Deckel hoch, Wasser kocht

Menschen, die beim Lesen lächeln, sind schöne Menschen. Lasst uns schöne Menschen machen.

*

Ich bin manchmal schwer von Begriff, oder wie wir früher sagten, schwer von Kapee. Schon als Pico habe ich nie kapiert, warum andere Jungs auf dem Schulhof „Deckel hoch, Wasser kocht!“ riefen, wenn sie hinter den Mädchen herrannten und ihre Röcke hoch rissen. Welches Wasser, welcher Deckel..? Und wo zum Henker kochte da was!?

Zur Sicherheit habe ich meistens mitgegrölt.

*

Wo nichts passiert, ist alles möglich.

*

„Wenn ich da noch länger hingucke, krieg ich selbst Rückenschmerzen“, schimpft sie und unterstellt der Moderatorin der Kultursendung auf 3Sat eine Hüftfehlstellung, weil sie so schief im Bild steht. „Erst dachte ich, die lehnt sich im Studio irgendwo an, aber das haut nicht hin. Die steht so krumm. Das ist ne verdammte Schmorgurke.“

*

Als ich freitagabends wach werde, läuft ein Western im Fernsehen. Im Saloon stimmt der Cowboy am Klavier einen Song an, dessen Intro mir bekannt vorkommt. Ich weiss aber nicht, welches Stück das ist. Ich steck noch halb im Traum drin, und da ist dieser Song, auf dessen Titel ich nicht komme. So etwas kann mich wahnsinnig machen. Im Film fallen die Gäste im Saloon nacheinander in den Song ein, als die Gräfin vom Klo zurück ist. „He, du bist ja wach!“ Sie schnippt mit den Fingern. „Was ist das noch mal?!“ Kurz bevor der schwärmerische Refrain einsetzt, wir haben die Lautstärke voll aufgedreht, fällt es uns gleichzeitig ein: SWEET CAROLINE  von Neil Diamond, GOOD TIMES NEVER SEEM SO GOOD.

„Da möchte man im offenen Chevy sitzen“, ruft die Gräfin in die Gitarren rein, „die Haare flattern im Wind, irgendwo in Amerika, und keiner weiss, ob man ankommt!“

*

„Du hast gar kein Gehirn im Kopf, sondern ein Stoß raschelndes Papier, das bedruckt werden will“, stöhnt sie auf. „Immer bist du bei der Arbeit, immer ist dein Notizbuch gezückt.“

*

„Wir zerstören die Natur, die Wiege der Menschheit. Das ist, als würde man der eigenen Mutter in den Bauch scheissen.“

*

„Zuweilen hab ich zu weinen.“

– Die Gräfin –

*

Komm, Susanne Eggert, 2011

6 Gedanken zu „Deckel hoch, Wasser kocht

  1. deckel hoch der kaffee kocht , meiner erinnerung nach..

    aufregendes spiel ,rock hochziehen und den slip runter ..

    das waren noch zeiten in der 3a..

    heute tragen die mädels ja unten geschlossen..hihi

  2. Pingback: Was man sich im Mac-Store so Alles erlauben kann. Und mehr. > Netzkram > apple, apple-store, comedian, marriage, orchester, pizza

  3. Pingback: links for 2011-07-28 > delicious-links > lifestyle, musik, photos, design, kunst, kultur, entertainment, selbstdarstellung, bier

  4. „Wir zerstören die Natur, wir zerstören die Wiege der Menschheit. Das ist so, als würde man seiner eigenen Mutter in den Bauch scheissen.“

    AAMOF: nach all den jahren schafft glumm es immer noch mit einem einzigen satz mich abzuschießen mit frischen wahrheiten. liest man nirgends.you made my day.

  5. Pingback: 2011 in review « Glumm

Hätte ich doch besser die Fresse gehalten

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s