Freitags, Frühling

Es gibt immer was zu schreiben. Es fällt einem nur manchmal nicht ein.

*

Aufwachen, wenn man den Traum noch auf der Zunge hat.. Je länger der Tag dauert, desto schwächer wird der Geschmack, bis am Ende des Tages nur noch eine Ahnung bleibt, eine flüchtige, süße Unkenntnis.

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Ich habe meine Theorien. Eine geht so. Der Herbst ist die Bronzezeit des Jahres, der Sommer eine altägyptische Katze, die träge im Palast liegt und maunzt, der Winter Mammut-Land – nur Meister Frühling, der tut neu. Obwohl auch er aus uralter Zeit stammt.  Der Blender.

 

Frühling im Bergischen Land

 

Komisch, wenn coole Leute sich hinstellen und verkünden, irgendetwas wäre das absolute No Go, dabei hab ich das schon als kleiner Junge gehört, nur hieß es damals das tut man nicht und alles war am Kotzen.

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Wenn mir früh am Morgen, ich bin noch nicht richtig wach, aber schon reichlich neben der Spur, auf der Trasse ein Radfahrer entgegen rast, einer dieser unrasierten Super-Biker mit knallgelbem Nike-Stirnband im langgezogenen Dauerspurt, plagt mich schon mal die Vorstellung,

ich würde in dem winzigen Moment, in dem wir uns auf gleicher Höhe befinden, einen Ausfallschritt andeuten, so ruckartig, dass er vor Schreck aus den Pedalen rutscht und ins Taumeln gerät, mit der Fresse aufs Lenkrad knallt, ein Auge verliert, das über die Strasse springt wie eine lustige Ping-Pong-Lychee beim Chinesen,

dann bricht die kleine Nervenshow ab und ich lasse den Radler passieren, der atemlos „Guten Morgen!“ wünscht, so munter, wie es nur ein echter Sportler drauf hat, der so früh am Tag schon haarscharf der Katastrophe entronnen ist.

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Schreiben ist Schlaf, ist Trance. Wenn ich nach einigen Stunden vom Schreibtisch aufstehe, beginne ich zu frieren. Ich gähne sieben, acht Mal hintereinander, ich bin komplett k.o. Es ist, als habe das Schreiben sämtliche Energie auf einen Punkt konzentriert und von allen anderen Körperteilen abgezogen. Mir war schon zuvor kalt, ich war schon die ganze Zeit k.o., aber ich hab es nicht mitgekriegt. Ich habe geschlafen.

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So schmilzt es dahin, das Leben. Dabei hab ich immer geglaubt, ich käme aus der Nummer irgendwie raus, mit dem Älterwerden. Aus der Nummer mit dem Dahinschmilzen. Na schön, was solls. Solange das Herz noch radamm macht und Tageslicht in mein Gesicht fällt.

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Der Frühling empfängt uns mit einer Brise, als betrete man eine warme Vogelhandlung. Und die Gräfin hat plötzlich einen Seitenscheitel.

„He! Das nervt!“

Eine lange lockige Strähne fällt ihr ins Gesicht, bedeckt das Auge wie ein Korkenzieher.

„Ich seh nichts! Das nervt! Mach das weg!“

„Sieht doch gut aus. Pariser Chic. Existenzialistisch.“

„Pah, Paris..! Das nervt.“

Sie wirft die lockige Strähne zurück auf den Kopf, wo sie nun ausharrt wie eine Fliegerstaffel, die auf ihren nächsten Einsatz wartet: Beim nächsten Windstoß ist es soweit.

„He! Mach das weg!“

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„Am Wochenende wird die Zeit umgestellt! Dann ist die Uhr wieder bis acht Uhr hell!“

– Die Gräfin –

3 Gedanken zu „Freitags, Frühling

  1. Pingback: Eine Form des Spamschutzes | blog.tetti.de

  2. angenommen ,halbegs weg unter der brause das zischen des letten bades unaufgeeräumt fast umsonst schmutzig und vergessen
    eine variante
    die mich das leben kostssttet wie ein kotlett schön verkrustet ,fang doch an zu hülee
    nee ..kein zeit.

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