Die 50 besten Pop-Platten der Welt (3): Riders on the storm, The Doors

Riders on the storm war meine erste Single, gekauft am 20. August 1971. Das weiß ich deshalb, weil ich von Anfang an diesen Tick hatte, in der unteren Ecke des Plattencovers das Kaufdatum zu notieren.

20. 8. 1971

Ich war keine elf Jahre alt und liebte Riders on the storm, düster und schwer wie ein Kosakenchor, zugleich federleicht und reinigend. Es klang wie etwas, das man braucht, um sich im zarten Alter von zehn schon wie schmutzige Elf zu fühlen.

Ich hatte Riders on the storm im Radio gehört. Ein Song mit viel Piano und Donnerhall, der Gewitterregen prasselt nieder, es ist tiefe Nacht.

Eine der geheimnisvollsten Aufnahmen der Popgeschichte.

Ich ging zu Radio Palenschadt am Neumarkt und fragte nach der Platte mit dem Gewitter und dem Regen. Verkäufer Max wusste Bescheid. Verkäufer Max wusste immer Bescheid. Verkäufer Max war die Kanone.

Man sang ihm einige Takte einer Aufnahme vor, die man aus einem vorbeifahrenden Cabrio aufgeschnappt hatte, und er drehte sich um und zog wortlos die entsprechende Platte aus dem Fach. Er hatte einen stattlichen Bauch, eine starke Brille und sah aus wie eine Mischung aus knallhartem Pop-Professor und zerstreutem Lehrling.

Verkäufer Max.

Ich seh ihn heute noch gelegentlich durch die Stadt laufen, wenn er Pause hat. Er ist immer noch in der Branche aktiv, mittlerweile für eine große Elektronikmarkt-Kette. Aber wenn man ihn nach einer Aufnahme fragt, wie obskur und selten sie auch sein mag, vielleicht nur im Outback veröffentlicht, Verkäufer Max runzelt kurz die Stirn, dreht sich zum Rechner um und fischt die Daten aus dem Intranet, die dir weiterhelfen.

Damals, im Sommer 1971, war er noch bei Radio Palenschadt beschäftigt.

Radio Palenschadt hatte, einzigartig im Stadtgebiet, ein halbes Dutzend schalldichter Einzelkabinen, in denen man die Platten probehören konnte. Jede Kabine war ausgestattet mit Plattenspieler und  Stereoboxen – eigentlich waren es riesige begehbare Kopfhörer mit einem Supersound.

Seit diesem ersten wummernden Probehören in der Einzelkabine bei Radio Palenschadt bin ich verrückt nach Gewittern, die punktgenau in einen Song einschlagen, und wenn dazu der Regen fällt wie aus Spielfilm-Giesskannen und es herrscht tiefe Nacht, (irgendwo plätschert ein Ray Manzarek-Piano), bin ich vollends hinüber:

ein Ein-Mann-Schwarm!

4 Gedanken zu „Die 50 besten Pop-Platten der Welt (3): Riders on the storm, The Doors

  1. ich finde die 50-alben-idee großartig, freu mich schon auf den nächsten! außerdem sollte jeder einen max haben… und einen begehbaren kopfhörer.
    (obwohl ich mir so mal ne NOFX-platte hab andrehen lassen, die nie, nie, nie wieder so gut klang wie damals bei 25music unterm high-end-premium-supernova-schallgedonner).

  2. Verkäufer wie Max waren in unserer analogen Zeit das Shazam von heute… genial. Und der Song? Sowieso genial. Vor allem wenn man Gewitterstimmung mag.
    Danke Dir für den Blick zurück!

    Oliver 2.0

  3. Mein erstes Mal- äh, erste Platte – war „Smells Like Teen Spirit“. Hab so ähnliche Erinnerungen an den Kauf. Nur so n paar Jahre später🙂.

Hätte ich doch besser die Fresse gehalten

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