Party in Deutschland 1944 – Geplant war Ewigkeit (8)

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Vater ganz links, in der Mitte Schwester Annelene, Freunde

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Stöckerberg Ultras

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Links die wilde Tante Anni, von der es hiess, dass sie gern auf den Tischen tanzte bis sie zusammenkrachten, rechts Tante Annelene, in der Mitte Papa.

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Mein Vater, in der Mitte, erinnert hier frappierend an meinen Bruder

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Berichtigung: Aus zuverlässiger Quelle erfahre ich, dass diese wunderbaren Fotos nicht, wie zunächst angenommen, aus dem Jahre 1947 stammen und die Wiedersehensfreude nach Jahren der Kriegsgefangenschaft dokumentieren sowie die Erleichterung nach der  Zeit der fatalen NS-Herrschaft, sondern schon um 1944 herum entstanden sein müssen, kurz bevor mein Vater zur Wehrmacht eingezogen wurde.

Und man bedenke: Es ist noch ein Jahrzehnt hin bis Memphis und der Erfindung des Rock’n Roll…

Zwei dieser Aufnahmen, die lange verschollen waren und nur durch Umwege in unseren Besitz gerieten, haben die Gräfin und ich im Jahr 2005 vergrößern und rahmen lassen, als Geschenk an meine Eltern. Zu unserer Überraschung fiel die Reaktion eher kühl aus. Besonders meinem Vater schien es eher peinlich zu sein, dass er in jungen Jahren so ein lockerer Vogel war. Sollte etwas anderes bzw. mehr dahinter gesteckt haben, so haben wir nie davon erfahren..

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Wenn ein Begriff wie Heimkehrer aus Kriegsgefangenschaft fällt, drängen sich automatisch Bilder von verhärmten und aufs Skelett abgemagerten Gestalten auf, die ihre russische Lagerhaft knapp überlebten. Es gab aber auch junge Burschen wie meinen Vater, der 1945 in englische Gefangenschaft geriet und zwei Jahre später, gerade mal 21jährig, gut gelaunt entlassen wurde. Bis zu seinem Tod sprach er nur mit Hochachtung von den Engländern, die er Tommies nannte und von denen er sich stets gut behandelt fühlte.

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Wer gern genau hinschaut: Zum Freundeskreis gehörten der junge Freddie Mercury sowie Oliver Hardy, hier noch als deutsche Frau.

Tipp: Anklicken.

In groß kommen die Aufnahmen doppelt so fesch.

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„Was ist genau damit gemeint, Dynastie der sonnigen Nachmittage? Du erwähnst das zwei, dreimal, lässt den Leser aber im Ungefähren“, meint die Gräfin. „Okay, ihr sitzt im Sommer zu zweit auf dem Balkon und habt dieses Ritual mit dem Kakaotrinken und Geschichtenerzählen, aber.. Dynastie? Was passiert da?“

Erwischt. Ich fand Dynastie, als Wort jetzt, einfach nur schön und irgendwie passend, aber ohne echten Hintergrund. Wen verdammte Axt juckt der Hintergrund, wenn ein Wort schön passt!

Außerdem, was stand da zu lesen?

Das alte Herrschergeschlecht war noch intakt, noch lebte es, noch atmete es, solange wir auf dem Balkon hoch über der Stadt saßen und heiße Schokolade schlürften und Vater erzählte aus seinen Kindheits- und Jugendtagen, erzählte von den Zeiten, da wir noch eine große Familie waren, ja, eine Sippe, erzählte aus dem Krieg.

Eine doppeldeutige Angelegenheit. Zum einen ist mit Dynastie die alte Familie gemeint, zum anderen unser zeremonielles Beisammensitzen im Sommer auf dem Balkon. Nehme ich mal an. Woher soll ich das denn wissen. Nur weil ich ein Wort benutze heißt das noch lange nicht, dass ich weiß, warum ich das tue. (Oh verdammt, das hört sich nicht gut an für einen Mann, der vorgibt gerne zu schreiben.)

Vaters Schilderungen, am Ende eines langen Lebens im Plauderton vorgetragen – fast konspirativ ein anderes Mal – bekamen zunehmend den zwischen Melancholie und Zorn pendelnden Ton der Vergeblichkeit, der all unserem Tun innewohnt.

Und je tiefer Vater hinabstieg in seine Vergangenheit, desto mehr erschien mir sein Leben wie das gerahmte Bild eines Hauses, das seit vielen Jahren unverrückt an der Wand hängt, das schon zum Inventar geworden ist, und plötzlich beginnt der Schornstein zu qualmen. Man hört das Telefon klingeln im Haus, die Haustüre öffnet sich, Nachbarn gehen ein und aus, der Eiswagen fährt vorbei, bimmelnd.

Und ich stehe staunend unter dem Bild und denke nur, ach so. So war das die ganze Zeit gewesen..

So also.

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Hobs

Ich weiß nicht, ob er wirklich ständig diese gemütlichen Norwegerpullis trug, doch in meiner Erinnerung ist Hobs das Urbild eines Klassenkameraden, der gemütliche braune Norwegerpullover trug und ein bisschen zu langsam war für die Welt.

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14 Gedanken zu „Party in Deutschland 1944 – Geplant war Ewigkeit (8)

  1. Sehr, sehr schön Andy!!!
    Auf dem ersten Bild in der Mitte ist Tante Annelene, links daneben müsste Karl-Heinz Knecht, der Mann von Anni, sein, rechts neben Annelene könnte Willi Noe sein, und der wohlgenährte Wonneproppen links vom Heinz ist meine Mutter Marianne, wie auf dem vierten Bild, dann nur rechts!
    Vielleicht gibt es hiervon einen Abzug?
    Ist absolut herrlich, diese Erinnerung!!
    Danke und ieben Gruß an Euch!!!

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  2. Das die Jungs und Mädels nach dem überstandenen Krieg gefeiert haben, bis die Balken sich bogen, ist auch in unserer Familie durchgesickert, aber solch freizügige Fotos habe ich aus der Zeit noch nie gesehen. Absolut Klasse!

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    • Ich schätze, dass es genau diese (für jene Zeit) ungewohnte Freizügigkeit war, die meine Eltern später so peinlich berührte. Dabei waren die Fotos doch eine tolle Sache. Bzw. die Fete überhaupt.

      Aber da tat sich eine Kluft auf zwischen den Generationen..

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    • Ich glaube eher nicht.

      Aber die Frage, wer damals den Fotoapparat bediente, haben wir uns auch schon gestellt. Normalerweise war mein Vater der Fotograf, er hatte diese alte Plattenkamera, mit der ihm bis in die 50er Jahre tolle Aufnahmen gelangen, die heute noch frisch und scharf sind.

      Aber wie man sieht, war er hier nicht der Kameramann..

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  3. herrliche fotos sind da dem anonymus gelungen. obgleich auch sie von der melancholie der für immer abwesenden zeugen, veranschaulichen sie doch auch die intensität eines augenblicklichen lebensgefühls. sehr anrührend.
    und den vergleich vom gerahmten bild eines hauses, das von vaters erzählungen gleichsam animiert wird, ist grandios. daran werde ich denken, wenn meiner einmal von früher zu sprechen anfängt. das dazu passende bild habe ich nämlich schon.

    gruß, uwe

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  4. (bin der was wo mal weechen der Pam Grier.. wissens eh schon)

    Respekt Herr Glumm!

    So mancher Schreiberling zerbröselt zur aufgeblasenen Arschkrampe angesichts Ihrer Erinnerungen und Ihrer / deren Darstellung.

    Respekt!

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