Schlangen

Schlangen waren mir von klein auf suspekt. Keine Arme, keine Beine, nicht mal Federn oder ein Hintern. Ein Hintern war das mindeste. Schlangen hatten keine Knochen, Schlangen waren glitschig. Ich mochte keine glitschigen Sachen, die lebten. In denen ein glitschiges Herz schlug.

„Schlangen beißen dich tot“, wusste jemand. „Die kommen von unten.“

An der Hasseldelle gab es eine Wiese, die niemals gemäht wurde, die Schlangenwiese. Hohes Gras. Kaum ein Baum. Abschüssig. Sie hieß schon Schlangenwiese, als wir noch gar nicht geboren waren, hieß es. Einmal spielten wir Verstecken, obwohl die Schlangenwiese für uns Kinder aus der Nachbarschaft tabu war für Spiele. An diesem Tag nicht. Viele fremde Kinder waren da. Es war Ostern. 1967 vielleicht. Man müsste in Gottes Tagebuch zurückblättern, um das exakte Datum zu ermitteln.

..neun, zehn! Ich komme!

Keinen halben Meter von mir entfernt nahm ich plötzlich ein Zischeln wahr. Ein Rascheln.

„Eine Schlange!“ schrie Patrizia, die gern luftige Sommerkleidchen trug und immer die Knie auf hatte. Alles flüchtete. Rannte um sein Leben. Durchs hohe Schlangengras. Kroch etwas. Durchs hohe Gras. Kroch etwas in meine Richtung. In kurzen Lederhosen rempelte ich jemanden an – am Boden eine hechelnde Bewegung, ein Hinschnappen. Ein Züngeln.

Störrische Halme knickten um beim Laufen, Gräser rissen, Schürfwunden – Nattergetrappel.

Ich war der erste, der die Straße erreichte. Sicheres Gebiet.

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11 Gedanken zu „Schlangen

  1. Ein Hintern war das mindeste – und rennen wie bekloppt besinnungslos panisch – Aufregung am Frühstückstisch durch keine harmlose Kindheitserinnerung – mir fällt ein, dass ich nie mehr barfuß durch eine Almwiese gehe, es befanden sich in je einem zwölfjährigen Zehenzwischenraum ein Nacktschneckchen.

  2. sicheres gebiet
    so mit vier fünf musste ich denn auch mal los
    zum kindergarten
    das komische war aber das der evangelische garten in einer etwas runter gekommenen gegend
    lag
    ich nahm zwar immer die Abkürzung über die asimeile und gind denn weiter in den katholischen kinder-
    garten
    der direkt irgendwo im botanischen garten sein Domizil pflegte
    es gab auch mal stress wenn der eine nich so wollte oder konnte
    bei einem Flötenkonzert (mein erster und letzter auftritt vor Publikum )
    war es merkwürdig still
    ein Mädchen neben mir machte ständig falsche töne
    eigentlich wars ja lustig
    ….

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