Alle Zeit der Welt! Was ein Haufen

Das ist der Fluch unserer Zeit, sagt die Frau vom Blog Citronenbusen. Dass zwar alles möglich ist, man sich aber fast alles verkneifen muss, um glücklich zu werden.

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Sie sitzt am Tisch, versunken in diesem alten Ausstellungs-Katalog von Edward Hopper, seit über einer Stunde schon. Blättert vor, blättert zurück.

Einmal holt sie ihre Lupe.

„Der verdammte Hopper malt so großartig, man möchte seine Bilder einatmen – und nie wieder ausatmen.“

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„Sich selbst als das Maß aller Dinge begreifen, selbstgefällig und kriegerisch unterwegs sein – das ist das Heute.“

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Ein Schriftsteller, der tief in der Tinte sitzt: Überglücklich!

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„Den amerikanischen Traum gibt es nur, wenn er ausnahmsweise funktioniert.“

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Mehr geht schnell. Mehr ist kein Problem. Ins Weniger muss man erst reinwachsen.

– Die Gräfin –

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„Alles, was von uns bleibt, ist ein bisschen DNS und Erinnerung.“

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„Regeln hat es immer gegeben, klar, aber mittlerweile sind die Leute geradezu hörig nach Vorschriften. Und sie versuchen ungeschriebenen Gesetzen zu folgen, mehr noch als geschriebenen, das hat sich geändert. Heutzutage ist jeder sein eigener Polizist.“

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So ein kleiner Spaziergang zur Verdauung ist nun nicht gerade eine gewaltige Tierwanderung durch Ostafrika, aber man hat schon mal Dreck am Stecken.

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Später Nachmittag, Landschaftsschutzgebiet. Erdhummeln, dick wie Kinderfäustchen, säumen den Boden.

Plötzlich ein Knall hinter uns, als hätte der Wald die Tür zugeschlagen.

Der Spaziergang ist abrupt zu Ende.

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Als Autor sollte man den Stift halten wie eine Gabel und benutzen wie ein Messer.

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Äusserlich mag ich nüchtern wirken, innendrin bin ich ein Spinner, und einmal Spinner, immer Spinner. Das lässt sich nicht einfach ausknipsen wie das Licht im Backofen, zumal unser Backofen defekt ist, das Licht lässt sich nicht mehr ausknipsen. Es ist immer an. Noch tief in der Nacht leuchtet es einem vergessenen Hähnchenbollen heimwärts ins Reich des weissen Superfleisches.

„Du Spinner“, murmelt die Gräfin.

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Na. Das murmelt die richtige.

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Sowohl sie als auch ich tragen das italienische Blut unserer Vorfahren in uns. Das ist unverkennbar, das prägt uns, bei aller deutschen Zurückgezogenheit und Ordnungsliebe. Es ist ja so. Als der Herrgott die Temperamente der Völker bestimmte, vergaß er die Italiener zu erden. Seither lebt der gemeine Italiener ein Stück weit über dem Erdboden, italienisches Blut in sich zu tragen bedeutet immer auch ein wenig zu fliegen, während der Deutsche eher zu  Astronautenstiefeln der NASA neigt, persönlich angefertigt von Wernher von Braun.

Da der italienische Anteil in ihrem Blut mit 50 % („ich trage Mussolini UND Hitler in mir – das ist das schlimme!“) genau doppelt so hoch ausfällt wie der italienische Anteil in meinem Blut, (25 %), fliegt sie auch doppelt so hoch wie ich.

Ich komme manchmal kaum hinterher.

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Die Demokratie geht den Bach runter. Wie mit Schmelzwasser, so flott.

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Ich finde Gangster gut, die Spaß verstehen. Die sich erst kaputtlachen, und einen dann erschiessen.

Find ich besser.

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„Das sind bloß Botenstoffe, das sind bloß Hormone, das ist alles bloß Chemie, was wir Seele nennen“, sagt sie.

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Nichts bleibt, wie es ist, logisch, doch manchmal, in Ausnahmefällen, könnte es wenigstens etwas länger bleiben, wie es war.

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Der Letzte holt die Schaufel.

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3 Gedanken zu „Alle Zeit der Welt! Was ein Haufen

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