Ein gerechter Porno

Wir waren 14, 15 Jahre alt und hingen im Haus der Jugend rum, das wir nur das Haus nannten. Einmal brachte Benzini einen Totenschädel vom Friedhof mit, wo er nach der Schule für 8 Mark Stundenlohn Gräber aushob. Weil der Schädel spackig war und voller Erde, setzten wir in der Töpferwerkstatt einen Topf Essigwasser auf. Den Tipp hatte sich Benzini von älteren Friedhofsmitarbeitern geholt – auf diese Art sollte er wieder seine schöne weisse Farbe erhalten. Irgendwann im Laufe des Nachmittags betrat Trudy die Töpferwerkstatt, die stellvertretende Leiterin des Haus der Jugend. Trudy war ein gutmütiges spätes Mädchen. Als sie sah, wie wir uns da alle um den brodelnden Topf herum drückten, rief sie fröhlich:  „Ja, was kocht ihr denn da, ihr Halunken? Lecker Blumenkohl??“

Benzini gehörte zur Clique, Karlos, der Mitsubishi Boy – der lange Bronko zählte nicht dazu. Bronko war ein Außenseiter. Ein baumlanger Außenseiter, mit Muskeln an den wichtigen Stellen. Im Gehirn war weniger los. Eigentlich stand da nur ein Knüppel rum, ein Baseballschläger, er lehnte an der Wand.

Bronko hatte einige Schleimer um sich geschart, die ebenfalls nicht zu uns gehörten und ihm bei Bedarf ein Opfer besorgten, wenn ihm danach war. Was möglichst kleines, das gut quiekte, wenn er zuschlug. Wenn ein armes Schwein gefunden war, blökte Bronko, „WAT IS LOS?! EINEN NOCKEN, EH!??“ und verpasste seinem Gegenüber eine Kopfnuss, frag mich nicht nach Sonnenschein.

Einmal geriet der lange Bronko an den Falschen, an Scheti. Scheti, ein kräftiger kleiner Türke, der sich Jahre später während seiner Militärzeit in Ankara das Leben nahm, doch 1975 stand er noch voll im Saft.

„TÜRKENSAU, IS LOS, EINEN NOCKEN, EH?!“ blökte Bronko.

Er hatte kaum ausgeblökt, schon war Scheti, gut zwei Köpfe kleiner, wie ein zorniger Ziegenbock an ihm hoch gesprungen und hatte seinerseits eine Kopfnuss ausgeteilt, die nicht mal in der entferntesten Ecke der Galaxis irgendwas mit Sonnenschein zu tun hatte.

Bronkos Nasenbein brach, und sein Blut schoss diagonal über den Flur und klatschte gegen die Wand des Jugendzentrums. Das war wie Porno gucken damals.

Ein gerechter Porno.

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2 Gedanken zu „Ein gerechter Porno

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