Nordspanien

Im Sommer ’79  fuhren der dicke Hansen und ich nach Spanien. Er hatte sich eine blaue Ente zugelegt, obwohl er es sonst eher gediegen mochte. Eher mal Audi. Doch auch mit der Ente überholte er alles, was vor ihm fuhr und sich überholen liess. In Kurven überkam mich auf dem Beifahrersitz oft dieses flaue Gefühl, aber das lag mehr am vielen Schnaps und an der Fahreigenschaft der Ente als an Hansen, er war ein sicherer Fahrer. Ein Einfädler war er, der so geschickt im Strom mitschwang, dass niemandem auffiel, dass er es war, der den ganzen Laden anführte. Mochte er auch einen klapprigen 2 CV unterm Hintern haben, er dominierte die Autopista. Er war ein Pilot. Wir schaukelten quer durch Frankreich, nahmen die Pyrenäen und erreichten Bilbao ohne Zwischenfälle.

Bilbao war potthässlich. Der Qualm von Schornsteinen verfinsterte den Himmel. Es stank erbärmlich nach Fischfabrik und Vorortschweinefarm. Wir machten, dass wir weiterkamen. Gelegentlich hielten wir an und bauten eine Tüte. Um im Spanien der späten Franco-Ära kein Haschisch kaufen zu müssen, (in San Sebastian standen Militärposten mit Maschinenpistolen im Anschlag an den Kreuzungen), hatten wir uns eingedeckt mit rotem Libanesen, wir planten damit die Chicas zu ködern. „Du Haschen? Komm Auto, komm Ente!“ (Wahlweise: Señorita, zum Hasch-Diktat!)

Die Pot-Route führte in ein winziges Kaff am Meer. Eine raue felsige Küste, kaum Touristen. Zwar hatten wir ein altes Zwei Mann-Zelt dabei, bauten es aber nur behelfsmäßig auf, ohne Boden. Ich schlief die ganzen drei Wochen auf der Erde, in einem dünnen mottenzerfressenen Schlafsack, während Hansen den Rücksitz der Ente ausgebaut hatte und dort die Nächte verbrachte, im gemütlich erweiterten, mit einer Matratze aufgepeppten de Luxe-Kofferraum.

Einmal hockten wir irgendwo am Hafen und tranken Bier. Hansen flirtete mit einer hübschen Einheimischen. Sie hatte langes schwarzes Haar und sah sehr süß aus, war aber scheu. Sie sprach kein Wort Englisch, wir kein Wort Spanisch. Ich saß am Nebentisch, immer wieder schaute sie zu mir rüber, mit kurzen ansteckenden Blicken.

Der dicke Hansen gab sich wirklich Mühe. Ich meine, er war ein Womanizer. Er hatte ständig schöne Frauen an seiner Seite, es war ein Rätsel, wie er das hinkriegte. Nicht, dass ich neidisch gewesen wäre, ich hatte selbst meine Chancen, doch manchmal war ich baff, was er so alles abschleppte. Auch an diesem Abend sah es gut für ihn aus. Die junge Spanierin wurde betrunken, sie erhob sich und tanzte. Irgendwann ergriff sie eine Gelegenheit, Hansen war mit anderen jungen Spaniern ins Gespräch gekommen, und stahl sich an meinen Tisch. Wir sprachen keinen Ton. Ich nahm sie nicht mal bei der Hand. Wir gingen einfach los. Es war schon dunkel, als wir über den tiefen Rasen Richtung Zelt schlenderten. Sie war, wenn ich recht verstand, ebenfalls zum Campen hier, doch ich kapierte nicht, mit wem. Ob mit Familie oder einer Freundin, vielleicht? Jedenfalls, sie war keine Einheimische.

In meinem Zelt gab es bloß den diesen lumpigen Schlafsack, und die Nächte im Norden Spaniens sind kühl. Sie lag in meiner Hand wie eine raue ungehobelte Kriegsbeute und duftete nach Weinbau, sie blieb merkwürdig unbeteiligt. Wäre ich ein reicher Mann gewesen, ein echter Magnat, man hätte glauben können, dass sie lediglich als Ablenkungsmanöver diente, während ihre Komplizen in aller Seelenruhe meinen Tresor leer räumten, den Camping-Brustbeutel. Sie ging, als der Morgen dämmerte. Wie eine Schlagersängerin – barfuß.

Am letzten Abend bekam ich Fieber. Wir saßen in einer Tapas-Bar und futterten Oliven, weil wir pleite waren und uns nichts anderes mehr leisten konnten.

„Hör endlich mit der Sauferei auf“, meinte der dicke Hansen, und er meinte es gut mit mir, damals. „Du säufst zu viel.“

Tatsächlich war, was die Trinkerei betraf, ein Hooligan. Hauptkampfwasser war Ricard, am liebsten direkt aus der Pulle. Mir ging es hundsmiserabel. Das Fieber stieg. Die ganze Rückfahrt verbrachte ich auf der Matratze und schlief, wenn ich nicht gerade kotzte. Das Schaukeln und Federn der Ente bohrte sich tief in meine anisgelben Fieberträume. Ich war in Gottes Hand, und der dicke Hansen saß am Steuer.

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10 Gedanken zu „Nordspanien

  1. Wieso tönst Du immer rum, Du seist nicht dick? Lügt denn unser Glumm, Du dicker Plauzenman? Dass Dich unser Poet als ‹womanizer› charakterisiert, ist offenkundige Ironie: ‹Schabrackenizer› trifft es eher, Du fettes Nilpferd. Und dabei denke ich noch nicht eimal an all Deine Pickel, die Deinen Körper überpflastern und die Du — gleichviel wo — sinnentleert entleerst. Da erinnere ich mich noch an einen Nachmittag auf der Schwertstraße, wo Du mir eigentlich einen von Deinen Vorhauttricks
    zeigen wolltest; das endete mit einem nicht endend wollenden Ausdrücken von Pickeln an unmöglichsten Stellen …

    Und was Dein Video angeht: Klar zu sehen, dass Du niesexuell bist. Und keineswegs slim.

  2. glumette, mon cheri, excuse moi,

    was du leider nicht erwähntest, war folgende begebenheit.

    es war einer dieser bekifftten abende, nicht weit entfernt vom atlantik in nordspanien. wir hatten 2 südeuropäerinnen aufgetan und waren auf dem weg zu deren studentenbude. während ich mit einer zierlich charmanten französin, mit dem zu ihr passenden namen francine, die neben mir auf dem beifahrersitz saß, mein französisch pflegte und einen stick genoß, hattest du dich, besoffen, wie jeden tag, mit einer recht groben, etwas beleibteren
    “ si vil ia “ , einer doch eher etwas groberen spanierin, die heute wahrscheinlich in einer großküche in schweinfurt schuftet, im deluxe teil meines 2cv abgelegt.
    wir fuhren vielleicht so ne viertel stunde, da wackelte plötzlich mein citroen auf eine bislang unbekannte weise.
    francine und ich schauten uns ratlos an, als ich dann im rückspiegel sah, wie in regelmäßigen abständen dein entblößtes hinterteil auftauchte und dann wieder verschwand.
    da wir mal wieder irgendeinen t.rex song oder sogar zwol hörten, wahrscheinlich sogar : „in the southern part of france, where the ladies wear no………“, konnten francine und ich eure versoffenen walgesänge vorerst nicht wahrnehmen.
    als ich dann die musik etwas leiser drehte, francine anschaute und ihre hübschen braunen augen mich anblinzelten, well da…….

    mit mr 1000 zoll übrigens, wäre das sicher nicht möglich gewesen.
    abgesehen davon, dass ich mit ihm wahrscheinlich gar nicht erst über die pyrenäen gekommen wäre, hätte so eine walgesangs- nummer nicht funktioniert, da meine kleine ente direkt, sich wie ein aufbäumendes pferd wiehernd verweigert hätte.

    • oh oui, plötzlich geht der vorhang auf, und ich erinnere mich, seh es vor mir: den blanken busen der mademoiselle. stimmt! ich vergaß es auf ganzer linie.. in der Ente! Waren wir später bei den beiden Puppen nicht auch zu Hause..?

  3. waren wir. du hast dir den alk aus dem balg gepoppt, und ich kam übers petting nicht hinaus, was aber auch völlig in ordnung war.
    an alles aus deiner story kann ich mich erinnern, aber neben der von mir erwähnten begebenheit und deinen erinnerungen kommt nicht mehr viel hoch.
    bis auf einen sehr entspannten nachmittag, den ich mit 2 spaniern verbrachte. wir fuhren sehr langsam und sehr bekifft an eine bestimmte küste und waren irgendwann so relaxt, dass wir einschliefen.

    jahre später war ich mit petra limbach noch mal, auf dem weg nach portugal, auf dem campingplatz, bei dem du mit der süßen spanierin im zelt verschwandest.
    mittlereweile hatte man einen typisch nordspanischen gasthof errichtet, in dem wir auch ein zimmer für eine nacht belegten.
    und petra war blonder denn je.

    gib uns mehr aus alten tagen. kommenden sommer ist das jetzt 35 jahre her. halleluja !

    hey tausend zoll, was geht ?

    stimm das piano und misch die karten für den skat am freitag.

    und glumette, wenn dul n paar pesetas auf tasche hast,
    mim schu und dir wärn wir dann 4. ich drück zur zeit noch apfelschorle, aber die andern saufen immer noch. schu jetzt eher weniger.

    adios, salu et bien venue

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