Sein Portmonee war weg

Verschwunden, nicht mehr aufzutreiben. Pfleger und Pflegerinnen hatten das Zimmer auf den Kopf gestellt, sie waren in der Wäscherei und unten beim Pförtner gewesen, doch nichts zu machen, nirgendwo war es abgegeben worden. Die Brieftasche blieb verschwunden.

Für Vater war ohnehin klar, wer dahinter steckte.

„Die verdammten Transportarbeiter“ wetterte er, als ich um halb elf im Altenheim ankam. Er hatte seinen Stammplatz im Essensraum eingenommen, die Sonne im Nacken, eine kalt gewordene Tasse Kaffee vor sich. Er saß da, als erwartete er jeden Moment das Mittagessen, auch wenn bis dahin noch zwei Stündchen Zeit war.

„Das sind alles Verbrecher, die kommen aus der Ostzone. Die halten zusammen, die Brüder. Die sind raffiniert.“

Dass man ihn im Altenheim bestehlen würde, war für ihn nur eine Frage der Zeit gewesen. Er hatte vom ersten Tag an damit gerechnet. In gewisser Weise hatte er sogar daraufhin gearbeitet – er hatte sozusagen Einladungen hinterlassen, für potentielle Täter: Die Brieftasche lag Tag und Nacht auf dem Nachtschränkchen, sie brauchten nur hinzulangen, die Brüder.

„Und nachts höre ich ja sowieso nichts. Bei meinem tiefen Schlaf könnte eine Drohne auf meiner Nase landen, ich würde weiterschlafen.“

(Up minner Nas.)

Vater vergaß zu erwähnen, dass er nicht unbedingt tief schlafen musste, um nichts zu hören. Auch im wachen Zustand bekam er nur dann etwas mit, wenn man sich zentral vor ihm aufbaute und ihn anbrüllte. Der Dieb hätte seinen Diebstahl schon mit Signalraketen und einem hochklassigen Durchsage-Megafon anzeigen müssen, um Vater aufzuwecken.

Was die Bruderschaft der kriminellen Transportarbeiter aus der Ostzone betraf, so hatte Vater seine eigene Theorie. Wo viele Menschen zusammenkommen, so seine These, sind auch viele schlechte Gedanken, und die infizieren irgendwann auch den gutmütigsten Geist und setzen sich durch. Der schlechte Mensch gewinnt. Die Option, dass er die Brieftasche vielleicht verlegt oder verloren haben könnte, schied für ihn kategorisch aus.

„Dass hätte ich doch gemerkt.“

„Na klar..“, lachte ich, und da musste auch er lachen, was aber nichts an seiner entschiedenen Haltung änderte: Die Transportarbeiter waren es gewesen, sie hatten ihn beklaut. Dunkle Gestalten, die mit dunklen Fingern und noch dunkleren Gedanken die Essenswagen zwischen Küche und Station hin und her kutschierten und sich naturgemäß gut auskannten in den Räumlichkeiten – auch wenn Vater dabei das Städtische Klinikum im Kopf hatte und nicht das Altenheim, in dem er seit zwei Monaten untergebracht war und wo es überhaupt keine Transportarbeiter gab.

Aber was sollte ich das Vater groß auseinanderlegen. Kaum hatte ich es ihm erklärt, hatte er es wieder vergessen. Da konnte man es auch gleich sein lassen. Es kam aufs gleiche raus. Die Demenz feierte Dauerbetriebsfest.

„Die Transportarbeiter warten doch nur auf eine Gelegenheit, und bums! ist das Portmonee weg. Die sind schwer auf Zack, die Brüder.“

Natürlich hatte ich versucht, ihm klar zu machen, dass es hier im Altenheim keine Transportarbeiter gab, sondern nur Pflege- und Reinigungskräfte und Sozialarbeiterinnen und ab und an mal einen Arzt, der nach dem Rechten schaute, doch da guckte er mich nur skeptisch an.

„Ja?“

Und ging zum nächsten Thema über.

„Zum Glück waren ja nur ein paar Euro drin“, sagte ich zu einer Pflegerin, was aber nicht stimmte. Als ich nämlich am gleichen Abend mit meiner Schwester telefonierte, erfuhr ich, dass es immerhin fünfzig Euro gewesen waren, die sie tags zuvor in Vaters Brieftasche gesteckt hatte. Scheisse, sagte ich zu ihr am Telefon, und es war nicht das erste Mal, dass ich Scheiße sagte an diesem Tag. Unser alter Vater war so durch den Wind, dass selbst die Mitarbeiter des Altenheims konsterniert waren. So desolat hatten sie ihn noch nicht erlebt. Bis dahin war Vater für sie ein humorvoller, leicht tüdeliger alter Herr gewesen, der sich nicht gern an Gemeinschaftsaktivitäten beteiligte.

„Nur manchmal ist er wie von Sinnen. Dann schiebt er den Rolli über die Gänge wie ein Formel 1-Fahrer und er fliegt hinterher“, übertrieb Marcel, ein jüngerer Pfleger Mitte Zwanzig. „In solchen Momenten scheint ihr Vater überhaupt nicht zu wissen, wo er sich aufhält und warum.“

Ja, so ist das mit den Glumms, dachte ich. Jawohl. Das kann passieren.

Marcel erinnerte mich an irgendwen, aber mir fiel nicht ein, an wen. Aber vielleicht hatte ich ihn bei unserer ersten Begegnung auch nicht richtig wahrgenommen und glaubte seither jedes Mal, wenn ich ihn sah, na Moment, den kennst du doch irgendwoher, den hast du doch schon mal gesehen.

Aber selbst wenn Pfleger Marcel ein bisschen übertrieben hatte, im Kern lag er mit seiner Beobachtung sicher richtig: Vater hatte den nächsten Gipfel erklommen auf seiner Berg- und Talfahrt durch die Demenz. Es ging bergab, indem man höher stieg – eine der vielen Widersprüche der Altersdemenz.

Am Tag zuvor, so meine Schwester am Telefon, hatte er in seinem Zimmer am Fenster gesessen, untenrum pudelnackt. Er hatte sich gerade den Katheter aus dem Pimmel gezogen, als meine Schwester anklopfte und eintrat. Und gleich wieder kehrtmachte, um jemand vom Pflegeteam zu holen. Das Problem lag auf der Hand. Gerade hatte unser alter Vater den Umzug ins Altenheim halbwegs verarbeitet, da machte die Prostata Scherereien. Sie hatte sich auf eine Größe ausgedehnt, dass sie auf die Harnleiter drückte und er kein Wasser mehr lassen konnte. Eine schmerzhafte Angelegenheit, zumal er ständig das Gefühl hatte, aufs Klo zu müssen, auch wenn er gar nicht musste.

Man brachte ihn zur Untersuchung ins Krankenhaus, da kein niedergelassener Urologe bereit war, im Altenheim einen Hausbesuch zu machen. Dafür gab es zu wenig Geld von der Krankenkasse.

„Krankenhaus ist für meinen Vater aber ganz schlecht“, sagte ich zu Marcel, dem Pfleger, „selbst, wenn es nur für eine Stunde ist, Krankenhaus ist immer Katastrophe.“

Im Klinikim bekam Vater einen Katheter gelegt, man schöpfte allen Urin aus der Blase, der sich angesammelt hatte, einen ganzen Liter. Seit diesem Tag trug er einen Urinbeutel und bekam Medikamente gegen die Prostatavergrößerung. Dass er nun zum Pinkeln nicht aufs Klo musste, eine Weile jedenfalls, war ihm nur schwer zu vermitteln.

„Du kannst einfach laufen lassen..“, wiederholte ich. „Du brauchst keine Angst zu haben, dass du in die Hose machst..“

„Ich mach in die Hose?“

„Nein, eben nicht. Du bist an einen Beutel angeschlossen, der hängt da unten, siehst du, hier, da läuft alles rein, von ganz allein..“

„Ja, da sagst du was..“, sagte Vater leise und nickte mir zu, als hätte er endlich begriffen, wie der Hase läuft.

Keine zwei Minuten später hörte ich ihn wimmern und wehklagen.

„Ich muss pinkeln..“

Meine Schwester meinte, es wäre bei ihm mittlerweile so ungefähr wie in Und täglich grüßt das Murmeltier. „Wenn er das Gefühl hat, aufs Klo zu müssen, steht er jedes Mal vor einer neuen Situation, egal, was man ihm zuvor alles erklärt hat. Er ist ständig mit einer neuen Situation konfrontiert, für die er keinen Abgleich im Gehirn findet.“

Ich begleite ihn zum Urologen. Die Stationsleitung hatte ein Taxi gerufen. Nun war aber dummerweise sein Portmonee weg mit den 50 Euro, die unter anderem für die Taxifahrt gedacht waren, und ich hatte kaum Geld dabei. Also musste ich rasch runter zum Empfang, wo Taschengeld für Vater hinterlegt war. Mein Vater saß bereits im Taxi, samt eingeklapptem Rollator, und die Uhr lief im Stand by-Modus. Als ich endlich das Geld hatte und zum Taxi kam, unterhielt Vater sich mit dem Fahrer, den er für den Doktor hielt.

„Das ist nicht der Doktor“, sagte ich, „da fahren wir jetzt erst hin. Das ist der Taxifahrer neben dir.“

Mein Vater schaute verstohlen nach links. Unterwegs erkundigte er sich drei Mal, wohin die Reise geht.

„Zum Doktor“, sagte ich.

„Ja?“

„Ja.“

Pause.

„Wo ist der denn?“

(Wieder ein verstohlener Blick zum Fahrer.)

„Am Neumarkt“, antwortete ich.

„Der Doktor..?“

„Ja, der Doktor.“

Pause.

„Aber wohin fährt der Mann? Der fährt doch Umwege!“

„Nee, Papa, du vertust dich. Der fährt den direkten Weg zum Neumarkt.“

Pause.

„Zum Neumarkt? Was will der denn da?“

„Da ist der Urologe.“

„Uro..loge..!??“

„Ja. Das ist ein Arzt.“

„Weiß ich doch. Für Pimmel. Ich bin doch nicht blöd.“

Wir lachten.

Als wir am Ärztehaus ausstiegen, polterte eine Gruppe Grundschülerinnen über den Bürgersteig, allesamt das Handy am Ohr und einen schicken Roll-Schulranzen hinter sich herziehend. Es wirkte, als kämen die Mädels vom Flughafen, zurück von einem kleinen Städte-Trip nach Barcelona, für Zweitklässlerinnen. Manchmal wusste ich nicht, ob das hier noch meine Welt war, oder ob ich meinem Vater schon folgte, auf dem Fuße, weil ich nichts mehr kapierte.

Die Praxis war brechend voll, nur ein einziger Stuhl frei im Wartezimmer.

„Da kann mein Vater aber nicht sitzen, das ist zu eng für ihn. Er ist 87 Jahre alt“, sagte ich zu den vier blonden Grazien hinter der Rezeption, wo es so geschäftig zuging wie in einer proppenvollen Voliere. „Mein Vater ist leicht dement, er kann nicht so lange stehen. Das geht nicht.“

„Schon klar. Nehmen Sie gleich hier vorn Platz, wir nehmen Ihren Vater ran, sobald es geht.“

Im Gang stand eine EKG-Pritsche. Ich half ihm hinauf, unter den Blicken der vielen Wartenden. Leicht dement, hallten meine eigenen Worte in mir wider. Leicht dement, das ist gut. Die Sache mit der entzündeten Prostata hatte sein Krankenhaus-Trauma so sehr angefüttert, ich musste ihm jeden einzelnen Meter erklären, den es zurückzulegen galt, so sehr verwirrte ihn die Situation in der Praxis.

Nach ein paar Minuten ging es ihm besser. Sein Blick wurde fester und er ließ die Beine von der Pritsche baumeln, wie ein Bub. Auf einem Stuhl neben ihm saß ein Sportstudent, cremefarbene Segeltuchschuhe, Ralph Laurent-Pulli, darunter ein weißes Polo-Hemd mit hochgestelltem Kragen; Schlackegehalt im Harn: niedrig.

Vater beobachtete ihn unablässig, und ich beobachtete Vater.

„Ich muss aufs Klo“, sagte er.

„Nein, das denkst du nur“, entgegnete ich geduldig, „du hast da unten einen Beutel, du kannst ruhig laufen lassen.“

„Nein. Ich muss groß.“

„Ach so.“

Ich führte ihn zum WC. Es roch schon ein bisschen in seiner Nähe.

„Ruf mich, wenn irgendwas ist“, sagte ich, als er in der Kabine war.

„Was soll denn sein?“

„Na, wenn du.. nicht weiterkommst.. Keine Ahnung.  Ruf einfach, wenn was ist..“

Ich blieb draußen vor der Türe stehen. Man hörte ihn so laut stöhnen und furzen, die Arzthelferinnen kicherten, auch eine Patientin hatte Spaß.

„Alles klar da drin, Papa!??“

„WAS??“

„OB ALLES KLAR IST!“

„WER IST DENN DA?“

„NA, WER WOHL! ICH!“

Ich ging ins WC, nachschauen, was los war. Hinter der Kabinentür hörte ich ihn mauscheln und schimpfen.

„Verdammt, ich krieg das nicht.. zu. Es geht nicht zu.“

„Was geht nicht zu?“

„Die Helpen!“

(Helpen sind Hosenträger auf Solinger Platt.)

„Moment, ich helf dir!“

Was gar nicht so einfach war. Dummerweise hatte Vater nämlich die Kabinentür von innen abgeschlossen, und als ich ihn nun bat, die Tür von innen zu öffnen, damit ich ihm in die Helpen helfen könne, bekam er die Tür nicht auf.

„Ist zu“, klagte er.

„Ja klar ist die Tür zu. Die hast du ja auch zugemacht. Du musst sie einfach aufmachen. Da unten ist ein Riegel, den musst du umlegen..“

„WAS?“

„DA UNTEN IST EIN RIEGEL, DER MUSS.. UMGEDREHT WERDEN!“

Ich hörte ihn fluchen. „KLAPPT NICHT!“

Okay. Auch nicht schlimm. Ich betrat die leere Nachbarkabine, stieg auf den heruntergeklappten Klodeckel und meldete mich von oben.

„Huhu!“ rief ich. „Papa!“

Er drehte sich langsam im Kreis, in der engen Kabine.

„Ich bin hier oben!“

„Wo…?“

„NA, HIER OBEN!“

Ich tippte ihm von oben auf die Schulter, ich kam mir ein bisschen vor wie Gott, wenn er aus den Wolken hervor tritt. Wenn er seine verirrten Schäfchen einsammelt. Tatsächlich müffte es so streng, als hätte es drei Tage hintereinander Lammbock mit Bohnen gegeben. Nun wusste Vater überhaupt nicht mehr, was los war, er verlor völlig den Überblick. Da war meine Stimme, die er nicht lokalisieren konnte, und jetzt tippte ihm auch noch jemand auf die Schulter. Das war zu viel für ihn.

Demenzkranke haben Probleme mit der Orientierung. Auch im Altenheim, wenn die Essenszeit nahte und wir in seinem Zimmer saßen, sprang er jedes Mal erschrocken auf, „ich muss runter in den Essensraum“, obwohl der Essensraum auf derselben Etage war.

„PAPA..! HIER OBEN!“

Ich tippte ihm auf den Kopf, auf die quer über den Schädel gekämmte weiße Dirigentenmatte. Endlich schaute er hoch.

„Ja.. was machst du denn da oben?“

„Dir helfen.“

„Wobei?“

„Na, dass du aus dem Klo kommst. Dass du die Helpen ankriegst.“

Er blickte mir belustigt in die Augen.

„Du siehst aus wie Dschingis Khan.“

„Ich? Warum?“

„Na, warum.. das weiß ich doch nicht..“

„Hörmal, du musst den Riegel an der Tür nach links drehen.“

Er probierte es, drehte aber in die falsche Richtung.

„Nee, so nicht. Du musst den Riegel nach links…“

„So?“

„Nein, zur anderen Seite..“

Es dauerte und dauerte, und als ich ungeduldig wurde, geriet er in Panik.

„ICH KOMM HIER NICHT RAUS!“

„Papa, bleib cool, so schwer kann das doch nicht sein.. Einfach den Riegel nach links drehen..“

„HIER?“

„Ja!“

Endlich entriegelte er die Tür. Während ich ihn betrachtete, ging mir durch den Kopf, dass man letztendlich mit seinem Ich alleine dasteht, ratlos, alt und von Vergangenheit angefüllt, dass es vor Zorn schon mal in einem brodelt, was das eigentlich alles soll, dieses ganze verdammte Dasein. Alt werden bedeutet nichts anderes, als dass einem alles Schöne genommen wird, und übrig bleibt ein Beutel voll Pisse.

Ich stieg vom Klo der Nachbarkabine und empfing ihn am Waschtisch.

„Hat sich aber gelohnt, wa?“ sagte ich.

„Was hat sich gelohnt?“

„Die Sitzung.“

„Ja, hat sich gelohnt“, strahlte er. „Ich muss nur schnell noch die Hände waschen.“

Als wir das WC verließen, empfingen uns Arzthelferinnen und Patienten mit Beifall. Dass wir so laut waren und die Leute die ganze Zeit mithören konnten, daran hatte ich nicht gedacht. Überall war lächelndes Publikum.

„Gehen Sie schon mal in Raum 1, der Doktor kommt sofort.“

Tatsächlich dauerte es keine fünf Minuten, und der Arzt war da. Er bat meinen Vater, mit dem Rücken vor der Behandlungsliege Aufstellung zu nehmen und sich zu bücken, mit heruntergelassener Hose. Er wolle die Prostata abtasten. Als er den von einem Fingerhandschuh bewehrten Finger in Vaters Hintern schob und Papa wirklich allen Grund gehabt hätte, zu wimmern und zu wehklagen, blieb er erstaunlich gelassen.

„Was ist denn da hinten los..?“ fragte er nur trocken wie in einem gut abgehangenen Karl Valentin-Sketch.

Auf der Rückfahrt ins Altenheim, mit dem gleichen Taxi-Unternehmen wie bei der Hinfahrt, aber einem anderen Fahrer, jammerte Vater, wie sehr ihn der Pittermann quäle, er müsse dringend mal pinkeln.

„Du kannst einfach laufen lassen.“

Beim Aussteigen erst bemerkte ich, wie voll sein Katheter war – unterm Hosenbein lugte der Stopfen des prall gefüllten Urinbeutels hervor, wie ein medizinisches Etikett. Und insgesamt sah es aus, als trüge er eine dunkelblaue Busfahrerhose mit gebügelter Goldkante, ein vorwitziges Kleidungsstück, das ich an ihm noch nie gesehen hatte.

Es wurde Zeit, dass die Pfleger mal einen Blick darauf warfen.

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4 Gedanken zu „Sein Portmonee war weg

  1. als ixg den Satz hörte kamen wir gerade von einer Beerdigung
    das sage er hätte ich dir garnich t zugetraut-mein Vater wurde so eben begraben(nicht oder warunm)
    einer seiner vier Brüder
    wir kamen vom Friedhof und ich schritt voran
    meine damalige Freundin war auch da
    als eine Dame über den Bordsteinkante mit der Stirn ins ungewisse
    ich zurannte um zu helfen
    daher der blöde Satz „das hätte ich dir garnicht zugetraut
    ich half der alten Dame auf die Beine-
    ab sofort kümmerten sich die die anderen Damen
    komischer weise blieb der SATZ hängen
    ich hatte nicht das Gefühl das er seinen grossen Bruder die letzte Ehre erwiesen hat
    wobei der Klaus der jüngste doch am kämpfen war
    so jung wie er war
    ich hatte in Mülhein an der Ruhr öfter das Vergnügen das meine Elten michlos werden wollten

    nicht weil ich zu dünn war
    sie luden mich da ab und verschwanden schnell

    so lernte ich die Mutter meines Vaters näher ,sie hatte mindestens fünf Söhne und eine Tochter
    es war Krieg
    mein Vater war ein Sohn eines Kettenrauchers mit wilden Pferden und Ställen
    und der sattel fehlte
    eine freie schöne Kindheit wobei das Übermass an Stille bald von Geräuschen geplagt wurde und das unbestimmte unruhigsein sich vernetzte
    zunächst nahmen sie die vertriebenen auf und boten ihnen zeit und ein wenig Geborgenheit
    als dann sie selbst fliehen mussten und auch Kühe zurück lassen mussten

    sonnst würd ik nik hi sitten

    p.s.chen
    wenn du so schreibst !

  2. mit dem eigenen ich steht man wohl immer alleine da. manchmal besser… und manchmal schlimmer. ich mag deine familienbruchstücke so, auch wenn einem das lachen manchmal so quersteckt, dass einem die helpen auch nicht mehr helfen können (schönes wort, übrigens).

  3. – Wo viele Menschen zusammenkommen, so seine These, sind auch viele schlechte Gedanken, und die infizieren irgendwann auch den gutmütigsten Geist und setzen sich durch. –

    Da lag dein Vater goldrichtig.

  4. Pingback: Lesestoff - Ausgabe 88 - DenkfabrikBlog

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