Der Drummer von Ain’t no sunshine

Ain’t no sunshine, Bill Withers live

Als ich Bill Withers‘ Ain’t no sunshine zum ersten Mal hörte, war ich ungefähr 16 und verliebte mich sofort in die warme sparsame Instrumentierung des Songs. Ich hatte mir ein Live-Album gekauft von Bill Withers, somit kannte ich diese Live-Version noch vor der Studiofassung. Ist aber egal. Beide Versionen sind Perlen.

Der Song ist auf You Tube aktuell weit über 200 Millionen mal abgerufen worden. Nicht schlecht für eine Nummer, die es bei ihrer Veröffentlichung 1971 nur auf die B-Seite schaffte. Doch die Discjockeys in den USA entschieden anders als die Plattenfirma, sie spielten von Anfang an die Rückseite von Harlem und bereiteten so den Boden für einen Klassiker.

Produziert wurde Ain’t no sunshine von Booker T. Jones, der mit seiner Begleitband The MG’s ebenso zeitlose wie knochentrockene und tausendfach gesampelte Instrumental-Tracks schuf, die heute noch durch Hollywood-Blockbuster geistern. Somit wäre das grundlegende Geheimnis um die Studio-Aufnahme von Ain’t no sunshine gelüftet: Booker T. hatte die knochentrockenen Finger im Spiel.

Wer nun die Live-Version von Ain’t no sunshine auf You Tube verfolgt, sollte einen Blick auf den wunderbaren Drummer werfen, auf James Gadson. Er ist exakt das, was die Amis a real cool cat nennen. Er spielt Schlagzeug, als hielte er sich in einer anderen, leicht bekifften Galaxie auf, was im übrigen auch die darunter notierten Kommentare begeistert am Kacken hält. So legt ein User namens Connor B. dem Schlagzeuger folgendes in den Mund: „I’m super high chilling and gonna be doing this same beat for the next 2 minutes..!“ Kann man es schöner..? Nein, kann man nicht. Man kann es nicht schöner sagen. (Ja, nicht einmal schöner versuchen zu sagen). Einem weiteren User namens Virtual Friends fällt auf, dass Drummer Gadson den ganzen Song über lächelt, (und zwar ohne das Lächeln auch nur ein einziges Mal abzulegen), bis er schließlich nach 2 Minuten, 8 Sekunden den allerletzten Klopfer auf seiner Schießbude tätigt, mit folgendem Gesichtsausdruck: „Now I’m going to kill you all!“ Und was meint Bound Music? „This Drummer clearly knows something we don’t.“

Gleich mehrere Kommentatoren beziehen sich auf die Lyrics des Songs: „That drummer knows where she’s gone!“ Und BoboDoboRobo kassiert 700 Likes für seine Vermutung: „She’s sleeping with the Drummer.“ Ein weiterer You Tuber ortet den Drummer „higher than the stars“, und ein anderer glaubt,  Gadson habe Thai Sticks geraucht, was ungefähr aufs selbe rauskommt. Gleich 2000 Likes gab es für den Aufschrei „I wanna take what this Drummer was on!“ Dabei liegt das Geheimnis dieser Aufnahme doch für jedermann auf der Hand. Es ist ganz allein der Song, der high macht.

3 Gedanken zu „Der Drummer von Ain’t no sunshine

  1. Vor ca zehn Jahren kamen die Mädels unserer damaligen Chemietruppe auf die glorreiche Idee nach durchgemachten Nächten singstar/playstation zu spielen. Anders ausgedrückt: Karaoke zu singen. Anfangs sträubte ich mich mein nicht vorhandenes Gesangstalent zu präsentieren. Aber ich wollte auch kein Spielverderber sein, also überwand ich mich. Spaß machte es nicht. Aber dann kam Ain’t no sunshine…
    Meine Simme klang auf einmal cool ( zumindest in meinen Ohren) und es machte einfach nur Spaß dieses Stück zu singen. Und allen anderen ging es ähnlich, kein anderes Stück war so beliebt. Das Interessante dabei war: das Stück ist nicht einfacher zu singen als andere (eine Zeile ist besonders schwer, wenn man nicht hundert pro textsicher ist). Aber jeder hatte irgendwie das Gefühl bei dem Stück, daß es sich auch für andere gut anhört. Einfach ein cooles Stück!

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  2. Du hast mich auf einen schönen, melancholischen Trip durch You Tube geschickt: Aint no Sunshine, Lean on, When a man loves a woman… Wie die Chorleiterin unseres Pop-Chors sagte: „Baby, I have done you wrong, please come back – thats what all soul songs are about.“ Ich finde übrigens den Gitaristen am coolsten.

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