Lümmel ist ein Wilhelm Busch-Buchstabe

Bin ich satt, Susanne Eggert, 2009

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„Lümmel ist ein Wilhelm-Busch-Buchstabe.“ (Die Gräfin)

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Wenn man den halben Tag vorm Computer verbringt, gibt es irgendwann nur noch den Bildschirm, deinen Kern und drumherum nichts als Schwärze. Am PC bist du ein kalter Planet, der durchs Universum rauscht.

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Wahrscheinlich ist alles minutiös geplant. Damit man am Ende des Lebens die Schnauze dermaßen voll hat, dass man froh ist, wenn es endlich vorbei ist.

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Die Zeit lässt sich nicht zähmen, mit der Zeit muss man anders umgehen: Wenn sie dahergerannt kommt, musst du aufspringen und mitfliegen.

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Alle wollen jung sein. Dabei ist es das Alter, das ein Geheimnis birgt.

Die Gräfin:

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Irgendwie imponiert einem das ja, wenn sich jemand treu bleibt, auch wenn alle Anderen rufen: Du bist ein Arsch! Und als ich ihn jetzt im Fernsehen gesehen hab, fand ich ihn zum ersten Mal schön, mit so viel Schmerz im Gesicht. Ganz zum Schluss ist er doch noch ein Mensch geworden wie du und ich.

(über Helmut Kohl)

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Egal, was du auch tust, du drückst überall deinen Stempel auf. Du lebst, als würdest du am Schreibtisch sitzen und dir Geschichten ausdenken, und die anderen spielen mit dir mit.

(über mich)

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„Was hast du eigentlich gedacht, als du gemerkt hast, dass dein jüngerer Bruder plötzlich einen Vollbart hat und aussieht wie Jim Morrison?

„Gedacht? Weiß ich nicht, ich hab ihn gefragt, ob er eine Million Dollar machen will, was sonst.“

„Ah ja. Und er hat wahrscheinlich geantwortet, nee, lass mal, Bruder, kein Interesse, oder? Das sieht euch Glumms ähnlich!“

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Es ist mal wieder so weit. Der Herbst naht und die Gräfin ist der Meinung, sie habe zwei Kilos zuviel drauf.

„Ich habe kolossale Fettschmerzen!“

Sie sitzt im Bett, ein Kissen im Rücken.

„Wer jemals eine Technik erfindet, wie man die Pfunde vom Bauch einer Frau hoch in die Brüste kriegt, ohne groß aufzuschneiden, der hat noch für seine Ur-Ur-Enkel ausgesorgt.“ Sie guckt in den Fernseher. „Meinst du, den Gedanken könnte ich mir patentieren lassen?“

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Sie hat den Teelöffel aus der Tasse genommen und die Backen aufgeblasen, auf denen sie eine Melodie trommelt.

„Wie findest du das? Hast du’s erkannt? Ist ein Oldie.“

Ich nicke. Der Rhythmus, eine Schlaghose. Unverkennbar.

„Give peace a chance“, sag ich.

„John Lennon? Blödsinn.“

Sie trommelt den Song noch mal. Es gibt Berufsjugendliche, und es gibt Mädchen um die Fünfzig. Was der Unterschied ist? Die Gräfin.

„Give peace a chance“, beharre ich.

„Nein! Nicht John Lennon! Das ist Coconut!“

Coconut? Was zum Henker soll Coconut sein? Kenn ich nicht. Nie gehört. Sie teelöffelt noch mal die Melodie.

„Popcorn!“ sag ich. „Du meinst Popcorn! Nicht Coconut!“

Popcorn war ein Instrumental-Hit in den frühen 70ern. Ein Sound wie aus dem Flipperautomat. Aber von ganz unten, aus dem Kabelgewirr. Den Kurzschlußschluchten.

„Popcorn, Coconut, Paperlapapp..! Aber wie man daraus Give peace a chance hören kann, ist mir ein Rätsel.“

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Mehr von der Gräfin: Solinger Gesichter

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5 Gedanken zu „Lümmel ist ein Wilhelm Busch-Buchstabe

  1. Schönen Gruß an die Gräfin, sie malt einfach wunderbar, Ihre 2 Euro Frau ist großartig!
    Ich verfolge nicht nur Deinen Blog sonder natürlich auch die Gemälde der Gräfin – ihr ergänzt euch gut. Ihr könnt doch ein gemeinsames Buch machen…

    Gefällt mir

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