Doktor-Spiele mit Spucke

„Doktorspiele haben am meisten Spaß gemacht mit Nachbarsjunge Micha und meiner kleinen Schwester”, erzählt die Gräfin.

Nachbarsjunge Micha hatte blondes Haar, ein lieber Junge. Er war meist der Patient. Er musste sich hinlegen, das T-Shirt hochziehen und den nackten Bauch herzeigen, während Frau Doktor mit der jungen Assistentin plauderte und dabei Wundsalbe (Spucke) in Michas Bauchnabel verrührte.

“Schauen Sie doch einmal hier, Schwester Stefanie..”

Auch während eines noch so komplizierten Eingriffs vergaß Frau Doktor niemals, ihre jüngere Assistentin in die Geheimnisse der Medizin einzuweisen.

„Spucke reinigt den Magen, Schwester Stefanie.“

Der kleine OP-Saal war unten im Party-Keller und rasch hergerichtet. Ein Tisch wurde in die Mitte gerückt und mit silbrigen Sitzkissen gepolstert. Das Licht im Keller war so düster, als Operateur wusste man nie so genau, ob das nun wirklich die kranke Leber war, die man rausholte, oder ein Stück maroder Hüfte.

An einem heißen Sommertag in den großen Ferien wurde die OP spontan nach draußen ins Indianerzelt verlegt. Es galt keine Zeit zu verlieren. Die Nachbarschaft hatte einen Notfall eingeliefert, ein Mann mit akutem Bauchweh. Er hieß Micha.

„Vielleicht müssen neue Schläuche verlegt werden“, rief Frau Doktor und versuchte die Nerven zu behalten.

Die junge Assistentin machte derweil schon mal die Zange warm. Es war so heiß im Indianerzelt, dass die braunen Kunststoffwände zu stinken begannen, ein bisschen wie Fisch. Sehr alter Fisch. Dann wurde operiert. Der Patient lag halbnackt auf dem harten Tisch und wimmerte vor Bauchweh, während Frau Doktor mit der Assistentin plauderte und Spucke in seinem Bauchnabel verrieb.

“Wahrscheinlich guck ich deswegen so gerne Arzt-Serien, Schwester Stefanie, auch heute noch.”

Die OP lief aus dem Ruder. Nachbarsjunge Micha war es leid, immer nur der Patient zu sein und zweifelhafte Praktiken über sich ergehen lassen zu müssen.

Er bäumte sich auf.

„Ich will auch mal Doktor sein!“

„LIEGEN BLEIBEN!“

Da hatte er sich aber die falschen Kontrahenten ausgesucht. Frau Doktor wies Assistentin Stefanie an, den aufmüpfigen Patienten gut festzuhalten, und biss ihm in den nackten Bauch. Noch zwei Tage später war der Abdruck der Zähne deutlich zu erkennen. Danach gab es so gut wie keine Doktorspiele mehr. Aber die großen Ferien waren eh zu Ende.

©OLYMPUS DIGITAL CAMERA

2 Gedanken zu „Doktor-Spiele mit Spucke

  1. Pingback: 666 Nischen | studio glumm

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