Hello Sunday, Hello Road! Zum Tode von Gil Scott-Heron in New York

„Der schwarze Dylan“ ist tot? „Bob Dylans schwarzer Bruder“? Autsch. Gil Scott-Heron hatte mit Bob Dylan so viel zu tun wie mein alter Kumpel Pudding mit Dr. Oetker. Gil Scott-Heron war einer der letzten eleganten Mississippi-Neger und hat zwischen 1970 und 1982 großartige Musik gemacht, danach kam so gut wie nichts mehr. (Ja, ich weiß, 1994 gab es noch ein Album, und 2010 erschien das morbide Comeback I’m new here.)

Seine sonore, tief erotische und immer leicht gefährliche Stimme, dazu die bewusst sparsame Instrumentierung, das hatte kaum jemand besser drauf als Scott-Heron in Zusammenarbeit mit seinem Buddy Brian Jackson.

Ich hab Gil Scott-Heron in den 80ern live in Bonn gesehen, mit Band im Rücken, es war sterbenslangweilig. Es war zu der Zeit, als er auf dieser dämlichen Anti-Ronald-Reagan-Welle unterwegs war. Jedenfalls, ich war schwer enttäuscht, an dem Abend hab ich ordentlich gegähnt. Kaum zu Hause hab ich Angola, Louisiana aufgelegt, eine meiner sechs, sieben Lieblingsnummern von Scott-Heron, und die Nacht war geritzt.

Grern unterschlagen wird in den Abschiedsbriefen, die ich zu seinem Tode gelesen hab, seine großzügige heitere Seite. Songs wie Hello Sunday, Hello Road sehen mich im Fahrtwind, eine Tüte geht um, die Sonne ist draussen und da vorn macht noch jemand einen rund, „hier, wollste ma ziehn.“

In der Geschichte 30 Polaroids heisst es, dass die Songs von JJ Cale in unserer Clique über allem schwebten, dass es seine Musik war, auf die wir uns alle verständigen konnten, das stimmt, es bleibt richtig, doch Gil Scott-Heron war nicht weit entfernt von Cales Status.

Die beiden Hansen-Brüder waren es, die mich in den späten 70ern mit schwarzer Soul Musik abseits von Motown bekannt machten. Als ich zum ersten Mal Songs wie Winter in America und das unschlagbar hoffnungvolle Better days ahead (mit der Zeile ..as long as you respect me as your man, there’s better days ahead..) hörte, haute es mich aus den Pantinen. Das war coole Großstadtmusik, das war das schwarze Amerika, wie ich es verehrte.

Für das andere, zutiefst biedere und ungerechte Amerika stehen die Ereignisse um Scott-Heron im Jahr 2001. Er muß für ein Gramm Kokain (EIN GRAMM!) ein Jahr absitzen, und das nicht zum ersten Mal. Amerika in seinem maßlosen Hass, Menschen einzusperren, die pleite sind, schwarz und die falschen Drogen kaufen, ließ nicht locker. Überhaupt: Menschen bestrafen, weil sie süchtig sind, das ist wirklich eine super Idee.

Na, scheiß drauf. Sie kriegen uns nicht klein. Wir sind überall, und Songs wie Three miles down, We almost lost Detroit und Angel dust („The room was exploding!“) zählen zum Soundtrack meiner besten Tage und begleiten mich bis heute.

(Moment.. Heute sind meine besten Tage.)

Turning back.

6 Gedanken zu „Hello Sunday, Hello Road! Zum Tode von Gil Scott-Heron in New York

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Hätte ich doch besser die Fresse gehalten

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