Nun gebt endlich das blöde Gras frei!

Nachdem gesundheitliche Aspekte und das idiotische Einstiegsdrogen-Argument längst geklärt bzw. widerlegt sind, haben sich die an allen Fronten abgewatschten Verhinderer von CDU und CSU und FDP und allen sonstigen Parteien aufs letzte Argument zurückgezogen: Dass Cannabis im Gegensatz zu Alkohol nicht zu unserem Kulturkreis zähle und daher nicht legalisiert werden könne.

Ja, gut, bloß – von welchem Kulturkreis reden diese Leute? Von ihrem eigenen. Seit Jahrzehnten nehmen konservative Kräfte in diesem Land ganz selbstverständlich in Anspruch, darüber zu entscheiden, welche Kultur allgemeingültig ist, was kulturell zählt, was gilt.

Liebe Freunde von rechts und aus der Mitte, zum Mitschreiben:

1.)  Obwohl ich seit Jahren nicht mehr kiffe, zählt Marihuana und Haschisch immer noch und ganz selbstverständlich zu meinem Kulturkreis dazu. Das sieht natürlich nicht jeder Mitbürger so, aber niemand sollte seine eigene Sichtweise auf die Dinge zur allgemeingültigen erheben. Man sollte akzeptieren, dass andere Leute andere Dinge mögen, ohne dass sie dafür abgestraft werden.

2.)  Das Strafrecht hat im Kontext mit Drogen nichts zu suchen. Der Staat hat lediglich darüber zu wachen, dass (wie bei Alkohol und anderen Genussmitteln auch) kein gepanschter Stoff auf den Markt kommt. Nicht nur Menschen, die zum Essen gern mal einen halben Liter Wein trinken, haben Anspruch auf ungestreckte, auf saubere Ware.

Die auf allen Ebenen ungerechte Drogenpolitik muss ein Ende haben. Drogenkonsumenten werden für etwas bestraft, was nur sie selbst, was nur den eigenen Körper etwas angeht.

3.)  Wir reden über Dinge, die längst Realität sind. Wer an einem Sommerabend durch die Parkanlagen der Republik spaziert und nicht gerade den Zinken defekt hat, dem begegnen ganze Schwaden von Marihuana. Was den Gebrauch leichter Drogen angeht hat sich längst etwas geändert in diesem Land, auch wenn viele das nicht wahrhaben wollen. Oder sie nehmen die falsche Witterung auf.

Wir haben uns früher nicht vorschreiben lassen, was uns gefällt und was nicht, und die Kids von heute tun es genauso wenig. Was in den frühen Achtzigerjahren mit der LEGALIZE IT – Bewegung losgetreten wurde, muss ENDLICH zum Ziel führen: Die Freigabe von Haschisch und Marihuana. Dazu die Entkriminalisierung aller Drogen-Konsumenten, egal, welche Drogen sie zu sich nehmen.

(Siehe auch Lächerlich, doch so waren die Zeiten.)

4.)  Ein allerletztes, geradezu verzweifeltes Argument der Verhinderer bringt mich besonders auf die Palme. „Wir haben schon genug Probleme mit Alkohol und Tabak, da können wir nicht auch noch Cannabis freigeben!“

Ja, geht’s noch offensichtlich ungerechter? Auf der einen (illegalen) Seite setzt der Staat mit seinen Verboten vorsätzlich und leichtfertig die Gesundheit seiner Bürger aufs Spiel, indem er das Strecken des Stoffs der Mafia überlässt (!), während auf der anderen Seite mit größter Sorgfalt darauf geachtet wird, dass weltweit kein gepanschter Fusel in den Handel kommt.

Drehen wir den Spieß einfach mal um, spaßeshalber. Angenommen, Alkohol wäre verboten, wie während der Prohibition in den USA. Die Flasche Wein zum Abendessen müsste man sich zwanzigfach überteuert in dunklen Nebenstraßen kaufen, nie wäre man sich sicher, ob es sich dabei nicht um gepanschte, krankmachende Ware handelt, deren Konsum man evtl. nicht überlebt. Und dann kommen die Granden von der Union, (SPD ist auch nicht besser) um die Ecke und sagen so etwas wie, ja Pech gehabt, „aber wir haben schon genug Probleme mit anderen Drogen, da können wir nicht auch noch Alkohol freigeben..“

Dabei ist es so einfach: Entweder man verbietet alle suchtfördernden Stoffe oder eben gar keinen – fertig, aus. Noch heute sitzen Menschen in den Gefängnissen langjährige Haftstrafen ab, nur weil der Anbau von Gras hart geahndet wird, während der Handel mit Doppelkorn und Stroh-Rum gesellschaftlich akzeptiert ist, obwohl jeder Mediziner weiß, dass Schnaps vom Teufel persönlich kommt, während körperliche Schäden von Marihuanarauchen unbekannt sind. An den Folgen ihres Saufens sterben dagegen jedes Jahr Zehntausende Menschen, aber es zählt ja zu unserem Kulturkreis, todkrank vom Saufen zu sein.

*

Nachtrag: Der britische Journalist Tom Wainwright beschreibt in seinem Buch „Narconomics. Ein Drogenkartell erfolgreich führen“ (Blessing Verlag, München, 2016) unter anderem, mit welch absurden Zahlen in der Öffentlichkeit Stimmung gemacht wird, um den Kampf gegen die Drogen zu rechtfertigen.

2010 entdeckte die mexikanische Armee 100 Tonnen Marihuana, bestimmt für die USA. Die Drogen wurden verbrannt. In Berichten hiess es, die Ware sei 500 Millionen Dollar wert gewesen. Wie üblich legte man bei dieser Berechnung den Endpreis von Gras in den Strassen amerikanischer Großstädte zugrunde: 5 Dollar pro Gramm. Das ist totaler Unsinn, wird aber immer so gemacht, um dem Volk zu suggerieren, „dass die Kosten des Antidrogenkampfes in einem guten Verhältnis zum Ergebnis stehen.“ (Bei den Berechnungen anderer „normaler“ Rohstoffe wird grundsätzlich vom Erzeugerpreis ausgegangen.)

„Übertragen auf den Kaffeemarkt hieße das: Ein Kaffee bei Starbucks kostet zwei Dollar und enthält 10 Gramm Kaffee, also kostet ein Gramm Kaffee 20 Cent. Ein Kilo Kaffee in Kolumbien wäre folglich 200 Dollar wert – was natürlich Quatsch ist. Aber so wird es ständig gerechnet.“ (aus: SPIEGEL-Interview 39/2016)

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12 Gedanken zu „Nun gebt endlich das blöde Gras frei!

  1. Jepp! Ich wohne direkt gegenüber vom Görlitzer Park, wo jetzt, nachdem dort immer mehr Dealer auflaufen, der bekloppte Henkel (CDU) die Nulltolleranz eingeführt hat und der Park einen Polizeischnitt verpasst bekommen hat. Der Park sieht jetzt grauenvoll aus, und die ständige Polizeipräsenz gefällt uns Anwohnern auch nicht. Die Dealer gehen mal kurz zur Seite…
    Ich habe so viele Menschen am Alk zugrunde gehen sehen, aber noch keinen am Canabis.

  2. Ähhh…diese gedankenlose Forderung nach Legalisierung sehe ich etwas differenzierter.
    Zu erst, ich weiß von was ich rede, ich habe schon genug inhaliert, eingeworfen und eingepfiffen. Mir sind alle Drogen dieser Welt bekannt.
    Ich kenne mich auch in der „Scene“ genau aus, und deshalb darf ich das, was jetzt kommt, sagen.
    Das Einstiegsalter ist entscheidend. Zu jung kiffen macht nachhaltig doof.
    Die jüngeren Geschwister meiner Dopekumpels, die mit sagen Wir 12 / 13 angefangen haben, der Zugriff zu dem Zeug war ja leicht, es lag ja überall rum, die Connections waren bekannt, sind einfach nur durchgeknallt.
    Doof, dumm, labern nur Scheiß, ja es ist so. Ja, ja, ja. Bitte keine Drogenromantik hier.
    Dann werden die Leute, die nicht aufhören können auch nicht alt. Ich bin über 50, meine Freunde krepieren wie die Fliegen.
    Das ist jetzt hart, ich weiß, aber das Zeug macht Dich irgendwann fertig.
    Meistens Leber. Also auch Leute die nix mit Alk hatten. Tut mir leid.
    Würde Euch gerne was anderes erzählen.
    Ansonsten gibt es natürlich keine Argumente, das Dope nicht zu legalisieren.
    Alleine schon der Mafia einen großen Markt zu nehmen, dem CIA gleich mit u.s.w. .
    Klaro, Legalisierung ist OK, aber nur mit starken Abgaberegeln u.s.w..
    Und aufhören mit der Kifferromantik.
    Denn, diese Lebenskiffer tragen auch so eine Kifferarroganz vor sich her, als hätten Sie die Welt erfunden. Und dabei sind Sie bloß kleine Würstchen, Harz IV, keine Zähne in der Fresse u.s.w..
    Aber in der Jugend der große Dealer, alle waren abhänig von Ihnen, und jetzt isses aus.
    Blöd, gell ? Also, hör mir auf !!!!!!!!!!1

    • Mir gehts hauptsächlich darum, dass Süchtige nicht auch noch strafrechtlich verfolgt werden, wo sie schon auf der Strasse gepanschten Stoff kaufen müssen, statt saubere Ware wie es beim Alkohol selbstverständlich ist.

      Stell dir vor, du müsstest dir die Flasche Wein hinterm Bahnhof kaufen, für 50 EUR die Pulle, und du weisst nie genau, was drin ist, ob du vielleicht blind wirst davon.

      Süchtige sind die Parias der Gesellschaft, sie werden von der Polizei verfolgt, von der Gesellschaft gemieden und verhöhnt, von der Justiz eingelocht. Zwar stimmt mittlerweile so ziemlich jeder der Einschätzung zu, dass Sucht eine Krankheit ist, aber kaum jemand handelt danach. Wieso werden Kranke eingesperrt? Was hat ein kranker Mensch hinter Gittern zu suchen?

      Wegen Drogendelikten verurteilte Straftäter sitzen meist wegen Bagatelldelikten wie Ladendiebstahl und 100fachen Schwarzfahren ein, weil die Drogen absurd überteuert sind und ein Junkie kein Geld übrig hat für die Dinge des Alltags.

      Die Prohibition von Alkohol in den USA der 30er Jahre ist gescheitert, die weltweite Ächtung illegaler Drogen ist heute genauso sinnlos. Eines Tages wird, bar jeder Romantik, jeder Mensch die Droge zu sich nehmen dürfen, die er mag, ohne dass er dafür belangt wird. Vielleicht nimmt er auch einfach gar keine Drogen, was ich mittlerweile am besten finde.

      Wie auch immer. Eine Entkriminalisierung ist ein erster wichtiger Schritt zur Gerechtigkeit.

      Was das Alter betrifft: Natürlich sollte etwa H nicht an 14jährige verkauft werden.

      Und eines berührt die Frage nach Legalisierung gar nicht: wer sich doof kiffen will, tut es sowieso, ob legal oder nicht, wer sich doof saufen will, auch.

      • Ne ne, nix H, Haschisch iss eben auch nichts für Kinder.
        Das wollte ich damit sagen.
        Zumal das Gengras aus den holländischen Labor-Gewächshäusern einem mal kurz eine Wochenendpsychose verpassen kann, so man nicht eine starke Persönlichkeit hat. Oder Gesundheit, wie Du möchtest.
        Das Zeug ist mittlerweile derartig stark, man macht sich keine Vorstellung.
        Klar bin ich für die Legalisierung, und gegen die Kriminalisierung der kleinen User. Das ist keine Frage.
        Aber man sollte, gerade aus Unserer Ecke, mal endlich mit der Verharmlosung aufhören.
        „Weiche Droge “ Hööööö. Bullshit.
        In jungen Jahren spürt man es wohl nicht so. Da kann man noch nächtelang dem Rausch frönen. Aber das ist ja bei Alc auch so.
        Und die, die im Alter immer noch erst mal zum Frühstück einen durchziehen müssen, wohl bekomms. Bei Alc nickt man halt wissend, bei Kiff wird noch verständnisvoll gelächelt. Scheiße ! Guck Dir doch die Fressen dann mal an.
        Ich kenne die Szenerie, morgens in der WG-Küche rückt erst mal der Trupp an und gibt es sich. Und dann auf die Baustelle. Boa eh. Würg. Kotz.
        Ich würde drauf gehen. Und manch ein Gleichaltriger hat es schon getan.

  3. Der weltweite grösste Dealer ist übrigens die Zucker-Industrie, und wer ein bisschen nachdenkt, kauft im Supermarkt eben nicht das billige übersüßte Zeugs. Aber er hat die Wahl – darum gehts. Staatliche Willkür hat da jedenfalls nichts zu suchen. Wenn man schädlich Sachen verbietet, dann aber bitteschön auch ALLE schädlichen Sachen, und nicht einige wenige, die stigmatisiert werden.

    Was schädlich ist, darüber könnte man tausend Blogs und ein ganzes Leben füllen, darum geht es nicht.

    So, darauf einen Schnaps – oder..?

  4. Normalerweise nach der Arbeit einen Espresso sowie einen Ramazzotti, manchmal.
    Je nach Tagesform.
    Und eine Schwarzer Krauser Fluppe. Herrlich.
    Vor allem wenn man den ganzen Tag keine geraucht hat.
    Lechz………..
    Keine Sorge, ich bin auch der Suchti. Ich nehme mich da nicht aus.

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