Immer schön winken, wenn der Mainstream vorüberzieht

Es ist nicht so sehr das Mittelmaß, das in der Gesellschaft den Ton angibt, es sind diejenigen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als dem Mittelmaß anzugehören. Dem Mainstream. Als wäre es der Sinn des Lebens, nichts besonderes darzustellen. Das Leben abzuheften, zur Wiedervorlage, mit einem schwunglosen Häkchen,

erledigt.

*

Man muss nicht gegen den Strom schwimmen. Es reicht aus, stehen zu bleiben und nicht mitzuschwimmen. Das ist gar nicht so schwer. Man muss bloß ein bißchen robust sein. Zur Not zieht man eine Bleiweste über und winkt schön, wenn der Mainstream vorüberzieht. Immer schön winken. Damit es hinterher nicht heißt, der hat ja nicht mal gewinkt. Gewunken. Gewankt.

*

“Da hat man nur ein einziges Leben, Joe, und dann verbringt man es so, wie andere es wollen?? Nach ihren Regeln?!!”

*

Verweigerung ist Selbstbestimmung. Lasst euch nichts erzählen. In der Mitte des Flusses stehen zu bleiben, ist Selbstbestimmung. Sich keinen beschissenen Yeti-Vollbart wachsen zu lassen, nur weil andere es gerade tun, weil es gerade Mode ist, ist Selbstbestimmung. Die Parade der neuen Apparatschicks, der allgegenwärtigen, in Karnickelstarre verfallenen Smartphone-Glotzer in Ruhe an sich vorüberziehen zu lassen, das ist Selbstbestimmung. (Ein Bild, das schon in zwanzig Jahren wieherndes Gelächter provozieren wird: Papa, habt ihr früher WIRKLICH so senil auf euer Telefon geglotzt!!?)

*

Henry, Susanne Eggert, 2012

*

Es hat über Nacht geregnet. Wasser perlt von der Zeltwand. Die Brandung der See ist bis hinauf zum Campingplatz zu hören. Wir liegen schön gemütlich im Schlafsack, mit krümelnden Croissants vom Vortag und frisch gekochtem Kaffee.

“Weißt du was? Du bist ein Springer”, sagt sie und nimmt einen Schluck Espresso.

“Ich, ein Springer..? Wie meinst du das?”

“Naja. Jahrelang machst du gar nichts, du liegst Amok im Bett und verknöcherst, du kriegst schon Atemnot vor lauter Nichtstun, und urplötzlich, wie auf ein unsichtbares Zeichen, krempelst du dein gesamtes Leben um und legst los. Das ist.. ”, sie klopft drei Mal gegen die Zeltstange, “ sa-gen-haft.”

Pock, pock, pock.

“Mh.. ist wahr?” frage ich verblüfft.

“Na ja. Nicht wirklich. Aber du könntest so sein. Du könntest ein Springer sein.”

5 Gedanken zu „Immer schön winken, wenn der Mainstream vorüberzieht

  1. wohin
    sie auch geflogen sind mit dem Gefühl im Wind
    ich kloppte mein Ei an den Baum
    ha! es war Sommer
    die gurke schielte noch über das Blättchen
    das Fahrad lehnte am Baum bei Weiher
    erst waren sie zu zweit
    lebten da voll verliebt
    mitten im Wald
    pappa liegt genüsslich faulauf der Insel
    und träumt
    mamma gans, der Schwan an sich, kümmert sich um die Brut
    brütet
    das
    und zeigt ihnen warum der Teich was Hat für Romantiker
    ewige Treue und
    keine nüchternen Säufer.

    Drei kinders nuckeln in der Freiheit
    und der alte Schwan ist
    glücklich

Hätte ich doch besser die Fresse gehalten

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