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Die Fotos von Glumm (2)

„He, du fotoapparierst ja alles!“

Ich war Anfang vierzig, als ich das Fotografieren entdeckte, als Heroinersatz sozusagen. Den Fotoapparat in die Hand nehmen war für mich wie das Aufsetzen einer Sauerstoffmaske. Ein Foto machen war, als bekäme ich in kontaminierter Umgebung endlich wieder Luft. Es war das pure Durchatmen.

Es war eine gute Sache in schlechten Zeiten.

Erst knipste ich mit der kleinen Rollei-Kompaktkamera, die ich 2001 zufällig auf der Straße gefunden hatte. Darin ein Farbfilm, den ich entwickeln liess, um zu sehen, ob ich die Leute vielleicht kannte, die darauf zu sehen waren. Und ja, einige Figuren auf den Bildern waren mir tatsächlich bekannt, als unsympathische Nachbarn, die eine verlorengegangene kleine Kamera verschmerzen konnten. Im Herbst 03 legte ich mir eine Spiegelreflex zu, eine Minolta, am Tag eines Jonathan Richman-Konzerts in Düsseldorf.

Bis Ende 2004 schoss ich zehntausende Bilder auf altmodischem Silberfilm, bevor ich das Fotografieren jäh wieder einstellte (und zu schreiben begann). Ich fertigte Dutzende Fotoalben an, das Einkleben der Bilder war eine hochkontemplative Angelegenheit. Natürlich fanden nur die wenigsten Aufnahmen den Weg ins Fotoalbum, und längst nicht jeder vollgeknipste Film wurde entwickelt. So kommt es, dass noch heute hundertfünfzig Filmrollen á 36 Aufnahmen in meinem Regal schlummern, die ich ins Fotolabor geben muss, solange die Welt Silberfilme kennt.

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7 Gedanken zu „Die Fotos von Glumm (2)

  1. Was zu erwarten war: Blick fürs kuriose Detail, Sinn für Alltagskomik, Einsatz unvertrauter Perspektiven, Wechsel der Fokussierung, Wahl markanter Ausschnitte … und über allem die Gräfin.
    Mein Favorit: das erste Foto. Streetphotography at its best!
    Und dazu passt, wie könnte es auch anders sein, eine Formulierung der Gräfin, die ich mir seinerzeit mal notiert und gemerkt habe:
    Fotografie ist die Sichtbarmachung einer Ahnung!
    Gruß, Uwe

Hätte ich doch besser die Fresse gehalten

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