Die Maßnahme

Großes Hallo in der S-Bahn Richtung Flughafen.

„Luise, süße Schwester, wie siehts aus..? Hast du dein Röckchen dabei?!“

„Zwei, Edith, zwei.. Eins mit Rüschen, eins mit Schlitz. Extra für dich, Liebes.“

„Na Prösterchen. Dann kann’s ja losgehn.“

Die beiden alten Schwestern machten es sich auf ihren Gepäckstücken bequem und begossen die kommenden vierzehn Tage Mallorca mit hochprozentigen kleinen Beach Club-Schweinereien, während ich am nächsten Bahnhalt raus musste, mit Notizbuch und einem Einladungsschreiben.

Und zwar In Fahrtrichtung links, wie die Stimme von Band freundlich empfahl, vermutlich weil man in Fahrtrichtung rechts voll in den Inter-City nach Dortmund reingekracht wär. Logisch steigt man da lieber links aus und hält sich an die automatische Bandansage, die überall in Deutschland gleich klingt.

Egal, wo man sich aufhält, ob in der Regionalbahn oder am Flughafen, stets weist einen die gleiche freundliche Frauenstimme auf irgendetwas hin. Es ist, als stünde für sämtliche Bandansagen der Republik nur eine einzige weibliche Stimme zur Verfügung. Oder was ist da los. Wer versucht mich da zu narkotisieren, mit einlullenden Feminina? Ich weiss es nicht. Aber ich komme noch dahinter.

Oder auch nicht.

Ich war auf dem Weg zur Auftaktveranstaltung der Job-Center-Maßnahme. Sechs Monate warteten darauf, mich in Geiselhaft zu nehmen, sechs Monate und nicht einen Maßnahmetag weniger. Das war ärgerlich, aus einem ganz bestimmten Grund: schliesslich war ich arbeitslos geworden, weil ich Zeit brauchte, Zeit zum Schreiben, und die wurde mir jetzt genommen.

Die Maßnahme fand im stillgelegten Trakt einer alten Volksschule statt und diente der Stabilisierung der Beschäftigungssuche, wie es im Anschreiben hiess. Hätte man das Kind beim Namen genannt, es hätte Sechs Monate raus aus der Statistik heissen müssen, und die Referenten nicht Referenten sondern Statistiksäuberer, Reinigungskräfte mit 30 Tagen Urlaubsanspruch.

Allein die Formulierung Stabilisierung der Beschäftigungssuche war mir ein Rätsel. Ich mein, wie liess sich eine Suche stabilisieren? Forcieren liess sich eine Beschäftigungssuche, sie liess sich meinetwegen aufgeben oder anpassen oder sonstwie gestalten, doch stabilisieren?! Wie ging das denn? Wurden da vor Maßnahmebeginn stramme Bambusstäbe und Rankstützen an die Teilnehmer ausgeteilt? Oder doch lieber direkt als Dragee gereicht, zur innerlichen Anwendung, für die ganz Sensiblen?

Wenn ich im Leben eins gelernt habe. Eine Formulierung in einem offiziellen Schreiben ist nie umsonst, es steckt immer etwas dahinter. In diesem Fall war es der unausgesprochene Vorwurf, der Verdacht: Langzeitarbeitslose sind nicht stabil. Sie finden keine Arbeit, weil sie nicht hart genug daran arbeiten, Arbeit zu finden. Sie geben zu schnell auf, sie sind haltlos und labil, sie pennen bis in die Puppen, sie verschlampen Unterlagen und kleben in der Bewerbungsmappe das falsche Foto falschrum auf die falsche Seite, HERRGOTT!! NUN STABILISIEREN SIE SICH DOCH ENDLICH, SIE..SIE..

SEELCHEN!

*

Ich hatte noch ein wenig Zeit und entschied mich, im Schnellcafe am Hauptbahnhof einen Espresso zu nehmen. Ist ja immer ein Risiko. Wenn man Pech hat, erwischt man einen Espresso, der nach allem, also wirklich nach allem, aber nicht nach Kaffee, weder nach Pulver- noch nach Kapsel-Kaffee schmeckt, ja nicht mal lauwarm nach Hauptbahnhof, trotz all der famosen neuen Vollautomaten. Dieser Kaffee dagegen ging sogar. War zwar nicht so schwarz, dass man gleich zum Gospelsänger wurde, aber immerhin, er war okay soweit.

Ich blickte aus dem Fenster und entdeckte Jakubeck auf dem Bahnhofsvorplatz, den jeder nur Jack nannte. Seine knorrige Visage war unübersehbar. Meist hatte er einen Schmöker aus dem Fantasybereich in Arbeit, er las ununterbrochen. Er las im Gehen, er las im Stehen und im Sitzen, er las, wo immer er sich aufhielt, die Schwarte dabei so nah vor den Augen, als würde sie ihn schön bräunen und toasten. Und so sahen die Bücher denn auch aus. Zerfleddert, voller Eselsohren und eingeschobener Kassenbons als Lesezeichen.

Ohne was zu lesen bin ich kein Mensch, hatte er mal gesagt, ohne was zu lesen verhungere ich, doch an diesem Morgen war er genau das: verhungert, kein Mensch. Er stand unbeteiligt auf dem Bahnhofsvorplatz und beobachtete den Himmel über dem Taxistand. Jedenfalls wirkte es so. Ganz sicher konnte man sich bei ihm nicht sein. Ganz sicher konnte man sich nie bei jemandem sein, aber bei Jack war es Russisches Roulette. Ich zögerte einen Moment, wusste nicht, ob er ansprechbar war, ging dann aber hinaus, den Pappbecher mit heißem Bahnhofskaffee in der Hand.

„Lange nicht gesehen, Jack.“

Für die frühe Uhrzeit umwehte ihn schon eine stolze Doppelkorn-Fahne, und ohne mich groß anzusehen, oder überhaupt so etwas wie ein Vorwort zu machen, legte er sofort soziale Beschwerde ein. Da habe er doch glatt drei Monate im offenen Vollzug abgesessen, wegen irgendeiner lausigen, nicht bezahlten Geldstrafe, aber niemand in der Szene, er wiederholte: NIEMAND hätte etwas von seiner Abwesenheit bemerkt.

„Als ich wiederkam, fragte ich in die Runde am Brunnen, ob was besonders passiert wär, ob ich was verpasst hätte in den letzten drei Monaten, aber alle guckten mich nur an, als hätte ich einen an der Waffel. Wie, du warst weg..!? Wo warst du denn?  Ich bin schwer enttäuscht.“

Natürlich verpackte Jack seine Beschwerde in Ironie, er konnte gar nicht anders, so war er gebaut, doch dahinter war tatsächlich so etwas wie  Verbitterung zu spüren. Dass man ihn so gar nicht vermisst hatte, so rein niemand, so gar kein einziger, das setzte selbst ihm zu, dem alten Kämpen, der sein Leben auf der Platte verbracht hatte.

Ich klopfte ihm auf die Schulter.

„Das wird schon wieder. Guck mal, ich hab dahinter im Cafe gesessen und dich sofort wiedererkannt – das ist doch schon mal was.“

„Ach, du.. redest doch nur noch mit den Leuten, damit du was zu schreiben hast. Du zählst nicht. Du bist out of order.“

Ich kannte Jack aus längst verschollenen Haus der Jugend-Tagen. Schon damals war er als Suffkopp verschrien gewesen. Zwischenzeitlich dem Pulver verfallen, war er reumütig zum Jägermeister zurückgekehrt, vielmehr zur Billigvariante Gold-Förster oder Förster Gold, aus meiner Perspektive liess es sich nur schwer entziffern.

Was Jack schon immer ausgezeichnet hatte, schon in den ganz jungen Jahren, war das filigrane Klauen von Spirituosen, ob im gut sortierten Einzelhandel oder in Discountermärkten, er hatte es immer noch drauf. So was verlernt man nicht, meinte er bescheiden und hakte sein Talent zum Ladendiebstahl unter der Etüde Fingerübung ab.

Etwas anderes wunderte mich mehr.

„Sag mal, wieso hast du kein Buch in den Fingern?“

„Kann ich dir sagen. Ich hab keine Ahnung, was ich noch lesen soll. Die Buchhandlungen sind voll bis unter die Decke, aber ich finde nichts, was ich nicht schon mal irgendwo gelesen hätte. Bei dir hab ich auch mal geblättert, bei nem Kumpel am Rechner. In deinem Blog. Fand ich jetzt auch nicht so den Renner. So ein Mix aus Bukowski und.. ja, keine Ahnung was. Sorry, Babe, aber so isses nun mal.“

Sprachs, und tauchte unter in der Fußgängerzone. Ich blickte ihm hinterher und fragte mich, wie das eigentlich kam, dass unter meinen Bekannten so auffallend viele Arbeitslose, Kleinkriminelle und arbeitslose Kleinkriminelle waren, aber auch ganz herkömmliche Trinker und Junkies ohne Job und Perspektive. Ha ha. Sehr witzig.

Alles halb so ha ha.

*

Es nieselte, Wind kam auf, wurde heftiger. Bis zum Schulungsgebäude waren es zehn Minuten Fußweg – die Ladenpassage runter, am Marktplatz rechts und immer geradeaus bis zur Kreuzung, dann halblinks. Es war ja nicht das erste Mal, dass ich für eine Maßnahme gebucht war. Dass einem Fallmanager vom Arbeitsamt sonst nichts mehr eingefallen war zu meiner Person.

„Herr Glumm, ich glaube, wir müssen noch mal.. was machen.. mit Ihnen.“

Was in Wirklichkeit zweierlei bedeutete: 1. Ich glaube, Sie müssen noch mal für ein paar Monate aus der Statistik raus. 2. Ich schätze, meine Vorgesetzte wird sonst unruhig, die olle Hippe.

Maßnahmen des Job-Centers waren die reine Zeit-und Geldverschwendung, doch alle wussten Bescheid, alle spielten mit. Jedem Beteiligten war klar, dass kein Arbeitsloser schneller einen Job ergatterte, nur weil er zuvor an einer Maßnahme teilgenommen hatte, die hauptsächlich darin bestand, Zeit totzuschlagen. Solche Maßnahmen dienten allein dazu, die Maschinerie der Trägervereine am laufen zu halten, die sich rund um die kommunalen Arbeitsämter und deren Budget für Langzeitarbeitslose geschart und aufgebläht hatte. Eine Maschinerie, die sich so verselbständigt hatte, dass niemand mehr über den Sinn nachdachte, jedenfalls niemand, dessen Meinung von Belang und Einfluss gewesen wäre. Und so dümpelten sie vor sich hin, Tausende von Maßnahmen in der ganzen Republik, Woche für Woche, Job-Center für Job-Center, Trägerverein für Trägerverein.

Natürlich hatte so eine Maßnahme auch ihre guten Seiten. Man war von Leuten umgeben, die in ähnlichen Situationen steckten wie man selbst und von denen man noch etwas lernen konnte. Man kann immer gut von Leuten lernen, die in ähnlichen Schwierigkeiten stecken wie man selbst. Denn mal ehrlich, was ist das Leben schon groß. Man wird allein geboren, man stirbt allein, und zwischendurch lernt man ein paar Leute kennen – wenn man Glück hat, nette, von denen sich etwas abgucken lässt.

Unter einem schlackegrauen Himmel sprang ich in der Fußgängerzone von Vordach zu Vordach, von Markise zu Markise, bis ich halbwegs trocken das Schulungsgebäude erreichte. Der Beginn der Auftaktveranstaltung war für Punkt zehn angesetzt. Schnell noch eine rauchen, unter diesem speziell für Raucher gezimmerten Unterstand mit Aschenbecher, wo schon ein Haufen anderer Vögel stand mit Fluppe in der Hand.

„Hallo.“

Kaum jemand grüsste, als ich mich dazustellte. Nicht mal ein Nicken. Einer blies seinen Tabaksqualm in meine Richtung, vielleicht als Hallo unter Rauchern, keine Ahnung. Ich war zwar selbst langjähriger Raucher, aber kein sonderlich kommunikativer. Nur ein langer Stoffel mit Stirnglatze zwinkerte freundlich. Rottner, stellte er sich vor. Wir unterhielten uns ein bißchen. Er war zugezogen, aus Braunschweig, und ziemlich lang gewachsen, mindestens Eins Fünfundneunzig.

Träger der Maßnahme zur Stabilisierung der Beschäftigungssuche war eine als gemeinnützig anerkannte Fortbildungsakademie mit Sitz in Frankfurt, die in ganz Deutschland Ableger gebildet hatte und gut im Geschäft war. Pro Teilnehmer kassierte so ein Veranstalter einige Tausend Euro, je nach Dauer und Intensität der Maßnahme. Es gab Maßnahmen, da musste man ein halbes Jahr lang Tag für Tag acht Stunden abreissen, es gab Maßnahmen, da schaute man am Montag- und am Donnerstag-Vormittag kurz auf einen Maßnahme-Kaffee rein und hatte ansonsten seine Ruhe.

Ruhe, das war das Stichwort, mein Stichwort: Ruhe zum Schreiben. Um ein Minimum an Ruhe zu haben, sozusagen die existentielle Portion, gibt es eine quasi-amtliche Voraussetzung: Man muss aus der Zeit fallen. Man darf nicht dazugehören. Nirgends. Wenn die Leute dich angucken, muss ihnen auf Anhieb klar sein, intuitiv und unmissverständlich: Dieser Mann kriegt keine sms-Nachricht von mir. Den rufe ich nicht an. Der ist definitiv nicht auf meiner Party eingeladen. Dann hat man die Chance auf etwas Ruhe. Auf das Minimum.

Die Gräfin und ich pflegten eine besondere Form von Autismus: Wir versuchten so viel wie möglich von der Welt mitzukriegen, ohne behelligt zu werden. Kein leichtes Unterfangen. Sie umschrieb es einmal so, mit leuchtenden Augen: „Am besten, wir schleichen uns in eine betreute Aussenwohngruppe ein, damit wir den Kopf frei haben für die wirklich wichtigen Dinge, dann sind wir..

Königin!“

*

Was mir vom ersten Tag an gegen den Strich ging, war dieser große Aufkleber über der Tür, der uns Teilnehmer empfing: ARBEITSFABRIK. Erst dachte ich, die hätten sich irgendwie vertan, doch dann sah ich mir den Banner genauer an und entdecktge Spuren von Abnutzung – dieser Aufkleber war schon länger da. Das war durchdacht, das Wort Arbeitsfabrik, und es klang bedrohlich. Arbeitsfabrik hätte man auch hoch oben über einem Konzentrationslager montieren können, zur Begrüßung.

Und damit wäre noch nicht geklärt gewesen, was denn nun das schlimmere Wort von beiden war: Arbeitsfabrik oder Konzentrationslager. Auch wenn die Art sachlicher Verachtung, mit der die Nazis Straflafer KZ’s tauften, beispiellos und kaum zu toppen war.

Nach einer Weile fand ich Arbeitsfabrik nur noch dümmlich. Es sollte wohl darauf hinweisen, dass in diesen Räumen hart gearbeitet wurde, mit klar definierten Strukturen und Hierarchien, ohne das übliche Maßnahmegesäusel und Bewerbungsgewäsch, aber mit klipper und klarer Ansage: hier herrscht Pünktlichkeit. Sauberkeit. Ordnung.

Ein KZ also. Zweiter Tag der Maßnahme. Heute waren Einzelgespräche anberaumt. Anwesend waren zwölf Langzeitarbeitslose. Am ersten Tag waren es noch dreiundzwanzig gewesen, die sich in die Anwesenheitsliste eingetragen hatten. Die Hälfte der Leute hatte sich schon verabschiedet. Ich fragte mich, wie die das hinkriegten. Hatten die alle Husten und sich krankschreiben lassen? Oder war ihnen plötzlich aufgegangen, dass sie ja doch einen Job besaßen und nur vergessen hatten, da auch hinzugehen. Kann doch jedem mal passieren, so ein Malheur. Dass man seinen Arbeitsplatz vergisst und Hartz IV beantragt. Mein Gott.

Ein Vorurteil war gerechtfertigt, das hatte ich im Laufe der Zeit erkannt: die meisten Langzeitarbeitslosen waren faule Säcke. So wie ich einer gewesen war, bevor ich mich dem Schreiben zugewandt hatte. Jetzt saß ich  täglich sechs, sieben Stunden am Schreibtisch und arbeitete, wenn auch unbezahlt und ohne konkretes Ziel. Die meisten Langzeitarbeitslosen aber hatten die Lust verloren, sich für etwas anzustrengen, sie hatten verlernt, das Leben anzupacken, und das ging arbeitenden, Steuer zahlenden Menschen schwer gegen den Strich.

„Wer selbst nicht faul ist, erlebt Faulheit als Affront“, hatte die Gräfin erkannt. „Dabei kann die Wäsche doch ruhig mal fünf Tage an der Leine hängen, na und.“

Einzelgespräche bedeuteten, dass ein Arbeitsloser nach dem anderen ins Büro gerufen wurde und die anderen elf Leute solange herumsaßen und nichts zu tun hatten. Zwar gab es einen großen Technik-Raum, ausgestattet mit funktionstüchtigen Rechnern und Internetanschluss, doch zumindest an diesem Tag blieben alle Teilnehmer dem Monitor fern und lernten lieber einander kennen.

Mohammed, genannt Momo, rechts von mir, war ein stabiler Bursche mit Backenbart. Er hatte sich zur Feier des Tages früh am Morgen das Kinn so sauscharf ausrasiert, dass es gerötet war – er sah aus wie nach einer schweren Brandrodung. Momo stellte sich bei jedem mit Handschlag vor. Sein Vater war ein aus Marokko eingewanderter Metzger. Er hatte diesen Beruf auch für seinen Ältesten vorgesehen, und weil Momo ein braver Muslim war, der seinem Vater gehorchte, begann er eine Metzgerlehre, die er aber nach ein paar Monaten schmiss.

„Ich kann keinen Hammel mehr riechen, Baba! Die machen mich ganz bräsig, deine scheiß Hammel!“

Er überwarf sich mit der Familie und siedelte nach München über, jobbte bei BMW am Band, verdiente gutes Geld, war einsam in der großen Stadt, kehrte zurück und heuerte im typischsten aller Solinger Berufe an, als Schlieper, Messerschleifer. Wir erfuhren, dass er eine Weile den Plan verfolgt hatte, professioneller Bodybuilder zu werden, „für die Frauen“, wie er betonte. Tatsächlich hatte er Oberarme wie Knotenpunkte an Autobahnen und ein strammes Kreuz. Beste Voraussetzungen für eine Karriere als Kraftpaket. Als ihm jedoch mehr und mehr klar wurde, dass er dafür sein ganzes bisheriges Leben über den Haufen werfen und jede Menge Stereoide fressen müsste, entschied er sich schweren Herzens dagegen.

„Wegen den Frauen.“

Ich war überrascht, welche Jobs die Leute so alles gehabt hatten, bevor sie arbeitslos wurden. Unter den Teilnehmern befanden sich: der 57jährige ex-Chefredakteur einer Zeitung, eine Ukrainerin, die Mathematik in Kiew studiert hatte sowie ein junger Fitnesstrainer mit einem auffälligen Tattoo: Eine tintenblaue Schlange rekelte sich an seinem schlanken Hals empor. Eine Szene, die ich eher auf asiatischem Geschirr vermutet hätte. Der Fitnesstrainer war ein gutaussehender Bursche, irgendwie atemlos. Es mangelte ihm entschieden an Ruhe. Er hatte zu gleichen Anteilen deutsche und serbische Vorfahren und war seit über einem Jahr arbeitslos, obwohl er als Fitnesstrainer im Besitz hochwertiger Trainerscheine war.

„Ich hab einfach kein Glück im Leben“, nölte er, und im weiten Rund nickten die Köpfe der Zukurzgekommenen wie an Schnüren gezogen, sie nickten und nickten.

Ursprünglich komme er aus Baden-Württemberg, erzählte der Fitnesstrainer und beschwerte sich, dass man in Solingen nur Kiffer kennenlerne.

„Achtzig Prozent aller jungen Solinger kiffen.“

Dagegen wäre an sich nichts einzuwenden, führte er aus, „aber ich kiffe nicht, ich bin ja Fitnesstrainer. Da weiss man gar nicht, was man mit den Leuten reden soll, wenn die immer alle so bekifft sind.“

In der anschliessenden Diskussion fragten wir uns, was eigentlich die übrigen zwanzig Prozent der jungen Solinger mit ihrem Leben anstellten, also die armen Teufel, die nicht kifften. „Saufen, fixen, tralala“, gab jemand in die Runde, und ich war der einzige, der lachte.

Tarik, EDV-Fachmann, war gut ausgebildet und noch keine dreissig Jahre alt. In jedem Kurs gab es mindestens so einen arbeitslosen EDV-Fachmann. Sie standen sich gegenseitig auf dem Fuß und nahmen sich die wenigen verbliebenen 400 Euro-Jobs weg. Tarik konnte sich maßlos darüber aufregen, dass das Job-Center für die Hin-und Rückfahrt zur Auftaktveranstaltung keinen Pfennig Fahrgeld erstattete, während es ab Tag 1 der regulären Maßnahme reguläres Fahrgeld gab. Ausserdem, so Tarik, ein kleiner Nerd, hatte er bei dem Betrag, den alle Teilnehmer für einen Monat Busfahren im voraus erhalten sollten, eine andere Summe errechnet: 35, 20 Euro statt 33, 00.

Er stand deshalb mächtig unter Strom und wiederholte die Zahlen, bis sie auch der letzte von uns parat hatte und zornig aus der Wäsche guckte. Tarik war kein unsympathischer Kerl, mit einem verschmitzten Lächeln und Gespür für Komik, doch beim Geld hörte für ihn der Spaß auf. Beim Geld hörte für alle der Spaß auf, dabei hatte für die meisten der Spaß noch nicht mal begonnen.

Als wir das Fahrgeld am Nachmittag abholen durften, ausgezahlt wurde es einige Strassenzüge weiter von einer Aussenstelle des Maßnahmeträgers, machte Tarik sich frühzeitig auf die Socken. Er flog beinahe die Fußgängerzone hinauf, wollte unbedingt der erste sein. Dass ihm womöglich 2 Euro 20 Cent weniger ausbezahlt werden könnten als ihm zustand, liess ihm keine Ruhe. Er wollte unbedingt Beschwerde einlegen, war sich aber nicht sicher, ob er erst abwarten sollte, ob ihm tatsächlich zu wenig ausbezahlt wurde.

„Wahrscheinlich schicken die mich sowieso von einem zum anderen und wieder zurück, bis ich nicht mehr weiss, wo mir der Kopf steht,“ seufzte er. „Das ist doch ein ganz abgekartetes Spiel.“

Und wieder sah man die Köpfe nicken.

*

Die beiden zuständigen Referenten hatten wenig Zeit für uns Teilnehmer. Sie waren vollauf damit ausgelastet, dicke Akten anzulegen, die ständig aktualisiert werden mussten. Meist steckten die beiden mit der Nase in ihren Ordnern und riefen uns einzeln ins Büro, wo wir Formblätter zu unterschreiben hatten, deren Richtigkeit sie wiederum überprüfen und gegenzeichnen mussten. Nur hin und wieder gelang den beiden Luschen in den sechs Monaten so etwas wie ein Vermittlungserfolg: Momo bekam eine Praktikumsstelle. Bei den angeblich so vielfältigen Beziehungen zur heimischen Industrie war das aber keine große Nummer.

*

Mir gefallen Menschen, die sich mit einer gewissen Nonchalance durchs Leben bewegen. Unauffällige Typen, die man schnell mal verwechselt, weil sie auf den ersten Blick so gar nichts besonderes an sich haben, bis man sie näher kennenlernt und feststellt, he, Moment, der ist ja ganz locker, der macht einfach nur wenig Wind um sich.

Rottner, der lange Stoffel aus Braunschweig, war so ein Typ. Er hatte ständig diese Jesus-Sandalen an den Füßen, ob bei Sonnenschein oder Regen. Mit den Latschen und dem karierten Holzfäller-Thermohemd wäre er in den frühen 90ern noch anstandslos als Sozialkundelehrer durchgegangen, mit halber Stundenzahl, doch wir schrieben das Jahr 2011 und Rottner war exakt seit 11 Jahren arbeitslos. Zuvor hatte er zwei Jahrzehnte lang Wärmespeicher auf großen Frachtschiffen ausgetauscht, für eine international tätige Firma in Cuxhaven. Nun lebte er in Solingen. Warum lebst du in Solingen? fragte ich. Ich war gespannt auf die Antwort. Warum nicht? nuschelte er nur, und wir beliessen es dabei. So genau wollte ich es ohnehin nicht wissen.

Rottner hatte einen Hund. Nun haben viele Arbeitslose einen Hund, sie haben ja auch die Zeit dafür, aber nicht alle haben einen Hund mit einer Geschichte wie Rottners Hund Bootsmann.

„Bootsmann?“ sagte ich. „Wie der Hund auf Saltkrokan?“

Rottner nickte. Viele Worte machte er ohnehin nicht. Er hatte einen leichten Sprachfehler: Die Zungenspitze klopfte beim Sprechen gegen die Schneidezähne, so leicht, dass es nicht direkt als Lispeln durchging, eher als kleine Marotte, das ’s‘ zu Bett bringen zu wollen, am hellichten Tag, mitten im hellichten Satz.

„Der Hund von den Kleinen Strolchen hief auch Bootsmann“, meinte Rottner.

Blödsinn, entgegnete ich. Der hiess anders, doch eine ganze Weile war Rottner nicht davon abzubringen, dass nicht nur der Hund auf Astid Lindgrens Saltkrokan, sondern auch der Hund der Kleinen Strolche Bootsmann heissen würde. Und natürlich sein Hund, der Boxer-Rüde, der natürlich auch. Es ging also insgesamt um drei verschiedene Hunde, die alle Bootsmann hiessen bzw. heissen sollten.

„Der hatte ein fettes schwarzes Klätschauge“, sagte Rottner, „der Bootsmann von den Kleinen Strolchen.“

„Ja klar hatte der Hund ein schwarzes Klätschauge, stimmt, aber der hiess nicht Bootsmann, der.. der hiess anders.. Schibulsky oder so.“

„Schibulsky? Der hiess doch nicht Schiebulsky! Das war doch kein Pole.“

„Ah Mann.. natürlich hiess die Töle bei den Kleinen Strolchen nicht Schibulsky, das weiss ich auch, das war SPASS! Aber erst recht nicht Bootsmann..!“

„Na schön“, gab Rottner sich geschlagen, als er spürte, wie ernst es mir war. „Aber auf Saltkrokan, der dicke Hund, der heisst Bootsmann.“

„JA!“ schrie ich. „DER SCHON!“

*

Es dauerte eine Woche und ich geriet mit dem 57jährigen Ex-Chefredakteur aneinander, der zudem eine halbe Karriere als Radiomoderator hinter sich hatte sowie eine dreiviertel Karriere als Rockmusiker. Die Betonung lag bei allen drei Karrieren auf hinter sich haben, was allerdings mit 57 nicht ungewöhnlich ist.

Früh am Morgen riss er gleich das Maul auf, wenn auch mit einer angenehm klingenden, sehr sonoren Alexis Korner-Blues-Stimme, was den Stuss, den er absonderte, halbwegs abfing und milderte. Er sei ja immerhin Chefredakteuer einer Zeitung gewesen, maulte er zum wiederholten Male vor versammelter Mannschaft, und dass ihn das Arbeitsamt zu dieser Maßnahme „zwangsrekrutiert“ habe. Als wäre auch nur einer von uns anderen Teilnehmern freiwillig dagewesen. Von welcher Zeitung er kam, liess er unerwähnt, trotz Nachfrage. Erst auf mein Drängen hin rückte er mit dem Namen der Zeitung heraus,  „Die Strasse“.

Die Strasse war ein Obdachlosenmagazin und wurde in den drei bergischen Großstädten verkauft. Das war an sich kein Grund, die Nase zu rümpfen, aber wenn sich jemand permanent als ex-Chefredakteur einer Zeitgeistpostille aufspielte und dann stellte sich heraus, es war ein Obdachlosenmagazin mit einer Auflage von 500 Exemplaren.. na ja. Wir erfuhren weiter, dass er in der Redaktion als 1-Euro-Kraft angefangen hatte, dass er sich hocharbeitete und so weiter.

„Die hatten mir versprochen, ich dürfte dableiben bis zur Rente. Und dann war plötzlich doch kein Geld mehr da“, jammerte er sonor.

Es war neun Uhr, als wir um den Tisch herum hockten. Zuvor hatte eine Krankenschwester einen 45minütigen Vortrag über Gesundheit und richtige Ernährung gehalten, so als wären alle Langzeitarbeislose zu doof zum Fressen. Die Krankenschwester arbeitete im Klinikum im Nachtdienst und verdiente sich tagsüber mit Vorträgen etwas hinzu. Sie war der Typ vorsichtige Radfahrerin Mitte vierzig, erinnerte mich aber schwer an meine Schwester. Da konnte sie eigentlich sagen, was sie wollte, sie hatte bei mir einen dicken Stein im Brett.

Am Ende des Vortrags erzählte sie irgendetwas über Kalorienzufuhr, als der ex-Chefredakteur, der zufälligerweise neben mir saß, plötzlich ausholte. Es begann mit unserer von riesigen Konzernen versauten Industrienahrung (wir  werden mit Abfall zugestopft) und endete bei Quantenphysik. Für sich genommen machte das alles vielleicht Sinn, doch er warf alles in einen Topf und rührte ungeniert darin herum, bis irgendein unausgegorener Mist herauskam. Besonders auf den Geist ging mir, das alles, was aus Indien und China kam, toll war, während alles aus dem Westen vom Teufel persönlich erfunden worden war. Da platzte mir der Kragen.

„Du redest nur Scheisse“, fuhr ich ihn von der Seite an. „Von vorne bis hinten nur Müll.“

(Zuletzt hatte er behauptet, eine positive buddhistische Grundstimmung könnte bei Rauchern Lungenkrebs verhindern.)

„Mein Gott, natürlich erleichtert positiv denken das Leben, aber es macht doch den scheiß Krebs nicht weg! Das ist doch voll Kokolores.“

Ich wurde aggressiv und rückte ihn mit seinem Gefasel in Sektennähe.

„Den Quark, den du zusammenquasselst, erinnert an Scientology.“

Das Wort „Scientology“ hatte ich hinter meinem Rücken aufgeschnappt, wo es Rottner gerade ausgesprochen hatte, der den Scheiss auch nicht mehr mitanhören konnte. Der ex-Chefredakteur ruderte zurück, überrascht von der Heftigkeit meiner Worte.

„Ich wollte hier niemanden auf die Füße treten und Aggressionen auslösen“, sagte er.

*

Momo, der verhinderte Bodybuilder, berichtete von der wilden Zeit, als er davon träumte, Profi zu werden und die Kraftsportbühnen der Welt zu besteigen, mit eingeölten Muskelsträngen. Damals plante er den Tagesablauf strikt nach der Ernährungsvorgabe. Dazu gehörte, den Wecker auf drei in der Nacht zu stellen, um eine Portion Nudeln zu kochen und zu essen. Damit sollte der Körper mit den Kalorien aufgefüllt werden, die er im Schlaf gerade verbrannt hatte.

„Um den Energieabfall zu minimieren. Das war zu der Zeit, als ich gnadenlos auf Masse gemacht hab.“

Um auf Masse zu machen gab er Monat für Monat Hunderte von Euro für Pülverchen und Vitamin-Shakes aus.

„Das war schon geil, das Massemachen. Mit Anabolika baut man viel schneller Muskelmasse auf als nur mit Training. Da glaubst du jeden Morgen, du könntest die Welt aus den Angeln heben. Doch sobald du die Anabolika absetzt, fällt alles zusammen und du bist nur noch ein Wurm.“

Als Momo endete, war Stille. Ich fühlte mich fatal an Heroin erinnert. Nur dass Heroin keine Muskeln aufbaute, sondern Illusionen. Aber der Zusammenbruch nach dem Absetzen war der gleiche.

Links neben mir saß die hübsche Ukrainerin, die Mathematik und Statistik in Kiew studiert hatte und in ihrem blauen 80er Jahre-Kostümchen an eine alternde Stewardess erinnerte. Nach dem Ernährungs-Vortrag der Krankenschwester meldete sie sich zu Wort und wollte wissen, wie man am effizientesten Bitterstoffe zu sich nehmen könne, um sich gesund zu ernähren, doch die Krankenschwester konnte nicht wirklich weiterhelfen. Gewisse Gemüsesorten wie Fenchel enthalten Bitterstoffe, sagte sie. Doch würden Bitterstoffe zunehmend aus unserer Nahrung herausgeschwemmt, damit es fluffiger schmecke. Aber sonst..?

*

Ausser einem EDV-Spezialisten befindet sich in jeder Maßnahme ein Zombie. Ein graues Etwas, das auf seinem verhuschten Pfad durchs Dasein gerade Station in der Langzeitarbeitslosigkeit macht. In unserer Stabilisierungs-Maßnahme hiess der Zombie Eileen. Eileen war um die vierzig und hatte es an den Nerven. Das Haar gebrochen und voller Spliss, der Blick getrübt, der Mund eine Kneifzange, dazu nachlässige Kleidung – insgesamt war Eileen das, was sie selbst in sich sah: eine einzige Altlast.

Einmal stapften wir nebeneinander durchs Treppenhaus. Sie war furchtbar unsicher und wog ständig ihre Worte ab, um bloß nichts dummes, nichts falsches zu sagen. Da tat sie mir ein bisschen leid, und fortan mochte ich sie. Sie zählte zur Abteilung Ich möchte keinem auf den Wecker gehen, aber ich bin so unglücklich, merkt das denn niemand? Nicht selten weiss ich bei diesen Menchen nicht, wie ich ihnen meine Sympathie deutlich machen kann, ohne sie gleich in die Arme zu schliessen. Ein aufmunterndes kleines Lächeln hier, ein aufmunterndes kleines Lächeln da kann jedenfalls auf Dauer dümmlich wirken und eher das Gegenteil bewirken. Also belasse ich es oft bei meiner heimlichen Sympathie und gehe davon aus, dass diese Mitmenschen meine Gefühle schon irgendwie mitkriegen oder zur Not erraten. Eine trügerische Annahme, die mich im Leben schon oft in die Bredouille gebracht hat.

In einem Fall wie Eileen ging es nur darum, ob jemand spürte, dass ich auf seiner Seite war, doch in anderen Fällen wurde ich schon komplett missverstanden, weil ich den Mund nicht aufmachte. Weil ich davon ausgegangen war, dass Menschen meine Gedanken und Blicke schon richtig einschätzten.

So war ich automatisch davon ausgegangen, dass meine beiden Geschwister es mir nicht verübelten, wenn ich kaum noch Einladungen annahm, ob nun zum gemeinsamen Essen, zum Spieleabend oder zum traditionellen Osterfeuer. Aus dem einfachen Grund, dass ich keinen Alkohol mehr trank und mir jede Gesellschaft daher nach spätestens einer Stunde lästig wurde und ich nur noch heim wollte.

Das müssen die doch wissen, dachte ich. Dass mir das Trinken fehlt, um gern unter Leuten zu sein. Die kennen mich doch. Ja Pustekuchen. Was ich dabei nämlich unterschlug: Andere Leute, selbst Geschwister, haben ihrerseits den Kopf und das Herz voller Dinge, die wiederum ich nicht mitkriege. Das macht es nötig, dass man sich hinstellt und sagt, was man will und was man nicht will, was man mag und was man nicht mag, was man küsst oder fortstößt, was man sich einverleibt oder was man auskotzt.

Wer sagt, was er will, der kriegt, was er braucht, meinte die Gräfin, als ich abends nach Hause kam und von meinem Tag in der Arbeitsfabrik erzählte.

Zum Abendessen gab es überbackenes Fenchelgemüse.

Bitterstoffe, sagte ich.

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7 Gedanken zu „Die Maßnahme

  1. den Jekk traf ich auchmal(öfter) immer gehend im Lesen
    seine Pranken konnten einen Fußball zum Handball machen
    wir trafen uns bei ihm zu Hause am Wochenende meistens wenn wir auswärts spielten
    soling98 /96 hiess der Handballverein ,glaub ich.
    sein Vater fuhr uns denn..

    etwas lang für mich , aber ich durfte oft schmunzeln!
    liest sich aber wie geschmiert.
    schön gruss

  2. Jaguddähhhh…..
    Also ich bin ja eher das Gegenteil, leistungsbereit, dicker Job, maloche wie der Blöde.
    Außer in den Momenten, in denen ich z.B. Dein Zeug lese.
    In der Arbeitszeit, logo, etwas Wiederstand muß sein, wenn es auch erbärmlich ist.
    Ich kenne aber jede Menge dieser von Dir beschriebenen Typen, ich hab jahrelang mit solchen Leuten zusammen gelebt.
    Kiffen, saufen, bla bla bla…….kenn ich bis zum Erbrechen.
    Und ich krieg jedes mal den Vogel, wenn die mir im Ohr liegen, wie schlimm das Leben doch ist u.s.w..
    Und das Arbeitsamt will jetzt auch noch dies und das, die völlige Überforderung.
    Welchen Fehler mache ich da ?
    Ist es wirklich so schwer, sich zu irgend einem Job aufzuraffen und etwas Kohle zu verdienen ?
    Wegen mir Ehrenamtlich, da kann man sogar was richtig sinnvolles machend, das Amt macht keinen Stress mehr und zahlt ohne Kommentar. Ist zumindest bei uns so.
    Gibt es im Leben den Moment, ab dem man sagt so…..Schnauze voll, jetzt können mich alle mal, und vor allem das Leben, oh ja, das schlimme schlimme Leben, das kann mich gleich kreuzweise.
    Was muss einem passieren, das man so wird ?
    Oder war man vorher schon so ?
    Der eine war schon immer faul, dem anderen hat`s den Schütz raus wegen seiner Frau, Drugs, zu lange in Thailand, die guten Mescal-Trips. Es gibt tausend Dinge, die einem passieren können.
    Verstehe mich richtig, ich möchte niemanden verurteilen.
    Es geht mir oft genug auch so daß ich denke so, und jetzt aber ganz schnell den Computer zum geschlossenen Fenster raus und weg und nie wieder in irgend ein Büro oder Fabrik.
    Was ist stärker, wozu braucht es mehr Mut, zum Weitermachen oder zum Aufhören ?
    Schließlich ist es ja recht einfach, sich jeden Morgen in das warme, weiche, abgesicherte Berufsleben zu begeben und nach beschissenen Regeln zu handeln.
    Wer ist der wahre Held ??

    • Bei dir hab ich immer das Gefühl, du liest die Texte überhaupt nicht. Du pickst dir die Dinge raus, die deine Meinung über dieses und jenes bestätigen, und dann holst du hier den Hammer raus. Das ist dein gutes Recht, aber ernst nehmen kann ich das nicht.

      Um es kurz zu machen: der Text handelt von sinnlosen Maßnahmen des Job-Centers. Nichts anderes.

  3. Jo, Glummi hats wieder mal erfasst, diese Scheißmaßnahmen stehlen den Betroffenen die Zeit und verschaffen anderen Arbeitslosen einen Job, kosten also Geld.

    Mir können die Artikel gar nicht lange genug sein.

  4. @ bibbche: mir auch nicht. Je länger, je lieber.
    @ Verehrter Andreas: die Fragen vom Mitleser finde ich dennoch gar nicht dumm. Als gut funktionierendes Rädchen im Getriebe hätte ich eine Scheißangst vor Tagen, die ich ganz allein füllen müsste. Ich würde sofort verlottern, und ungewaschen auf dem Sofa „Vera am Mittag“ gucken. Und stattdessen lieber in einer Frittenbude anheuern. Mein bescheuerter Chef würde mir glatt fehlen, weil ich mich nicht mehr über ihn aufregen könnte. So simpel bin ich gestrickt.
    @ Mitleser: der wahre Held ist der, der sich den ganzen Tag aushält und sich seine Ablenkung (von was eigentlich?) selber erfinden muss. Isch könnt dat nich, weder freiwillig noch unfreiwillig.

  5. Ich glaube,über den Schwachsinn des Job-Centers braucht man nicht diskutieren.Katrin hat vor nem halben Jahr ihren Job geschmissen.ihr wollten sie erzählen,daß sie mit 47 doch eine Umschulung als Dreherin machen soll.als Katrin meinte,daß Frauen in dem Job doch gar nicht gesucht würden ,meinte die Alte vom Amt,daß sämtliche Remscheider Firmen in Zukunft Frauen an Drehbänken einstellen wollten.das ist eine dreiste beschissene Lüge.ich bin seit fast 30 Jahren Dreher und es gibt in ganz Remscheid keine einzige Frau in dem Job.auch in Zukunft nicht,schon allein,weil die Firmen gar nicht genug Sozialräume haben-Duschen,WC’s,Umkleide-und auch in Zukunft nicht darin investieren werden.Katrin suchte sich selbst einen Job,um dann zu erfahren,daß diese Alte vom Amt ohne ihre Zustimmung sie schon zur Umschulung angemeldet hatte.zum Kotzen.zum Glück mußte ich mich nie mit den Pissern auseinandersetzen.jeder kann von mir aus machen was er will.ich hab noch nie dabei gedacht,daß irgendwer von meinen Steuern lebt.was ich nicht ab kann,wenn jemand,der keinen Finger krumm macht,das Abrotzen über den gemeinen geizigen Staat anfängt.und dem und dem Ausländer stecken sie alles im Arsch und ihm nicht.auf so Leute hab ich keinen Bock.

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