Grünkohl

Sie war intelligent, und sie war sexy. Wenn Kiki abends ins Mumms kam, zeigte sie ihre langen weiße Beine her und ich war hinüber. Nach dem Studium war sie gleich ins Management eines Mittelständlers eingestiegen, der chirurgische Präzisionsinstrumente anfertigte. Sie machte Karriere. Sie hatte ein offen geschnittenes Coupé-Gesicht. Sie war dreiundzwanzig.

„Bring uns doch mal was mit“, sagte ich.

„Mitbringen? Was denn mitbringen..!?“

„Keine Ahnung, irgendwas. Du arbeitest doch in dem Schuppen, nicht ich.“

„Ja schon, aber ich bin doch nicht unten in der Produktion.“

„Na, ihr werdet für eure Kunden doch Sachen zum Präsentieren haben, Skalpelle, oder hier, so scharfe Löffel. Ein Darmrohr. Irgendwas..“

Tatsächlich brachte sie mir ein Reflexhämmerchen mit. Rostfrei, verchromt. Ein nagelneues Teil. Pock pock, machte ich. Ich legte es ins Handschuhfach ihres Wagens und vergaß es.

Wir trafen keine festen Verabredungen. Sie kam spät abends an den Tresen spaziert und nahm auf einem Hocker Platz, wo man gut die Beine zeigen konnte. Je später sie kam, desto besoffener war ich, und je besoffener ich war, desto verrutschter war der Sex. Eine Zeitlang tauchte sie früher im Mumms auf, gleich nach der Arbeit, da war ich noch halbwegs nüchtern, also betrank ich mich in ihrem Beisein, dann rauschten wir ab. Es dauerte nicht lange und sie kam wieder erst nach Mitternacht und sammelte mich am Tresen ein.

Einmal war ich so voll, ich verklickerte ihr innerhalb einer Viertelstunde dreimal den selben Stuss, Wort für Wort. Es ging darum, dass ich mittags bei meinen Eltern gewesen war, wo es Grünkohl gegeben hatte, mit geräucherter Mettwurst, und dass ich für Grünkohl sterben würde.

„Ich sterbe für Grünkohl! Ich hab zwei Teller verputzt! Mit Mettwurst!“

„Sehr schön, ja. Du hast es bereits erwähnt. Dann komm jetzt.“

Wir fuhren zu ihr. Sie wohnte in der Südstadt. Ich war so scharf, dass ich sie noch im Wagen nehmen wollte. Aber nicht im Dunkeln.

„Fahr unter die Laterne!“

Sie ließ den Wagen ein paar Meter vorrollen. Ich packte ihren Kopf und küsste sie. Sie hatte immer diese Spielchen drauf. Einen Schritt vor, einen zurück. Anlocken, abblocken. Ich steckte ihr die Zunge in den Hals, sie windete sich. Das machte mich rasend. Je rasender ich wurde, desto mehr entzog sie sich, eine lüsterne Schlange, mit einem immer irrer werdenden Blick. Irgendwann gab sie nach und wir rammelten. Das ganze Schmierprogramm. Wenn man mit einer Frau zusammen ist, wo nur der Sex stimmt, konzentriert sich alles auf diese Zeitspanne. Man versucht sie so weit wie möglich auszudehnen, um die Stille danach zu vermeiden. Und die Stille davor. Nur mittendrin quatschten wir. Wir diskutierten. Sie saß auf mir und stieß mit der Hüfte gegen das Handschuhfach, immer wieder, flapp, flapp, bis die Klappe aufsprang. Ich trat gegen das Ding, und es rastete ein. Keine halbe Minute später schnellte die Klappe wieder hervor und bohrte sich in ihren Rücken, wie ein Teufelchen.

Auch wenn Kiki und ich nicht besonders viel miteinander anfangen konnten, sobald wir uns küssten, prasselte der Kamin. Strümpfe rissen, dieser idiotische Slip, weg damit. Die Autoscheiben beschlugen, bloß: diesmal war ich zu besoffen. Ich schaffte es nicht mehr. Ich war erledigt. Selbst als sie mir einen blasen wollte, tat sich nichts. Sie blickte zu mir hoch, murmelnd. Ich verstand nicht.

„Hm?“

Sie nahm den weich werdenden Halbständer aus dem Mund und grinste mich frech und herausfordernd an.

„Lecker Grünkoh, mhl..!?“

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Ein Gedanke zu „Grünkohl

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