte wirklich hinter dem geheimnisvollen Graffito Raucht Ahmeds Schuhe?

Ahmed räusperte sich. Na schön. Also. Es passierte beim Fußballspiel auf dem alten Mühlenplatz. Ein Bäckersbursche wagte es, sich über die Löcher in Ahmeds Turnschuhen zu mokieren. Woraufhin Ahmed erst den Ball ins Aus schlug, in aller Ruhe, bevor er sich dem Burschen widmete und ihn flach hinlegte. Auf ihm knieend, stopfte er ihm einen Turnschuh ins Maul, mit den Worten:

„Hier, rauch meine Schuhe, Elender!!“

Auch wenn er ein gutes Herz hatte, Ahmed konnte es auf den Tod nicht leiden, wenn man sich über ihn lustig machte. Und damit das auch der Rest der Stadt ein für alle Mal kapierte, besorgten sich seine Kameraden einen Eimer Farbe und eine dunkle Nacht, in der sie zur Stadtautobahn schlichen und noch vor Sonnenaufgang dieses seltsame und haushohe Graffito schrieben:

RAUCHT AHMEDS SCHUHE!

So, wie es viele Jahre vor der Unterführung geschrieben stand. So, und nicht anders.

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5 Gedanken zu „Raucht Ahmeds Schuhe

  1. Pingback: Tweets that mention Raucht Ahmeds Schuhe « glumm -- Topsy.com

  2. …das glaub ich jetzt echt nicht – was haben wir (Motorradfreaks, Norton Commando, BMW R51/3, BMW R 69, MZ, DKW, Triumph BDG, Horex, Moto-Guzzi) damals gerätselt…“Raucht Ahmeds Schuhe“ – an der neuen Brücke) und 30 Jahre später kommst du und tust so, als hätte es im Tageblatt gestanden – Schuft…

    Brummbrumm

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