Vom süchtigen Verhalten

Sucht ist nicht die Art Spinne, die Art finster aufgepumpter langbeiniger Weberknecht, die vor einem auf der Bettdecke hockt, wenn man mitten in der Nacht aus dem Traum schreckt und die Augen aufschlägt,

Sucht

sieht man kommen

am hellichten Tag.

Sucht kriecht dick und fett aus der Ritze und krabbelt der Wand entlang, man sieht sie kommen. Man fängt sie ein und setzt sie im Garten aus, man will ihr nicht schaden, sie soll leben, Sucht ist ein Lebewesen wie andere auch, doch Spinnen haben einen formidablen Orientierungssinn und finden ohne Probleme zurück in dein Haus. Kaum bist du wach, hockt sie wieder an der Wand und starrt dich an, als sei nichts geschehen.

Irgendwann verlierst du die Nerven und schlägst das Spinnentier platt, auch davon lässt es sich nicht beeindrucken, es kehrt zurück, noch hässlicher, noch widerstandsfähiger, noch süchtiger.

Du versuchst es mit dem Staubsauger aufs höchster Leistungsstufe und alten Hausmitteln wie Lavendel, du holst den Kammerjäger, du wohnst einige Zeit woanders, du streichst die Wände in ultimativen Spinnenfarben, du setzt die Große Zitterspinne aus, den Feind jeder Kellerspinne, es hilft nichts. Nichts hilft. Sobald du aufwachst, hockt das kleine Monster an der Wand, plumpbeinig, wohlgenährt, unbesiegbar.

Bis es eines Tages soweit ist.

In aller Spinnenruhe steigt das Insekt ins Zimmer hinab, übernimmt die Wohnungsschlüssel, den Mietvertrag und die Ehefrau, und frisst dich langsam auf.

*

aus → Heroin

cropped-san-blumeimkopp-gross.jpgIch hab da wat am Kopp, Frau Doktor.

3 Gedanken zu „Vom süchtigen Verhalten

Hätte ich doch besser die Fresse gehalten

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