Jackie Brown

„Da schau her, heut Abend läuft Jackie Brown„, witzelt die Gräfin, die TV Today in Arbeit. Sie mag den Film, aber sie hat ihn oft genug gesehen. Ich eigentlich auch, bei Licht betrachtet, doch Jackie Brown zählt zu meinen Lieblingsfilmen.

Quentin Tarantino hat zwei Filme gedreht, die ich mir wieder und wieder ansehen kann, zwei Heuler, zwei Kracher des Jahrzehnts, Pulp Fiction und Jackie Brown, der Rest ist Müll. Die ganze Karatekacke.

Jackie Brown gefällt mir so ausnehmend gut, ich hab mir sogar ein schwarzes Movie-T-Shirt auf dem Flohmarkt gekauft – kein gebrauchtes, nein, ein nagelneues T-Shirt vom Profi-Händler, der sich mit seinem Stand dazwischengemogelt hatte. Tiefschwarz, 100 Prozent Baumwolle, mit dem knallgelben Schriftzug vom Kinoplakat:

 

Jackie Brown

A Film by Quentin Tarantino

 

„Darf ich Sie was fragen?“ sprach mich vor Jahren ein Jüngling an der Bushaltestelle an. Er musste allen Mut zusammennehmen.

„Klar“, sagte ich. „Nur zu.“

„Wo haben Sie das T-Shirt her?“

„Das T-Shirt..? hab ich gekauft“, antwortete ich, und weil mir das zu spärlich klang, zu unergiebig für jemanden, der seine Scheu erst mühsam anritzen und ausbluten lassen musste, um mich ansprechen zu können, fügte ich „auf dem Flohmarkt“ an, und weil mir das zu ungenau klang, nicht präzise genug, keine echte Belohnung, fügte ich „vom Profi-Händler“ an. „Der hatte sich mit seinem Stand dazwischengemogelt.“

„Ach.. so, ja.. danke.“

Da ging er hin, der Bursche, so dünn und jung als wie zuvor. Und viel klüger auch nicht.

„Um wieviel Uhr kommt Jackie Brown?“ erkundige ich mich bei der Hüterin der TV Today.

„Äh.. Moment.. 22 Uhr 30, Vox.“

Sehr schön. Da ist noch Zeit. Ich fische schon mal das Tarantino T Shirt aus der Kommode. Provisorisch verknuddelt, versteht sich. Jedes Mal, wenn Jackie Brown  im Fernsehen läuft, ziehe ich den Fan-Artikel über, (von Rock’n Roll gestählten Näherinnen in Bangladesh zusammengeklöppelt), und wenn der Streifen aus ist, stopfe ich ihn wieder zurück in die Kommode. Das Shirt weist mich als Mitglied der Jackie Brown- Geheimgesellschaft aus, ich bin geheimbündnerisch unterwegs, sobald ich es trage, und jedermann soll es mir ansehen.

Käme Quentin Tarantino jetzt ins Zimmer, er wüsste sofort, was gleich im Fernsehen kommt.

22 Uhr 15.

Ich liege im Bett, der Fernseher läuft, Vox ist programmiert. Ich weiss nicht, wo Ihr Vox auf der Programmleiste habt, bei uns ist es auf der 8. Danach kommt arte, Programmplatz 9. Aber arte brauchen wir heute nicht, dankeschön.

22 Uhr 29.

Ich schlafe ein, noch vor dem Vorspann. Als ich die Augen aufschlage, ist es mitten in der Nacht, drei Uhr zehn. Der Fernseher läuft, immer noch Programmplatz 8, moderate Lautstärke.

Später am Tag, beim Frühstück, erzählt die Gräfin, dass ich mein Kino-Shirt komplett durchgeschwitzt hab, während Pam Grier als Stewardess mit PanAm-Köfferchen, blauem Kostüm und Betonwaden so herrliche Sätze von sich gab wie:

„Ich ballere beide Kanonen leer, wenn du nicht tust, was ich sage!“

oder:

„Oh, die Milch ist sauer geworden, während ich im Knast war“.

Und dass ich es tatsächlich geschafft habe, Teile des Soundtracks im Tiefschlaf mitzusummen, unter anderem die (in meinen Kreisen hochpopuläre) Ballade Tennesse Stud von Johnny Cash.

„Du hast gewimmert und gelacht beim Schlafen, du hast laut geschimpft und sogar im richtigen Moment das Abheben der PanAm-Maschine nachgeahmt. Ich glaub, dir hat der Film richtig gut gefallen, diesmal.“

Tja, Baby – man ist entweder Fan, oder man ist kein Fan.

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8 Gedanken zu „Jackie Brown

  1. Hi Andy, cool dein Blog…..Love it!!!!
    Aber das Du RESERVVOIRE DOGS zu Müll zählst….tztztztztz….Bana..uso
    Allerherzlichst M 🙂

  2. Pingback: Link(s) vom 9. Juli 2013 - e13.de

  3. Namd….

    Also, wieso PanAm?
    Jackie Brown is doch bei der Cabo Air, dachte ich?

    Ray Nicolette taucht in einem anderen Film nochmal auf, dessen Titel ich aber grad nicht weiss. Genau mit Motorradhelm und diesmal aber als ein dämlicher FBI-Beamter, der sich mal nicht heimlich im Verhörraum die Klöten richten muss, wegen der Dingsda, also der Pam Grier.
    Die im Schlussong des Filmes auch noch selber mit gesungen hat, als Hintergrundsängerin.

    Na denn, nix für ungut!

    • Ich wusste es! Ich bin doch nicht so ein fanatischer Jackie Brown-Fan. Aber Pams Kostüm sieht für mich nun mal aus wie ein PanAm-Kostüm, und Cabo Air kenne ich nicht mal. Dennoch, ich werde das demnächst berichtigen. Irgendwie umbauen. Einbauen. Sobald mir einfällt, wie..

      Danke.

  4. @Ddhadhh:
    Um auf deinen Anruf zurückzukommen: Das hab ich auch nicht als Besserwisserei aufgefasst, warum auch? PanAm-Kostüme, so lernte ich erst jetzt, haben ein anderes Blau.

  5. Finde auch,daß Reservoir Dogs dazugehört.seine ersten drei Filme halt, wovon pulp mein ewiger Favorit bleibt.als Jackie 97 in’s Kino kam,gab es ein Hammerangebot beim Cinemaxx Wuppertal:die Q.Tarantino-Nacht.drei Filme.ich glaube es waren pulp,from dusk (obwohl der ja eigentlich von R.Rodríguez ist) und als Höhepunkt der nigelnagelneue Jackie Brown.freute mich wie hulle.und ich war so clever,daß ich vorher nicht nur H,sondern auch ne gute alte Rohypnol konsumierte.Natürlich hätte ich es besser wissen müssen.Micha und ich verschliefen alle drei Filme komplett,der große Micha schämte sich für unsere wohl teilweise störende Schnarcherei,aber da er frei von harten Drogen war,sah er wenigstens Quentin’s Meisterwerke im Kino.Natürlich habe ich im Nachhinein alle drei Filme mehrfach gesehen,aber ich ärgere mich bis heute…

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