Es wurde auch Zeit: Nobelpreis für den einzig echten Welt-Bob Dylan

An einem Donnerstag im Oktober sind wir zu dritt im Wald unterwegs, Mann, Frau, Hund. Die 3 ist eine magische, eine mystische Zahl, die 3 zeigt an, dass es losgeht, dass die Dinge ins Rollen kommen. Als ich nämlich beim Gehen gleichmütig nach rechts blicke, kommt wie aus dem Nichts ein rotes Laubblatt angeschaukelt, wie ein Baby im Wiegetuch. Ganz automatisch öffnet sich meine Hand und ich schnappe das kleine Baby mit einer Lässigkeit aus der Luft, als würde ich Wechselgeld entgegennehmen und dabei noch mit dem Wind flirten. Großartige Geschichte. Es wird Herbst, ich bin top of the world.

„Hast du das gesehen..?“ sag ich, vergnügt von mir selbst.

„Mh?“

„Na, das.. Blatt..! Wie das gerade angesegelt kam und wie ich das locker aus der Luft gepflückt hab..“

„Was fürn Blatt?“

„Na, das hier..!“

Es liegt auf meinem Handteller. Im eigenen Flair. Dass mir das passiert ist. Ich bin auserwählt. Call me Jesus!

Oder Hennes.

„Ist direkt hier reingetrudelt, in the palm of my hand, wie bestellt.“

In the palm of my hand?“ Jetzt ist ihr Interesse geweckt. Sie bleibt stehen. „Woher kenn ich das noch mal..? Ist das nicht aus einem Song von Dylan?“

„Dylan? Welcher Dylan?“

„Wie, welcher Dylan..?!“

„Na, heutzutage hat doch jeder seinen eigenen Bob Dylan. Es gibt einen italienischen Bob Dylan, einen bayrischen, ein paar Österreicher gibt es, Köln hat seinen Bob Dylan, England hat einen, Montenegro wahrscheinlich auch, und Amerika.. Amerika hat wohl hundert Bob Dylan.“

Als ich fertig bin, legt sie diesen Blick auf, den sie immer dann auflegt, wenn mit mir die Gäule durchgehen: Nu mach mal halblang, du alter Sparklub-Conferencier.

„Wenn ich Dylan sage, meine ich natürlich den einzig echten Dylan, den Welt-Bob Dylan“, sagt sie feierlich.

„Weißt du, was Dylans Geheimnis ist? Dylans Geheimnis ist, dass er es sich erlauben kann, geheimnisvoll zu sein. Dass die Leute sich nicht gelangweilt abwenden, sondern dass jeder versucht, seiner Magie auf die Schliche zu kommen.“

Beim Weitergehen beginnen wir Like a rolling stone zu summen, und je länger wir summen, desto mehr reisst uns das beste Lied aller Zeiten mit, bis wir zuletzt kopfüber in den Refrain stürzen, als ginge es die Klippen runter, mit Sehnsucht und Mr. Bojangles in der Stimme.

Frau Moll springt kläffend an uns hoch. Sie ähnelt zunehmend einer ergrauten Rockerbraut, die von feindlich gesinnten Rockerbräuten Schutzgeld eintreibt und dabei wenig zimperlich vorgeht. Ihr Vorteil, den sie gnadenlos ausspielt: der Kranz aus wuschligem grauen Fell, der ihren Hals umschliesst und an dem sich andere Hündinnen die Zähne ausbeißen. Sie krachen sozusagen in ein Nichts aus Fusseln und Flocken, wenn sie eigentlich feste zupacken möchten.

„Aber da kommt in the palm of my hand nicht drin vor, oder?“ sagt die Gräfin. “ Das ist ein anderer Song. Aber ich komm nicht drauf, welcher.“

Da kann ihr auch nicht weiterhelfen.

„Na, nicht schlimm“, meint sie. „Hauptsache, ich denke automatisch an Bob Dylan, wenn mir irgendwo in the palm of my hand begegnet, und nicht an eine Handvoll Palmfett. Und was sagt uns das? Ich bin immer noch ein Rocker.“

(Oder an Butterreinfett. Noch schlimmer.)

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6 Gedanken zu „Es wurde auch Zeit: Nobelpreis für den einzig echten Welt-Bob Dylan

  1. sweet virgin angel sweet love of my life … also nicht Sie jetzt …. die Gräfin mein ich .. oder wars ne andere, mit der Sie durch den Wald flanierten, Sie treuloser ….. Glamorous nymph with an arrow and bow *träller und weg

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