Der Tod ist die Rache für die Geburt

Die Kulis schreiben nicht mehr. Einer nach dem anderen gibt den Geist auf. Sehr komisch.

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Der Holocaust ist wie ein Vogelschwarm, der 1933 aufgestiegen ist und der sich bis heute nicht wieder gesetzt hat. Die braunen Vögel sind immer noch unterwegs.

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NEU!
Träne to go!
Für die kleine Traurigkeit zwischendurch!
 
 
Weinen, Susanne Eggert, 2011

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Ich würde gern mal all die alten Kumpel zusammentrommeln und mit ihnen Punkt für Punkt die alten Zeiten durchgehen. Wer damals welche Sachen gesagt hat, wer welchen Popsong gut fand und warum, welche Aktion man noch mal sehen möchte, welchen Spruch noch mal hören. Und natürlich! welche Träume jeder hatte. (Alle aufzählen!) Dann die Antworten (am besten noch heiß!) auf Twist Off-Gläser ziehen und einkellern.

Für später.

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Wenn du deine Chancen nicht nutzt, kriegst du vom Schicksal noch extra eins drauf.

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Eines Tages werden die vom Lärm Geplagten und Genervten sich erheben und all die rasenmähenden Nachbarn und andere Krachmacher massiv an der Ausübung ihrer Untaten hindern. Oder nicht? Was meinst du?

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Ich hab mich immer gefragt, wie geht das überhaupt, sich selbst neu erfinden. Man liest das ja dauernd von erfolgreichen Menschen, dass sie die Gabe besitzen, sich beständig neu zu erfinden. Als wären das alles Daniel Düsentriebs, die sich spätabends bei heißem Kakao und flackerndem Windlicht hinsetzen und überlegen, ob sie am nächsten Morgen vielleicht als Hollywooddiva aufwachen sollten – nur so, aus Jux & Dollerei. Ich kann das nicht. Ich kann mich nicht neu erfinden. Geht nicht. Ich bin dazu nicht in der Lage. Es fehlt mir eine gewisse Biegsamkeit sowie das Vorstellungsvermögen, ein Anderer zu sein als der, der ich bin. Auch wenn er mir oft genug auf den Sack geht, der Blödmann, der in mir wohnt. Der immer die Miete zahlt und mit dem Nachbarn beisammen steht und schimpft, wie hoch die Nebenkosten sind & andere Kleine Leute- Sachen.

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Du bist ein Buddhist reines Herzens. Du bist immer auf dem Weg, ohne Ziel, ohne Ergebnis, Tag für Tag, ohne Ende.

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Was nützt es heute, wenn man morgen Bescheid weiß.

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Im Tod und im Traum sind wir verbunden mit dem Großen und Ganzen, und wir werden nie erfahren, was das alles soll.

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Der Tod ist nichts anderes als die Rache für die Geburt.

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Vor einiger Zeit bin ich mit Karlos zu Fuß von Gräfrath bis in die Stadt gestiefelt, immer der Strasse entlang, ohne Hund. Wir hatten uns zufällig getroffen, so wie es sich für alte Kameraden gehört. Dabei fragte er mich was Interessantes. Er fragte, ob ich jetzt auch zu den Leuten gehöre, die ihr Leben intensiver leben.

„Also seit deinem Herzinfarkt, mein ich. Das sagen doch alle, die noch mal davongekommen sind. Dass sie das Leben plötzlich mehr schätzen, dass sie bewusster und intensiver leben als zuvor.“

„Nee“, antwortete ich ausser Puste. „Nee, nicht, dass ich wüsste.“

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Die Herzattacke, die mich fast getötet hat, einst im Mai, (vor einem dreiviertel Jahr), erscheint mir im Nachhinein wie ein Kammerspiel. Ein Herzkammerspiel mit Kalkablagerungen. Protagonisten: die Herren Plaque & Co. Die ich über die Jahre mit Nikotin angefüttert hab, fett an die Herzwand geklatscht wie eine altmodische Tapete. Immerhin, ich rauche nicht mehr.

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Den ganzen Tag hat man nur sich selbst um sich! Unangenehm!

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Da frag ich mich schon: Ist denn umgekehrt auch die Geburt die Rache für den Tod?!

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Fressen und kacken, fressen und kacken, der ganze Planet tut nichts anderes als fressen und kacken, den ganzen Tag. Von wegen der blaue Planet. Das ist ein bißchen blauäugig von uns.

Die Gräfin

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11 Gedanken zu „Der Tod ist die Rache für die Geburt

  1. Sehr gut, dass Du nicht mehr rauchst! Vor 2 Tagen ist mein Kette rauchender Neffe nach einem 2. Schlaganfall gestorben. Er wurde nur 37.

    Neu erfinden -was für ein Quatsch, glaub ich auch nicht dran. Es bleibt uns doch nur, die kurze Spanne, die wir haben, möglichst angenehm anzufüllen. Bloß nicht an morgen denken…

  2. Pingback: Was heute so alles auffiel | blog.tetti.de

  3. Mal meine Gedanken zu alldem da oben:

    Was die Kugelschreiber angeht – Kennst Du das Zitat von Hesse? Es besagt, dass alles auf Erden ein Gleichnis ist. In diesem Fall vielleicht Schnäppchenkulis, die eh nicht lange schreiben. Und was es sonst bedeuten könnte, … weiß ich auch nicht.

    Ja, die braunen Vögel sind immer noch unterwegs. Leider.

    Meine Erfahrung: Der kleinen Traurigkeit zwischendurch reicht ein Seufzen. Das könntest Du vielleicht auch anbieten.
    Aber die große Traurigkeit freut sich, wenn sie kommen, die Tränen. Da reicht dann aber eine dann nicht.

    Wenn man seine Chance nicht nutzt, kriegt man eine neue. Die sieht manchmal etwas anders aus, als die Vorherige, aber sie kommt. Das Leben meint es gut.

    Ich hoffe, dass die Lärmgeplagten andere Wege als Gewalt finden. Jeder, der lebt, macht Lärm.

    Sich neu erfinden, das habe ich auch nicht gleich verstanden, was das bedeuten soll. Ich verstehe es so: Das, was man erlebt, in und an sich selbst, auch im und am Außen, aus verschiedenen (anderen, neuen, weiteren) Blickwinkeln zu betrachten. Dadurch verändert sich nicht nur das Erleben und die Wahrnehmung, auch das Gefühl und damit das gesamte Befinden. Ist allerdings etwas, das man wiederholt tun und lernen muss. Bei allem bleibst Du dennoch immer die oder der Du bist. Klingt seltsam, ist aber so.

    Erfolg ist etwas sehr Persönliches und ist m.E. deshalb sehr unterschiedlich gelagert und deshalb auch zu definieren für sich selbst. Durchaus auch immer wieder neu.

    Was die Ziele angeht, liegt das Glück im Handeln. Insofern …

    Was es heute nutzt, wenn man morgen Bescheid weiß? Dass man heute lebt, dass man heute vielleicht über das, was man am nächsten Tag erkennt, nachdenkt und dann / dadurch zum Ergebnis kommt. Da gibts ja möglicherweise einen Zusammenhang. Könnte doch sein?

    Life is for living and living is free. (Lyrics: Barclay James Harvest)

    Der Tod ist keine Rache. Er ist Erinnerungshilfe. Für das, was wir hier in diesem Leben wollen.

    Apropos Rache: „Die Rache der Sprache ist das Gedicht“. (Ernst Jandl)

    Heftig, das mit der Herzattacke. Gute Besserung weiterhin.

    Für die meisten sind einschneidende Erlebnisse, welcher Form auch immer, Grund dafür, das Leben und sich darin, anders zu betrachten. Das führt manchmal tatsächlich zu einer anderen Haltung. Bei mir war es der Tod meiner Eltern.

    Ich bin sehr froh, dass ich um mich bin. Aber ich freue mich auch, wenn andere da sind. Manche allerdings können gern bleiben, wo der Pfeffer wächst. Wo war das noch mal?

    Geburt ist Chance.

    Glaubst Du an Rache? Ich nicht.

    Es gibt weitaus mehr, als Fressen und Kacken. Schreiben, Lachen, Leben. Reisen, Freuen, Lieben. Malen, Denken, Schaffen zum Beispiel.

    Liebe Grüße
    apfelesserin

  4. Ich weiß nicht mehr genau wann und warum,aber irgendwann machte es wuschschsch…und ich war über 40.Ein Schock.die 20er waren nur ein kurzer,aber dafür mitreißender Spielfilm,die 30er halb große Depression und danach das Suchen nach der Tür in der Mauer.mußte ja irgendwo eine sein,wie war ich denn sonst hierhingekommen?ich bereue nichts!Doch-ich habe durch meinen Egoismus eine Freundschaft zerstört,von denen man nur sehr wenige hat imLeben-das bereue ich.aber würde ich behaupten,daß ich meine Sucht,all das Geld,all die Drogen bereue,dann wäre das wie Verrat.es hatte nichts mit falschen Freunden und auch nichts mit Naivität zutun.Drogen-das waren die echten,die coolen Leute.Sex,Drugs & Rock’n Roll-von diesem Lebensgefühl konnte man auch noch zehren,wenn man erst in den 68ern gezeugt-und im Sommer der Liebe 69 geboren wurde.daß die Euphorie verschwindet und das böse Erwachen irgendwann kommt,hat man glatt in Kauf genommen,ohne allerdings zu wissen,was das bedeutet,ohne zu wissen wie man denn wieder unbeschadet da rauskommt.aber ich hab Glück gehabt.ich hatte Menschen,die mir gezeigt haben,wo sich die Tür befindet und dann sogar noch den passenden Schlüssel parat hatten.n Sechser im Lotto ist dagegen pillepalle!was mache ich aber,wenn diese Menschen mal verschwinden sollten?die 50 ist nicht mehr weit,aber darauf habe ich noch immer keine Antwort.ich kann nur abwarten.und hoffen!

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