Zwischenstand eins eins: Ein schönes Ergebnis unter Männern

Zufällig am Kaugummiautomat für 50 Cent Magic Water gezogen, eine FART BOMB made in Belgium. Seither juckt es mich in den Fingern, die Bombe zu werfen. Das Bömbchen. Doch wen soll es treffen? So viele Menschen hätten es verdient, bestunken zu werden. Kaum jemand nicht. Fast schmeisse ich mir die Stinkbombe selbst vor die Füße.

Die gelbe Flüssigkeit, Schwefelwasserstoff, schwimmt in einer kleinen Glasampulle. So ein Ding steckte schon einmal in meiner Hosentasche, in der Sexta.

Lateinstunde.

Ich hatte Türdienst*, was bedeutete, man musste dem Lehrer die Türe aufhalten, bis er das Klassenzimmer betrat und guten Morgen wünschte.

Die Schwertstrasse war noch ein strenges Bubengymnasium.

In den Bänken saßen verdiente Rabauken wie Karlos, der dicke Hansen und Ringo. Alles spätere Opiumsüchtige. Und natürlich der Mitsubishi Boy, der im Freibad Schellberg unermüdlich Gucklöcher in die Mädchenkabinen bohrte, in Muschihöhe, wovon noch spätere Schülergenerationen profitierten. (Erst als die Mädels an Größe zulegten und von ihnen nur noch Kniekehlen zu sehen waren, regte sich Protest.)

Niemand wusste von meinem Plan.

Als der Lateinpauker den Fuß in den Klassenraum setzte, Herr Paus, ein Aushilfslehrer, ein nervöses Hemd, schloss ich die Tür und zertrat heimlich die zuvor am Lehrerpult positionierte Glaskapsel. Ich schlenderte auf meinen Platz, Seasons in the sun flötend.

Goodbye Papa, please pray for me,
I was the black sheep of the family ..

Keine halbe Minute später miefte es im Klassenraum, als hätte Bauer Schmattke seine gesamte Wintergülle ausgefahren. WER WAR DAS!? Unser junger Lateinlehrer war so erbost, dass er sofort losrannte und den Direktor holte.

Damit hatte ich nicht gerechnet.

Ich dachte, Fenster auf und fertig. Paar betäubte Lacher vielleicht und Gestöhne, aber doch keinen Direx holen. Der war zwar ein schidderig Kerlchen, wie der Solinger sagt, ein schmächtiges Kerlchen, aber wehe, er wurde zornig. Er war ja nicht umsonst Direktor geworden. Er hatte Qualitäten. Sobald er sich ärgerte, verdickten sich die Adern auf seiner Stirn zu Telegraphenkabeln und er schnarrte mit metallischer Feldherrenstimme:

WELCHER ROWDY HAT DEN JUXARTIKEL GEZÜNDET?

Den Juxartikel – gezündet – Rowdy! Bei jedem anderen Lehrer hätte die Klasse geprustet vor Lachen, doch nicht bei Direktor Mombauer, es herrschte Stille. Definitiv. Weil niemand reagierte, gab er dem „Unhold“ eine allerletzte Chance, sich zu melden, sonst, drohte er, hätte die ganze Klasse darunter zu leiden.

Ich hob den Arm und gab mich zu erkennen.

„Mitkommen“, knurrte Mombauer.

Im Nachhinein frage ich mich schon, warum ich mich outete, was mich damals geritten hat. Aber mit elf Jahren ist man im ritterlichen Alter. Da steht man noch zu dem Mist, den man baut. Schon zwei Jahre später hätte ich alles meinem kleinen Bruder in die Schuhe geschoben. Der ging zwar noch in den Kindergarten, aber diesen Widerspruch hätte ich schon irgendwie hingebogen. Er wäre seiner verdienten Strafe nicht entkommen.

Unter Garantie.

Kaum fiel die Tür zum Direktorzimmer hinter uns ins Schloss, hatte ich schlokk! eine Ohrfeige im Gesicht, ich kippte fast um. Erstens aus Überraschung. Zweitens wegen der Wucht. Ich dachte, alle Zähne sind weg. Als wäre mir ein Zwerg in die Fresse gesprungen, mit Anlauf.

Zusätzlich brummte mir Mombes eine 10seitige Strafarbeit auf. Credo: warum ich so etwas nie wieder tun dürfe.

„Auf Latein, mein Freund.“

O me miserum! – Oh, ich Unglücklicher!

Zu Beginn der 90er Jahre sah ich Mombauer zufällig vor dem Stadt-Theater wieder. Mein bester Kumpel Karlos spielte mit dem Städtischen Ensemble Profan In der Einsamkeit der Baumwollfelder, aber dahin zog es den Ex-Direx nicht, er wollte in die Operette, die zeitgleich gegeben wurde.

Ich beobachtete den mittlerweile 80jährigen, immer noch rüstigen Mombes, wie er Eintrittskarten am Schalter kaufte und zurück Richtung Atrium eilte, wo seine Frau bereits wartete.

Es kam mir vor, als verfolgte ich einen kleinen Sketch.

Er übersah den frisch gewienerten, geschlossenen Flügel der Eingangstür und lief frontal vor die Scheibe, mit der Nase voran, RAA-PAFFF, dass alle Anwesenden glaubten, die Knolle müsse auf alle Zeiten bis auf die Wurzel eingedellt sein. Somit stand es 1:1.

Ein schönes Ergebnis unter Männern.

So als Zwischenstand, meine ich.

*

san.nachbarn

Zwischenstand 1:1

(Allerdings in einer anderen Geschichte)

*

Wenn ich mich recht erinnere, war der Türdienst streng an den Tafeldienst gekoppelt, und es wurde wöchentlich gewechselt. Ich stand einmal an der Tür und wartete auf unseren Englischlehrer*, als der dumpfe U. Broch, ziemlich aus der Puste und auf den letzten Drücker zur ersten Stunde erschien. Als er mich an der Tür erblickte, rief er fröhlich „Ich bin im Stimmbruch! Ich war gestern beim Arzt!“ und rauschte durch ins Klassenzimmer, wo er das gleiche noch mal verkündete. Der blöde Angeber.

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3 Gedanken zu „Zwischenstand eins eins: Ein schönes Ergebnis unter Männern

  1. sag ihm danke ..-
    die zwei Mark für den Tipp hab ich gern bezahlt..-
    blöd war nur ,wenn man unvorbereitet der Dinge ,also ihne Handtuch oder nasser Hose bewegte
    das war dumm
    mit Ständer und Schaum vorm Loch,damals
    hoch soll er leben unser Bohrer!!

  2. Pingback: Too much information - Papierkorb - Lesezeichen vom 24. Januar 2014

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