Grünkohl

Sie hatte ein offenes Gesicht, wie ein Coupé. Sie trug gern kurze Röcke. Sie war sexy. Wenn sie abends im Mumms saß, zeigte sie ihre Beine her und ich war erledigt. Nach dem Studium war sie gleich ins Management eines Mittelständlers eingestiegen, der chirurgische Präzisionsinstrumente herstellte und vertrieb. Sie machte Karriere. Sie war dreiundzwanzig.

„Bring doch mal was mit“, sagte ich.

„Was mitbringen? Was denn?“

„Keine Ahnung, irgendwas. Du arbeitest doch da in der Klitsche, nicht ich.“

„Ja schon, aber ich bin nicht unten in der Produktion.“

„Na, ihr werdet doch.. zur Präsentation für Kunden Skalpelle haben oder.. ein Darmrohr. Scharfe Löffel. Irgendwas.“

Tatsächlich brachte sie mir ein Reflexhämmerchen mit. Rostfrei, verchromt. Ich verstaute es im Handschuhfach ihres Wagens und vergaß es.

Wir trafen keine festen Verabredungen. Sie schlenderte spätabends ins Mumms, wo ich mit den Jungs am Tresen hing, mit Karlos, Benzini, dem Mitsubishi Boy, den Kumpels eben. Je später sie kam, desto besoffener war ich, und je besoffener ich war, desto verrutschter danach der Sex. Also kam sie eine Zeitlang früher ins Mumms, gleich nach der Arbeit, da war ich noch halbwegs nüchtern. Doch anstatt sofort mit ihr abzuziehen, betrank ich mich in ihrem Beisein, erst dann rauschten wir ab. Obwohl sie so sexy war.

Das bringt es irgendwie nicht, sagte ihr Gesichtsausdruck. Also dauerte es nicht lange und sie kreuzte wieder erst nach Mitternacht auf, um mich einzusammeln.

Man kann nicht sagen, dass ich besonders gut zu ihr gewesen wäre, doch irgendwie hatte sie einen Narren an mir gefressen. Einmal verklickerte ich ihr am Tresen innerhalb einer Viertelstunde dreimal hintereinander den selben Mist, ungelogen, Wort für Wort. Dass es nämlich mittags bei meinen Eltern Grünkohl gegeben hätte mit geräucherter Mettwurst, und dass ich für Grünkohl töten würde.

„Ich töte für Grünkohl! Ich hab zwei volle Teller aufgegessen!“

„Toll, ja. Du sagtest es bereits. Mit Mettwurst. Dann komm jetzt.“

foto.grünkohl

Wir fuhren zu ihr. Sie wohnte in der Südstadt, Obenketzberg. Ich war so scharf, dass ich sie noch im Wagen nehmen wollte. Im Dunkeln allerdings nicht. Ich hatte schlechte Augen. Ich wollte was sehen.

„Fahr noch ein Stück, bis unter die Laterne.“

Sie ließ die Karre ein paar Meter vorrollen. Ich packte ihren Kopf und küsste sie. Sie hatte diese Spielchen drauf. Einen Schritt vor, einen zurück. Anlocken, abblocken. Sie steckte mir die Zunge in den Hals, sie entzog sich, sie schlängelte sich richtig unter mir weg. Das machte mich rasend, und je rasender ich wurde, desto mehr entzog sie sich, mit diesem irren Blick. Wenn man mit einer Frau zusammen ist, mit der hauptsächlich der Sex stimmt und sonst nichts, konzentriert sich alles auf diese Zeitspanne. Man versucht sie so lange wie möglich zu dehnen, um die Stille danach zu vermeiden. Und die Stille davor. Nur mittendrin quatschten wir.

Sie saß auf mir und stieß mit der Hüfte gegen das Handschuhfach, bis die Klappe aufsprang, wie ein Taschenmesser. „Aua.. verdammt, das tut weh..“ Ich trat gegen das Fach, bis es wieder geschlossen war. Keine halbe Minute später sprang die Klappe wieder raus und bohrte sich in ihren Rücken. „KACKDING!“

Auch wenn wir nicht besonders viel miteinander anfangen konnten, sobald wir uns küssten, prasselte der Kamin. Funkenschlag. Strümpfe rissen, dieser idiotische Slip, weg damit. Die Autoscheiben beschlugen, das Handschuhfach krachte aus der Verankerung, nur diesmal nicht, nein – diesmal hatte ich zu viel getrunken. Ich schaffte es nicht mehr. Ich war erledigt. Selbst als sie mir einen blasen wollte, tat sich nichts. Sie blickte zu mir hoch, mümmelnd. Ich verstand nicht. Hm..? Ist weich.. wie? Sie nahm den Schwanz aus dem Mund und grinste mich frech an. „.. Grünkohl.“

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Ein Gedanke zu „Grünkohl

  1. hoffentlich schmeckte der mittelständer wenigstens besser als grünkohl. für mich ein graus. da stünde bei mir auch nichts mehr. und die winde kämen im minutentakt.
    gruß, uwe

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