Barnabas Disch

Ich war nicht mal drei Monate arbeitslos, schon machte das Arbeitsamt Druck. Besonders ein Arbeitsermittler hatte es auf mich abgesehen, er knallte mir Stellenangebote von Zeitarbeitsfirmen in den Briefkasten, die wie Pilze aus dem Boden schossen und für die ich grundsätzlich nicht arbeiten wollte. Ich war jemand, der keinen Job hatte, ich war kein Sklave, an dem sich weisse Skipper den nächsten Segeltörn verdienten. Ohne mich, Jungs.

Dass der Arbeitsvermittler mich auf dem Kieker hatte, war ich allerdings selbst schuld. Nachdem das Saisongeschäft im Turmhotel vorbei war, meldete ich mich Anfang Oktober arbeitslos. Persönlich. In Zimmer 304. Arbeitsvermittler Disch, so stand es an der Tür geschrieben.

Es war ein schöner Altweibersommer und ich wartete im rosa Netzhemd draussen auf dem Flur, braungebrannt. Ich sah blendend aus, obwohl ich den ganzen Sommer besoffen gewesen war. Das sollte sich als kapitaler Bock erweisen. Sich braungebrannt arbeitslos melden, im rosa Netzhemd, wird in Deutschland nicht gerne gesehen. Man sollte möglichst abgewrackt erscheinen, in Duckmäuserstellung, den kombinierten Ich bin eine arme Sau-Blick, ich bin ein Loser vor dem Herrn-Blick und den ich hatte eine schlimme Kindheit-Blick ergebenst Richtung Schreibtisch, hinter dem ein Offizieller sitzt, der in Lohn und Brot ist.

Innerhalb einer Sekunde, die es dauerte, dass Arbeitsvermittler Disch mich hereinbat, war ich bei ihm unten durch. Er sah aus, als hätte er grade für Ehefrau N. 4 einen Unterhaltssscheck unterschrieben. Beim Hinsetzen entdeckte ich auf einer Akte zufällig seinen ganzen Namen, Barnabas Disch. Am Türschild hatte er den Vornamen wohlweislich ausgespart.

Ich war ständig auf der Suche nach schrägen Namen, und pfiff anerkennend durch die Zähne. Was Barnabas Disch in den falschen Hals bekam. Er glaubte wohl, ich machte mich über ihn lustig, denn er war meinem Blick gefolgt, der seinen Namen gelesen hatte. Dabei war ich ein Liebhaber skurriler Namen. Orion Specht, zum Beispiel. HUGO SAPIENS.  Oder Herr Billwitz. Randolph Stuttgard. Knofinke. Kasulke. Kinkerlitzchen Carmichael. Batzen Dill. Alles kein Problem!

Und da war diese metallverarbeitemde Klitsche, an der ich mit dem Bus oft vorüberfuhr und wo ich mir die Nase an der Scheibe plattdrückte, weil ich mich nicht satt lesen konnte am schönen Firmennamen: Hartchrom Düster. Hartchrom Düster..! Sollte ich je einen Künstlernamen brauchen, so schwor ich mir, würde ich Hartchrom Düster bitten, ihn nutzen zu dürfen. Jawoll, Hartchrom Düster war gebongt.

Barnabas Disch druckte das nächste Stellenangebot für acht Mark die Stunde aus. Das Geräusch, das der Drucker machte, klang wie auf dem Pütt.

*

500beinegrafik

Soldaten von heute, der Mitsubishi Boy über den Mitsubishi Boy, Barnabas Disch, Süchtel

Advertisements

2 Gedanken zu „Barnabas Disch

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s