Die 50 besten Pop-Songs (14): We almost lost Detroit, Gil Scott-Heron

Gil Scott-Heron (1949 – 2011) war einer der letzten eleganten Mississippi-Neger. Seine sonore, tief erotische und immer leicht Gefahr heraufbeschwörende Soul-Stimme, dazu die bewusst sparsame Instrumentierung der Songs, besonders in der goldenen Periode zwischen 1970 und 1982, das hat kaum jemand besser drauf gehabt als Scott-Heron in Zusammenarbeit mit seinem Buddy Brian Jackson.

Ich hab Gil Scott-Heron in den 80ern live in Bonn gesehen, mit Band im Rücken, es war sterbenslangweilig. Es war zu der Zeit, als er auf dieser dämlichen Anti-Ronald-Reagan-Welle unterwegs war. Jedenfalls, ich war schwer enttäuscht. Kaum zu Hause hab ich Angola, Louisiana aufgelegt, eine meiner sechs, sieben Lieblingsnummern von Scott-Heron, und die weitere Nacht war geritzt.

Als er vor fünf Jahren starb, wurde in den zahlreichen Nachrufen (der schwarze Dylan ist tot, der Ur-Vater des Rap ist tot, der spröde Heiler ist tot) seine großzügige, seine heitere Seite meist unterschlagen. Songs wie Hello Sunday, Hello Road sehen mich im offenen Cabrio im Fahrtwind, die Sonne ist draussen, eine Tüte wird rund gemacht. Big Deal, Honey.

Der dicke Hansen (1960 – 2015) war es, der mich in den späten 70ern mit schwarzer Soul Musik abseits von Motown bekannt machte. Als ich zum ersten Mal Songs wie Winter in America und das unschlagbar hoffnungvolle Better days ahead (mit der Zeile ..as long as you respect me as your man, there’s better days ahead..) hörte, haute es mich aus den Pantinen. Das war coole Großstadtmusik, das war das schwarze Amerika, wie ich es verehrte.

(Immer, wenn ich die ersten Takte von Better Days Ahead höre, egal wo, egal wann, erhofft sich etwas in mir den Start in eine golden groovende Zukunft, ein warmherziges Leben, die Pforte zur großen Welt-Wohnung, auch wenn ich es längst besser wissen müsste.)

Für das andere, zutiefst biedere, ungerechte Amerika stehen die Ereignisse um Scott-Heron im Jahr 2001. Er muß für den Besitz von einem Gramm Kokain (EIN GRAMM!) ein Jahr ins Gefängnis, und das nicht zum ersten Mal. Amerika in seinem maßlosen Hass, Menschen einzusperren, die pleite und schwarz sind und die falschen Drogen kaufen, widert mich an. Überhaupt: Menschen bestrafen, weil sie süchtig sind, das ist wirklich eine glorreiche Idee, auch Deutschland ist da super drin.

Na, scheiß drauf. Sie kriegen uns nicht klein. Wir sind überall, und Songs wie Three miles down, We almost lost Detroit und Angel dust („The room was exploding!“) zählen zum Soundtrack meiner besten Tage.

(Moment! Heute sind meine besten Tage..)

Turning back.

3 Gedanken zu „Die 50 besten Pop-Songs (14): We almost lost Detroit, Gil Scott-Heron

Hätte ich doch besser die Fresse gehalten

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