Die Tage ziehen vorüber ohne mit der Wimper zu zucken

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Nacht von Samstag auf Sonntag, 25./26. Februar 2017

  • 1 Uhr 20 – Molli ist gestorben

nachts, vor meinem Bett.

Die unerschrockene Molli ist tot

*

„Beim Abendbrot reisst sie mir noch den Käse aus den Händen, und fünf Stunden später ist sie tot.“ (Sanne)

*

„Sobald ein Lebewesen von dieser Welt abtritt, verschiebt sich fast unmerklich die Matrix, es entsteht eine winzige Irritation“, sagt sie.

*

Der Tod macht alles zart.

*

Um elf Uhr am Sonntag wickeln wir den leblosen Körper in eine beigefarbene alte Wolldecke und bringen ihn im Kofferraum des Autos zum Tierfriedhof. Es ist wie vor über zwanzig Jahren nach dem plötzlichen Tod unseres ersten Hundes, wir weinen uns die Augen aus. Wir weinen um unsere Gefährtin.

„Sie war so lange bei uns“, schluchzt Sanne.

Molli müffelt ganz schön. Sie hat noch Pipi auf ihre Decke gemacht im Tod, und etwas Blut rinnt aus ihrer Nase.

*

Viertel nach eins in der Nacht. Ich bin noch wach und schaue fern, als Molli sich plötzlich neben meinem Bett aufbäumt. Es ist die Vehemenz, die mich sofort aufmerken lässt, denn dass sie sich nachts erhebt, um sich umzubetten, zählt zum normalen Schlafverhalten des Hundes, doch diesmal ist es anders: Sie fällt um. „Molli! Was ist los..? Was machst du!?“ Kurz denke ich, dass sie vielleicht aus einem Traum erwacht ist und beim schnellen Aufstehen das Gleichgewicht verloren hat, doch sie verhält sich merkwürdig, fast ein bisschen überrumpelt und, ja, unbeteiligt, während ich zum Schreibtisch springe, um Licht zu machen.

Seit wir im Januar bei der Tierärztin waren und die Diagnose feststand, Kehlkopflähmung, („kann man nichts machen, nicht in dem hohen Alter“), war es nur noch eine Frage der Zeit, bis Molli uns verlässt. Sie ist ja auch schon dreizehn. Aber so plötzlich..?

Sie liegt auf dem Bauch und keucht, schaut mich nicht an, sie weicht meinem Blick aus. Ich muss Sanne wecken, denke ich, wenn Molli jetzt wirklich stirbt, muss ich Sanne wecken. „Molli, bitte nicht sterben“, flüstere ich und schiebe meine Hand unter ihr Köpfchen, so, wie ich es Tausende Mal getan habe. Eine Geste, die sie beruhigt, der Körper entspannt sich. Sie streckt die Vorderpfoten aus und macht sich lang, so lang, wie ich es bei ihr das letzte Mal als Welpe gesehen hab. Lass los, kleine Mollimaus, du kannst loslassen… Und dann mache ich etwas merkwürdiges. Ich ziehe den Hund samt Schmusedecke durch den Flur in die Küche, ungefähr bis zu der Stelle, wo unser erster Hund gestorben ist, 24 Jahre zuvor. Ich will nicht, dass Molli vor meinem Bett stirbt. Sie soll nicht tot vor meinem Bett liegen.

Ich wecke Sanne im Dunkeln, so sanft und leise es geht. „Sanne, die Molli stirbt..“ Sie ist sofort wach, trotz Tiefschlaf, und erzählt später, dass sie diese Situation genauso kommen gesehen hat: dass ich sie eines Nachts aufwecken und diese Worte sprechen werde, Sanne, die Molli stirbt. Vermutlich ist sie deswegen so rasch auf den Beinen. Wir laufen in die Küche. Der sterbende Hund liegt auf der Seite, ist schon nicht mehr richtig bei uns, nur noch vereinzelte flache Atemzüge sind zu hören. Sie japst wie ein Fisch, der auf dem Trockenen liegt, es ist, als wollte sie noch etwas sagen.. Oder ist es nur der Rest Luft, der aus ihrem Körper entweicht? „Warum hast du mich nicht früher geweckt..?“ Um den Tod begreifen zu können, muss Sanne den Tod anfassen können. Ich war mal wieder zu langsam. „Es ging so schnell“, sag ich. Sanne wirft sich nieder und lässt den Tränen ihren Lauf.

„Ach Molli..“

*

In der Natur hätte sie sich zum Sterben ins Dickicht zurückgezogen. Das war auch der Grund, warum sie mir nicht mehr in die Augen geschaut hat. Sie ist meinem Blick regelrecht ausgewichen, sie hat im Tode den Kopf von mir abgewandt. Sie wollte ihre Ruhe haben beim Sterben.

Molli war die Souveränität in Person. Angst hatte sie nur vor Menschen, vor Fremden. Menschen waren in ihren Augen unvorhersehbar in ihren Aktionen, darum schafften es auch nur ganz wenige Auserwählte in ihr Herz.

Während Sanne und ich immer noch wie quengelnde kleine Kinder durchs Leben navigierten, war Molli stets die reifste von uns dreien.

*

Kurz nach elf.

Zwei Rentner nehmen Mollis Leichnam am Tierfriedhof in Empfang. In die beige Decke gerollt erinnert sie an eine alte Dame im Kamelhaarmantel, meint Sanne. Es regnet leicht, der Wind rauscht durch die hohen Tannen.

„Sehen Sie, hier ist etwas Blut aus der Nase gelaufen..“

Einer der beiden Alten meint, das würde für einen Herzinfarkt sprechen, das wisse er noch aus seiner früheren Zeit als Rettungssanitäter.

Wir hatten früh um neun mit dem Besitzer des Friedhofs telefoniert, wollten wissen, ob wir Molli an einem Karnevalssonntag bringen können. Kein Problem. Ich rufe jemanden an, der wartet am Eingang des Friedhofes auf Sie. Und dann warten Statler und Waldorf auf uns. Einer hat den Arm kaputt, weil er im Oktober gestürzt ist, der andere ist froh, an einem Sonntag etwas Unterhaltung zu haben. Zufällig entdecken wir das frisch aufgeworfene Grab eines Cocker Spaniels, der etwa zur gleichen Zeit wie Molli geboren wurde und den wir von unzähligen Spaziergängen kennen.

„Guck mal, die Nala liegt auch hier!“

Ist drei Wochen zuvor gestorben.

Molli wird in einer großen Tiefkühltruhe zwischengelagert, bevor es einige Tage später ins Krematorium geht. Wir haben nicht mehr die Nerven, um den toten Hundekörper irgendwo zu verscharren, so wie wir es bei Niete gemacht haben, an einem nieseligen Herbsttag 1993. Die langgezogene Kühltruhe ist nicht ganz leer. Da liegt schon jemand drin. Jemand kleines. Eine Katze.

„Eine alte Katze?“ fragt Sanne.

„Ja. Ist siebzehn geworden. Lag Samstag morgen tot im Garten.“

Das kann was geben. Molli und eine ihrer Intimfeindinnen im Tode vereint. Im kalten Zwischenlager. Hol sie dir, Molli.

*

Sie war alt und grau geworden, und sie machte sich so ihre Gedanken, ob sich gewisse Dinge überhaupt noch lohnen, ob das Aufstehen überhaupt noch lohnt. Wenn sie früher in einem anderen Zimmer lag und hörte, dass ich in der Küche irgendwelche Essenskrümel oder Brotrinden in ihren Futternapf fallen liess, kam sie sofort angelaufen, um sich über die Fundsache herzumachen, mochte es auch noch so mager ausfallen. In Mollis Augen war jedes Mahl ein Festmahl, bis auf die letzten Monate, da nicht mehr, da blieb sie auf ihrer Decke liegen, wenn etwas in die emaillierte Schüssel fiel. Vielleicht konnte sie es auch einfach nicht mehr hören. Kann auch sein.

*

In der Nacht, in der Molli stirbt, ist es eiskalt im Haus. Obwohl alle Fenster geschlossen sind und wir die Heizkörper aufdrehen, nichts hilft gegen die Eiseskälte. Es ist, als habe Molli sämtliche Wärme mitgenommen, ihre Körpertemperatur fehlt an allen Ecken und Enden. Es ist die Art Kälte, die nach einem greift wie mit hundert Händen, die einen durchdringt und lähmt. Selbst meine Füße sind gefroren und schmerzen vor Kälte, als ich später zu Bett gehe und zu schlafen versuche, und ich hab sonst so gut wie nie kalte Füße.

In dieser Nacht ist es eiskalt im Haus.

*

Unsere erste Hündin wurde 1987 geboren, in dem Jahr, in dem wir uns kennenlernten. Sie war unkompliziert, ein Menschenhund. Sie hieß Niete. Was nun dein richtiger Name war, darüber gingen schon zu deinen Lebzeiten die Meinungen geringfügig auseinander. Für Sanne und mich warst du schlicht die Niete, die Nachbarskinder riefen dich Nita, weil es ihre Vorstellungskraft überstieg, dass ein Hund Niete heissen konnte, und Karlos begrüßte dich gern mit einem langgezogenen Dieeeter, wenn er zu Besuch kam. Dann war da noch Sannes Stiefvater, der nannte dich stets Hektor, doch er nannte auch Nietes Nachfolgerin Frau Moll später nur Hektor. Man kann davon ausgehen, dass Hunde für ihn Hektor heissen.

„Es gibt wohl keine zwei Hunde, die so verschieden waren wie Niete und Molli“, meinte Karlos einmal.

Wenn Niete aus fünfzig Metern Entfernung Karlos entdeckte, kam sie angepeest und hat sich vor Freude fast umgebracht beim Auf-den-Arm-springen, während die doppelt so schwere und größere Molli ihrer Wiedersehensfreude maximal dadurch Ausdruck verlieh, dass sie einem kurz zunickte.

Niete war ein vanillefarbener Collie-Schäferhund-Mischling mit einem freundlichen Wesen, der wie ein offener Mantel auf die Menschen zuwehte. Bis auf Betrunkene und auf Schwarze, komischerweise, auf die wehte sie nicht zu. Die wurden gnadenlos verbellt. No way. Hau ab.

Niete war ein hübsches Mädchen, mit einem Schuss Wolfspitz drin. Der lange Schwanz war wie ein goldener Tusch, den sie zur Begrüßung aufstellte, stolz wie Frau Kapellmeisterin am Tag der offenen Tür. Vom Wesen her war Niete das genaue Gegenteil der späteren Frau Moll, die eine Hütehündin war und Hausbesuch wie eine struppige Gouvernante zu empfangen pflegte, die Pfoten eisern in die Hüften gestemmt, die Maggie Thatcher unter den Hunden. Ja muss das denn sein? DIE STÖRUNG??

Wenn wir Richtung Mumms gingen, eilte Niete die letzten hundert Meter voraus, sie konnte es kaum abwarten. Erreichte sie die Kneipe, hörte man Gejaule und Gekläffe, aber es war nicht der Hund, der jaulte und kläffte und stürmisches Begrüßungsgeheul an den Tag legte, es waren Mummsbesucher, die unsere kleine Niete mit Gejaule und Gekläffe begrüßten. Besonders Meckenstock hatte sie ins Herz geschlossen. Was er einmal fast mit dem Leben bezahlt hätte. Eine winzige offene Wunde am Handgelenk bearbeitete Niete so intensiv mit der Zunge, dass Meckenstock noch in derselben Nacht mit einer akuten Blutvergiftung ins Spital eingeliefert wurde. Lassen Sie sich demnächst lieber von Ihrer Frau ablecken, soll der Arzt an der Ambulanz gesagt haben, aber der wusste ja nicht, was wir wissen, dass Meckenstock nämlich stockschwul war. Nur wenige Tage später spendierte er Niete im Mumms wieder eine schöne Pferdefrikadelle und Teegebäck, bis unsere Hündin abwinkte und sich für den Rest des Abends vorm Eingang ablegte, wo man sachte über sie hinwegzusteigen hatte.

Bitte nicht stören.

Die Dame verdaute.

*

Niete war sieben Jahre alt, an diesem Novembermontag 1993. Wie immer, wenn ich in jenen Tagen sieben Nächte hintereinander als Nachtportier im Hotel hinter mir hatte, ging ich mir an meinem ersten freien Tag einen ansaufen. „Treib’s nicht so doll“, meinte Sanne, die gerade im Keller eine Waschmaschine angeworfen hatte, „und sei leise, wenn du heut Nacht nach Hause kommst.“ Und auch das hatte sie noch gesagt: „Niete ist so komisch“, da stand ich schon in der Jacke im Flur. „Die schleicht so bedröppelt hinter mir her.“ Weil das aber so ganz ungewöhnlich nicht war, machte ich mich auf ins Mumms.

Nachts um halb drei kehrte ich heim, bekifft und blau, wie immer, und wie immer liess ich Niete noch mal kurz in den Garten zum Pipimachen, während ich in der Küche saß und mir dicke perverse Brote mit Gewürzketchup schmierte. Als ich die Haustüre aufmachte, saß Niete merkwürdigerweise nicht schwanzwedelnd auf den Stufen, im Gegenteil, ich musste sie mehrmals rufen, bis sie endlich angeschlichen kam, mit eingezogenem Schwanz.

Dann kroch ich zu Sanne ins Bett und schlief auf der Stelle ein.

*

Dienstagmorgen.

Uns fällt auf, dass Niete sich komisch bewegt. Ihr klappen dauernd die Hinterbeine weg. Wir wissen nicht, was los ist. Um elf ruft Sanne beim Tierarzt an. Die Spechstundenhilfe vertröstet uns auf 15 Uhr, wenn die Praxis wieder öffnet. Mittags schellt es. Karlos. „Die Niete ist krank“, sag ich, doch dass etwas faul ist, merkt er auch so. Anstatt laut kläffend zur Tür zu stürmen und Karlos zu begrüßen, liegt der Hund wie gelähmt unterm Küchentisch. Nur zwei, drei bemühte Wuff-Laute gibt er von sich. „Dieter, was ist los mit dir?“ sorgt sich Karlos und streichelt ihren Bauch, wobei ihm ihr Blick auffällt. „Mit den Augen stimmt was nicht.“

Wir sitzen bis kurz vor drei in der Küche. Sanne wird zunehmend unruhig, macht sich Sorgen, zu lange zu warten mit dem Tierarzt.

„Es gibt auch noch andere Tierärzte. Die nicht mittags zumachen.“

Erste dunkle Vermutungen machen die Runde: einen Tag zuvor ist der Bruder vom dicken Hansen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Diagnose: Hepatitis. Hatte der Bruder vom dicken Hansen Niete angefasst? Kann ein Mensch überhaupt einen Hund mit Hepapitis anstecken? Wir reden nicht weiter darüber.

Um drei Uhr fahren wir zum Arzt. Ich hab Niete auf dem Arm. Sie kann sich mittlerweile nicht mehr bewegen. Ich lege sie im Wartezimmer ab. Während Sanne auf die Tierärztin wartet, rauch ich mit Karlos eine Kippe im Hinterhof. Es ist kalt.

„Wo kann man denn gleich was klarmachen?“ fragt Karlos.

Ich weiss, wo.

Niete liegt schon hell ausgeleuchtet im Behandlungszimmer auf dem Untersuchungstisch.

„Guck mal, die Niete ist ganz gelb“, meint Sanne.

Sie zeigt mir Niete’s Bauch. Sogar die Zitzen sind gelb. Wir fragen uns, wo die Ärztin bleibt. Wir hören ihre Stimme. Wahrscheinlich kriegt im Nebenzimmer irgendeine Scheisskatze ihre Impfung verpasst. Als die Ärztin endlich eintritt, eine sportive Erscheinung in perfekt sitzender weisser Arzthose, ist „Gelbsucht“ ihr erstes Wort, und ob wir einen Kaffee möchten. Sanne, die auf einem Hocker direkt am OP-Tisch sitzt und Niete krault, nimmt einen Becher, ich nicht.

Die Ärztin untersucht Zahnfleisch, Augen, erkundigt sich nach der letzten Impfung, Farbe des Stuhlgangs und so weiter. Sie schiebt Niete ein Thermometer in den Hintern.

41 Fieber.

„Das an sich ist schon lebensbedrohlich. Ich würde Ihnen ja empfehlen, den Hund in die Klinik nach Duisburg zu bringen. Da ist er die ganze Nacht unter Beobachtung.“

Sanne und ich blicken uns an. Wir wissen nicht, was wir sagen sollen. Tierklinik ist teuer und besteht auf Barzahlung. Wir sind so gut wie blank. Die Ärztin nimmt uns die Entscheidung aus der Hand.

„Wir können es auch hier versuchen.“

Während Niete an den Tropf angeschlossen wird, erklärt sie uns, dass man hohes Fieber bei Hunden lediglich am auffälligen Verhalten erkenne. Wegknicken der Läufe, Lähmungserscheinungen.

„Eine heisse Stirn haben Hunde nicht.“

Weil Niete noch eine halbe Stunde am Tropf hängen muss, bevor wir sie mitnehmen können, fahr ich mit Karlos in die Stadt, auf ein Bier und ein Pack checken. Ich fühl mich wie ein Arschloch. Der Hund kämpft mit dem Tod und mir fällt nichts besseres ein, als mir Heroin zu besorgen. In Karlos Wagen ziehen wir eine Nase, bevor er mich zurückfährt in die Praxis. Ich kann von aussen in das Behandlungszimmer gucken, und es zerreisst mir das Herz, als ich sehe, wie Sanne am Tisch sitzt, den kranken Hund streichelt und traurig und verloren zum Fenster hinausschaut, wobei ihr Blick in der Gardine hängen bleibt, ohne mich wahrzunehmen. Als ich den Behandlungsraum betrete, schaut sie auf, als sähe sie mich zum ersten Mal in ihrem Leben.

Wir kaufen in der Apotheke ein Thermometer und bringen Niete nach Hause.

Abends gibt es Hähnchen. Das ist natürlich gemein, schliesslich ist Geflügel Nietes Lieblingsspeise, aber sie hat keinen Hunger, trinkt auch kaum Wasser, obwohl sie Durst hat vom Fieber, aber sie kotzt alles gleich wieder aus, wie Galle. Während wir ohne Sinn für den Geschmack zu Abend essen, versucht Niete aus Sannes Zimmer, wo sie auf ihrer Schmusedecke liegt, zu uns zu kommen, es gelingt ihr aber nicht. Sie schleppt sich ein Stück vorwärts und bricht zusammen. Man kann es nicht mitansehen, aber sie will unbedingt in unserer Nähe sein, bei uns unterm Küchentisch. Sanne setzt sich daraufhin zu ihr auf den Boden und isst dort vom Hähnchen-Teller.

Spät am Abend tragen wir Niete nach draussen, gleich ins Gebüsch gegenüber vom Eingang, nicht in den Garten. Vielleicht muss sie ja mal. Weil sie nicht von alleine stehen kann, halten wir sie fest, sie versucht einen Schritt zu machen, es ist dunkel, es macht platsch!, dann fällt sie um, mitten in ihre Scheisse rein, wie ich vermute. Wir tragen sie in die Küche zurück und sehen die Bescherung: der Hintern ist urin-und blutverschmiert. Sanne ruft die Nummer der Tiernotärztin an. Die wiegelt ab, meint, Blut im Urin sei nicht ungewöhnlich bei diesem Krankheitsbild. Ich bekomme den Eindruck, dass man Niete schon aufgegeben hat, es uns aber nicht direkt sagen will. Ich bin groggy genug, um etwas zu schlafen, doch immer, wenn ich in der Nacht wach werde, höre ich das Piepsen des Digital-Thermometers. Sanne macht kalte Umschläge, mit denen sie das Fieber tatsächlich zeitweilig unter 40 Grad drücken kann.

Sie schläft so gut wie gar nicht. Sie ist gereizt, sagt dauernd „Niete, jetzt bleib doch mal ruhig“, weil der Hund hechelt wie ein Blasebalg und sich immer wieder aufzurichten versucht.

Es sieht alles so sinnlos aus.

*

Morgens um sieben klopft Nietes Herz so doll, dass ich denke, gleich springt es aus ihrem Brustkorb. Um viertel vor acht fahren wir so langsam wie nur irgend möglich in die Praxis. In Zeitlupe. Bloß keine Erschütterungen jetzt.

„Um ehrlich zu sein, ich hab heute nicht mehr mit Ihnen gerechnet“, sagt die Tierärztin.

Einmal, als Sanne aus dem Zimmer ist, streichle ich Nietes Fell und flüstere „Tja, kleine Niete, das war’s dann wohl“, so schwer tobt ihr kleines Hundeherz. Diesmal bekommt sie einen Herzkatheter, mit Vitamin K gegen Rattengift. Wieso das nicht schon gestern geschehen ist, frage ich nicht.

Später erscheint auch der Doktor. Ein leger gekleideter Mann und Bartträger, der Tiere nicht so gerne anfassen mag. Er ist ratlos. Blut im Urin, Stuhlgang gestern normal, das Fieber ein wenig gesunken. Er sitzt nachdenklich da, die Finger im Bart.

„Haben Sie geröntgt?“ fragt er die Ärztin. Die verneint.

Wir stehen die meiste Zeit still dabei, wir haken nicht nach, wir sind gelähmt.

Wir haben Angst.

Wo wir mit dem Hund gewesen seien, will er wissen, am Sonntag, dem Tag, bevor die ersten Symptome aufgetreten sind. Wir waren nur im Park, und am Abend haben wir den Hund kurz in den Garten gelassen. Mehr nicht. Er vermutet eine Vergiftung. Der Venenkatheter wird abgestöpselt und Niete kommt wieder an den Tropf. Diesmal nehmen wir ihn mit. Die Ärztin, die zunehmend flüchtiger wird, erklärt uns noch, wie wir den Tropf anlegen müssen, wenn wir daheim sind.

„Wie lange dauert es, falls Niete doch wieder auf die Beine kommt“, frage ich sie, beinahe trotzig.

„Zwei, drei Wochen“, sagt sie, guckt aber schnell weg.

Beim Bezahlen vorne am Tresen erzählt eine Frau, dass ihr Mops sechs Wochen lang Gelbsucht gehabt hätte, und nun sei er wieder kerngesund. Da schöpfen wir ein bisschen Hoffnung, obwohl ihr kleiner Zuckerhund alles andere als kerngesund aussieht.

Zuhause legen wir Niete eine Wolldecke in die Küche.

„Dann müssen wir dich die nächste Zeit aber schön verhätscheln“, sag ich noch, da muss sie kotzen.

Es ist wieder Galle.

„Schnell!“ meint Sanne.

Ich soll ein Handtuch drunterschieben.

Niete versucht zum x-ten Male, ihr Köpfchen zu heben, es sieht so furchtbar schief aus, und sie seufzt so schwer, wie ich sie noch nie seufzen gehört hab. Ihre Zunge schiebt sich ganz klein aus der Schnauze heraus, und Sanne, in Tränen aufgelöst, wiegt sie im Arm. „Nietee! Nein! Nicht..!“

Es klingt, als ersticke der Hund, ich laufe hilflos hinter Sannes Rücken rum.

„Andi, mach den Tropf dran!“ ruft sie verzweifelt und ich hantiere ungeschickt an dem Beutel herum, da setzt das Herz aus. Niete atmet noch, jedenfalls kommt Luft, es ist fast ein Auspusten, und in ihrer Panik versucht Sanne, den Hund noch durch die Nase zu beatmen. „Halt durch, Niete..“

Sanne klagt laut, ich bin still. Niete liegt drei Stunden lang tot in der Küche, auf der Decke.

*

Mittags geh ich zu den Gärtnern und leihe mir zwei Spaten und eine Schubkarre. Das Grab muss mindestens einen halben Meter tief sein, hat der Tierarzt noch gesagt, als ich ihn angerufen hab, weil wir zunächst nicht wussten, wo und wie wir Niete beerdigen sollen. Es ist ein grauer, nieseliger Novembertag. Sanne schiebt die Karre, in der Nietes Körper liegt, in die Decke gehüllt. Ihre Schnauze guckt ein Stück weit heraus. Ich trage die Spaten und geh voraus. Hinter der Fußballwiese ist ein Stück Brachland, wo im Sommer meterhoch die Brennessel stehen. Da können wir sie immerzu besuchen, da hat sie ihre Ruhe. Gleich nebenan dümpelt ein Bach. Während Sanne ununterbrochen schluchzt und weint, als wir das Grab ausheben, setzen meine Tränen erst mit dem Begräbnis ein.

Der Tod hat immer zwei Orte: da, wo er zulangt, und da, wo er am Ende bleibt.

Wir sitzen Stunde um Stunde am Küchentisch und wissen nicht, wie uns geschieht. Es ist nicht leicht, Leere zu beschreiben – jedes Wort wäre zu viel. Wir bleiben die ganze Woche zusammen, wir flüchten aus der Wohnung, wir machen einen Tagesausflug nach Kaiserswerth, wir gehen ins Kino, wir unternehmen einen langen Spaziergang an einem stürmischen Novembersonntag, wie zum Hohn, fast vier Stunden lang, haben wir doch mit Niete zum Schluss kaum noch ausgedehnte Touren unternommen. Wir waren faul geworden. Nun sind wir auf der Flucht vor dem Loch in unserer Küche, wir schauen jeden Tag nach dem Grab. Die Todesursache bleibt im Dunkeln.

„Ihr Hund hat uns ja keine Zeit gelassen“, hat der Tierarzt am Telefon noch bedauert und uns von der Möglichkeit berichtet, Niete nach Krefeld zu bringen, ins staatliche Veterinärinstitut, zur Feststellung der genauen Todesursache. Aber dann hätten wir den Hund nicht zurückgekriegt.

Sanne macht sich Vorwürfe, zu spät zum Arzt gegangen zu sein, überhaupt zu sorglos gewesen zu sein in der letzten Zeit.

„Nicht mal ein Thermometer hatten wir im Haus.“

Sie glaubt, dass Niete hätte gerettet werden können, wäre das Fieber früher festgestellt worden. Ich mag dieses dauernde „hätte“ nicht. Ich kann mit „hätte“ nichts anfangen. Ich versuchte dagegen zu halten, dass Niete ein prima Hundeleben hatte. Eine Leine um den Hals war ihr weitgehend unbekannt, sie durfte nach Herzenslust herumstöbern, Kaninchen jagen, Jungbullen aufschrecken. Ausserdem hatte sie sieben Jahre lang einen extralässigen Schutzengel um sich herum gehabt. Sie hätte schon ein gutes Dutzend Mal vorher tot sein können.

Da gab es diese Szene auf den Bahnschienen im Wald, auf denen Niete wie angewurzelt stehen geblieben war, hechelnd, nach einer erfolglosen Karnickeljagd. Ich hatte geschrien wie ein durchdrehender Oberst, sie solle von den Schienen verschwinden, und erst in allerletzter Sekunde bequemte sich die Hündin, die Bohlen zu verlassen, keine fünf Sekunden, bevor die verzweifelt hupende Lokomotive die Stelle erreichte. Danach war ich so erleichtert, dass es so gerade noch gut gegangen war, es war das einzige Mal, dass sie von mir so etwas wie Prügel bezog.

Die emaillierte Wasserschüssel steht noch sieben Tage später nach Nietes Tod an ihrem angestammten Platz in der Ecke, während ihr Napf mittlerweile gespült ist. Weil Sanne dem Tod so nah wie möglich sein möchte, damit wir nicht so schnell vergessen und wieder in unseren Trott verfallen, isst sie einmal sogar aus dem Napf. Und das weiße Hemd, das sie beim Sterben trug und am Ärmel getrocknete Blutflecken aufweist, wechselt sie erst am Ende der Woche. Ist das schon Kult? Personenkult? Beweinen wir uns selbst, weil wir jetzt alleine sind?

*

Einmal hocke ich auf dem Pott, da höre ich Nietes Bellen, draussen vor der Tür. So schnell hab ich mir nie wieder den Hintern abgeputzt, die Hose hochgezogen und vor der Tür gestanden, um zu sehen, ob es Niete ist. Erst draussen höre ich, dass es ein ganz anderer Hund ist, ein ganz anderes Bellen. Sieben Jahre waren wir zu diesem Zeitpunkt zusammen, und die ganzen sieben Jahre war Niete dabei gewesen. Wir hatten „Die kleine Niete aus unserer Strasse“ gesungen. Wir waren ein Trio gewesen. Wie später mit Molli.

Drei ist eine gute Zahl. Wo die 3 auftaucht, geht eine Sache los.

*

Nachdem Niete im November 1993 gestorben ist, haben wir 10 Jahre lang keinen Hund, bis Dezember 2003.

Da lesen wir eine Annonce in der Zeitung:

Wunderschöne Mischlingswelpen abzugeben.

Als wir die angegebene Adresse anfahren, werden wir von einem fröhlichen Geschwader empfangen. Alles stürmt und wuselt durcheinander, das ganze Haus ist in Bewegung. Wir wissen kaum, nach welchem der fiependen Fellknäuel wir zuerst greifen sollen. Eins ist niedlicher als der andere.

„Wie in einem kleinen Dattelhain!“ ruft Sanne.

Zwei Welpen heben sich von der Konkurrenz ab. Käptn Nemo, der aussieht, als habe er gerade in ein dickes Stromkabel gebissen, so wild steht ihm das Fell ab, und ein weiterer Außenseiter, der sich ängstlich ins Regal verkrochen hat und abwartet.

„Ist ein Weibchen. Hat noch keinen Namen“, berichtet das Ehepaar, das die Welpen zum Kauf anbietet. Wir stehen hilflos vor diesem zitternden Häufchen Fell.

„Bisschen mollig die Dame“, sag ich.

Sanne hebt sie vorsichtig an. Sie quiekt vor Sympathie. Jemand macht Pipi.

„Die heißt Molli“, sag ich.

Molli guckt uns an mit den weit entfernten Augen einer uralten treuen Seele. Der Vater des Wurfs ist unbekannt, die Mutter ein Mix aus Schäferhund und Bearded Collie, einem Hütehund. Und es gibt noch ein weiteres kleines Welpenweibchen, das die ganze Zeit die Nähe der Gräfin sucht, eine Spur kecker als Molli. Dennoch fällt die Wahl einstimmig auf das sonderbar ängstliche Wesen.

Auf der Heimfahrt, ich hocke mit dem bibbernden Etwas auf dem Rücksitz, „schau mal, da ist ein weißes Kreuz auf der Brust! Das ist ein gesegnetes, ein erleuchtetes Wesen, Maria Moll“, pinkelt mir Frau Maria Moll vor lauter Aufregung in den Schoß. „Fahr nicht so soll in die Kurve!“ weise ich die Fahrerin zurecht. „Ich fahr doch nur zwanzig!“ „Dann fahr zehn!“ „Dann kann ich auch gleich stehen bleiben!“ „Dann bleib stehen!“ „Und wie sollen wir nach Hause kommen?“ „Wir kommen schon nach Hause!“ „Indem wir stehen bleiben?!“ etc pp.

Zwei Tage später. Ich rufe beim Solinger Tageblatt an und gebe eine Annonce auf. Bildhübscher Mischlingswelpe abzugeben. Das kleine Etwas hat uns übers Wochenende so zugesetzt und genervt, wir sind mit den Nerven am Ende. Dass der Hund aus lauter Angst vor jeglichem Geräusch partout nicht vor die Türe gehen mag, nicht mal in den ruhigen Garten hinterm Haus, nährt in uns den Verdacht, die falsche Wahl getroffen zu haben. Dass Frau Moll nur aus Angst zu bestehen scheint, macht uns zu schaffen. Das ist eine strenge kleine Hexe, es fehlt nur der Besen, auf dem sie abhauen kann! meint Sanne. Wie soll man solch einen schwierigen Hund handeln? Wird das ein Angstbeißer?

Nachdem die Anzeige erschienen ist, steht das Telefon nicht still, aber wir heben den Hörer nicht ab. Weitere 24 Stunden haben gereicht, um das Szenario erneut komplett umzustoßen. Sanne hat beim Spaziergang einen älteren Herrn mit Dackel getroffen, (wie aus dem Nichts stand er da, erzählt sie, an der mystischen Stelle, wo sich die langen Schilfrohre im Wind wiegen), und ihm von unseren Problemen berichtet, worauf der Alte bloß meint, (den sie weder vorher noch nachher jemals wieder irgendwo gesehen hat), dass ängstliche kleine Problemhunde besonders viel Zeit und Zuneigung brauchen. „Geben Sie einfach mehr Zeit. Zeigen Sie, dass Sie Vertrauen in den Hund haben, dann werden sich die Dinge zum Guten wenden.“ Das gibt den Ausschlag. Wir sehen wieder Land. Sogar Wiese. Plötzlich ist es Dienstagmorgen, die Sonne scheint, und Sanne und ich verlieben uns ein zweites Mal in eine struppige kleine Gouvernante.

*

„Hoffentlich gibt das kein Dominanzgerangel in der Tiefkühltruhe.“

-Sanne –

 

Ein weiteres Drama um Molli aus dem Jahr 2007: Notoperation Pyometra auf 500beine

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19 Gedanken zu „Die Tage ziehen vorüber ohne mit der Wimper zu zucken

  1. Haben Sie eigentlich Ahnung, Herr Glumm, wie schwer es ist, als Hundebesitzer, im Büro die Tränen zurückzuhalten, bei einem solchen Text?

    Danke.. ein sehr schöner Text.

  2. Hunde sind doch keine Autos,,sie leben etwa seit 20 Millionen Jährchen hier auf mutter erde
    katzen ähnlich lang
    zu dieser zeit muss es zur Domestikation gekommen sein
    indem junge auf sich selbst gestellte wolfswelpen durch menschenmuttermilch gesäugt wurden
    wobei es ja auch andersrum mal der fall war
    der älteste mensch hingegen hat gerade mal 2,4 – 2,8 Millionen jahre DNS
    das erklärt warum Hunde einen immer so nett begrüssen
    die wissen halt mehr vom sozialen verhalten
    ausserdem können die ja auch schnell auf eigenen beinen stehn
    warum Papageien oder Schildkröten noch älter werden können bleibt noch
    ein Geheimnis.

  3. Als ich das heute las, konnte ich mich nicht beherrschen, ich habe laut geschluchzt. Es war mir zumute als hätte ich eine gute Bekannte verloren, hab mich gar nicht mehr eingekriegt. Doch Dein Nachruf ist wunderbar und tröstend.
    Irgendwie kannte ich Frau Moll ja auch, durch Deine vielen Erzählungen und von dem kurzrn Video.

  4. In vielen Deiner Geschichten lebt Frau Moll ja weiter. Als wir damals unseren geliebten Hund verloren, setzten wir ihm ein Denkmal auf einem virtuellen Tierfriedhof, den ihr hier irgendwann mal als Werbung hattet…

  5. Wir hatten immer Hunde, mein erster „eigener“ war ein schwarzer Riese und ich war noch ein Kind, und weil das so überhaupt nicht zusammenpasste, war er perfekt und zugleich eine Katastrophe von der heute noch ein paar Narben bei mir und bei anderen erzählen … er starb für die Größe hoch betagt vermutlich an Gift, auf den Tag 6 Wochen bevor meine Tochter geboren wurde, meine Rottweilerin, den ich zu der Zeit auch hatte, starb dann ebenfalls auf den Tag 6 Wochen vor der Geburt meines Sohnes…. ebenso hatten es damals die beiden Schnauzer meiner Mutter bei uns gehalten. Seltsam, aber es war so, sie alle gingen erst später so richtig, wenn ich durch den Park lief hatte ich lange den Eindruck als wäre er immernoch vor mir, bis er wenige Tage vor der Geburt, sich gefühlt umdrehte mich lang ansah und hinter einem Busch verschwand… das Gefühl kam nie wieder, er war wirklich fort.

  6. Ein Hund ist im Sinne des Rechts nur eine Sache. Ein Ding. Im Gegensatz zu einem Möbel jedoch steuerpflichtig.
    Aber. „Die Lücke, die der Teufel lässt“ – frei nach Alexander Kluge – ist nicht zu bemessen und bewertbar. Gilt auch für (ehemals) lebendige Wesen – Menschen.
    Ich wünsche mir noch eine lange gemeinsame Zeit mit Ida.
    Vielen herzlichen Dank für diesen Beitrag Herr Glumm

  7. Prosa in Moll: berührend und präzise wie immer, mit einem Schuss Humor.
    Möge letzterer Euch helfen, die nun folgende Zeit ohne „Anstandsdame“ zu bewältigen.
    Anteilnehmende Grüße, Uwe

  8. wenn man lange im Ausland , also von der mitte nach norden auswandert und dann z w a n zich jahre
    später in der heimatlichen fremde unterwegs ist –
    ist das noch das alte ohligs ? was ist hier anders oder was sind das denn für gestalten
    was nehmen die denn fürn Stoff?
    und hier hab ich mal gelebt-gearbeitet und gesoffen.
    beim römer ,alte bergische fachwerkkonstruktion mit goldem empfangsschild oder waren es die fantasie die mich in
    den völlig überheitztem raum der eine kneipe darstellen sollte (wollte) um etwas Abwechslung zu suchen gelenkt hatte-
    bur ein gast am tresen ,denn sah ich noch drei bänke und das wars
    abgesehn von der Mamsell ,die genüsslich eine Portion Gulasch mit nudeln vermute ich mal stehend in sich rein-
    schlürrffte
    ich bestellte ein Kölsch und fragte warum das so heisse luft war
    iss doch nich kalt draussen meinte ich!
    ich wurde observiert , nee abgetscheckt und erforscht..
    suchen DUSIE ein zimmer?
    Tja der letzte zug ist schon wech ,abgefahren bzw.der blöde Schalter hatte schon dicht.
    jetzt mischt sich der vietnamsich äusserlich akzentfrei deutsch sprechend ein und fragt mich ,nee der sagt einfach so das sein kumpel hinundwieder vermietet so ab zwanzig euro mit dem Nachsatz ,aber ich erreich den grad nicht.
    der macht dann sogar kleine Stadt Führungen ….
    äähm.. och!
    erst später ,viel später fiel mir auf das es hier um einen kleinen deal hätte gehen könnenn

    aber ich war so bedient und geistig sauer und stinkig so im allgemeinen das das komplett an mir vorbei ging…
    vielleicht war ich auch beleidigt nein unglücklich nein
    ich war stinksauer , die Birne mit scheisse beladen
    aber ich war ja in der Heimat und durfte draussen bleiben
    halb erfroren landete ich um halb sieben in gräfrath und holte den Jägermeister raus den ich mir grad bei der Jet-tanke geordert hatte mitt zittrigen steifen Pfoten
    es nieselte schon die ganze zeit und ich musste mich unterstellen
    da gabs nur das klingenmusseum (EX=(?)
    so konnte ich genau au den Friedhof schauen und stand nich im niesel
    solangsam nahm die Verkehrsdichte zu was gut war so hatte ich schon fast die beschissenste nacht meines lebens vergessen fast
    bis elf Uhr waewn es noch wat hinne und ich fror mir hier den arsch ab.
    ich konnte nicht mehr stehen (fersensporn) und an sitzen war nicht zu denken ,es war zu fröstelnd alles und gleich musste ich zur Beerdigung
    ich hatte ja nicht geschlafen und so….
    in meiner not der kälte machte ich mich auf den weg ,langsam mit schmerzen bei jedem schritt ich konnte kaum noch auftreten
    zunächst mal im Dorf kucken ,vielleicht gibt’s da ein cafe oder sowas wo es warm ist
    ich ging in ein haus mit offener tür und sah einen Rechtsanwalt an seinem Schreibtisch ,bei der arbeit unf fragte ob mich mich kurz aufwärmen könnte -ich wär viel zu früh und die Beerdigung ist erst in drei stunden ?
    nee sagte dr der ganz freundlich er hätte gleich einen Termin aber hier eztwas höher wär ein metzger der hat auch Kaffee!
    jaja alles klar herr Kommissar!
    ich ging eine tür weiter und landete in einem Fitnesscenter mit spezialanleitungen
    wie ich vernehmen durfte während ich dort hinter der wand sass dem kuriosen stöhnen
    des Patienten und den Anleitungen des sportwissenschaftlers,kaum in der lage war dem zu folgen
    ich sah ja nix also umsonst von draussen
    ich sagte noch danke dafür und das er in den himmel kommt
    der war echt sportlich und nett
    dann kam ich an der met zgerei vorbei und Tatsache die hatten auf –
    ich bekam einen herrlich duftenden becher coffee und durfte mich aufs Bänkchen ein kleines blaues wärmekissen aus holz setzen und durfte
    eine frischgebackene warme Frikadelle mit Brötchen und Senf ganz in ruhe und Wohligkeit ,auch der lieben
    Dame hinterm fleischtresen zu verdanken
    verzehren
    ich nahm noch etwas Proviant mit ,man weiss ja nie wat kütt bei meiner restfamilie
    oder hatte ich gar keine mehr?
    denn kam noch der Rechts Anwalt und grinnste fast
    hab ich doch gesagt!
    ja unglaublich ,danke für den tTip.
    ich kam wieder zu Kräften
    bedankte mich allerseits und verabschiedete mich mit meinem besten Blick und wünschte noch einen schönen tag.

  9. zunächst war ich nur leicht irritiert oder überrascht
    wieso flippern die Lamellen ….kein wind oder …hat die freche Nachbarin ihre decke ausgeschlagen
    um mir zu fröhnen
    ich hatte ihren allte .n fussabtreter unter wasser gesetzt ,eigentlich wars bier
    was aus dem Rucksack kippte als ich endlich daheem angekommen mich schon auf ein zischendes Bierchen gefreut hätte
    mit einem riesen K N A LL verstreuten sich hefe und malz in einem Meer aus treppenhausreiniger , fussmatten
    und scherben
    das schöne Bier war dahin , es lief schon die treppen runter es war nichts mehr zu machen
    nur noch wegwischen.
    vielleicht , hatte sie Voodoo geübt
    es beginnt mich zu nerven das geräusch der zusammenscheuernden schallusie challousy
    denn dreh ich mich erneut zum fenster und sehe ein Rotkehlchen auf der Palme im zimmer
    erst hab ich das nicht geglaubt
    hatte ja nix gepiept hat sich ein nest gesucht vielleicht
    wusste ich das da ein vogel zu besuch war
    ein seltenes Rotkehlchen
    ich öffnete das fenster und bald verschwand der gast
    im Blickwinkel sah ich noch ein Rotkehlchen
    es hockte im garten auf der erde und schaute unentwegt zu mir
    denn kam seine holde geflogen
    später hörte ich noch ihre liebesgesänge
    oder danke!

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