Nachtrag: Zum Tod von Kevin Ayers

Es ist komplett an mir vorbeigegangen, der Tod von Kevin Ayers (68), einem meiner Favoriten im Popgeschäft. Er starb am 18. Februar 2013 im südfranzösischen Dorf Montolieu, seiner letzten Wahlheimat.

Es begann 1976. Ich kaufte mir sein ebenso eingängiges wie schräges Solo-Album YES, WE HAVE NO MANANAS, und wurde ein treu ergebener Fan. Er war witzig und auf eine subversive Art warmherzig, und wenn er traurig war, schmunzelte er. Er konnte nicht anders. Er hätte berühmt werden müssen, berühmter jedenfalls, als er war, doch im richtigen Moment tat er garantiert das falsche und war aus dem Rennen.

Kevin Ayers zu hören war oft so intim, als säße er einem im Cafe gegenüber, draussen geht ein Landregen nieder, man teilt eine Flasche Wein, im Aschenbecher verdampft der Zigarillo.

Wie soll man da berühmt werden.

Der Zufall wollte es, dass Ayers mit den Wizards of Twiddly 1995 in meiner Heimatstadt ein Konzert gab, zu einer Zeit, als ich für die Lokalpresse gelegentlich Konzertkritiken schrieb. Als ich hörte, dass Ayers kam, sicherte ich mir den Termin, und ich nahm die Gräfin und Karlos mit.

Vor dem Konzert interviewte ich ihn. Wir saßen uns in der Garderobe gegenüber, die eher an ein kleines Klassenzimmer erinnerte. Ich mit Notizbuch und vollgepumpt mit Schore, Kevin Ayers blass, zurückhaltend. Ich hatte keine Ahnung, das er gerade dabei war, seine Heroinsucht zu bekämpfen. Er kam gegen Ende des Gesprächs selbst auf das Thema zu sprechen, und ich liess den Stift sinken und zeigte mit dem Finger auf meine winzigen diamantharten Pupillen, I’m on Heroin, too.

I see, meinte er.

Wir liefen uns spät am Abend noch mal über den Weg, und für einen kurzen Moment hatte ich den Eindruck, als wolle er am liebsten rüberkommen und mich fragen, ob ich einen Blow auf der Tasche hätte, doch dann entschied er sich anders und machte kehrt.

Eins dieser kleinen Meisterwerke, wie nur Kevin Ayers es konnte: Thank you very much aus dem Jahr 1992

If I sing something blue
dedicated to you
don’t believe that I’m sad
Oh no I’m only dreaming

And the taste of your kiss
I remember and miss
but at least now I know
what it’s like to have kissed you

And if you feel any pain
in this sleepy refrain
it’s only my imagination..

 

 

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