Die 50 besten Songs (10): Papa don’t take no mess, James Brown

Ich hatte von Polydor ein Doppel-Album mit den 30 Golden Hits von James Brown, eine sensationelle Zusammenstellung in motownblau schimmerndem Cover. James BrownSolid Gold war meine Bibel. Ich schmuggelte sie auf jede Party, die R&B-Soul und das Neue Testament brauchte, und welche Party brauchte das nicht – das Album war überall richtig. All die Soul-Monster der frühen und mittleren 60er, Night Train und Think und Out of sight, wo einen allein die Bläsersätze fett vom Parkett drückten.  

Es passierte auf einer intimen kleinen Sause in Pepes Appartement an der Florastrasse, gleich gegenüber dem Shop der Heilsarmee, die komplett aus dem Ruder lief, als Pepe in der Nacht James Brown auflegte.

Aus einer spontanen Laune heraus hatte er sich am selben Tag zehn Tanzmäuse zugelegt, piepsende kleine Biester aus dem Pet-Shop, die wie Gummibälle zwischen unseren Beinen hin und herflizten, während wir zu Night Train groovten. Man sah die Mäuschen nicht, man spürte sie nicht, man hörte sie nur piepsen, und später hörte man das auch nicht mehr. Lena war an diesem Sommerabend dabei, der dicke Hansen, Karlos und seine Freundin Sandy, die auf Koks nicht aufhören konnte zu sabbeln, in mächtigen Schüben presste sie ihre Sätze hervor, es klang wie Presswehen im Sprachzentrum. Am nächsten Morgen lag die halbe Rasselbande tot in der Ecke. Tot getanzt, kaputt gegroovt, Blut, Brei & Haare. Den Rest hatte der Stress dahingerafft oder war in höchster Not über die Garagendächer geflohen, als für kurze Zeit das Fenster offen stand und alle Mann Luft schnappten.

Von dem Drama um die Tanzmäuse hatte niemand etwas mitgekriegt in dieser überschäumenden Nacht. Wir hatten gezappelt, abgehottet, Wodka gesoffen, Bongs geraucht, Koks gesnieft. Es waren einfach zu viele Beine gewesen, auf zu kleinem Raum, mit zu viel Drive, bei zu guter Musik. Make it funky..! Get on the good foot!

Wir entsorgten die armen schlaffen Dinger auf dem Dach des Garagenhofs. Keiner wusste, was er sagen sollte. Wir fühlten uns wie Mörder, Mausmörder. Na ja, wollen wir jetzt mal nicht übertreiben. Wir waren leichtfertig gewesen in dieser Nacht, leichtfertig und beidfüßig leichtfüßig, aber wir waren gerade mal 17, da kommt es zu Kollateralschäden. So ist das Leben mit 17. James Brown machte wilde Männer aus uns.

The hardest working man in Showbusiness! Let yourself go!

“Ausserdem hätten die ja nicht mittanzen müssen”, meinte der dicke Hansen abgebrüht.

“Blödmann. Das waren Tanzmäuschen. Die mussten tanzen.”

“Ach so. Ja. Richtig.”

Hier die fast 14minütige staubtrockene Tanzmaus-Version eines seiner ganz großen Monster: Papa don’t take no mess!

HIT ME!

5 Gedanken zu „Die 50 besten Songs (10): Papa don’t take no mess, James Brown

  1. immer die Garagen-
    voll mit Jeans und echten Partyschlampen
    voll süchtig
    voller Angst was zu verpassen
    so war das
    und denn machts quieetsch mau mi….-.

    geräucherte .

Hätte ich doch besser die Fresse gehalten

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