Homo Bohei, Wild Thing

Nachdem sich der Homo Erectus von Afrika über die Welt ausgebreitet hat, liege ich eine Million Jahre später Mittwochfrüh im Bett und guck mir eine TV-Reportage an. Thema ist unsere Zivilisation, die als Homo Bohei in die Geschichte eingehen wird. Na schön. Ich steh dann langsam mal auf.

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Wenn wir mit unserem wuscheligen Familienhund eine große Runde über die Felder drehen, bleiben andere Hundebesitzer gerne mal stehen und wundern sich.

“Ja, das ist aber ein seltener Mischling..! Was ist denn da alles drin?”

“Blut, Muskeln, Knochen, ein Herz.”

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Den Hörer heutzutage mit Pop-Musik noch zu überraschen ist schwierig. Man wartet ja förmlich darauf, dass einem ein Song bekannt vorkommt, damit man endlich, unter Beifall, ausrufen kann: „HE, DAS KENN ICH DOCH! DAS KLINGT WIE.. WILD THING!”

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Zwischenblutung und Riemchensandalen sind Dinge, die sollten Freundinnen unter sich bekakeln, daran hat kein Mann groß Interesse.

Im Gegenzug möchte auch keine Frau etwas von koffergroßer Prostata hören, oder fies juckenden Hämorriden.

„Schon das Wort jucken verursacht bei mir in diesem Zusammenhang gelinde gesagt Desinteresse“, so die Gräfin.

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Am 4. Februar starb im Alter von 71 Jahren Reg Presley, Sänger und Songschreiber der Troggs, denen mit Wild Thing der große Wurf gelang in den 60ern.

Die Troggs waren eine seltsame Band. Zum einen war es ausnahmsweise mal so rum: Nicht ich lieh Karlos eine Platte, die ich nie wieder sah, sondern Karlos lieh mir eine Platte, die er nie wieder sah.

The Troggs Greatest Hits.

Zum anderen waren selbst die Greatest Hits durchwachsen. Die Troggs konnten einfach keinen Durchschnitt. Entweder ihre Songs waren blass und nicht der Erwähnung wert, oder es gelangen ihnen Kracher wie Wild Thing oder das geheimnisvoll leichte Love is all around.

Wild Thing ging so. Wir waren 15 und sammelten uns im Haus der Jugend im Kreis, jeder hatte eine Gitarre in der Hand, eine verdammte Klampfe. Andi Burg zeigte die Griffe, wir Anderen zogen nach: WILD THING, YOU MAKE MY HEART SWING. YOU MAKE EVERYTHING.. GROOVY. Ein toller Riff, aber irgenwie konnte man den Song nicht ernst nehmen.

WILD THING, das war eher mit der neuen Penthouse nach Hause eilen und im Kinderzimmer schön einen rubbeln, während Mutter und Tante Sonja nebenan bei einer Tasse Kaffee saßen und den neuen Teppich hochleben liessen, („der ist so dankbar, da sieht man überhaupt keine Flecken!“), und du musstest, ein bisschen genervt, lachen, als es weiß aus dir herausflappte.

Oder, wie der Holländer sagt, het flappertje!

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